“Domestic Discipline”. Versuch einer Einschätzung.

Ich habe die folgenden Auszüge auf einem DD- und Spanking- Blog namens “tinilen” gefunden, und zitiere hier mal:

Domestic Discipline, kurz DD, bedeutet im ganz klassischen Sinn, dass der Mann die führende, bestimmende und beschützende Rolle in der Ehe und Familie übernimmt und die Frau sich ihm und seinen Entscheidungen unterordnet. Der Mann, auch HoH (Head of Household) genannt, hat sowohl das Recht als auch die Pflicht, Regeln aufzustellen, sämtliche Entscheidungen in der Ehe zu treffen und Fehlverhalten zu sanktionieren. Die Frau, auch TiH (Taken in Hand), hat die aufgestellten Regeln und Entscheidungen zu akzeptieren, sich danach zu richten und ggf. einer Bestrafung zu unterziehen.”

So weit, so gut. Klingt irgendwie auch nur nach irgendwas mit 24/7 D/s, eher schon Richtung Metakonsens. Dann kommt allerdings das hier:

DD ist kein Spiel und hat in seiner reinen bzw ursprünglichen Form auch keinerlei sexuelle Aspekte. Es ist ein spezieller Lebensstil, den beide Partner absolut einvernehmlich und bewusst eingehen und leben. Aufgrund dessen fühlen sich viele DDler nicht der BDSM Szene zugehörig.”

Äh…..bitte was? Das heißt dann also gleich mehrere Dinge, die mir sauer aufstoßen. Wo fang ich nur an….Gut:

Im Umkehrschluss soll das dann heißen, dass BDSM ein “Spiel” ist, oder was? Und dass ich meinen Lebensstil also NICHT einvernehmlich eingegangen bin, weil es BDSM ist und nicht DD?? Und was heißt hier “keinerlei sexuelle Aspekte”? Also lassen sich Frauen allen Ernstes von Ihrem Partner bevormunden, “führen”, bestimmen, und für dem Partner nicht genehmes “Fehlverhalten” körperlich züchtigen bzw bestrafen, OHNE einen sexuellen Aspekt und ohne, dass man BDSM praktiziert, aber totalst einvernehmlich? Leute…wie definiert ihr denn dann bitte BDSM??? Weil eigentlich IST eine Partnerschaft mit einem 24/7 Gefälle und Regeln und Strafen und Haue ja eine Definition von D/s und damit BDSM, Karen.

Aber dann wiederum….welche Frau lässt sich denn von ihrem Partner sagen, wo´s langgeht, Regeln aufstellen, die sie zu befolgen hat, und sich willkürlich (weil sie gegen rEgeLn verstoßen hat) den Arsch rot und lila prügeln, OHNE IRGENDWAS DAVON ZU HABEN AUSSER SCHMERZEN UND ÄRGER?? Keinen Sex, keine Lust, keine Fesseln, keine Session, kein GAR NIX?? Nur Regeln und “Gesetze” und den Arsch voll, wenn man sich nicht dran hält? Und das ist alles? Haue immer nur als Strafe, weil du ja anscheinend ein dummes Kind anno 1890 bist, und man dich erziehen muss, bis du funktionierst wie gewünscht? Was stimmt denn mit denen nicht, bitte???

Und damit kommen wir dann zum für mich echt creepy Teil.

Die Frauen seien untertan ihren Männern als dem Herrn. Denn der Mann ist des Weibes Haupt, gleichwie auch Christus das Haupt ist der Gemeinde.“, Paulus 1.Korinther11,9” Aha. Dieses ganze Gedöns kommt anscheinend aus der christlich-religiös-fundamentalistischen Ecke, und ist in USA bei genau DEN Herrschaften beliebt, die mir schon von hier aus immer sofort das Nackenfell aufstellen. Ich habe deutlich zu viele völlig bekloppte Evangelikale mitbekommen in den letzten 5 Jahren, als der Mango Mussolini und seine gestörte Anhängerschaft in den USA am Ruder waren. Und deutlich zu viel “The Handmaid´s Tale” geschaut, um bei so nem hyperpatriarchalen Bibelquatsch keinen juckenden Ausschlag zu bekommen. Vielleicht ist das dann ja wirklich kein BDSM, und sei es noch so “consensual”, dass du dich freiwillig komplett unterbuttern und körperlich bestrafen lässt ohne irgendwas davon zu haben. Eher wieder mal so eine religiöse “Mann oben – Frau unten” – Sektengeschichte. Creepy as fuck.

Fazit: Herkunft creepy und religiös pemplem, und Durchführung als Teil von BDSM bzw D/s je nach Übereinkunft ganz normal, aber als losgelöste, einzelne Praktik angeblich außerhalb des BDSM für mich völlig bescheuert, sinnlos, unbefriedigend und irgendwie auch vom Gefühl her echt ungut. Ich bin höchst definitiv devot, und ein consensual Gefälle, das weit übers “Spielen” hinausgeht und 24/7 spürbar ist, Kontrolle, Regeln, Aufgaben, und das Gefühl, dass man einem ganz bestimmten Menschen “gehört”, und in gewisser Weise dem Herrn ausgeliefert ist, und er mit einem machen kann bzw könnte, was er will (consensually verhandelt), sind einfach riesengroße Kinks von mir. Wahrscheinlich mit die größten. Das geht bei mir zumindest vom Kopfkino her schon eher in Richtung Metakonsens. Aber wenn DD, also die Tatsache, dass der Partner führt und bestimmt, und du dich unterordnest und bei Verstößen bestraft wirst, ohne EPE (erotic power exchange), ohne einen sexuellen Aspekt betrieben wird, und auch sonst nix dabei rumkommt für die Frau, außer dass sie ja schließlich schwächer, doofer und unselbständiger ist als der Mann, denn sie ist ja schließlich nur aus seiner Rippe und ihm untertan, nämlich!!!…..dann ist mir das mehr als suspekt. Das ist keine gesunde Beziehung. Das ist finsterstes gesellschaftliches Mittelalter.

Unter seinem Auge. Sorry, cringe.

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Geduld

Geduld. Die Fähigkeit, zu warten. Die Ausdauer im ruhigen, beherrschten, nachsichtigen Ertragen von Zustand Xy. Das kommt raus, wenn man “Geduld” in Google eingibt, oder im Duden nachschaut.

Als Synonyme für Geduld werden oft : Ausdauer, Beständigkeit, Nachsicht, Gleichmut, Duldsamkeit angegeben. Einige passen besser und einige sind bisschen was Anderes, zumindest für mich, aber sei es drum.

Um “Geduld” zu haben, ist eine gewisse Impulskontrolle wichtig, die jede/r haben sollte. Die ist allerdings bei dem einen Menschen mehr und bei dem anderen eben deutlich weniger ausgeprägt. Impulskontrolle ist nicht nur unter Mitmenschen im Privaten wichtig, sondern auch für den schulischen und beruflichen Erfolg im Leben unerlässlich. Oder andersrum gesagt, wenn man andauernd ungeduldig und ohne nötige Selbstkontrolle und impulsiv statt überlegt durchs Leben eiert, kommt man meist nicht weit. Außer, man wird komplett durchgeknallter Performance Künstler vielleicht. Aber man wird anecken, und sich selbst Steine in den Weg legen.

Neben der Impulskontrolle ist auch die Fähigkeit wichtig, einen Gratifikationsaufschub oder sogar den Verzicht auf Gratifikation zu ertragen. Wer kennt ihn nicht, den Frust oder die Befremdung, wenn es nach getaner Arbeit oder nach Bemühungen oder trotz Pflichtbewusstsein keine Belohnung, kein greifbares, positives Resultat, kein Lob gibt. Ob das jetzt der Kollege ist, der das “Danke, war ne super Idee” wieder mal vergisst, oder ob es einem Herrn bei einer Session augenscheinlich egal ist, ob auch DU gekommen bist…es ist frustrierend, macht sauer, ist unbefriedigend. Aber wer nicht lernt, damit umzugehen, dass es zumindest nicht immer sofort ein “Zuckerl” gibt, der hat es halt im Leben schwer.

Was sagt die Psychologie also? Man möge Geduld erlernen. Das funktioniert nicht gleich gut bei jedem Menschen, je nach Persönlichkeitsstruktur etc, aber etwas kann jeder erlernen. Man kann sich ablenken mit anderen Dingen, damit man nicht immer an das denkt, worauf man ungeduldig wartet. Man kann versuchen, achtsam zu sein und den inneren Druck zu reduzieren. Man kann versuchen, seine innere Einstellung an unabänderliche Gegebenheiten anzupassen, sprich, sich mit Dingen, die man jetzt nicht ändern kann, zu arrangieren. Das soll es leichter machen. Man soll optimistisch sein (haha) und sich einen realistischen Rahmen schaffen, anstatt zeitlich zu eng zu planen.

So weit die Theorie.

Ich durfte diesen Blogbeitrag namens “Geduld” schreiben, weil ich um einen Themenvorschlag für einen Blogbeitrag gebeten hatte. Damit mein Kopf ein bisschen beschäftigt ist und eine Aufgabe hat. Und weil er sich genau dieses Thema rausgepickt hat, und den Blogeintrag als den Kaufpreis für 1x Wichsen definiert hat. Jetzt musste er auch geduldig sein, weil ich eine Woche brauchte, um diesen Beitrag zusammenzuschreiben und die Formulierungen und Gedankengänge auszuformulieren. Ich neige ja dazu, keinen einzigen Satz jemals einfach so hinzurotzen und ohne nochmaliges Durchlesen zu posten. Ich hasse sowas. Und Rechtschreibfehler auch. Und wenn ich dann so Korrektur lese, fällt mir noch was ein, das ich vergessen habe. Oder ich frage mich, ob man das so oder so schreiben kann…..und dann dauert es eben. Ist ja eindeutig MEIN Problem, wenn ich tagelang nicht wichsen darf weil ich mit dem Blog so lange brauche. Aber das Thema ist nicht gerade einfach. Geduld. Das hat er sich wohl ausgesucht, weil ich neulich 2x nachgefragt habe, als lange keine Antwort kam. Nicht zum ersten Mal.

Man könnte jetzt lachen und denken hahaha muss sie halt Geduld lernen, die kleine Sub, ist ja auch anscheinend echt ungeduldig höhöhö. Das könnte vielleicht als Dom´scher Schenkelklopfer herhalten, und sicher gibt es dazu auch irgendwelche BDSM-Witzchen. Kann sie wieder nicht warten, musste sie wohl mal besser erziehen, nech? Aber nein. Das ist deutlich zu einfach, und wird mir auch nicht gerecht, finde ich. Die Sache ist wesentlich komplexer, und genau deshalb habe ich auch tagelang drüber gebrütet und mich, meine Handlungen, Nachfragen und Gefühle reflektiert, zurückschauend und so objektiv und gut es ging. Wenn schon, dann richtig. Halbe Sachen mag ich nicht.

Ja. Ich kann furchtbar, furchtbar ungeduldig sein. Wenn man an den “16 Personalities”, den mbti, interessiert ist, oder mal nachlesen möchte, ich finde diese Einteilungen total faszinierend und interessant. Mein Herr ist ein ESTJ-A, und zwar wie er im Buche steht. 100% Trefferquote, soweit ich das beurteilen kann. Ich bin ein INTJ-T, also ein Einhorn, obwohl ich auch -seltener- beim ISTJ-T lande. Ich denke, ich habe von beiden was, die Zuverlässigkeit, die Liebe zu Fakten, den Pragmatismus vom S, und viele andere Wesensarten vom N. Die INTJ-typische extreme Ungeduld, vor allem mit lahmarschigen, begriffsstutzigen oder/und dummen Menschen ist definitiv meins, und das seit frühester Kindheit.

Wenn ich merke, dass Leute dumm sind, oder mir geistig oder gedanklich bei einem Thema nicht dahin folgen können, wo ich hin will, sich anstellen wie der erste Mensch, oder von meinem Thema keine Ahnung haben, fühle ich in mir eine Mischung aus Frust, Ärger, und dem Gefühl, meine Zeit zu vergeuden. Es zerrt innerlich regelrecht an meinen Zügeln. Kurz gesagt: Ich wäre eine Lehrerin aus der Hölle. Zumindest für die, die sich nicht anstrengen und die nicht auf Zack sind. Auch kann ich es nicht leiden, wenn man mir endlich getroffene Marschrichtungen mit irgendwelchen wirren Theorien, was man “stattdessen ja auch noch könnte”….. durchkreuzt. Oder, wenn man nicht ausspuckt, was Sache ist, und um den Kern ebendieser rumschwanzelt. Das mag die Alltagsdommse nicht, und ich reagiere unleidlich und ungeduldig.

In Beziehungen – vor allem im D/s-Kontext, aber auch schon früher im Vanillaleben – bin ich allerdings tatsächlich die Nachsicht und Duldsamkeit in Person. Lacht nicht, das IST so. Das wurde mir schon x-mal von Anderen bestätigt über die Jahre, und das sehe ich tatsächlich selber auch so. Ich lasse mir lange viel gefallen, bin sehr nachsichtig und hatte/habe so eine Geduld mit Freund/Mann/Herrn/Dom/Spielpartner, dass sicher 90% der mir bekannten Frauen/Subs bedeutend früher und bedeutend “direkter” die Grenze ziehen würden. Ich war wahrscheinlich viele Male im Leben ZU nachsichtig.

Was meine ich damit? Beispiele: Wenn jemand ein Treffen ausmachte, auf das ich mich total gefreut habe, und es wegen irgendwelchen anderweitigen Terminen kurzfristig platzen ließ. Dann machte ich keine Szene. Ich war enttäuscht, aber nicht beleidigt, zumindest solange der Grund gut war. Ich kenne da Frauen, die machen sowas ein oder maximal zwei Mal mit, und dann gehen sie, denn “wäre ich ihm auch nur ansatzweise wichtig, würde er sich Zeit nehmen, und auf einen, bei dem ich hinter 100 anderen Dingen rangiere, kann ich verzichten”. Und ich? Gratifikationsaufschub mit leidendem Lächeln ertragen, oder so ähnlich. Fragt nicht, wie oft mir das schon passiert ist. Und es kratzt am Selbstbewusstsein mit der Zeit, mal abgesehen von der Enttäuschung. Es dauert trotzdem lange, bis tatsächlich auch mir mal die Geduld ausgeht.

Anderes Beispiel. Ein vor Monaten abgeändertes SZ-Profil meines Herrn warf mich aus dem Gleichgewicht. Ja, so eine “kleine Sache” kann mich massiv triggern. Schlechte Erfahrung aus der Vergangenheit. Es hat bis Januar gedauert, bis ich es überhaupt ansprach und schriftlich erklärte, was das mit mir im Kopf macht. Jetzt ist es Februar, und ich warte immer noch auf eine Reaktion darauf. Duldsamer gehts wohl kaum, und ich kenne ehrlich gesagt wirklich keine Frau, die da nicht schon längst deutlich weniger nachsichtig wäre.

Und schließlich habe ich ihn seit vielen Monaten nicht in persona gesehen, und bin trotzdem noch da. Geduldig. Naja, da geht es mehr um Corona, aber das Argument kam mir gelegen 😉 Wenn ich auch zugeben muss, dass mir innerlich die Gleichmut inzwischen ziemlich abhanden gekommen ist. Aber ich versuche das mit diesem “die innere Einstellung an unabänderliche Gegebenheiten anpassen”.

Und auch wenn ich nach Nagellackfarben oder Einkaufspreisen frage, bin ich meines Erachtens nach nicht wirklich ungeduldig. Natürlich wäre es mir am liebsten, wenn er einfach gleich oder beim nächsten Mal online schriebe, was er möchte oder verlangt. Aber dann denke ich mir, ok der hat so viel Arbeit während du daheim rumhockst (ich habe ja praktisch Berufsverbot seit Monaten, und wenn ich mir die Unbelehrbarkeit der Ministerpräsidenten und ihrer Lakaien bezüglich #ZeroCovid und das allgemeine Öffnungsmimimi trotz Mutationen so anschaue, dann wohl noch für viele weitere Monate), lass ihn halt in Ruhe arbeiten und mach ihm keinen Stress.

Aber wenn ich dann den Rest des Tages, und auch den nächsten Tag nichts höre, und gleichzeitig ein Termin näherrückt, für den ich halt gerne lackierte Nägel hätte um mich etwas gepflegt zu fühlen und um ein bisschen D/s zu spüren , dann…..kann es schon sein, dass ich nachfrage. Ist das dann “ungeduldig”? Ich habe natürlich das Risiko, dass er dann extra lange nix sagt, und wenn ich die Vereinbarung nicht brechen will, dann muss ich ohne Lack aus dem Haus zum Termin. Oder ich kriege dann Barbiepuppenrosa als Farbe. Juchu. Vielleicht denkt er ja auch, dass mein Wunsch seiner Zeiteinteilung untersteht, und dieser gegenüber zurückzustecken hat. Aber……es ist doch nur eine höfliche Frage nach einer Lackfarbe. Das ist doch was Schnelles, Einfaches menno.

Nächstes Beispiel: Einkaufspreis. Das ist schwierig. Denn eigentlich bezahle ich ja einen Preis dafür, dass ich wichsen darf. Das an sich schränkt mich tatsächlich ein, auch im subjektiven Wohlbefinden, da ich eine Frau mit relativ großem Sexdrive bin, vor allem, wenn man an meiner imaginären Leine zieht, und weil ich es mir ohne irgendwelche D/s-Regeln je nach Laune bis zu täglich machte. Es entspannt, ist schön, und ehrlich gesagt ist es seit Corona so ziemlich mein einziges Vergnügen. Das nicht zu haben, und einkaufen zu müssen, ist deutlich spürbares D/s. Vor allem, weil ich ja nicht alle 2 Tage einkaufen will, denn meistens sind die Preise….unangenehm. Ich mag das Ganze, weil es eben Kontrolle und etwas D/s ist, und beides Kinks sind, und ich davon eh nicht viel haben kann auf die Distanz, und ja, die Klammern oder das Chili oder das Wachs etc etc machen mich auch geil. Je nach Aufgabe sogar sehr. Aber ist ein, zwei, drei Tage lang mich warten lassen auf die Nennung des Kaufpreises dann nicht …..irgendwie……doppelt bezahlt? Und wenn ich dann nach 24, 30, 36 Stunden höflich nachfrage, ist das dann wirklich Ungeduld? Hm. Ich bin da was auf der Spur.

Ich habe nur ziemlich wenig Hebel, die ich betätigen kann. Wenn ich Pech habe, kriege ich sofortige Preisnennungen, aber dafür wird es dann vielleicht einfach zu teuer. Und bei einem Treffen versuchen, mit Charme und Wimperngeklimper bessere Bedingungen zu kriegen in einem netten Gespräch bei Kaffee kann ich auch nicht, weil es das auf absehbare Zeit nicht gibt.

Ich glaube wirklich nicht, dass ich in Bezug auf all diese Dinge ungeduldig bin. Ich kann sehr ungeduldig sein, und wir machten da schon Witzchen drüber, wenn ich irgendeine Info wollte zum Beispiel bezüglich eines Treffens oder eines Schlagwerzeugs, und die nicht bekam. Dann kann ich es kaum erwarten, aber das ist irgendwie was anderes. Oder? Ist das nicht Neugier, gepaart mit leicht ängstlicher Erwartung, und Unsicherheit?

Wobei…….Thema Unsicherheit. Könnte es sein, dass das, was er manchmal vielleicht als ungeduldiges Verhalten meinerseits ansieht, schlicht meiner Unsicherheit geschuldet ist? Darüber, warum ich keine Antwort kriege als hätte er es nicht gelesen? Hat er es gelesen? Oder ist es durch die viele Arbeit irgendwie an Tag 2 doch untergegangen? Ist das Absicht? Hat er vielleicht gar keinen Nerv dafür? Ist das ein Test? Oder soll mir das irgendwas beibringen? Oder findet er wirklich keine 5 Minuten Zeit, sich was zu überlegen? Oder ist das ein Spiel, dessen Regeln ich irgendwie nicht verstehe? Oder denke ich in solchen Situationen einfach nur viel zu viel, wieder mal? Wäre ja auch nix Neues. Oder zerpflücke ich so die psychologischen Einzelteile, dass ich das große Ganze wieder mal nicht sehen kann? Oder vielleicht habe ich ja auch einfach nur eine beschissene Selbsteinschätzung. Aber Unsicherheit bzw Verunsicherung ertrage ich von der Persönlichkeitsstruktur her einfach generell wirklich schlecht.

Oder vielleicht ist die Ungeduld auch einfach der Drang, dass endlich “irgendwas weitergeht”, obwohl momentan eben nichts weitergehen kann. Die Frustration darüber. Das quengelige Kind in einem drin, das sich nach so vielen Monaten des Wartens am liebsten auf den Boden schmeißen und eine Supermarkt-Trotzanfall- Kassenszene machen würde. Auch das kriege ich unter Kontrolle, aber vielleicht äußert sich das einfach darin, dass ich manchmal so wirke als würde ich “mit den Hufen scharren”.

Jetzt muss ich nur schriftlich und ohne Gespräch vermitteln, dass ich die Ausdauer, Beständigkeit, Nachsicht, Gleichmut, Duldsamkeit in Person bin, zumindest meistens , und einfach nur geduldig (mehr oder weniger) auf etwas D/s, ein paar Aufgaben und etwas “an der Leine ziehen” warte wie ein Hund auf den Stöckchenwurf, aber meine Leidensfähigkeit, Impulskontrolle und Fähigkeit zum Gratifikationsaufschub so hoch sind, dass man es anscheinend meist nicht sehen kann. Zumindest, wenn die Unsicherheit mich nicht beutelt. Ja hahaha guter Plan. 😉

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Nerv. 2020er Gedanken.

Momentan bin ich an manchen Tagen innerlich ziemlich schlecht ausbalanciert. Das merke ich selber. Funktioniere aber halt weiter, so wie immer. Vielleicht, weil ich mich in so eine Art Mini-Apathie versetze. Ducken, sich nicht um Dinge kümmern, einfach durch den Tag oder das Problem, ohne Blick zur Seite. Ist aber schwer, manchmal. Weil Corona bei mir doch Spuren hinterlassen hat übers Jahr. Oder besser, weil die Art wie Corona von der Regierung gehandhabt bzw versaubeutelt wird, und die vielen Artikel und Videos über schwurbelnde, rechte Solidaritätsverweigerer aka Querdenker mich innerlich so brüllschreiend wütend machen, dass ich ganz hibbelig werde. Zusammen mit noch einigen anderen Faktoren kommt dann eine andauernde, latente Aggression gepaart mit einem Gefühl der Resignation dabei raus. Das zu unterdrücken gelingt mir oft, aber nicht oft genug.

Eine vorübergehende Zeit der Entspannung durch eine “schmerzinduzierte Bewusstseinsänderung” aka BDSM, und ganz generell und most importantly endlich ein Wiedersehen mit meinem Herrn ist eben mostly wegen Corona auch nicht drin. Und meine Schilddrüse hat vor einigen Wochen so dermaßen gezickt, dass ich kaum noch wusste, wie mir geschah. An allen Ecken und Enden, vom Scheitel bis zur Sohle, Schmerzen und Beschwerden. Bin kaum noch in den 2. Stock gekommen und war völlig fertig. Kein Wunder, wenn man ohne Herzprobleme Herzrasen und dazu nachts im Bett einen Ruhepuls von 110 hat. Inzwischen hat mein Immunsystem wieder aufgehört, mich zu hassen, und ist wohl wieder eingepennt, aber ich muss leise treten. Wenn mir dann auf Twitter irgendeine arme dumme Wurst vor die Flinte läuft, oder mir real Life einer blödkommt, fällt die Reaktion nicht unbedingt so diplomatisch aus, wie sie könnte. Oder ich erwische mich, wie ich ab und zu wegen irgendeines eigentlich nichtigen Grundes meine Kinder anmeckere, was auch nicht gerade von stabilem Seelenzustand und Gerechtigkeit zeugt, ne.

Es kommen halt gerade einige Sachen zusammen. Corona führt auch dazu, dass ich seit Ende Oktober nicht arbeiten darf. Beherbergungsverbot. Naja, Geschäftsreisende und Monteure dürfte ich beherbergen, aber die sind hier in den ruhigen Monaten selten wie Einhörner. Die Hilfen der bayr. Regierung nutzen mir als Saisonbetrieb auch nur bedingt etwas. Man kann sagen, dass ich das komplette Frühjahr ab Anfang März -wo normalerweise zig chinesische und italienische Touristen die Schlösser und die Gegend anschauen- über Ostern bis inklusive Mai (wo normale Jahre mit den langen Feiertagswochenenden ca 20K Umsatz machen) durch Corona und die Folgen für den Tourismus verloren habe. Eine Soforthilfe von 9K damals, die erstens (allen Ernstes!!) zu versteuern ist und bei der zweitens bis heute nicht klar ist, ob ich sie nicht irgendwann zurückzahlen muss, weil meine Verwendung des Geldes vielleicht nicht genau die war, die die Regierung sich einbildete (wenn auch genau so dringlich und komplett dem Erhalt des Geschäfts gewidmet), war ein Tropfen auf den heißen Stein. Bis Ende Mai durch den fehlenden Frühling waren die ersten 10-15K weg, die sonst auf der hohen Kante geblieben wären und für die ich literally jahrelang geschuftet hatte.

Es ist nämlich nicht jeder Hotelier oder Vermieter reich und arbeitet nix, und kommt nur zur Gästebespaßung raus und fährt sonst im LodenFrey-Janker mit dem Jeep zum Golfen davon oder sowas, während seine drölfzig Angestellten schuften. Ich schufte selber wie ein Pferd für einen jährlich schwankenden, immer unsicheren Lebensunterhalt, werde aber als Selbständige grundsätzlich vom Finanzamt bzw der Regierung als potentielle Schwerkriminelle gesehen, und von der gesetzlich versicherten Arbeitnehmerseite und allen Parteien links der CDU als sowas wie ein arroganter, unsolidarischer Sklaventreiber. Nur mal so.

Und die Monate September und Oktober dürften im Vergleich zu 2019 nicht die mindestens 30% Umsatzrückgang ausmachen, die es braucht um überhaupt wenigstens läppische 40% der Fixkosten ersetzt zu kriegen.

November wird ne Nullnummer, denn 75% von saisonbedingter Schließung ist nunmal null.

Die Dezemberhilfe dürfte gnädig klappen, und wenn es (wie ich fest glaube) einen Lockdown weit über den 10.1. hinaus gibt, vielleicht eine Januarhilfe. Mir ist nämlich meine komplette Wintersaison, die nur von Xmas bis Heilig-3-König geht (also die Ferienzeit) Coronabedingt abhanden gekommen. Das sind dann wieder je nach Jahr 10-13K Umsatz weniger, und damit der magere Gewinn daraus -nach Nottinghams Steuern, Abgaben und Fixkosten. Und davon lebe ich nunmal. Ich hab ja keine Lohnfortzahlung oder Kurzarbeitergeld oder irgendein Amt, das sich für mich verantwortlich fühlt.

Funfact 1: meine PKV als Selbständige darf ich NICHT für das Hilfspaket mit einrechnen. Die bezahlt sich logischerweise aus dem Geschäft bzw dem, was mir bleibt. Ohne die läuft das Geschäft nicht. Ich BIN das Geschäft. Einzelunternehmen. Aber das ist denen egal. Und auch, wovon bitteschön ich die bezahle.

Funfact 2: sogar FALLS das Beherbergungsverbot am 10.1. enden würde (und das tut es garantiert nicht, denn am 10.1. sind wir wahrscheinlich gerade dabei, uns von einer über Weihnachten und Silvester aufgebauten landesweiten Inzidenz von 350 runterzuarbeiten und sie wollen ja auf unter FÜNFZIG, besser 25 kommen, bevor sie lockern. Dabei also bis Ende März oder so noch viel Spaß) hätte ich danach bis mindestens Fasching keine Gäste und 2021 werden auch die wegbleiben. Ich denke, um Ostern 2021 herum geht es dann vorsichtig wieder weiter. Zumindest für die Betriebe, die es dann noch gibt. Und das werden bei Weitem nicht alle sein. Und auch bei den Brauereien, den Metzgereien, den Bäckern, also allen, die zu einem großen Teil von der konstanten Abnahme ihrer Produkte durch die Gastro leben, gibt es teils jetzt schon Opfer. Bei der Firma Nocker (Fleisch- u Wurstwaren) zum Beispiel, sind heute endgültig die Lichter ausgegangen.

Also muss ich versuchen, mich wieder mal selber ausm Dreck zu ziehen, und mit großer Sparsamkeit, null Investitionen (ich hatte ursprünglich an ein paar neue Sessel, Beistellmöbel, Lampen, Vorhänge und große Deko-Objekte gedacht, um die ich schon ewig rumschleiche), den Resten aufm Geschäftskonto, den paar Tausend Kröten von der Dezemberhilfe (und evt Januar wenn ich Glück habe und es sowas geben wird) und mit dem Geld, was ich aus den bei der PKV eingereichten Arzt/Behandlungs/Medikamentenrechnungen zurück bekomme, irgendwie bis zum Frühjahr über die Runden zu kommen. Aber… da sind dann ja noch die Steuernachzahlungen für 2019 \o/ Juchu.

Wobei ich ganz persönlich und subjektiv eigentlich froh bin, dass ich gerade keinen sehen muss. Mir reichen solche Situationen wie genau vor Weihnachten, wo ich mit K1 und viel zu vielen wildfremden Menschen im Warteraum des Krankenhauses saß weil K1 einen Termin beim Orthopäden hatte, schon dicke. Mein Fluchtreflex ließ sich bei jedem Hüsteln von irgendwo her nur sehr mühsam unterdrücken. UND ES LÜFTETE DORT KEINE SAU. Und ich saß über 45 Minuten da wie auf glühenden Kohlen mit meiner FFP2, und wagte kaum zu atmen. Ich habe in FFP3 investiert, und trage die übern Winter, falls ich das hier langfristig überlebe. Ich wollte da nur so sehr raus, dass ich den Druck körperlich spürte. Wahrscheinlich macht mir das, was sie hier Lockdown nennen, deshalb auch weniger als anderen Menschen. Ich mag Gesellschaft, aber nur von ausgesuchten Leuten, und mit Auszeiten. Ich bin gern auf Parties, aber nur mal ab und an einen Abend. Ich geh auf Konzerte, aber das Zenith ist mir hundert Mal lieber als das Olympiastadion. Ich tolereriere volle Züge oder U-Bahnen, aber bin heilfroh, wenn ich da raus bin und Luft habe. Alles ohne Corona, wohlgemerkt. Momentan würde ich in einem städtischen ÖPNV wahrscheinlich noch mit FFP3 in Schockstarre fallen. Man könnte auch sagen, einem INTJ fällt ein Lockdown vielleicht einfach leichter 😉

Zurück zum Thema. Mit 20+ fremden Menschen ohne Maske (weil beim Frühstück) wäre ich zur Zeit nicht wirklich glücklich. Es ist total ok, dass das Haus zu ist. Nur die finanzielle Seite ist….bitter. Wenn die nächste Saison nicht ab Ostern echt gut läuft, oder das Wetter total mies ist den ganzen Sommer, und man sich vor dem Urlaub ziert, habe ich keine Reserven mehr, das aufzufangen. Und abgesehen davon schwant mir schon jetzt, dass ich jedem Zweiten beibringen darf, dass er WIRKLICH eine Maske vor der Visage braucht. Ja immer noch. Nein ein paar Prozent der Bevölkerung zu impfen bis dahin bringt nix. Ja auch im Sommer. Nein eure Atteste vom YouTube Professor interessieren mich immer noch nicht. Nerv.

Denn es ist ja so….selbst dem offiziellen Fahrplan nach kommen Leute wie ich mit meinem zickigen Immunsystem frühestens im Sommer dran. Vielleicht auch erst im Herbst. Und danach mal der Rest. Da ist es dann längst wieder so weit, dass die bis dahin drölfzigste Welle kommt, weil es Winter wird, und die Leute immer noch dumm sind. Wenn überhaupt genug Leute sich impfen lassen und nicht auf das Blödgeschwätz von Hunderttausenden selbsterklärten Virologen hören. Menschen allgemein und insgesamt machen mich zynisch, müde und sauer. 2020 hat mir gezeigt (nicht, dass ich es wissen wollte denn ich bin entsetzt) WIE VIELE Menschen strunzdumm, unsolidarisch, rotzlöffelig und/ohne jegliche Resilienz sind. Alles verwöhnte, sozialversicherte, in einer Demokratie lebende Mimimis, die im Leben niemals Krieg oder Krise hatten, und beim ersten Windhauch zusammenbrechen. Mit irgendwelchen Lockdowns komm ich klar, nur mit Querdeppen & Co nicht. Ich finde wenig auf der Welt so unerträglich wie dumme Menschen. Ich habe inzwischen schon kleine Gewaltphantasien von krass hart eingestellten Wasserwerfern, Schlagstöcken und Boot Camps 😉 und muss zugeben, dass ich mich DIEBISCH freue, wenn ich ab und zu höre, dass es wieder einen Querdepp oder Corona leugnenden AfDler erwischt hat. Ja, meine Nächstenliebe und mein Gutmenschentum gegenüber Idioten sind schon lange aus.

Und je mehr Reportagen und Tweets aus der Krankenhausbubble bezüglich Corona ich mitbekomme, desto mulmiger wird es mir. Vor allem mit diesen neuen Mutationen, die zumindest die Übertragung wohl deutlich einfacher machen. Nicht gut. Ich putze und desinfiziere und maskiere jetzt seit März vor mich hin, und gehe echt nur für Einkäufe und (Arzt)termine oder Physio von K1 in die Zivilisation. Aber ich kann die Familie nicht komplett wegsperren. Der Ex hat seine Freundin (die es schon im Frühjahr hatte), die er mehrmals in der Woche sieht, und mein K2 trifft sich ab und zu mit deren K2. Auch an Silvester wird K2 bei denen sein. K1 traf sich an Weihnachten das erste und wieder für eine Weile einzige Mal für ein, zwei Stunden mit der besten Freundin, zwecks Geschenkeaustausch und Update. Beide Ks sind immer daheim und haben fast immer nur Online-Kontakt zu (teils in Griechenland, Holland oder Polen befindlichen) Freunden ( die Freuden des Internets und der zu weiten Wege eben, kennt man ja auch von von Twitter), aber ein halbes Jahr komplett wegsperren ohne echten Kontakt kann ich sie auch nicht. Und die Oma geht auch zumindest 1x in der Woche vor die Tür. Alle mit FFP2 und bald mit FFP3, aber trotzdem…grummel.

Mein Schutzwall hat also mehrere Löcher und mehr Unbekannte, als mir lieb ist. Aber komplett einigeln kann selbst ich, momentan ohne Arbeit und bei Fuchs und Hase wohnend, mich nicht. Ich will mich gar nicht zu sehr beklagen, weil es sicher viele Menschen gibt, denen es viel schlechter geht, und die jetzt schon völlig Pleite sind, oder gesundheitlich viel viel schlechter dran als ich, aber trotzdem war mein 2020 nichts, was ich nochmal brauche. Wobei mich das ungute Gefühl beschleicht, dass 2021 auch nicht viel anders wird.

Und was mir wirklich zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass ich meinen Herrn zuletzt vor SIEBEN Monaten live und in Farbe gesehen habe. Zuerst Arbeit, dann Arbeit und Corona und jetzt immer noch Arbeit aber hauptsächlich Corona. Ich versuche, mir nix anmerken zu lassen, aber wenn der Ex wieder mal zu seiner Freundin zum Übernachten oder zum Wandern oder zum beim Einkauf helfen oder an Silvester fährt, oder wenn ich mitbekomme, dass sich andere Leute ganz natürlich mit ihren Partnern treffen und sich gegenseitig besuchen, frisst sich eine Mischung aus Neid, Vermissen, Depri und Traurigkeit durch mich durch, und das mag ich gar nicht. Wenigstens sind wir täglich auf WA zusammen, aber trotzdem….hmpf. Einen Eintrag bezüglich irgendwas mit “Herr – ich” gibt es als nächstes. Vielleicht nur für ihn oder zuerst mal für ihn, und dann für alle…mal schauen. Vielleicht kriegt er den ja noch heute, falls ich es schaffe. Aber zuerst musste ich mich mal tagebuchartig über mein 2020 auskotzen. Obwohl es objektiv betrachtet sicher nicht SO schlimm war, und das ist mir auch bewusst. Danke für die Aufmerksamkeit, und bleibt bzw werdet gesund 🙂

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Übergriffigkeit und D/s.

Zugegeben: Ich habe mich auf Twitter ein wenig ausgelassen und weil ich da ja nun hinter Schloss und Riegel sitze, habe ich den @EmEmBDSM gebeten, den ihr auch hier lesen könnt, mir beim Copy&Paste zu helfen. Manchmal habe ich eben auch als D/s-Lifestylerin “Besseres zu tun” und kann mich auf mir persönlich bekannte “CIS-Predatoren” verlassen, die sich mit diesem WordPress und diesem Internetz nicht halb so blöd anstellen wie ich.

So. Und just gestern wurde mir DAS DA auf meine TL gespült:

Und hier drunter ist nun ein ursprünglicher TL Thread von mir, der nun in leicht überarbeiteter Form den Weg in meinen Blog finden soll. Weil. Es. Dermaßen. Nervt. Immer und immer wieder von einer selbsterklärten Expert/innenbubble Dinge erklärt zu bekommen, von denen sie -quite frankly- ganz offensichtlich keinen Schimmer haben. Nun denn:

So, Gemeinde. Aufgemerkt. Ich möchte das betreffende Acct (also Verfasser/in des Screenshot- Zitats) nicht an den Pranger stellen (deshalb anonymisiert), denn es ist nur eins von Vielen mit einer Einstellung zum D/s, die mir -und wahrscheinlich so ungefähr allen anderen Lifestylern- den Kamm schwellen lässt.

Ich hab mir überlegt, ob ich nen Blogeintrag schreibe. Vielleicht kommt das noch, irgendwann (Ja, jetzt 😉 ) Aber das hier geht auch als Thread. Gerne screenshotten, das darf sich durchaus verbreiten. Irgendjemand muss es denen ja mal sagen. Nun denn. 193 Herzchen bis dato and counting….

Für etwas, das sehr BDSM woke und voll im Trend ist hier. Und genauso atemberaubend falsch. Total. Absolut. Ohne Spielraum oder “Ansichtssache”. Das wird jetzt den Leuchttürmen, Aktivistinnen, und der Femibubble nicht schmecken.

Hey, ihr müsst jetzt ganz stark sein: D/s braucht “Übergriffigkeit”.

Peng.

Ja, als “Sub” musst du noch lange nicht alles mitmachen, was dir nicht schmeckt. Es gibt Spielsessions, reines SM, Bondage oder Spanking Sessions. Nicht alle Bottoms sind devot. Aber “D/s” ist was anderes. Whole different ball game. Und da -mon dieu- geht es nicht nach Subs Kopf.

Im D/s habt ihr euch -hoffentlich- nach langen Gesprächen und Verhandlungen und Prüfung, ob man so ungefähr auf derselben Wellenlänge liegt, aus freien Stücken bereit erklärt, euch einem/einer Dom zu unterwerfen. Nicht unbedingt komplett, sonst sind wir im TPE.

Aber innerhalb des Spielfeldes, das ihr zusammen abgesteckt habt. Und das kann ein besserer Bolzplatz sein, aber auch ein riesiges Feld, bis zum Horizont. Die absoluten Tabus/No Go’s sind bekannt. Die “Soft limits”, also Dinge, die ihr lieber nicht tun würdet, auch. Die Bereiche oder Zeiten im Alltag, die evt. unangetastet bleiben müssen, auch (zB Arbeit, Kids, Haare) Und das war’s.

Mehr ist da nicht. D/s ist IMMER da. Manchmal fast nicht spürbar, zB wenn einer von euch krank ist oder das Kind krank ist oder der Job extrem stressig. Manchmal mit Kawumms, so dass ihr den Zug an der Leine auch auf 600km spüren könnt. Aber D/s schaltet man nicht an und aus.

Und sub bestimmt schon doppelt nicht, zu was er oder sie gerade mal Lust hat oder nicht. Newsflash: das wäre nämlich nicht D/s bzw “verantwortliches Spielen” sondern topping from the bottom, sonst nix. Und das kann man ja wohl nicht wollen. Außerdem “spielen” wir nicht BDSM.

Wir LEBEN es. 24/7, immer. Sonst kann man es in die Tonne treten, denn wenn das Gefälle fehlt, fehlt die Dynamik und der komplette Zauber ist dahin.

Zurück zum Thema. Übergriffigkeit. Man kann natürlich so Einiges bis Alles, was man nicht so geil findet, als übergriffig deklarieren. Dann hat man es kuschelig, aber D/s hat man dann nicht. Dann wunschzettelt man. Und Dom ist Dienstleister und Listen-Abarbeiter, mehr nicht. D/s ist es dann, wenn sub sich fügt und innerhalb des abgesteckten Spielfeldes gehorcht und sich unterwirft. Auch wenn sub keinen Bock auf Xy hat.

Es ist nicht “übergriffig”, euch eine Aufgabe aufzudrücken, die ihr Scheiße findet. Oder ein sexuelles Dienen zu verlangen, worauf ihr keine Lust habt. Spoiler: eure Soft Limits eignen sich super als Strafen. Oder sind ein wahrer Fun Park für Sadisten. Dann kann man euch ja besonders schön quälen damit …

Und es ist manchmal tatsächlich auch völlig wurscht, ob IHR was davon habt. Ihr habt nämlich kein Recht auf Vergnügen und Orgasmus und Spaß. Ihr müsst euch das je nach Dom vielleicht sogar alles verdienen. Oder kriegt das geschenkt. Wenn ihr brav seid. Oder auch einfach so, wen Dom seinen/ihren netten Tag hat. Lebt damit. Oder lasst es bleiben. Aber dann nennt euer BDSM nicht “D/s”. Übergriffigkeit innerhalb der irgendwann mal zusammen gesteckten Außengrenzen gibt es nämlich nicht. Woke Bubbles hin oder her.

Und bevor ich’s vergesse: “casual D/s” gibt es auch nicht. Sorrynotsorry. Ganz oder gar nicht. Diese “Spritz mich mit Wasser an, aber mach mich nicht nass”- Mentalität ist auf Twitter weit verbreitet. Und solche Weisheiten, wie von besagtem Acct und vom Fallobst und von Twitter- Leuchttürmen und ganzen Spielkinderbubbles immer wieder propagiert, führen eine ganze Generation von BDSM-Neulingen auf eine falsche Fährte. Bzw, aufs Glatteis.

Denn wenn solches anerzogenes, falsch gebrieftes Wunschzettelvolk mit echten Lifestylern in Kontakt kommt, dann knallt es nach spätestens 2 Treffen gewaltig. Und Dom lässt euch fallen. Und ihr schreit ” schon wieder ein böser, übergriffiger, alter, weißer Cis-Predator!!!” Äh….nee. Nur 1 Lifestyler vs 1 Spielkind.

Nochmal: D/s funktioniert nicht ohne eine Blankovollmacht zur Übergriffigkeit und auch dann eingehaltenen Gehorsam, wenn sie eben passiert. Und vielleicht passiert Vieles, was euch nicht gefallen wird. Und ihr tut es trotzdem. Weil ihr euren Stolz habt. Weil es eure Entscheidung war, und wer A sagt, muss auch B sagen.

Weil es euch glücklich macht, die Herrschaft zufrieden zu stellen. Auch wenn *es* für euch selber GAR NICHTS tut. Und über 3 oder 4 Ecken zieht ihr dann auch aus verhassten Aufgaben oder Spielarten eure Befriedigung.

Und last but not least, weil ich das hier auch schon lesen musste:
Ein Safeword (so ihr denn eins habt) ist NICHT dafür da, es alle Nase lang zu benutzen, wenn ihr irgendwas nicht tun wollt. Sondern es ist der allerletzte Not-AUS-Knopf. Und den drückt man nicht, weil man keinen Bock hat, zefix!!! So, Ende. Bitte um Verbreitung.

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Wäre ich eine Dom, und warum ich es nicht sein will

Als ich gestern mal wieder auf Twitter Zeugin der üblichen Dummdom-Bashing-Tweets wurde, die man halt so kennt (sub immer toll, Dom immer übergriffigdoof) machte ich ein Gedankenspiel daraus.

#WäreIchEinDom.

Naja, ich würde natürlich ein echt guter sein wollen. Logisch.

So, wie ich aus submissiver Sicht mir einen Dom wünsche, bzw was ich für “gut” befinde.

Nun denn…

Ich wäre erfahren, bzw würde mich weiterbilden, Workshops besuchen, oder mich einlesen, bevor ich reinstolpere und glaube, die Weisheit mitm Löffel gefressen zu haben.

Ich würde meine Kontakte mit subs genauso aussortieren, wie subs das mit Anschreiberlingen machen. Damit ich eine wirklich kompatible finde, und nicht bei nem fake Wunschzettelweibchen/männchen lande, von denen es gefühlte Heerscharen gibt.

Ich wäre offen und ehrlich zu ihr/ihm, bezüglich meiner Gefühle für sie/ihn (falls vorhanden) und meinem Ziel bzw Weg, den ich mit ihr/ihm zu verfolgen gedenke. Man müsste mir Gefühlsäußerungen nicht mühselig aus der Nase ziehen. Und ich würde dasselbe im Gegenzug verlangen.

Ich würde versuchen, die Dynamik so gut wie möglich auch über Entfernungen aufrecht zu erhalten. Als sub fand ich schon mehrmals nichts frustrierender und enttäuschender als eine angebliche D/s-Beziehung zu haben, aus der nach spätestens 3 Monaten total die Luft raus ist, weil nach einem fulminanten Start einfach nix mehr kommt. Keine Kontrolle, keine Aufgaben, keine Strafen für Vergehen, kein Gefälle. Alles zu viel Arbeit, nämlich. Das würde mir also nicht passieren. Mein/e sub dürfte sich über Kontrolle, Handyortung, Rituale, Aufgaben, Strafen etc freuen. Öfter mal was Neues.

Ich wäre streng, aber gerecht. Für bisserl rumspielen und eigentlich tun, was man will, und sich an nix halten wollen jenseits der Treffen, wäre mir meine Zeit zu schade. Wer meine/r sein wollte, müsste es auch so meinen.

Ich würde sub immer darin bestärken, sich auch jenseits meiner von Weisheit und Wissen nur so triefenden Worte (Sarkasmus off) in den einschlägigen (Twitter)bubbles zu informieren, und Kontakte zu knüpfen.

Allerdings hätte ich ein Auge drauf, in welcher Bubble. Sub müsste sich auf Einwürfe meinerseits gefasst machen. Und Einmischungen und gutgemeinte Ratschläge von irgendwelchen selbsterklärten Experten und Grünschnäbeln würde ich geraderücken müssen.

Ich wäre für sub auch jenseits irgendwelcher BDSM Themen da, und er/sie könnte mich immer erreichen und müsste nie das Gefühl haben, zu nerven und mich zu stören. Denn das ist in einer wie auch immer gearteten Beziehung tödlich, und man fühlt sich als sub zurückgestoßen und einfach nur schlecht. Und versucht es irgendwann gar nicht mehr. Und genau das würde ich nicht haben wollen. Man kann immer vermitteln, hey du bist mir wichtig, aber ich habe einfach eine Scheißwoche und ersaufe in Arbeit, und ich meld mich später. Aber abservieren und wegschubsen wäre nicht.

Ich würde sub fördern und fordern. Soll heißen, wer nicht aus seiner bzw ihrer Komfortzone rauswill, wäre bei mir falsch. Ich würde zumindest ab und zu an die Grenze gehen und evt auch ein Schubserchen drüber hinaus. Von mimimi und manipulativem Verhalten abbringen lassen, würde ich mich nicht. Ich würde mit sub zusammen das Spielfeld an sich abstecken, aber wie ich mich darin bewegen würde, wäre meine Entscheidung (ja, den Satz habe ich geklaut bei IHM ;)))

Ich würde es genießen, sadistische Psychospielchen zu spielen, sub wie eine Katze bespielen, die mit ihrer Beute spielt, sie wieder loslässt, und sie wieder einfängt. Subs Kopf ficken, wann und wie es mir passt. Vorfreude aufs Treffen, gepaart mit Angst, schüren. Und oh ja, beides wäre begründet.

Ich wäre, sagen wir……kreativ. Ein Spielkind mit Faible für Kerker, Device Bondage und Quälereien mit Tränen, Striemen und Hitachi. Ich würde mein Spiel variieren und Inspirationen aus diversen BDSM Pornos so gut wie möglich umsetzen. Ohhh….ich hätte Pläne. 😉

Tja, und warum will ich keine Dom sein? Wo ich doch theoretisch und aus Erfahrung als sub weiß, wie der Hase läuft?

Ganz einfach. Viele Gründe.

Weil ich null Veranlagung dafür habe. Keinen Spaß daran. Kein Interesse. Keine Geilheit. Es gäbe mir sexuell und für die Zufriedenheit und fürs seelische Gleichgewicht nix, meine/n sub weinen zu sehen, jammern zu hören, zu wissen, dass er/sie gerade eine echt doofe Aufgabe erfüllen muss, die ich sub aufgedrückt habe, und das tut – für MICH. Ich bin einfach nicht so verdrahtet.

Ich habe sicher einen gewissen Sadismus in mir. Der offenbart sich aber nicht sexuell, sondern darin, dass ich manchen Leuten gern so richtig den Arsch aufreißen würde, sprichwörtlich, und das ziemlich genießen könnte. Da spielt Wut, Hass, Rache rein. Und diese Gefühle haben in einem BDSM Kontext nix zu suchen. Wäre auch keiner, sondern die sadistische Freude, jemandem, der es verdient hat, das Fell möglichst schmerzhaft über die Ohren zu ziehen. Wahrscheinlich täte ich es eh nie wirklich, aber man wird ja archaisch träumen dürfen.

Ich habe soviel Verantwortung für soviel Kram, und für die Brut, dass ich in meiner Beziehung nicht auch noch die Hosen anhaben will. Naja, ich will schon gerne Hosen anhaben, denn ich liebe Hosen. Ihr wisst schon… 😉 Aber nicht SO. Ich bin von meinem Naturell her nicht unbedingt ein Bestimmer und Anführer. Bzw, ich muss das eh immer sein im Alltag. Aber während ein dominanter Mensch davon wahrscheinlich überhaupt nicht beeinträchtigt wird, und gerne bestimmt, für sein Recht einsteht, Konflikte und unangenehme Gespräche nicht scheut, und da aufblüht, stresst mich all das total. Und in meiner Beziehung will ich genau das nicht auch noch. Im Gegenteil.

Also, für mich wäre das nix, glaub ich. Zumindest Stand heute. Allerdings….falls ich jemals eines Morgens geswitched aufwache, dann zieht euch warm an, denn ich werde zur unangefochtenen Superdom von Twitter, und zeige euch mal so richtig, wo der Hammer hängt 😉

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Schubladen

Ich bin da in letzter Zeit über so viele Aussagen zum Thema gestolpert, die mich verdutzt bis doch teilweise ziemlich angesäuert zurückgelassen haben, dass ich mir dachte – auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen – schreibste nochmal was dazu. Und ja, es handelt sich um meine Privatmeinung und ja, jeder soll seines eigenen Glückes Schmied sein im BDSM……..aber…. Nun, ich finde schon, dass es einfach ein paar wenige feste Größen gibt bzw geben sollte. Vor allem, seit Vieles so verwässert wurde unter dem Einfluss eines Heeres an Crossover-Swingern und zumeist jungen kinky Vanillas, die durch FSoG reingespült wurden, jetzt kräftig mitmischen, und zumindest auf Twitter oft genug das Ruder an sich reißen und sich für die neuen Lichtbringer und Erfinder des Rades halten.

Es gab immer, und gibt immer noch ein paar Begriffe im BDSM, an denen man sich orientieren kann, vor allem wenn man neu ist, und die zumindest für mich so unveränderlich feststehen wie mathematische Größen. Nach wie vor. Ich meine, ja es kann sein, dass Einstein sich fies verrechnet hat, oder nach 3000 Jahren herauskommt, dass bei irgendeinem alten Griechen doch der Wurm drin war, aber wahrscheinlich ist er das nicht, und so allgemein kann man schon davon ausgehen, dass bestimmte Dinge feststehen. Ahh, das klingt nach Schubladisierung, oh wie furchtbar!!1!!11

Nun ja. Ich mag Schubladen grundsätzlich gar nicht so ungern. Sie sind praktisch und machen es möglich, die Dinge zu benennen, und in “mag ich – mag ich nicht” einzuteilen. Sie erleichtern einem die Suche, die Identifikation seiner selbst und des Gegenübers, und geben Struktur. Auf Twitter wettern immer alle gegen Schubladendenken. Ich gebe zu, dass ich das bis zu einem bestimmten Grad für mich brauche, weil meine Welt Struktur haben muss. Beständigkeit, Verlässlichkeit, Definitionen, Regeln. Ein Gerüst. Wenn alles vogelwild durcheinander geht, und manche Leute ihre Identität, ihr Geschlecht, ihre Vorlieben, ihre Einstellung den Dingen gegenüber wechseln wie andere Leute die Unterwäsche, dann tu ich mich damit schwer. Sehr. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich noch nie etwas mit einem Switcher angefangen habe, und das wahrscheinlich auch nie werde. Die von mir gefühlte Gegensätzlichkeit und Unbeständigkeit der Persönlichkeit, den für mich existenten Bruch in der Dominanz, selbst wenn es einer anderen Person gegenüber wäre, könnte ich nicht ertragen. Mal abgesehen davon, dass ich einen Herrn definitiv nicht mit anderen Leuten teilen würde, für die er plötzlich sub wäre. Mein Kopf würde wahrscheinlich explodieren oder sowas.

Und ich bin ehrlichgesagt auch etwas angenervt darüber, wie viele Leute sich mit Federn schmücken, die ihnen offen gesagt einfach nicht zustehen. Jede eineinhalbste kinky Vanillafrau, die mal mit dem Federpuschel vom eis versohlt worden ist, nennt sich heute sub. Nicht, weil sie es im Herzen wirklich ist, sondern, weil das so kinky erscheint. Oder, noch besser, “Sklavin”. Sweety, you have no idea. Man sagt, man sei Lifestyler, dabei weiß man nichts darüber, außer, dass man sich cool vorkommt und voll VIP. Man spuckt große Töne, was für ein domly Dom vom Dienst man doch ist, meint aber damit, dass man halt gerne härter fickt. Man trägt Halsband, weil das hübsch ist, ohne zu wissen, was die Bedeutung ist, und ohne diese auch nur ansatzweise zu honorieren.

Sorry, aber….damit kann ich tatsächlich nix anfangen.

Da kommen dann so Sachen dabei raus wie “casual D/s”. I hate to be the spoilsport, aber “casual” und “D/s” sind zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. D/s ist IMMER da, wenn auch nicht immer präsent im Vordergrund, und nicht nur, wenn man gerade Lust auf ein Spielhalsband oder eine Session hat. Es ist eine Lebenseinstellung, die zwei Menschen miteinander teilen, und kein Spiel. Es beinhaltet weit mehr als zu einer bestimmten Zeit oder für einen bestimmten Zeitraum mit jemandem zu spielen und da halt submissiv zu sein. Das ist alles wunderbar, aber das sind Spielbeziehungen, und das ist einfach eine andere Kategorie. Schublade. Im einfachsten Fall nennen böse Zungen sowas “Schlafzimmersubmissivität”. Im Alltag ist da nix, und wenn man sich trifft, oder halt Sex hat, dann ist für diese Zeit Gefälle angesagt. (ja ich habs gesagt, das böse Wort)

D/s beinhaltet eine tiefe, emotionale Bindung zu einer anderen Person, der man IMMER dient. D/s braucht ein Gefälle, das immer da ist. Auch im Alltag. Auch um 5 Uhr morgens. Auch im Urlaub mit den Kindern oder der Freundin. D/s betreibt man nicht mit random Leuten, die auswechselbar sind. Und normalerweise beinhaltet es auch Regeln. Was nicht heißen muss, dass man die nicht dem Alltag anpassen könnte bzw müsste, wenn die Sache über längere Zeit klappen soll zumindest. Es geht auch nicht darum, ob man viele Regeln hat oder wenig, ob man dauerknien soll oder ob man Du oder Sie sagt. Alles ist Verhandlungssache. Und Geschmackssache. Aber man schaltet so eine Dynamik nicht einfach mal kurz an und aus wie es einem passt, sonst geht sie kaputt.

Und D/s kann meiner Meinung nach auch nicht mit mehreren Personen parallel klappen. Vielleicht noch so herum, dass ein/e Dom zwei oder mehr subs hat, und jede davon bekommt ihr maßgeschneidertes Gefälle und ihr maßgeschneidertes D/s. Ich bin definitiv kein Fan von poly, aber so herum macht es noch halbwegs Sinn. Wer es ertragen kann, dass sein/e Dom noch andere subs hat, bitte sehr. Andersrum, also mit einer/m sub mit mehr als einem/einer Dom, macht es allerdings überhaupt keinen Sinn und ist für mich auch nicht funktionsfähig.

Es kann nur einen Oberboss geben, nur einen Chefkoch, nur einen Anführer. Einer muss Primus sein. Was mach ich denn als sub, wenn Herr A mich glatt will und Herr B mit Schambehaarung? Was mach ich denn, wenn Herr A mich verleihen will und Herrn B das ganz furchtbar findet? Was mach ich denn, wenn Herr A Intimpiercings liebt und mir welche verpassen will und Herr B die total scheußlich findet? Was mach ich denn, wenn Herr A mir 5 Orgasmen samt Audiobeweis aufträgt und Herr B mir erst gestern zwei Wochen Wichsverbot gegeben hat? Kann man das Problem erkennen, ja? (Mal abgesehen vom emotionalen Aspekt, und der Tatsache, dass zu viele Köche nunmal den Brei verderben)

Und das bedeutet, dass entweder Herr A oder Herr B die Oberhand haben muss. Und in dem Moment ist der dann der Herr, und der andere hat sich nach seinen Vorgaben zu richten. Was dann automatisch bedeutet, dass mit dem kein D/s funktioniert, da er nur ein geduldeter Spielpartner innerhalb eines vorgegebenen Rahmens ist, oder ein Erfüllungsgehilfe für MMf oder ne Party vielleicht. D/s als Beziehungsmodell kann ich in so einem Gefüge auch nur und ausschließlich mit einem Dom sehen, und zwar mit dem Ranghöchsten. Der muss dann meine emotionale, tiefe Beziehung sein und nur dem gehört meine Hingabe, meine Loyalität, mein Körper. Und nur dessen Halsband trage ich. Das ist ja auch sowas. Drei Doms, drei Day Collars? Das wird aber eng und schwer am Hals. 😉

Ach ja. Halsband. Ja, das ist kleidsam und schick und kinky. Und man könnte sich schier zu Tode shoppen bei der Auswahl an Styles und Farben und Breiten und Materialien und Mustern, die es gibt. (und ich bin doch so eine Halsband- und Leinenfetischistin) Aber wichtig ist doch die Aussage, die Bedeutung dahinter. Klar kann ich für ne Session mit einem Spielpartner ein Halsband anziehen. Das zeigt dann meine Rolle an. Und macht uns heiß. Aber für Lifestyler ist das Teil mehr als ein sexy Kleidungsstück. Es zeigt an, dass man Eigentum ist. Dass man jemandem mit Haut und Haaren gehört, und das auch will. Dass die Sache – hoffentlich – wirklich was bedeutet. Immer, auch wenn man gerade nicht zusammen ist. Dass da ein Gefälle ist. Dass da einer ist, der im Hintergrund die Fäden zieht, und sich kümmert, und man ihm wichtig ist. Dass er Verantwortung übernimmt und eben nicht nur spielen will.

Und dann las ich das: Ein Mädel (in englischsprachigen Teil meines Twitter) reklamierte für sich, in einer D/s-Beziehung zu sein und sub ihres Dom. Und gab allen Ernstes an, dass sie ihr Safeword oft und oftmals für irgendwelche Sachen benutzt, auf die sie heute aber echt keinen Bock hat. Wohlgemerkt, es handelte sich nicht um Tabus, nicht um noch nie Vorverhandeltes, und es war nichts, was sie aus medizinischen Gründen jetzt oder gar nicht tun kann.

Und sie sagte tatsächlich, dafür wäre so ein Safeword ja da, und Consent blabla und Grenzen blabla. Und dafür gab es tatsächlich reichlich Zuspruch aus der Bubble und RTs und Herzchen und Applaus. Weil, da hat aber eine verstanden, wie man Predatoren fernhält und verantwortungsvolles BDSM betreibt bla schwafel.. Und ich dachte nur, habt ihr den Schuss nicht gehört??? Anderen BDSMlern so einen Stuß zu erzählen, und das noch als perfekt gelebtes D/s zu verkaufen….da krieg ich Puls.

Hat dieses Mädel denn – neben dem völligen Fehlen von Hingabe und Gerhorsam und Submission – überhaupt keinen Stolz? Igitt. Das ist keine D/s-Verbindung, sondern topping from the bottom, Wunschzettelerfüllerei, das Dömmchen am Nasenring rumführen, und für jede echte sub ein Grund zum Fremdschämen mit übelstem Cringefaktor. Ein Safeword ist der Schalter fürs Not-Aus. Der letzte Rettungsanker. Den man nur wirft, wenn es gar nicht anders geht, und den man eigentlich versucht, zu vermeiden. Weil man seinen Stolz hat, und will, dass der Herr stolz ist, verdammte Axt! Ein Safeword benutzt man doch nicht inflationär und für jeden Scheiß, wenn man keinen Bock auf wasauchimmer hat. Und dass so viele Leute so einen Mist auch noch teilten und das Mädel lobten, anstatt ihr Bescheid zu stoßen, macht mich echt sauer.

Und solche Fakes versaubeuteln nicht nur die Bedeutung des Begriffes D/s, sondern sie tun sich auch wirklich keinen Gefallen, wenn sie sich sub oder Sklavin oder TPE-erfahren nennen. Denn wenn die jemals mit einem Lifestyler zu tun kriegen, der aufgrund der reichlich blumigen Selbstbeschreibung Interesse zeigt, dann haben sie nach gefühlten 5 Minuten ein echtes Problem, bzw fragt sich das Gegenüber, ob die Witze machen, wenn sie “keinen Bock” haben, und sägt sie ab.

Und genau deshalb, zur Einordnung und Verständigung, sind die gefürchteten Schubladen und so ein paar feststehende Begriffe und Definitionen nötig und praktisch. Nicht mehr, nicht weniger. Struktur, Gerüst, feste Größe. Und schließlich man kann ja auch in mehrere Schubladen was stopfen, es muss ja nicht das ganze Hab und Gut in einer einzigen liegen 😉

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Wegkreuzung im Nirgendwo

Die Vorfreude auf den Herrn, gepaart mit einem Quäntchen Furcht, weil ja das Strafbuch mit dabei ist, und es immer einiges abzuarbeiten gilt. Sehnsucht.

Der tiefe, besitzergreifende Kuss und der geliebte Nackengriff beim Wiedersehen. Ankommen.

Das Kaffeeritual und die kleinen Gesten und Signale, die nur wir verstehen. Kopfkino.

Das Abnehmen der Brille und das *Klick* des Halsbands. Mein Kopf, in dem ich nur noch seine “notgeile kleine Schlampe” bin. Unterwerfung.

Die ersten härteren Berührungen und Anweisungen. Gehorsam.

Die Anspannung und Unsicherheit, was passieren wird. Herzklopfen.

Die Gewissheit, dass man genau da ist, wo man sein will und genau das bekommt, was man braucht. Stimmigkeit.

Die Fahrt, Rock hochgezogen, breitbeinig, ohne Höschen. Durch Ortschaften, über Land. Seine Hand immer wieder zwischen meinen Schenkeln. Verlangen.

Am Ziel. Wald. Eine Wegkreuzung im Nirgendwo. Kalte Luft, die über meine Haut streicht während ich warte. Ruhe.

Fichten. Kahle Laubbäume. Schneereste auf dem Grund. Endlich an seiner Leine sein. Eigentum.

Geführt zum Hochsitz am Wegesrand. Festgebunden mit Seilen. Das rauhe Holz, das in die Haut drückt. Das Haar, das er mir fast schon sachte zur Seite streicht. Ausgeliefert sein.

Schläge, die mich zucken lassen. Hiebe, die mich tanzen lassen. Langsam, schnell, moderat, intensiv. Erste Tränen. Rückversicherung. Lust und Leiden.

Mühsam unterdrückte Schreie, Dienen, Striemen. Kälte, Liebkosungen, Wachs. Der Sog des Spiels. Willkür.

Losgemacht, gepackt und zurückgeführt werden. Die Sitzheizung wärmt den Arsch, die Schläge wärmen die Fußsohlen. Klammern, Schmerzen, Geilheit, Aushalten. Lob.

Lächeln. Zufrieden und entspannt. Erniedrigt, geschlagen und gefickt. Sein Sperma, das an meinen Schenkeln hinunterläuft. An meinem Platz sein.

Markiert als Eigentum. Und als seine notgeile kleine Schlampe. Sein Fickstück, seine Sub mit dem Sklavenherz. Für Stunden benutzt und doch jede Sekunde respektiert.❤

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Betteln

Das Thema war ein aus der Not des alleine zuhause Herumsitzens geboren, und der Herr fand es interessant.

Also, was fällt mir denn da spontan so alles ein…?

Um etwas zu betteln ist was anderes als um etwas zu bitten. Bitten kann ich um einen Gefallen, um Geld, um einen Rückruf, um einen Kaffee. Betteln hat etwas Dringliches an sich. Dass man etwas gaaaanz unbedingt haben will oder braucht. Und es hat was Erniedrigendes an sich, zumindest für mich.

Wenn ich um etwas bitte, und die Antwort fällt negativ aus, dann kann ich mich in ein ebenmäßiges, betont lockeres oder gleichgültiges O.K. … zurückziehen, und zumindest nach außen hin so tun, als ob es mich höchstens marginal kratzt, auch wenn ich innerlich enttäuscht oder angefressen sein sollte, weil es mir vielleicht ja wichtig war. Wenn ich eine Frage stelle, oder um eine Information, einen Termin, einen Vorschlag bitte, und ein nein bekomme oder eine Absage oder – was für mich ganz schlimm ist – die Frage ignoriert wird (absichtlich oder unabsichtlich, weil “überhört/überlesen”?), dann versuche ich immer, ein Pokerface zu wahren. Lalala, gar nicht schlimm, siehst du? Auch wenn ich mir das innerlich merke.

Wenn ich um etwas betteln muss (denn betteln tu ich niemals freiwillig, oder weil es mir Spaß macht. Dazu bin ich viel zu stolz und es kickt mich auch nicht irgendwie direkt sexuell – mehr dazu weiter unten im Text), dann habe ich mich schon so weit aus dem Fenster lehnen müssen, dass ich nicht mehr mit dem Pokerface der Gleichgültigkeit davonkomme, und mich in jedem Fall erniedrigt fühle, und bei einem Nein auch noch zusätzlich gedemütigt und zurückgewiesen.

Und im Alltag sind Erniedrigungen, Demütigungen und Zurückweisungen (unabhängig vom Betteln, denn ich bettele, wie gesagt, im Alltag nicht) drei absolute Garanten für Probleme mit mir. Ob ich fauchig werde, mich irgendwie angegriffen fühle und zum Gegenangriff übergehe, mit Kälte reagiere, mit gezielten Retourkutschen, oder verletzt und beleidigt bin und die Person für den Rest ihres Lebens bei mir verschissen hat, das ist situationsabhängig. Aber ohne Blessuren endet das mit mir nicht. Ist ja klar. Wer lässt sich sowas schon (gern) gefallen?

Um diese Gefühle, die das betteln müssen (und das womöglich auch noch erfolglos) auslöst, in etwas Positives im Sinne des BDSM umzulenken, braucht Dom Fingerspitzengefühl, Empathie und Geschick. Es braucht einfach die passende Art der Dominanz, die passenden Worte und “Griffe” (verbal und non-verbal).

Man(n) muss meinen Kopf erstmal da hinbekommen, wo ich überhaupt so devot ticke bzw denke, dass ich um etwas bettele. Das ist nicht selbstverständlich, schon gar nicht, wenn es sich um etwas handelt, das ich selbst überhaupt nicht will oder wirklich hasse. Das kriegt nicht jeder hin, zumindest nicht so, dass ich nicht sehr zögerlich bin und aus der Situation eigentlich nur noch raus will, weil es so fake ist oder nur peinlich und sonst nix. Und ich befinde mich definitiv nie so weit jenseits von gut und böse in irgendeinem imaginären Subspacetunnel (nicht der von Star Trek. Der andere 😉 , dass ich nicht schmerzhaft mitbekommen würde, was ich da gerade sage und tue, und damit kommen wir zum nächsten Punkt…. dass aus dem entsetzten Erstaunen in meinem Kopf ob meines Gebettels um irgendeine Handlung, um Schläge, um Erniedrigung etwas wird, aus dem auch ich selbst Lust oder Befriedigung ziehen kann, muss Man(n) meinen Kopf auch dort halten können, wo er ihn zuvor schon erfolgreich hinmanövriert hat.

Die Wellenlänge muss stimmen, und das, was vom Gegenüber ausgeht, muss authentisch sein und nicht irgendwie aufgesetzt. Und ich muss tief drinnen das sichere Gefühl haben, dass er mich mag und jenseits der Situation als Mensch respektiert, damit ich mich so “zum Trottel machen” kann. Und wenn es richtig gut funktioniert, dann finde ich die Erkenntnis, in welcher niederen, bettelnden Position ich mich da befinde, sogar ausgesprochen geil, so um drei Ecken rum. Denn es funktioniert nur um besagte Ecken rum, sprich, mein devotes Hirn muss voll da sein, und gut gefüttert.

Wenn mich jemand so weit hat, dass ich für ihn um etwas bettele, was ich eigentlich überhaupt gar nicht will, und es dann noch völlig stimmig und geil finde, mir dabei womöglich erniedrigt und gedemütigt vorzukommen, und wenn sich die erniedrigende Bettelei wie ein passender Ausdruck von Submission und wie selbstverständliches Dienen anfühlt, und dabei auch noch sämtlicher Eigennutz weg ist, und es trotzdem für meinen Kopf so passt, wie es ist….joa, dann hat Man(n) bei mir erstens echt nen Stein im Brett, und zweitens ganz offensichtlich den sehr seltenen Dreh raus.

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Corona und Co.

Das wird jetzt mal ein Eintrag aus geballtem Mimimi, und es fällt mir tatsächlich gerade zeitweise ziemlich schwer, nicht in Selbstmitleid auf der Couch zu versacken.

Vor ein paar Tagen habe ich die erste der beiden alten Rattendamen tot im Käfig gefunden. Es ging ihr schon länger nicht mehr so gut, sie hatte in immer kürzeren Abständen sowas wie Schwächeanfälle, wohl auch arge Rückenschmerzen, einen Bumblefoot, den wir jeden Tag behandeln mussten, und man merkte, dass ihr einfach allmählich die Puste ausging. Nachmittags haben wir sie beerdigt. Jetzt ist nur noch ihre letzte Schwester übrig, um die wir uns jetzt umso mehr kümmern müssen, weil sie kein Rudel mehr hat, und ich bezweifle, ob eine Vergesellschaftung mit den anderen klappen wird. Ich glaube, nach diesen zwei Rudeln, dem kleinen alten, und dem noch jüngeren, neueren, war es das für mich mit Ratten. Ich schaffe es seelisch einfach nicht, gefühlt alle 2 Monate ein geliebtes Haustier zu Grabe zu tragen. Wir haben alle geheult wie die Schlosshunde, sogar der Ex. Ich kann mit Sterben und Tod erwiesenermaßen sowieso nicht umgehen, und das ist mir alles zu viel. Und es ist nur die Spitze des Eisberges, unter dem ich mich gerade befinde.

Auch der plötzliche Tod meines letzten Herrn Ende Januar geht mir immer noch im Kopf rum, zumindest wenn ich durch meine WA Chats scrolle, und den einen grauen Haken sehe. Und das triggert altbekannte Denkmuster von wegen Verlustängste, Unsicherheiten, Schwarzmalerei etc, die ich aktiv unterdrücken muss, weil sie dem jetzigen Herrn gegenüber sinnlos und unangebracht sind.

Ich vermisse meinen Herrn, verdammt nochmal, und kann ihn doch nicht sehen. Weiß nicht, wie lange das so bleibt. Es könnten auch noch viele viele Wochen sein. Kommt ganz auf Corona an, und darauf, wann endlich Tests für alle gemacht werden können, und zwar schnell und ohne dass man das nochmal Tage später nachtesten muss. Die Angst, dass unsere noch ziemlich frische Beziehung mit erst ein paar Treffen bis jetzt, durch all die Belastungen und Sorgen von wegen Corona gepaart mit der räumlichen Distanz leiden könnte, macht mich echt fertig. Auch, wenn es keinen Pieps in diese Richtung gab bis dato. Ich mache mir trotzdem Sorgen, freue mich über jede Nachricht und jedes Gespräch, überlege mir, was ich schreibe, will nicht nerven oder lästig sein, will nicht sexuell needy rüberkommen in einer Zeit, wo man wahrscheinlich anderes im Kopf zu haben hat, obwohl die Sub in mir hintergründig immer dringend rauswill. Bin ganz erwachsen und vernünftig, und will doch eigentlich nur eine Umarmung und eine kurze Verschnaufpause, an meinen “Felsen” gelehnt. Mich ausheulen können. Einen Kuss auf den Scheitel, ein “alles wird gut”. Auch, wenn es beschönigt, blind, oder schlicht gelogen wäre. Ich nähme alles. Auch wenn ich weiß, dass das halt nicht geht. Und, dass er sich auch große Sorgen macht, wie die Welt sich verändern wird durch diesen Clusterfuck.

Die Sorge, dass ich mich oder jemand, den ich kenne oder mag sich mit Corona infiziert, ist auch nicht ohne. Jede Andeutung einer Erkältung betrachte ich argwöhnischst. Und ich habe ein sehr mulmiges Gefühl, wenn ich doch alle 7 bis 10 Tage mal für Salat&Co in den Supermarkt muss. Ich kenne die Videos aus Italien. Die armen Menschen. Schöner Dreck.

Eine weitere große Baustelle ist meine Mum, bei der es absehbar ist, dass sie es auch nicht mehr ewig macht. Sie ist in den letzten Jahren wirklich “alt” geworden, und körperlich wie geistig unflexibel, und schafft auch keinen ausgedehnteren Bummel durch irgendeine Innenstadt, oder eine kleine 2-Stunden-Wanderung um einen See mehr. Redet und denkt wie eine alte Frau, nicht wie jemand, der jung geblieben ist im Geist. Hat diverse körperliche Gebrechen, nimmt diverse Medis, und obwohl wir sehr verschieden sind und oft genug von unserer Einstellung zu den Dingen und unserer Denke her aneinander geraten, bekomme ich regelrecht innerliche Panik, wenn ich daran denke, dass sie irgendwann nicht mehr da sein wird, und ich dann de facto allein hier sein werde, bis auf die Kinder. Und Corona macht es momentan echt nicht besser. Sie gehört zur Premiumklientel für das Virus. Der Ex ist da, ja, aber der wird irgendwann wegfallen falls er zurück in die Heimat geht, wenn die Kinder alt genug sind. Und er ist ja der Ex, schließlich. Und dem jetzigen Herrn, auch wenn wir forever after zusammenbleiben würden, würde ich mich bzw meine persönliche Last nicht aufhalsen wollen. Ich habe immer alles mit mir allein ausgemacht. Dieses Mal habe ich allerdings tatsächlich Angst.

Da kommt viel zusammen. Das zumindest zur Zeit wochenlange Alleinsein – Corona sei Dank – das Vermissen, die Verantwortung für alles hier, die generelle Traurigkeit oder Melancholie oder wie immer man es nennen mag, die ich schon habe so lange ich mich erinnern kann, und die mich immer mal wieder einholt und kurzfristig überrollt, aber auch die krassen Veränderungen in meinem Leben und im Job, und alles zum Negativen.

Ich bin in diesen Job vor inzwischen fast 20 Jahren hineingeraten, als mein Vater schwer erkrankte und einige Zeit später starb. Bis dahin hatte ich mein Abi gemacht, einige Zeit in München halbherzig rumstudiert, hier und da gejobbt, und war dann nach London gezogen. Das war eine meiner wenigen intuitiven Hau-Ruck-Entscheidungen im Leben, und eine der ganz wenigen, die nicht total in die Hose gingen. Es war eine tolle Zeit, mit wenig Geld, aber viel Party und Spaß. Und Liebe. Und Kursen an einer Tourismusschule, und einem Cambridge-Zertifikat in Englisch. Nur, dass ich meine weitere Zukunft nicht dort aufbaute, sondern nach etwas über einem Jahr wieder daheim in der Provinz endete. Ob ich auf die Schnapsidee kam, was mit Tourismus machen zu wollen, oder ob meine Eltern mich einwickelten, ich weiß es tatsächlich nicht mehr. Jedenfalls machte ich eine auf 2 Jahre verkürzte Lehre zur Hotelfachfrau. Und. Habe. Praktisch. Jede. Minute. Davon. Gehasst. Inklusive des Gastronomie-üblichen Mobbings durch schon ausgelernte Kolleginnen und des branchenüblichen Ignorierens von Arbeitszeitenregelungen. Trotzdem zog ich sie durch, mit Einserabschluss.

Warum? Keine Ahnung. Weil ich es immer irgendwie wollte, dass andere Leute mit mir zufrieden waren? Weil ich es allen anderen Recht machen wollte? Weil ich keinen Plan hatte, was ich sonst, stattdessen machen sollte? Weil ich zu feige war für einen harten, klaren Schnitt und einen Neuanfang? Weil ich meine Eltern nicht enttäuschen wollte? Ich weiß es nicht. Vielleicht von allem etwas. Und der geneigte Leser meiner BDSM-Beiträge wird vielleicht rauslesen können, dass devot sein mir da wahrscheinlich auch nicht sehr geholfen hat, so von meiner Grundeinstellung her.

Und jemanden, der die Dinge für mich regelte und mich in die richtige Richtung schubste oder an die Hand nahm, gab es nicht. Den hätte ich wahrscheinlich gebraucht. Ich bin kein Anführer. Ich bin auch kein hirnloser Mitläufer, und kann mich in gehobener Position einbringen, aber der Job des Chefs mitsamt der Verantwortung und der Gespräche und Situationen, wo es hart auf hart kommt, und wo man sich auf die Hinterbeine stellen muss, und ja, eben den “Chef raushängen lassen”, die hasse ich, die kann ich nicht, die machen mir einen Wahnsinns-Stress. Konfliktsituationen, Angestellte tadeln, mein gutes Recht einfordern, auf Stornozahlungen beharren, Leuten sagen, dass das, was sie da tun, mit mir nicht läuft. Ich kriege es hin, aber es kann sein, dass ich vor so einem Gespräch tagelang Gedanken wälze und mich stresse. Ein richtiger Anführertyp sollte das doch locker hinbekommen, und womöglich noch seinen Spaß daran haben, zu “gewinnen”, oder? Meine Sehnsucht nach der Hand, die ich ergreifen kann, begleitet mich schon mein ganzes Erwachsenenleben, während ich stark bin und auch sein muss, und alles für mich regle, und irgendwie immer funktionieren musste, egal was war. Und gerade jetzt muss ich auf den Wahrheitsgehalt hinter “was dich nicht umbringt, macht dich stärker” hoffen.

Seit schon bald 20 Jahren mache ich diesen Job als Selbständige. Ohne BWL-Wissen, oder Studium. Ohne FH. Ohne Weiterbildung nach der Lehre. Dafür war keine Zeit mehr, weil Vaters Krankheit es eben verlangte, ins kalte Wasser zu springen. Ich habe mir alles selber beigebracht, und mir erlesen, was ich so brauchte. Für den Rest habe ich ein gutes Steuerbüro, das einen mittleren Goldbarren im Quartal als Vergütung nimmt, mir dafür aber das Finanzamt vom Leib hält und sich um Einhaltung von Deadlines und die Abschlüsse kümmert.

Rückblickend betrachtet hätte ich damals gleich am Anfang Schluss machen sollen, aber dafür war ich ja zu gutmütig, zu loyal, zu doof, zu unbeweglich, zu ängstlich. Ich habe die letzten fast 20 Jahre wenig gelebt, wenig Spaß gehabt, wenig für mich selbst getan, und immer nur für die anderen funktioniert. Sogar hochschwanger und spätestens 7 Tage nach den Geburten der Kinder habe ich wieder Vollzeit gearbeitet. Durch Schleimbeutelentzündungen in der Hüfte und der Schulter hindurch. Mit Fieber und grippalen Infekten. Immer, eben. Den Luxus, meinen Chef anzurufen und bei Lohnfortzahlung daheim zu bleiben, hatte ich nie. Klar, ich WAR ja der Chef. Selbst und ständig. Für keinen Cent mehr Einkommen, als ich z.B. mit dem Job meiner Besten bei einem großen Versicherer bekommen hätte, aber mit viel weniger Schlaf, fürchterlichen Arbeitszeiten, und dem vollen Risiko.

Tja, und jetzt Corona. Als Selbständige in der Hospitality Industry. Lange Rede, kurzer Sinn, die Buchungen, die ich für März, April, Ostern hatte, sind storniert. Dazu kam seit vielen Tagen nix mehr, und auch für die Feiertagswochenenden im Mai, für Pfingsten, sogar für den Sommer bucht kein Mensch. Nix. Stille. Grillenzirpen. Totale Leere im Buchungskalender, in einer Zeit, wo sonst die Buchungen für Ostern, Mai, Juni, Juli und teils schon später hereinflattern. Weil keiner weiß, wann es wie weitergeht, schon klar. Und seit einer Woche dürfte ich eh nur noch Geschäftsreisende oder Monteure unterbringen, aber keine Urlauber. Urlauber??? Was ist das denn. Und auch Monteure oder Geschäftsreisende gibt es hier gerade nicht.

Die Allermeisten hier haben jetzt halt einfach geschlossen. Wie lange, das weiß keiner. Und wenn es stimmt, dass es durchs Jahr hindurch mehrere Infektionswellen geben wird, ein Hü und Hott zwischen halbwegs normalem Leben und Ausgangsbeschränkungen, dann kann das kein noch so stabil stehendes Geschäft, Laden, Hotel etc auffangen. Ein paar Wochen, oder bis Sommer mit Soforthilfen, ja vielleicht. Bis Jahresende sicher nicht.

Mein Steuerbüro informiert sich zur Zeit über die Regelungen, und dann wird es Kurzarbeitergeld, Anpassungen der Abgaben für Strom, Wasser/Kanal, Müll, und Neuberechnung der Steuervorauszahlungen etc geben.

Aber trotzdem, andere Kosten von der horrend teuren Krankenversicherung über andere Versicherungen über GEMA, KabelTV, und vieles andere läuft ja trotzdem weiter. Noch ist etwas Geld da, aber ewig reicht das nicht mehr, und Hilfen bzw Sofortgeld kann ich erst beantragen, wenn ich pleite bin, soviel ich weiß. Das heißt, selbst das kleine Polster, das ich mir mit vielen Jahren Buckeln mühsam zusammengespart habe, wird draufgehen. Unverschuldet. Na danke. Und wenn der Spaß wirklich bis zum Herbst dauert, dann kann ich auch damit einen kompletten Saisonausfall bei weitem nicht abfedern. Und nur, weil es sich hier niemals um meinen Traumjob gehandelt hat, heißt das nicht, dass ich gerne damit baden gehe.

Wobei ich ja als Zugehörige der Risikogruppe, mit meinem modulierten Immunsystem, witzigerweise gar nicht mit bzw für potentielle Bazillenschleudern arbeiten sollte, wenn es mir endlich wieder erlaubt sein wird, wiederzueröffnen. Infektionsschutzgesetz. Wäre ich angestellt, dann müsste mein Arbeitgeber dafür sorgen, dass ich dort bzw so arbeiten kann, dass ich es nicht mit potentiell infizierten Leuten zu tun bekomme. Ich bin aber selbständig, und deshalb habe ich auch diesbezüglich die Arschkarte und keine Behörde und keine Versicherung und keine IHK und kein Gesundheitsamt fühlt sich ansatzweise verantwortlich für mich. Stellen wir also fest, dass mein Betrieb hopps geht, wenn keine Touristen da sind, und ich eventuell hopps gehe, wenn Touristen da sind. Super, ne? Wann kommt nochmal diese Impfung raus, damit ich halbwegs sorglos arbeiten kann???

In diesem Zusammenhang möchte ich noch sagen, dass mich hämische und selbstgefällige Aussagen von linkslastigen Herrschaften von wegen “unternehmerisches Risiko” und “Arbeitgeber sollte man zu Handlung Xy zwingen für ihre Arbeitnehmer blabla” oder von unserem lieben Vorzeigegrünen vom Dienst Herrn Habeck “sollen die Schließungszeit nutzen, um umweltfreundliche Heizungen einzubauen (!!!??!?)” UNENDLICH wütend machen. Ich bin nicht reich und reiße mir 15 Stunden am Tag und bis zum saisonalen, nächtlichen Heulkrampf vor lauter Erschöpfung den Arsch auf, ihr widerlichen Deppen. Und verliere vielleicht so wie zahllose andere kleine Leute meine Existenz, weil – im Endeffekt – es irgendwelche Idioten am anderen Ende der Welt einfach nicht bleiben lassen konnten, irgendwelches räudiges Wildgetier zu fressen, wovor die WHO seit spätestens SARS immer wieder gewarnt hat, weil das nämlich sprichwörtlich PANDEMIEN AUSLÖSEN KANN, VERFICKT NOCHMAL. Das muss man mal sacken lassen. Butterfly effect für Fortgeschrittene.

Joa, und all das und noch einiges mehr, was den Rahmen des Mimimi aber deutlich sprengen würde, geht mir jeden Tag im Kopf rum und hält mich bis in die Nacht wach, und das ist der Grund, warum ich auf sehr viel Blödsinn, den ich auf Twitter und sonstwo mitbekomme, meist einen klitzekleinen Hauch undiplomatisch reagiere und eine sehr begrenzte Toleranz gegenüber Idioten habe. Vielleicht verständlich. Wenn nicht, dann ist mir das auch wurscht.

Ich werde mir die Zeit, bis es hier mit irgendwas weitergeht, mit Wohnung ausmisten, backen, kochen, gärtnern (bei mir stirbt eigentlich alles außer Orchideen, also wird das interessant), aufräumen, Wände streichen, bloggen, mit den Kindern rausgehen, mich pflegen, und etwas Sport verbringen. Vielleicht schwinge ich mich auf das verhasste Spinningrad vom Ex, oder ich bemühe eine Yoga App. Es besteht nämlich die große Gefahr, dass ich bei Langeweile und Frust fresse, und ich möchte nach der Ausgangssperre noch durch die Türe passen. Eine Sprache lernen per App. Lesen. Versuchen, herauszurechnen und zu brainstormen, inwiefern und ob sich dieser Betrieb noch möglichst kostengünstig führen lässt, und wie ich mit möglichst wenig blauem Auge durchkomme. Und ich werde schlafen, wenn ich kann. So viel wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Freizeit keinen so hohen Preis hätte.

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