Und wieder ein Jahr, und wieder ein Fragezeichen

So. Jahresrückblick plus Ausblick aufs nächste. Wieder mal.

2018 war durchwachsen und unruhig, mit vielen Ungewissheiten, fiesen Enttäuschungen, der Notwendigkeit, bekanntes Terrain zu verlassen, und sich zurück auf den Markt zu begeben, den ich vor Ewigkeiten schon beschrieb…

https://crimsongonedark.wordpress.com/2017/02/14/die-geschichte-von-der-sklavin-die-auszog-ihren-herrn-zu-finden/

Und seitdem hat sich ehrlich gesagt leider nicht wirklich viel geändert.

Lug und Trug, miese Kommunikation, Trennung, falsche Versprechungen, Wundenlecken, Blödheiten, lächerliches Dominanzgehabe, Interesse grundsätzlich und fast immer von Switchern, Gebundenen, Kuschelfickern, Leuten von 5 Autostunden weiter nördlich, oder “vorwiegend dominanten” Männern. (Was zur Hölle ist eigentlich “vorwiegend dominant”??? Entweder du bist es, oder nicht. Und 90% derer, die denken, dass sie es sind, sind es auch nicht.)

Kostproben gefällig?

Leute, die mehrgleisig fahren, natürlich heimlich.

Leute, die dich mit “Hallo Sklavin” anschreiben

Leute, die sich eine Woche lang gut benehmen, es dann nach WA schaffen, und dir als erstes ein Schwanzbild schicken. UND HÄSSLICH WAR ER AUCH1!!11

Leute, die sich anhören, was aus Gründen eben gar nicht geht, und dir sofort schreiben, dass sie dich zu *bitte hier Tabu einfügen* machen werden. Und du es LIEBEN wirst. SAG MAL HABEN SE DICH ALS BABY AUF DEN KOPF FALLEN LASSEN, JUNGE???

Leute, die ein “Nein” ignorieren. Grundsätzlich. Scheißegal, ob du es freundlich, bestimmt, sauer, oder 5x sagst.

Leute, die unbedingt mit dir “Kaffee trinken” wollen, und als Belohnung dafür, dass sie 150km her fahren (was du von Anfang an nicht wolltest, und ihnen gefühlte 10x sagtest, dass das keinen Sinn macht, weil sie einfach zu weit weg wohnen, um was anzufangen) dir mindestens mal unter den Rock greifen dürfen wollen. HALLO?…

Penetrante Leute. Leute, die nicht lesen können. Leute, deren Dominanz so unecht und gespielt rüberkommt, dass ich maximal grinsen muss, meist aber nur leicht abschätzig den Kopf schüttele.

Ganze drei Männer haben es 2018 seit der Trennung ins real life geschafft.

Ein Twitterer. Ein sehr unterhaltsamer Kaffee.

Mein kinky Vanilla. Der Kerl, der denkt, er sei dominant. Ich weiß es besser, aber habe ihn unter meinen Flügel genommen.

Der Ritter. Drei tolle Wochen in WA, eine herrliche Party, eine wunderschöne Nacht, und…..ein Haufen Wehmut. Ich hätte gerne weitergemacht, in welcher Form auch immer. Fortsetzung folgt aber nicht, leider. Was immer seine Gründe sind, so nett und wortgewandt bin ich noch nie abserviert worden. Im Endeffekt denke ich, dass mein Scheißjob und die Entfernung ihn abgeschreckt haben, etwas festes zu beginnen, so wie fast alle anderen, eventuell brauchbaren Kandidaten, die da je waren.

Und ich habe beim Ritter einen großen Fehler gemacht.

Ich habe ihn von der ersten Sekunde an gemocht, habe mich in seine unglaublich schöne Stimme schockverliebt, und habe, seiner fürsorglichen, zärtlichen Art und seinen Küssen geschuldet, Emotionen zugelassen. Das mache ich sonst nicht. Zumindest nicht so schnell, und nur, wenn ich merke, dass das *mehr* wird. Körperlich sehr schnell sehr weit gehen, ist kein Problem. Warum auch. Ich bin erwachsen. Ich darf das. Aber mein Herz gibt es dazu nicht. Eigentlich.

Das letzte Mal, als es für mich dieses *mehr* war, hat mein damaliger Herr mein Vertrauen missbraucht und mein Herz mit Füßen getreten und ab da habe ich die Schutzmauer hochgezogen. Das klappte auch gut. Spielnachmittage, Freundschaft+, man mag sich, aber nicht mehr. Man schuldet sich nichts, und die Sache bleibt angenehm unkompliziert. Ficken und Spielen und SM geht ohne tiefe Gefühle ganz wunderbar. D/s macht mit einer unverbindlichen Spielbeziehung eh keinen Sinn.

Beim Ritter hab ich es verbockt. Ich habe die Zugbrücke runtergelassen, habe erlaubt, dass er mich nicht nur körperlich, sondern auch emotional berührt, und es war so schön, eine Nacht lang. Ein kleiner Vorgeschmack auf was sein könnte. Und ich bin so ausgehungert, was Zärtlichkeiten und Zuneigung betrifft. Verdammte Scheiße, ich bin in seinem Arm, an seine Brust gekuschelt, eingeschlafen. Das gab es bald 15 Jahre nicht mehr. Ich bin in einem Zustand, wo ich an schlechten Tagen fast losheule, wenn man mich in den Arm nimmt. Nähme. Denn das passiert ja nicht.

Und die Suppe, die ich mir mit der idiotischen Aktion eingebrockt habe, musste ich jetzt den ganzen Dezember durch allein auslöffeln. Wunden lecken, die ich mir selber zugefügt habe vor Blödheit.

Nun gut, 2019 werde ich weitersuchen, mich treffen, spielen, und hoffentlich auf die ein oder andere Party gehen. Leben. Und doppelhoffentlich endlich einen passenden Dom finden, für eine langfristig ausgelegte, regelmäßige Spielbeziehung. Einen, der mich zu schätzen weiß. Und wenn nicht, dann nicht. Spaß haben kann ich auch mit dem kinky V. Auch wenn ich zugeben muss, dass mir der freie Kopf, die Spuren, die therapeutischen Tränen in einer guten Session bitter fehlen.

Fast so sehr wie das Gefühl, geliebt zu sein, und zu GEHÖREN.

Aber mein Herz sitzt wohlbehütet in einem 3-fach verstärkten Wehrturm, und die Männerwelt muss bis auf Weiteres mit meinem Arsch vorlieb nehmen. Was ja kein Problem zu sein scheint, da der ja das einzige ist, was sie interessiert.

Very well.

 

 

 

 

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Ritter, Pferdchen und Gerten Teil 2 – die SRD

Spoiler: Wer hier auf tonnenweise Sessions und heißen Sex wartet, der wartet vergeblich. Das war keine ausgewiesene Spielparty, sondern eine Flaniermeile, ein Sehen und Gesehenwerden, eine Möglichkeit, sich aufzudonnern und Gleichgesinnte zu treffen, und auch ein bisserl zu spielen oder seinen voyeuristischen Tendenzen zu frönen.

Die Taxifahrt war angenehm und stressfrei und schwupps , €17 plus Trinkgeld später standen wir 50 m vom Lovelace entfernt auf dem Gehsteig. Alle paar Sekunden liefen aufgestylte Leute vorbei, und irgendwo unter Mänteln und Jacken blitzten Netz, Leder oder Spitze hervor, oder diverse High Heels oder Boots in rotem oder schwarzem Lack. Da wusste man dann immer schon, wo die hin wollten.

Der Eingang war bemannt vom Türsteher im Smoking, der darauf achten sollte, dass keine zugesoffenen Turnschuhträger reinkamen, nehme ich an. Die Garderobe und der eigentliche Einlass waren die breite Treppe hoch, im 1. Stock. Also…nach oben.

 Die Schlange für die Garderobe war so ellenlang, dass sie den kompletten Gang runter reichte, was für viele Lacher und Kommentare, und als gefundenes Fressen für Small Talks unter den durchwegs gut gelaunten Wartenden sorgte. Es war in dem Gebäude auch sehr warm, was erstens gut war, weil frieren in einer Venue scheußlich ist, und zweitens weil sich die Gäste in der Schlange praktisch sofort die Mäntel vom Leibe rissen. Was da drunter zum Vorschein kam,  war sehr……interessant 😉

Der Ritter hatte mir ja schon ins Korsett geholfen, und war ausgesprochen angetan von meinem Outfit. Dort in der Warteschlange scannte ich dann unauffällig die Damen vor und hinter mir, und uff, mein Outfit war perfekt passend für den Abend. Korsett, Vokuhilarock, ein Hauch Goth, ein Hauch Steampunk, Halterlose mit breitem Rand aus Spitze, schlichte Wildlederstiefel, hoher Pferdeschwanz, der tolle Halsschmuck aus Metall, und ein String in matter Lederoptik. Den hätte es nicht gebraucht, aber der Rock war vorn extrem kurz, ich wollte auch mal sitzen, soweit das Korsett dies zulassen würde, und das war kein O-Event, wo man seine Fotze unbedingt permanent der (Männer)Welt präsentieren muss. Und der Ritter hatte ja schon gesagt, dass er das Teil eh nicht als Hindernis empfinden würde. Also, alles gut. 🙂   

Und….es wurde schon in der Garderobenschlange klar, warum ich mich auf solchen Events so wohl fühle. Es gab Lack, Leder, Latex, Netz, Rüschen, Spitze, Glitter, Glamour, Federn, Lämpchen, Masken, Krinolinen, Korsetts und Geschirre….Der hauptsächliche Altersdurchschnitt dürfte bei 35 bis maximal 55 Jahren gelegen haben, wobei auch viele jüngere und auch ältere Semester da waren. Aber man hatte weder den Eindruck, die Rentnerin auf der U30-Party zu sein, noch, den Altersdurchschnitt im Alleingang senken zu müssen. Und: wie immer bis dato, gab es die komplette Bandbreite an Körpern bzw Formen. Lang, sehnig, dürr, schlank, kurvig, dick, seeeehr dick. Und von ellenlang bis winzig, und von ultrablass bis solariumsgegerbt und von null Piercings bis Nadelkissen und von null Tattoos bis Wandteppich. Und niemand starrte jemand anderen blöd an oder lästerte, weil der oder die keine Twitterpost-taugliche Modelfigur besaß und trotzdem in knappen, engen, kurzen Fummeln rum lief. Ich liebe das. ❤

Während ich so vor mich hin sinnierte, kamen wieder zwei Leute für die Garderobenschlange an uns vorbei, um sich einige Meter hinter uns anzustellen, während wir langsam nach vorne rückten. Eine Frau im -sehr- kleinen Schwarzen hatte ihren Sklaven im Schlepptau. Er trug einen Halsreif aus Metall, samt O-Ring, aber dort war die Leine nicht befestigt. Sondern an einem der unzähligen, teils mit Glitzersteinchen besetzten Piercings an seinem -halbsteifen- Schwanz, an dem sie ihn forschen Schrittes hinter sich her zog. Ok, ich bin doch ein Landei und war zu lang nicht auf Fetisch/bdsm Events. Bloß nicht ungläubig starren. Cool bleiben, äh, was wollte ich nochmal zum Ritter, der halb mit dem Rücken zum Gang stand, und davon nichts mitbekommen hatte, gerade sagen? Ach ja…….Übrigens gab es ziemlich viele Femdom-Paare an diesem Abend.

Dann waren wir endlich vorne, und konnten die Jacken abgeben. Freiheit! Drinks!!

Wir kämpften uns an die nächste freie Bar durch und bestellten erst einmal ein Bier. Schließlich war weder eine Session geplant – für die Alkohol ein absolutes No-go wäre !!!- NOCH musste einer von uns fahren. Dann begannen wir, uns umzusehen. Die Tatsache, dass ich bei jeder Gelegenheit seine Hand um meine (im Korsett sogar vorhandene) Taille oder auf meinem Rücken oder auf meinem Arsch spürte, registrierte ich sehr erfreut. Oder anders gesagt, ich habe einen solchen aufgestauten Mangel an Streicheleinheiten, dass es nicht mehr feierlich ist. (Lasse sie aber höchst selten zu, weil sie eben für Zuneigung, Vertrautheit und Emotionen stehen, und falsche Erwartungen wecken und Verletzlichkeit riskieren könnten. Süchtig machen. Verwundbar machen. Vor allem, wenn es ums Küssen geht. Ums in den Arm nehmen. Ums Hand in Hand gehen, samt Fingerstreicheln usw. Das ist nicht One Night Stand-Gedöns. Das ist nicht Partyabend plus Fun Fuck. Das ist auch nicht reine Spielbeziehung. Das ist Teufelszeug.) Aber bei ihm machte ich eine Ausnahme. Was auch immer dieser Mann mit mir machte, ich mochte es. 

Die Location bestand aus mehreren Stockwerken, samt Lift und Treppenhäusern, mit einer 4-stöckigen Gallerie in der Mitte, und mehreren verschieden großen Räumen, die entweder Dancefloors oder Play Areas waren, und “Ausbuchtungen” bzw Ecken, in denen die Bars und Sitzgelegenheiten lagen. Am Ende der jeweiligen Stockwerke ging es auf den großen Balkon bzw die Dachterasse als Raucherbereiche, arschkalt trotz Heizpilzen, aber mit sensationellem Blick über die Altstadt. ❤   Und direkt hinter der Garderobe waren 6 oder 8 Umkleidekabinen für die, die sich erst im Lovelace umziehen wollten. Diese Kabinen waren, sagen wir mal, später noch sehr universell einsetzbar mit dem Stuhl darin und dem schwarzen Vorhang davor. Hab ich gehört. 😎 Wahrscheinlich konnte man vom 3. Stock aus von oben spannen, wenn man die Gallerie runterguckte, aber was soll’s.

Irgendwo in diesem Gewirr fand der Ritter dann Bekannte, ebenfalls ein Paar, bei dem der Er das Halsband trug, und zwar in Form eines Ferntrainers, eigentlich für Hunde. Es machte ihr (? ich bin mir bis heute nicht ganz sicher) sichtlich Spaß, ab und zu aufs Knöpfchen zu drücken und ihn zucken zu sehen. Sah lustig aus, gnihihi. Wir liefen weiter, und endeten auf einem der Dancefloors. Der mich sehr an meine lang vergangenen Clubnächte in London, zwischen Depeche Mode, NIN und Rammstein, erinnerte. Nur mit ein paar Quadratzentimeter mehr Stoff. Und vielleicht war die Hand der damaligen Begleitung nicht ganz so offensichtlich zwischen meinen Beinen. Ich kann mich gar nicht erinnern….😇

Wir machten einen Abstecher auf den Raucherbalkon, mit Umweg über eine der Play Areas. Ganz schön gestaltet, in pink-lila Licht, ausstaffiert mit Metallmöbeln und Kreuzen aus Edelstahl. Am späteren Abend spielten dort auch einige Leute, aber wir wollten nicht draufstarren, und schlängelten uns zwischen zwei oder drei nackten Tatsachen hindurch Richtung einer ruhigen Ecke im Playroom, bevor wir in eine der Umkleiden wechselten, wo ich dann noch meinen kleinen Hunger stillte. 

Übrigens, liebe Veranstalter: ein klitzekleiner Vorrat an Snacks, Fingerfood oder überhaupt irgendwas Essbarem hätte nicht geschadet. Es gab viele Leute, die ab Mitternacht oder 1 Uhr ein Hüngerchen hatten, und ein paar Pappteller mit Spekulatius für 750 Leute+ waren eher dürftig.

Lange Rede, kurzer Sinn, es war ein Fest der Farben (na ja, schwarz), der Materialien, der Kostüme und Outfits, der Opulenz, und des Sehens und Gesehenwerdens. Mit Haut und Haaren, Sex und Erotik, Spaß und auch Spiel.

Um ca. 3 Uhr verschwanden wir zum Taxistand und zurück ins Hotel, wo wir zu müde zum Spielen, aber zu geil zum Schlafen waren. Verdammt. 😂

Nach sehr wenig Schlaf, Dusche und endlich was zu Essen (aka Frühstück) fuhren wir dann wohl oder übel Richtung Alltag und Heimat. Ende offen. Weiteres Treffen geplant.

Gerne wieder. ❤

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Ritter, Pferdchen und Gerten

Teil 1

Der Partybericht. Das “Fast-Blind”-Date mit dem “Ritter” (also dem Mann, den ich vor über 3 Wochen im Joy kennengelernt habe. Und spontan beschloss, mit ihm ein Erst-Date zur Sub Rosa Dictum zu haben.) Die Zusammenfassung der Rückkehr ins Nachtleben. Etwas wund, und ziemlich übermüdet, aber sehr zufrieden mit mir und der Welt.

Ausnahmsweise überpünktlich, fand ich auf Anhieb einen kostenlosen, guten Parkplatz für mein Auto am vereinbarten Ort, wo der Ritter mich abholen würde, um mit nur einem Auto nach München weiterzufahren. Es war zu warm für Schnee, ich hatte tatsächlich nichts vergessen einzupacken, und all meine Sachen in einen kleinen Koffer bekommen.

So weit, so gut. Ich vertrieb mir die gute Viertelstunde Wartezeit auf ihn mit Twittern und WA, bemüht, die allmählich extreme Nervosität zu unterdrücken. Wieso mach ich nur immer sowas? Wieso treffe ich neue, unbekannte Leute? Ich bin doch schüchtern, Herrgott. Wieso bleib ich nicht einfach daheim, und twittere fleißig zum Thema Bdsm? Und dann noch eine Clubnacht. Ja, früher, in London, bin ich jedes Wochenende um 4 Uhr morgens aus irgend nem düsteren, abgefuckten Rock Club gefallen. In PVC-Tops, Fishnets, Shorts, Boots….aber da war ich 20 Jahre jünger und sicher 10 kg leichter. Verdammt. Und dann noch die Sache mit dem Ritter…

Ein Auto fuhr an meinem vorbei, wendete, und stoppte. Und da war er dann, der Ritter. So, wie er sich beschrieben bzw gezeigt hatte, und ohne vorherigen Foto-Beschiss. Wir begrüßten uns mit Wangenbussi und einer herzlichen Umarmung, die sich gut anfühlte und nicht im entferntesten falsch oder gekünstelt. Wir grinsten uns an, und weil er sowieso raucht -wenn auch nicht viel- und ich nervös war, und beschlossen hatte, dass meine Gesundheit eine Partynacht alle heiligen Zeiten mal auch aushalten muss, rauchten wir eben erst mal eine, und dann trug er ritterlich meinen kleinen Koffer zu seinem Auto und bemerkte noch, dass ich kleines Gepäck hätte als Frau, und für so eine Party. Jaja, liefere mir nur Steilvorlagen für zweideutige Konter. 😉

Wir hatten viel zu reden auf der Fahrt nach München. Unterbrochen von einer Raststättenpause, um den letzten Kaffee  wegzutragen und neuen mitzunehmen.

Ab und zu fragte er mich, ob ich noch sehr nervös wäre, und seine Hand wanderte irgendwann zu meinem Knie. Auch das fühlte sich gut an und nicht gezwungen. Sogar so natürlich, dass ich meine Hand darauflegte. So etwas zu tun hat für mich Seltenheitswert, und ich bin da auch sehr zögerlich normalerweise. Das hat nichts mit Sex oder Spiel zu tun, sondern mit Nähe und Vertrautheit, und sowas ist emotionales Teufelszeug. Mit diesem Vertrautheitskram öffnet man die Büchse der Pandora. Tja nun.

Aber er hatte mir ja schon im Vorfeld gesagt, dass er mit mir auf diese Party möchte, und wir einfach eine gute Zeit haben sollen. Alles kann, nichts muss, und wenn es für mich nicht für mehr passt, dann wäre das auch kein Problem. Kein Zwang, kein notgeiles Rumgeschwanzel. Die gegenseitige Sympathie, die für mich selbst zu ONS einfach notwendig ist, die war allerdings da.

Im Hotel angekommen, parkten wir in der Großgarage darunter (10€ für die Nacht, ein Münchner Schnäppchen), und nahmen unser Zimmer in Beschlag. Es war eins der vielen Ketten-Hotels rund um die Messe, deshalb endeten wir in einem sehr schönen Zimmer, in dem man es sehr gut aushalten konnte. Vorher bestellten wir noch ein Taxi in die Innenstadt für 22 Uhr. An einem Samstag Abend selbst direkt in die Innenstadt zu fahren, und dort einen Parkplatz zu finden, das wäre eine saudumme Idee gewesen. Vor allem, wenn das Taxi  gerade mal 17€ kostete, völlig stressfrei.

Die Location der  SRD war das Lovelace, ein wunderschönes Stadtpalais/Hotel, eine der tollen Altbauten in der Innenstadt, einen Steinwurf vom “Bayrischen Hof” entfernt. (Ich liebe München als Stadt ja heiß und innig, muss dort aber auch keine Miete bezahlen, oder mit Kind und Kegel Tram fahren, oder Einkäufe 4 Stockwerke ohne Lift hochschleppen, oder abends nach der Arbeit einen Parkplatz suchen. Ich bin ja “Tourist” und dafür ist München um Königsplatz, Prinzregentenstraße, Schwabing, Odeonsplatz, Viktualienmarkt, Gärtnerplatz und Glockenbachviertel herum einfach ein wirkliches Juwel.)

Nun denn. Im Zimmer angekommen, kam das Ding mit der Nervosität wieder. Herrgott nochmal, ich bin doch kein Teenager, aber könnte trotzdem nie diejenige sein, die den ersten Schritt macht. Rotwein. Gute Idee.

Ich war froh, dass der Ritter das innerliche Rotieren durch einen langen, sehr schönen Kuss einfach beendete. Und wenn man mich im Genick still hält, und mir die Entscheidungen ab diesem Punkt einfach abnimmt, dann bin ich darüber alles andere als unglücklich. Und dass er mich irgendwie lesen kann, und ein sehr gutes Gespür für sein Gegenüber hat, kam auch gleich durch. “Du bist ein totaler Kopfmensch, nicht wahr? Wir müssen versuchen, deinen Kopf abzuschalten. Der rotiert gerade noch.” Sprachs, legte sich aufs Bett, und klopfte auf die Stelle neben ihm. 

Hier könnt ihr jetzt Porno Content einfüllen, wie ihr wollt. 😉 Auf jeden Fall wurde der Wein immer weniger, und das “Kennenlernen” so deutlich und allumfassend intensiviert, dass es völlig lächerlich gewesen wäre, zukünftig noch irgendwie nervös oder scheu zu sein. Und zack, war es eineinhalb Stunden später, und höchste Zeit, zu duschen und sich zu stylen.

Er war natürlich deutlich schneller als ich, und half mir mit geschickten Fingern beim Schnüren des Korsetts. Meins war eines, das hinten hochgeschlossen bis zum Nacken ist. Sowas bekomme ich nicht ohne Hilfe ordentlich geschnürt. Beim Höschen befand er, dass es saukalt sei, und wenn er an dem Teilchen vorbeiwollte, würde das eh kein Problem darstellen, da mein Rock ja vorn eh nur bis zu den Spitzenrändern der Strümpfe ging. Bei den Schuhen entschieden wir uns für die flachen, schlichten, wadenhohen schwarzen Wildlederstiefel. Erstens passten sie super zum Outfit. Und zweitens findet er es furchtbar, wenn Frauen den halben Abend spürbare Scheißlaune haben, oder kaum wohin laufen wollen, weil ihnen in den 15-cm-Fetischhacken die Füße so weh tun. Auch ist er nur wenig größer als ich, und hat vielleicht auch deshalb kein unbedingtes Interesse an einer 10 cm größeren Begleitung. Wer weiß.

Und dann war da noch die Halsbandfrage. Dass ich zumindest und für’s Erste an diesem Abend die Seine wäre, fühlte sich gut und richtig an. Also Halsband. Er hatte 3 selbst geschmiedete Metallbänder dabei, allerdings waren die wohl vor mir um Schwanenhälse geschlossen. Sprich, die Dinger hätten mich erwürgt. Blieb noch ein zwar nicht selbst geschmiedeter,  aber trotzdem wunderschöner asymmetrischer Halsschmuck aus irgendwas mit Aluminium gefertigt, den er weit genug auf-  und dann wieder um meinen Hals zubog, und der perfekt mittig oben auf dem Dekolleté endete, und der auch mehrmals auf der Party gelobt und bestaunt wurde.

Und um Punkt 22 Uhr stiegen wir , in dicken Mänteln, die das Outfit großteils verbargen, ins Taxi….

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Party night

Nun denn. 

Haarfarbe passt, die 5 kg sind immer noch nicht mirakulös  verschwunden, nichtsdestotrotz bin ich gewaschen, rasiert, gebürstet und gestriegelt, und auch die Krallen haben ihren Anstrich erhalten. 

Die Post lahmt und hat Paket 2 nicht mehr rechtzeitig geliefert, das heißt, es wird definitiv das Steampunk-artige Korsett mit entweder tatsächlich dem Vokuhila-Rüschenteil oder einem ichweißauchnicht. 😂

Also, Tasche packbereit. Alles gut.

Wozu, mag sich der geneigte Leser fragen? Ganz einfach:

Weil nach fast 2 Jahren ohne Club- oder Partybesuch heute Abend die Rückkehr ins Partyleben angesagt ist. Sub. Rosa. Dictum.

Wenn schon, denn schon.

Allerdings, sonst wäre ich nicht ich, befinde ich mich seit 2 Wochen in einem Zustand zwischen Vorfreude und unterschwelliger Panik.

Denn ich habe meine Partybegleitung, den “Ritter”, (ich geh da ja nicht allein hin!) noch nie getroffen. Nicht mal zum Kaffee. Der Kontakt kam übern Joy zustande, und ein paar hin-und her geschickte Komplimente. Und als wir angefangen haben, zu schreiben (soweit muss man bei mir erst mal kommen), da stellte sich schnell heraus, dass wir von Anfang an super miteinander konnten. Die Chemie stimmt, unser Blickwinkel auf bdsm stimmt super überein, es gab nicht eine Minute “uncomfortable silence”, schriftlich wie telefonisch, Fotos (mit Klamotten) gingen hin und her, und er hat es tatsächlich und unglaublicher Weise geschafft, volle 3 Wochen nichts dämliches zu sagen oder zu tun. Im Gegenteil.

Und weil wir beide gern weggehen, Zeit hatten, und da spontan sind, haben wir beschlossen, einfach so zusammen auf die SRD zu fahren. Karten besorgt, Zimmer besorgt, und zack.

Den Rest wird man sehen. Und da beginnt mein Kopf zu rotieren. Weil eben.

Der Super-GAU wäre, dass wir aufeinander zu gehen und beide “oh no” denken. Dann wäre die Party doch als Einzelpersonen, und das Zimmer doof. Aber das glaube ich nicht.

Vielleicht wird das hier einfach eine geile Partynacht, mit viel zu gucken, und null Spiel, und man trennt sich freundschaftlich und bleibt für solche Aktionen in Kontakt.

Vielleicht bleibt die Chemie so gut wie bisher, und es kommt zu was auch immer. Mit Dynamik, und Halsband für die Nacht. Von IHM. Weil der halt weiß, was sich gehört. Und hinterher wird es trotzdem nicht fortgesetzt.

Und ganz vielleicht merken wir, dass das mit uns passt wie Arsch auf Eimer, und ich komme zu einem festen Sad/Dom für eine langfristige Spielbeziehung. Wenn da auch schon wieder die Entfernung plus meine Arbeitszeiten und monatelang kaum vorhandene Freizeit ein Knackpunkt wären.

Und im allerbesten Fall würde ich meinen neuen Herrn finden.

Tja nun. Viele Optionen, wenig Zeit. Tick tock, 3 Std bis Abfahrt. Dann mach ich jetzt mal das, was mir immer am schwersten fällt:

Einfach genießen, loslassen, den Moment leben ohne Gegrübel über tausend Sachen, die alle weder wichtig noch spruchreif sind, und die Dinge auf mich zukommen lassen, ohne mir selbst den Spaß zu verderben.

Alles kann, nichts muss. 

In diesem Sinne, lasst krachen. 😊

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Emotionalität in Spielbeziehungen

Manchmal liest man Tweets oder andere Blogs, die man so sehr auf sich beziehen kann, dass es schon weh tut. Wenn man ein gebranntes Kind ist, dann scheut man vielleicht das Feuer ab einer gewissen Größe auch. Und dann gibt es noch viele, viele WA-Unterhaltungen, aus denen man einiges mitnimmt. Schöne Gespräche, die den Kopf ordnen, und nach denen man sich besser oder klarer fühlt. Und die, aus denen man eher deprimiert rausgeht, oder die einen um Monate zurückwerfen, direkt wieder dahin, wo es zu weh getan hat, um bleiben zu können.

Wie auch immer, früher war ich einfach in einer langen, monogamen Mann-Frau-Beziehung. Glücklich war diese längst nicht mehr. Aber einfach.

Jetzt ist alles anders. Diese Reise durch die Welt des bdsm und die Bekanntschaften, die man im Zuge dessen macht, sind natürlich wesentlich vielfältiger. Aber eben auch sehr viel komplizierter, zumindest für mich.

Es gibt ja fast nix, was es nicht gibt. Offene Beziehung, monogam “plus”, Poly im Sinne von mehreren Spielpartnern, Poly im Sinne einer Liebes Beziehung mit mehr als 2 involvierten Menschen, gleichgeschlechtliche feste Partnerschaften mit Spaß und bzw oder Spiel außerhalb….usw usw…

Ich habe in den letzten Monaten sehr viel gegrübelt, und für mich selber herausgefunden, dass Emotionen bzw Emotionalität in meinen Beziehungen ein Riesenthema waren und sind. Eine große Baustelle. Und ganz schnell ein Katastrophengebiet werden können.

Gebranntes Kind scheut das Feuer. Wenn einem jemand wichtig ist, man aber andersrum dieser Person eben nicht wichtig ist, dann ist das eine wirklich schmerzhafte Sache. Und man wird übervorsichtig, misstrauisch, oder hinterfragt alles 1000 x.

Ich habe aus der Erfahrung heraus gemerkt, dass es mir gelingen kann, mit mehreren Leuten Spiel- oder Spaßbeziehungen zu haben. Dass ich Sex nicht mit tiefen Gefühlen verknüpft genießen muss, sondern alle Beteiligten auch sehr gut mit einem “Freundschaft +” Leben können. Man mag sich, kommt menschlich miteinander gut klar, schreibt sich ab und zu WA, und verbringt ein paar schöne, geile, befriedigende Stunden miteinander. Und dann fährt man heim und lebt sein Alltagsleben. Das kann ich trennen, ja.

Aber es ist absolut notwendig für mich, von Anfang an zumindest ungefähr zu wissen, wo ich stehe. Kommunikation. Ich weiß, dass das nicht sehr romantisch ist, und dass es geilere Gespräche gibt, aber ich muss frühzeitig wissen, auf welchen Beinen eine im Aufbau befindliche Spielbeziehung steht. Vielleicht hab ich in die Richtung ein Psychoproblem. Wenn, dann kommt es nicht von ungefähr. Ich weiß, das wirkt unentspannt. Aber ich will keine tieferen Gefühle, als für eine Spielbeziehung nötig, investieren, wenn von der anderen Seite nicht mehr geplant ist.

Ich tu mich mit tiefem Vertrauen, mit dem Loslassen, mit der wirklichen Kontrollabgabe sowieso schon schwer. Mit Tunnelspielen. Mit Squirten, meistens. Vielleicht bin ich auch deshalb noch nie wirklich “geflogen”. Das kenne ich nur aus Erzählungen. Mein Herz total öffnen und mich praktisch schutzlos zu machen gegen Herzschmerz, Enttäuschung und plötzliches Ende, das will gut überlegt sein.

Ich kann zB beim Kinky Vanilla total gut damit leben, dass er allein oder womöglich mit einer seiner zahlreichen ” Joy-Freundinnen ” in Clubs geht. Irgendwelche Saunadates einstellt. An Silvester auch auf einer Party sein wird ohne mich. Ich bin nicht seine Freundin, und er ist mir keine Rechenschaft schuldig. Und umgekehrt ist es dasselbe. Friends with Benefits, sozusagen.

Ich kann mich auch mit Doms treffen, die noch andere Subs haben, und mit diesen spielen. (Also, den Doms, nicht den Subs ). Mit spürbarem D/s-Gefälle und allen Schikanen. Aber auch nur, indem ich sie unter Spielbeziehung verbuche. Man versteht sich, die körperliche bzw sexuelle Anziehung ist da, und die Chemie, dass man alle paar Wochen vor diesem Menschen kniet, und es sich RICHTIG anfühlt, stimmt. Das funktioniert, wobei ich da immer schnell merke, dass ich meine in diesem Falle ja völlig unangebracht aufkeimende Eifersucht auf alle und jede, die noch in den Genuss kommen, sofort abwürgen, und mit rationalen Gedanken in die Schranken weisen muss. Und ja, das klappt. Und zurück im Alltag fühlt man sich vielleicht verbunden, aber jeder hat doch sein Leben.

Was meist schon beim daran Denken nicht klappt, und ich mir in der Praxis extrem schwer vorstelle, das ist es, für einen solchen Spielbeziehungspartner tiefe Gefühle, nennt es Liebe, zu entwickeln. Und trotzdem allein zu sein für zig Wochen, und zu wissen, dass da noch andere sind. Das würde zu sehr an mir nagen und mir arg zusetzen, und dagegen müsste ich mich mit Händen und Füßen wehren.

Was aber völlig unmöglich für mich ist, das ist, einen poly-Mann zu lieben, und in seiner Hierarchie weiter unten zu stehen als irgendjemand anderes, noch dazu, wenn das, bzw ER, meine einzige Beziehung sein soll. Das ist eine Garantie für Unglücklichsein, Frust, Neid, Eifersucht, und alles Negative. Das geht nicht eine Sekunde lang gut, und ehrlich gesagt, halte ich so eine Beziehungsform für toxisch, ungerecht, und extremst beschissen.

Ich denke da an ein heutiges Telefonat mit meinem Twitterzwillingsbruder (*zwinker*), wo wir über dieses Thema sprachen und ich sagte, dass eine Poly-Sache mit tiefer Liebe dabei für mich maximal dann möglich oder einen Versuch wert wäre, wenn ich die erste, unumstrittene, um Lichtjahre weiter oben stehende Lebenspartnerin wäre, und die anderen halt die Spielbeziehungen für ab und zu. Und selbst in dieser Konstellation könnte ich nicht dafür garantieren, dass das klappt.

Es gibt halt Leute, die gern ihre Herzmenschen teilen. Und es gibt Leute, die das nicht wollen und können. Ich denke dabei an nächtliche WA mit jemandem gestern, der mich auch nach vielen Monaten immer noch ganz schön beutelt. Nein, ich kann das nicht. An so einer Liebe würde ich kaputt gehen, definitiv.

Mit mehreren Leuten spielen und sie lieb haben, das Gefälle spüren, Respekt haben, und all das funktioniert wunderbar und damit kann ich umgehen und es fühlt sich gut an, und ich leide hinterher nicht darunter.

Eine Spielbeziehung lieben, bzw sie zur Lebensbeziehung zu machen, das ist was anderes. Und da wird besagte Baustelle dann eben schnell zum Katastrophengebiet, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht gegeben sind.

Die andere Frage, die sich immer gleich im Anschluss stellt, ist dann allerdings die, ob D/s ohne tiefe Liebe, ohne tiefe Emotionen, überhaupt befriedigend sein kann. SM bzw bdsm klappt natürlich auch ohne die ewige, die tiefe, die einzige große Liebe. Für eine gelungene Session und im Alltag Freundschaft brauche ich keinen Seelenverwandten.

Bei D/s ist die Sache heikler. Und vielleicht fühlt sich das außerhalb einer festen 24/7-Beziehung meistens etwas wie Role Play an. Aber wenn das der Preis für ein halbwegs zufriedenes Seelenleben mit geilen, sehr befriedigenden Treffen ist….dann ist es halt so. Und selbst da gibt es erwiesenermaßen auch Männer, die man vielleicht nicht oft sieht, aber WENN….dann hat man keine Sekunde Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihres D/s.

Solange man nur weiß, wie man seine Begegnungen für sich selber einsortieren muss. Das ist unendlich wichtig. Für mich.

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Der gute Dom…. ;)

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“Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was Ihr für euer Land tun könnt.”

Das war tatsächlich das erste, was mir in den Sinn kam, als ich diese Ansammlung von supertollen und wichtigen Verhaltensregeln las, die man unbedingt beherzigen sollte, wenn man jemals eine halbwegs akzeptable Sub…..

Und eine Millisekunde lang musste ich fast lachen. Bevor mich die Wut packte.

Diese Scheiße, von wiedermal irgend so einem englischsprachigen “Supersub des Jahrzehnts”-Acct gepostet (und Spoiler Alert: nicht wenige dieser Vorzeige-Subs vom Dienst sind erwiesenermaßen MÄNNER. Gefickt eingeschädelt, ne?) ist nämlich ganz genau das Übel, das einem immer und überall begegnet, und was meiner Meinung nach eine nicht zu knappe Mitschuld am von der Bdsm-Sippe still tolerierten Missbrauch von Subs trägt. Missbrauch, der auf diversen Blogs in der letzten Zeit beschrieben wurde. Übergriffigkeit, Missachtung von Grenzen, Nötigung, sexueller Missbrauch, schwere Körperverletzung, Vergewaltigung….und so gut wie nichts wird bestraft, selbst wenn man es anzeigt. Weil man ja hinterher nicht wissen kann, ob die sich freiwillig hat so zurichten lassen, oder doch unfreiwillig. Ihr Perversen wolltet das doch so gnihihi. Freibrief für Arschlöcher. Und dann kommen noch solche Memes dazu, und die machen es echt nicht besser.

Devote Frauen, die vielleicht Anleitung brauchen, oder für ihren Herrn eine möglichst gute Sub (was ja etwas extrem individuelles ist) werden wollen, oder eben gerade die Neulinge im Lifestyle, die besonders verwundbar sind, bekommen durch solchen Kram die ganze Zeit eine Mini- Gehirnwäsche verpasst.

Wenn du eine gute Sub sein willst, dann sagst du zu allem, was dein Herr will Ja und Amen. Super, mal kurz TPE verpasst bekommen.

Wenn du eine gute Sub sein willst, dann gehorchst du ihm in allen Aspekten, die er eben wünscht, und wenn er denkt, dass du Strafe verdient hast, dann schluckst du die Kröte ohne Widerrede. Super, ein Freibrief für den Herrn zum oppositionsfreien Durchregieren, und obendrauf die Carte Blanche fürs Vertrimmen nach Gusto.

Wenn du eine gute Sub sein willst, dann mach dir klar, dass das viel Arbeit ist. Emotional, mental, sexuell. Sei dir sicher, dass du der Herausforderung gewachsen bist. Super, weil man als Neuling ja auch ganz genau weiß, worauf man sich einlässt. Aber ist ja auch wurscht, weil am besten rödelt man Tag und Nacht, es dem Herrn kuschelig zu machen, und Rechte oder Diskutieren oder Erwartungen oder das Gefühl, auch wichtig zu sein, gibt es ja eh nicht. Und wenn du es nicht schaffst, dich bis zum Brechen zu verbiegen für ihn, oder wenn du nicht jeden Wunsch erfüllen kannst, dann biste halt einfach (noch) nicht gut genug. Deine eigene Schuld. Musst dich halt mehr anstrengen.

Schon bequem, so ein Dom zu sein.

Aber halt…wo sind eigentlich die vielen Millionen von hübschen Twitter Posts und Memes mit den ehernen Regeln, die man als Dom gefälligst zu befolgen hat?

Oh. Finden wir irgendwie fast nie. Komisch. Naja, dann helfe ich doch gerne mal aus:

Du willst ein guter Dom für deine Sub sein? Die sich schließlich in deine Hände begeben hat, im Vorschuss-Vertrauen darauf, dass du es nicht versaust?

Wenn du ein guter Dom sein bzw werden willst:

bist du dir darüber im Klaren, dass das viel Arbeit ist. Mental, emotional, sexuell. Schaffst du das auch überhaupt alles?

bist du nicht apathisch oder zögerlich. Lass dir immer anmerken, dass du im Saft stehst, und zu 100% Bock auf bdsm und deine Sub und all ihre Anliegen hast. Mach sie stolz, deine Sub zu sein. Hopp, hopp.

versuchst du in jeder Sekunde deines total auf bdsm ausgerichteten Lebens, ein guter Partner für deine Sub zu sein, und tust alles Menschenmögliche, und das Unmögliche bitte auch, um dies zu schaffen. Das heißt vielleicht, dass du liebgewonnene oder gewohnte Verhaltensweisen, Hobbies, Jobs, Freundschaften, und persönliche Freiheiten aufgeben musst, aber hey, ohne Fleiß kein Preis.

bist du dir im Klaren darüber, dass du dich immer so zu verhalten hast, dass deine Sub sich für dich nicht zu Tode schämen muss. Nicht, dass sie von Leuten gefragt wird “was is’n DAS für einer???” , wenn du mal wieder den arroganten, dominanten Schlaubischlumpf auf Parties raushängen lassen musstest. Küsschen.

versuchst du nicht, Vereinbarungen auszuhebeln, oder irgendwelche krummen Touren, um deinen Willen zu kriegen.

gibt es die beste Antwort auf Fragen oder Wünsche deiner Sub per se nicht. Aber kümmere dich um adäquate Kommunikation, und erzwinge nicht Blanko-Zustimmung für deine Meinung.

denkst du immer daran, dass du dazu da bist, zu geben und zu nehmen, nicht nur zu nehmen, und nach dir die Sintflut.

denkst du proaktiv mit, was deine Sub braucht, und kümmerst dich darum. Wieso? Siehe letzter Punkt, Chef.

erklärst du deine Regeln, und lässt deine Sub wissen, was dir wirklich wichtig ist. Bestrafe sie nicht für irgendwelchen Mist, den sie nicht wissen konnte. Oder weil du nen schlechten Tag hattest. Oder für Dinge, für die einfach keiner was kann, auch nicht sie. Sonst musst du dich nicht über Unwillen und Diskussionen wundern.

bemühst du dich immer, jede Sekunde, um einen gepflegten, wohlriechenden, ansprechenden Körper. Deine Sub hat auch ne Nase und Augen. Sport, gesundes Essen, Mani-Pedi, gut rasiert, wohlduftend, saubere Zähne, ein Besuch bei der Kosmetikerin hat noch keinem geschadet. Keine Zeit? Musst halt besser planen. Ach ja, gute Klamotten inkl Dom-Anzug sind eh klar. Aber ein gut geschnittener, bitte. Deine Sub will ja nicht mit ner modischen Krücke raus.

Ein guter Dom will besitzen, spielen, ficken, und kontrollieren. Immer. Schwache Tage, zuviel Arbeit, anderweitige Sorgen, Alltagsgedöns….alles unwichtig.

Wer ein guter Dom sein will, der schafft das schon, ne?

Und? Wie schmeckte der Ausflug in die Welt der starren, güldenen, dominanten Pflichten? Ich bin ja nachsichtig, und weiß, dass ein Spielpartner noch einen Alltag und ein Leben außerhalb bdsm hat. Bei den Verfechtern und Autoren dieser a good sub…Memes und Blogs und Accts beschleicht mich allerdings der Verdacht, dass die das ernst meinen.  Und das ist…. Autsch.

 

 

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Aftercare

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DAS ist das, worüber nie einer schreibt. Kaum einer spricht. Was nicht in gifs, nicht in den hübschen bdsm-Bildchen auf Twitter, und nicht in Pornos vorkommt.

Und dabei ist es so, so wichtig.

Aftercare bedeutet die Fürsorge, die man dem Partner oder der Partnerin NACH dem Sex, nach dem Spiel, nach der Session, nach den erlittenen Schmerzen, nach dem Gang an die Grenzen angedeihen lässt. Meist eher der dominante dem devoten Part, aber auch andersrum ist es natürlich möglich, bzw gegenseitig, je nach Bedarf. Und ich rede nicht von “kannst gern noch duschen, willst noch n Kaffee?”

Es gibt sicher Leute, die auf Aftercare verzichten können. Und manchmal ist eine Session oder ein Spiel vielleicht so soft, oder man ist selbst in so einer “hart-im-Nehmen-Verfassung”, dass man ohne auskommt. Oder man kompensiert daheim mit einem tollen Essen Marke “Soul food”, und mit leckerem Wein ( für mich ist eine Dusche und Kuschelklamotten, und warmes Essen mit vielen Carbs, oder was würziges, Indisch vielleicht…ganz wichtig, um so ein Treffen ausklingen zu lassen, wenn ich wieder allein bin)

Aber generell ist Aftercare einfach fundamental. Zumindest für mich. Und ohne ist eine Session irgendwie ohne Abschluss im besten Fall, aber bringt das Gefühl von Vernachlässigung oder Gleichgültigkeit von Seiten des Partners im schlimmsten Fall. Und das kann in einem seelischen Absturz resultieren, und das ist nicht schön.

Eine Session ist für mich immer auch eine gewisse Überwindung. Man zeigt sich dem Spielpartner völlig nackt in vielerlei Hinsicht. Man lässt die Schlampe raus, die im Alltag weggepackt ist. Man tut Dinge, an die man normalerweise gar nicht denken würde, oder möchte. Man ist ausgeliefert, ohne Kontrolle, kann nicht bestimmen, was passiert. (Ja, ich weiß, das ist es, was man will. Trotzdem ist das Überwindung, und beinhaltet auch etwas Angst) Man ist vielleicht gefesselt. Man durfte kommen. Man durfte nicht kommen? Man musste viel zu oft kommen? Man ertrug Schmerzen, und die unterscheiden sich halt in Intensität, und im Empfinden. (Ja, ich weiß auch, dass man da schließlich drauf steht. Und trotzdem sind es nunmal Schmerzen. Und die machen mürbe.) Vielleicht wurden sie als heftig wahrgenommen. Vielleicht WAREN sie heftig. (Ich glaube, zu dem Thema ist auch mal ein separater Eintrag fällig. Knoten ins Hirn gemacht.)

Man wird in einer Session jenseits der Kennenlernphase aus seiner Komfortzone rausgezerrt. Gefesselt, ins tiefe Wasser geworfen, und muss darauf vertrauen, dass der Partner einen nicht absaufen lässt. Und dann gehört es halt auch dazu, dass der Partner einen wieder rausfischt, losbindet, abtrocknet, und wieder in trockene Klamotten steckt. Man lässt Leute einfach nicht nass und nach Luft schnappend am Beckenrand liegen und geht.

Es kann sein, dass in einer Session alles an Stress, Lust, Geilheit, Traurigkeit, EMOTIONEN EBEN, was aufgestaut war, rausbricht. Es ist eine emotionale Ausnahmesituation mit wilder Hormonausschüttung, vielleicht schafft man es sogar in den Subspace, zum “Fliegen”. Mit den andauernden Schmerzreizen dazu heulst du vielleicht die halbe Session Rotz und Wasser. Der Zwiespalt zwischen deinem Kopf, der vom Schmerz längst die Schnauze voll hat und weg will, und deiner Pussy, der das ganze augenscheinlich gefällt, ist heftig. Ein bis mehrere markerschütternde Orgasmen geben dir den Rest. Du bist wie ein rohes Ei. Und zwar subjektiv. Unabhängig davon, wie hart der Fick, wie rot der Arsch, wie schlimm die Striemen wirklich, objektiv, sind bzw waren.

Wenn der Partner dann danach weder ein Lob, noch Kuscheln oder Streicheln, noch emotionale Nähe übrig hat, dann schlägt die Entspannung schnell um in das Gefühl des Ungeliebtseins. Dann fühlt man sich benutzt, und zwar auf die ungute Art. Dann beschleicht einen das Gefühl, dass der Partner nur einen Egotrip fährt, und man ihm wohl wurscht ist. Dass das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen nicht stimmt.

Das kann natürlich eine Überreaktion sein. Oder eine unabsichtliche Nachlässigkeit von Seiten des dominanten Partners. Eine Fehleinschätzung der Lage. Nur, wenn das wiederholt passiert, und man immer benutzt und allein gelassen wird und aus dem anderen Zimmer schallt “kannst gern hier duschen. Kaffee?” während du noch heulend auf dem Bett liegst und deine Knochen sortierst, dann ist das Scheiße. Und auf die Dauer ein unverzeihlicher Beziehungskiller.

Also, wie gesagt, es gibt sicher Leute, denen Aftercare gar nicht wichtig ist. Solange ihr das aber nicht wisst….kümmert euch. Seid nett, nehmt den anderen in den Arm. Lobt ihn oder sie. Bitte.

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