Übergriffigkeit und D/s.

Zugegeben: Ich habe mich auf Twitter ein wenig ausgelassen und weil ich da ja nun hinter Schloss und Riegel sitze, habe ich den @EmEmBDSM gebeten, den ihr auch hier lesen könnt, mir beim Copy&Paste zu helfen. Manchmal habe ich eben auch als D/s-Lifestylerin “Besseres zu tun” und kann mich auf mir persönlich bekannte “CIS-Predatoren” verlassen, die sich mit diesem WordPress und diesem Internetz nicht halb so blöd anstellen wie ich.

So. Und just gestern wurde mir DAS DA auf meine TL gespült:

Und hier drunter ist nun ein ursprünglicher TL Thread von mir, der nun in leicht überarbeiteter Form den Weg in meinen Blog finden soll. Weil. Es. Dermaßen. Nervt. Immer und immer wieder von einer selbsterklärten Expert/innenbubble Dinge erklärt zu bekommen, von denen sie -quite frankly- ganz offensichtlich keinen Schimmer haben. Nun denn:

So, Gemeinde. Aufgemerkt. Ich möchte das betreffende Acct (also Verfasser/in des Screenshot- Zitats) nicht an den Pranger stellen (deshalb anonymisiert), denn es ist nur eins von Vielen mit einer Einstellung zum D/s, die mir -und wahrscheinlich so ungefähr allen anderen Lifestylern- den Kamm schwellen lässt.

Ich hab mir überlegt, ob ich nen Blogeintrag schreibe. Vielleicht kommt das noch, irgendwann (Ja, jetzt 😉 ) Aber das hier geht auch als Thread. Gerne screenshotten, das darf sich durchaus verbreiten. Irgendjemand muss es denen ja mal sagen. Nun denn. 193 Herzchen bis dato and counting….

Für etwas, das sehr BDSM woke und voll im Trend ist hier. Und genauso atemberaubend falsch. Total. Absolut. Ohne Spielraum oder “Ansichtssache”. Das wird jetzt den Leuchttürmen, Aktivistinnen, und der Femibubble nicht schmecken.

Hey, ihr müsst jetzt ganz stark sein: D/s braucht “Übergriffigkeit”.

Peng.

Ja, als “Sub” musst du noch lange nicht alles mitmachen, was dir nicht schmeckt. Es gibt Spielsessions, reines SM, Bondage oder Spanking Sessions. Nicht alle Bottoms sind devot. Aber “D/s” ist was anderes. Whole different ball game. Und da -mon dieu- geht es nicht nach Subs Kopf.

Im D/s habt ihr euch -hoffentlich- nach langen Gesprächen und Verhandlungen und Prüfung, ob man so ungefähr auf derselben Wellenlänge liegt, aus freien Stücken bereit erklärt, euch einem/einer Dom zu unterwerfen. Nicht unbedingt komplett, sonst sind wir im TPE.

Aber innerhalb des Spielfeldes, das ihr zusammen abgesteckt habt. Und das kann ein besserer Bolzplatz sein, aber auch ein riesiges Feld, bis zum Horizont. Die absoluten Tabus/No Go’s sind bekannt. Die “Soft limits”, also Dinge, die ihr lieber nicht tun würdet, auch. Die Bereiche oder Zeiten im Alltag, die evt. unangetastet bleiben müssen, auch (zB Arbeit, Kids, Haare) Und das war’s.

Mehr ist da nicht. D/s ist IMMER da. Manchmal fast nicht spürbar, zB wenn einer von euch krank ist oder das Kind krank ist oder der Job extrem stressig. Manchmal mit Kawumms, so dass ihr den Zug an der Leine auch auf 600km spüren könnt. Aber D/s schaltet man nicht an und aus.

Und sub bestimmt schon doppelt nicht, zu was er oder sie gerade mal Lust hat oder nicht. Newsflash: das wäre nämlich nicht D/s bzw “verantwortliches Spielen” sondern topping from the bottom, sonst nix. Und das kann man ja wohl nicht wollen. Außerdem “spielen” wir nicht BDSM.

Wir LEBEN es. 24/7, immer. Sonst kann man es in die Tonne treten, denn wenn das Gefälle fehlt, fehlt die Dynamik und der komplette Zauber ist dahin.

Zurück zum Thema. Übergriffigkeit. Man kann natürlich so Einiges bis Alles, was man nicht so geil findet, als übergriffig deklarieren. Dann hat man es kuschelig, aber D/s hat man dann nicht. Dann wunschzettelt man. Und Dom ist Dienstleister und Listen-Abarbeiter, mehr nicht. D/s ist es dann, wenn sub sich fügt und innerhalb des abgesteckten Spielfeldes gehorcht und sich unterwirft. Auch wenn sub keinen Bock auf Xy hat.

Es ist nicht “übergriffig”, euch eine Aufgabe aufzudrücken, die ihr Scheiße findet. Oder ein sexuelles Dienen zu verlangen, worauf ihr keine Lust habt. Spoiler: eure Soft Limits eignen sich super als Strafen. Oder sind ein wahrer Fun Park für Sadisten. Dann kann man euch ja besonders schön quälen damit …

Und es ist manchmal tatsächlich auch völlig wurscht, ob IHR was davon habt. Ihr habt nämlich kein Recht auf Vergnügen und Orgasmus und Spaß. Ihr müsst euch das je nach Dom vielleicht sogar alles verdienen. Oder kriegt das geschenkt. Wenn ihr brav seid. Oder auch einfach so, wen Dom seinen/ihren netten Tag hat. Lebt damit. Oder lasst es bleiben. Aber dann nennt euer BDSM nicht “D/s”. Übergriffigkeit innerhalb der irgendwann mal zusammen gesteckten Außengrenzen gibt es nämlich nicht. Woke Bubbles hin oder her.

Und bevor ich’s vergesse: “casual D/s” gibt es auch nicht. Sorrynotsorry. Ganz oder gar nicht. Diese “Spritz mich mit Wasser an, aber mach mich nicht nass”- Mentalität ist auf Twitter weit verbreitet. Und solche Weisheiten, wie von besagtem Acct und vom Fallobst und von Twitter- Leuchttürmen und ganzen Spielkinderbubbles immer wieder propagiert, führen eine ganze Generation von BDSM-Neulingen auf eine falsche Fährte. Bzw, aufs Glatteis.

Denn wenn solches anerzogenes, falsch gebrieftes Wunschzettelvolk mit echten Lifestylern in Kontakt kommt, dann knallt es nach spätestens 2 Treffen gewaltig. Und Dom lässt euch fallen. Und ihr schreit ” schon wieder ein böser, übergriffiger, alter, weißer Cis-Predator!!!” Äh….nee. Nur 1 Lifestyler vs 1 Spielkind.

Nochmal: D/s funktioniert nicht ohne eine Blankovollmacht zur Übergriffigkeit und auch dann eingehaltenen Gehorsam, wenn sie eben passiert. Und vielleicht passiert Vieles, was euch nicht gefallen wird. Und ihr tut es trotzdem. Weil ihr euren Stolz habt. Weil es eure Entscheidung war, und wer A sagt, muss auch B sagen.

Weil es euch glücklich macht, die Herrschaft zufrieden zu stellen. Auch wenn *es* für euch selber GAR NICHTS tut. Und über 3 oder 4 Ecken zieht ihr dann auch aus verhassten Aufgaben oder Spielarten eure Befriedigung.

Und last but not least, weil ich das hier auch schon lesen musste:
Ein Safeword (so ihr denn eins habt) ist NICHT dafür da, es alle Nase lang zu benutzen, wenn ihr irgendwas nicht tun wollt. Sondern es ist der allerletzte Not-AUS-Knopf. Und den drückt man nicht, weil man keinen Bock hat, zefix!!! So, Ende. Bitte um Verbreitung.

Standard

Wäre ich eine Dom, und warum ich es nicht sein will

Als ich gestern mal wieder auf Twitter Zeugin der üblichen Dummdom-Bashing-Tweets wurde, die man halt so kennt (sub immer toll, Dom immer übergriffigdoof) machte ich ein Gedankenspiel daraus.

#WäreIchEinDom.

Naja, ich würde natürlich ein echt guter sein wollen. Logisch.

So, wie ich aus submissiver Sicht mir einen Dom wünsche, bzw was ich für “gut” befinde.

Nun denn…

Ich wäre erfahren, bzw würde mich weiterbilden, Workshops besuchen, oder mich einlesen, bevor ich reinstolpere und glaube, die Weisheit mitm Löffel gefressen zu haben.

Ich würde meine Kontakte mit subs genauso aussortieren, wie subs das mit Anschreiberlingen machen. Damit ich eine wirklich kompatible finde, und nicht bei nem fake Wunschzettelweibchen/männchen lande, von denen es gefühlte Heerscharen gibt.

Ich wäre offen und ehrlich zu ihr/ihm, bezüglich meiner Gefühle für sie/ihn (falls vorhanden) und meinem Ziel bzw Weg, den ich mit ihr/ihm zu verfolgen gedenke. Man müsste mir Gefühlsäußerungen nicht mühselig aus der Nase ziehen. Und ich würde dasselbe im Gegenzug verlangen.

Ich würde versuchen, die Dynamik so gut wie möglich auch über Entfernungen aufrecht zu erhalten. Als sub fand ich schon mehrmals nichts frustrierender und enttäuschender als eine angebliche D/s-Beziehung zu haben, aus der nach spätestens 3 Monaten total die Luft raus ist, weil nach einem fulminanten Start einfach nix mehr kommt. Keine Kontrolle, keine Aufgaben, keine Strafen für Vergehen, kein Gefälle. Alles zu viel Arbeit, nämlich. Das würde mir also nicht passieren. Mein/e sub dürfte sich über Kontrolle, Handyortung, Rituale, Aufgaben, Strafen etc freuen. Öfter mal was Neues.

Ich wäre streng, aber gerecht. Für bisserl rumspielen und eigentlich tun, was man will, und sich an nix halten wollen jenseits der Treffen, wäre mir meine Zeit zu schade. Wer meine/r sein wollte, müsste es auch so meinen.

Ich würde sub immer darin bestärken, sich auch jenseits meiner von Weisheit und Wissen nur so triefenden Worte (Sarkasmus off) in den einschlägigen (Twitter)bubbles zu informieren, und Kontakte zu knüpfen.

Allerdings hätte ich ein Auge drauf, in welcher Bubble. Sub müsste sich auf Einwürfe meinerseits gefasst machen. Und Einmischungen und gutgemeinte Ratschläge von irgendwelchen selbsterklärten Experten und Grünschnäbeln würde ich geraderücken müssen.

Ich wäre für sub auch jenseits irgendwelcher BDSM Themen da, und er/sie könnte mich immer erreichen und müsste nie das Gefühl haben, zu nerven und mich zu stören. Denn das ist in einer wie auch immer gearteten Beziehung tödlich, und man fühlt sich als sub zurückgestoßen und einfach nur schlecht. Und versucht es irgendwann gar nicht mehr. Und genau das würde ich nicht haben wollen. Man kann immer vermitteln, hey du bist mir wichtig, aber ich habe einfach eine Scheißwoche und ersaufe in Arbeit, und ich meld mich später. Aber abservieren und wegschubsen wäre nicht.

Ich würde sub fördern und fordern. Soll heißen, wer nicht aus seiner bzw ihrer Komfortzone rauswill, wäre bei mir falsch. Ich würde zumindest ab und zu an die Grenze gehen und evt auch ein Schubserchen drüber hinaus. Von mimimi und manipulativem Verhalten abbringen lassen, würde ich mich nicht. Ich würde mit sub zusammen das Spielfeld an sich abstecken, aber wie ich mich darin bewegen würde, wäre meine Entscheidung (ja, den Satz habe ich geklaut bei IHM ;)))

Ich würde es genießen, sadistische Psychospielchen zu spielen, sub wie eine Katze bespielen, die mit ihrer Beute spielt, sie wieder loslässt, und sie wieder einfängt. Subs Kopf ficken, wann und wie es mir passt. Vorfreude aufs Treffen, gepaart mit Angst, schüren. Und oh ja, beides wäre begründet.

Ich wäre, sagen wir……kreativ. Ein Spielkind mit Faible für Kerker, Device Bondage und Quälereien mit Tränen, Striemen und Hitachi. Ich würde mein Spiel variieren und Inspirationen aus diversen BDSM Pornos so gut wie möglich umsetzen. Ohhh….ich hätte Pläne. 😉

Tja, und warum will ich keine Dom sein? Wo ich doch theoretisch und aus Erfahrung als sub weiß, wie der Hase läuft?

Ganz einfach. Viele Gründe.

Weil ich null Veranlagung dafür habe. Keinen Spaß daran. Kein Interesse. Keine Geilheit. Es gäbe mir sexuell und für die Zufriedenheit und fürs seelische Gleichgewicht nix, meine/n sub weinen zu sehen, jammern zu hören, zu wissen, dass er/sie gerade eine echt doofe Aufgabe erfüllen muss, die ich sub aufgedrückt habe, und das tut – für MICH. Ich bin einfach nicht so verdrahtet.

Ich habe sicher einen gewissen Sadismus in mir. Der offenbart sich aber nicht sexuell, sondern darin, dass ich manchen Leuten gern so richtig den Arsch aufreißen würde, sprichwörtlich, und das ziemlich genießen könnte. Da spielt Wut, Hass, Rache rein. Und diese Gefühle haben in einem BDSM Kontext nix zu suchen. Wäre auch keiner, sondern die sadistische Freude, jemandem, der es verdient hat, das Fell möglichst schmerzhaft über die Ohren zu ziehen. Wahrscheinlich täte ich es eh nie wirklich, aber man wird ja archaisch träumen dürfen.

Ich habe soviel Verantwortung für soviel Kram, und für die Brut, dass ich in meiner Beziehung nicht auch noch die Hosen anhaben will. Naja, ich will schon gerne Hosen anhaben, denn ich liebe Hosen. Ihr wisst schon… 😉 Aber nicht SO. Ich bin von meinem Naturell her nicht unbedingt ein Bestimmer und Anführer. Bzw, ich muss das eh immer sein im Alltag. Aber während ein dominanter Mensch davon wahrscheinlich überhaupt nicht beeinträchtigt wird, und gerne bestimmt, für sein Recht einsteht, Konflikte und unangenehme Gespräche nicht scheut, und da aufblüht, stresst mich all das total. Und in meiner Beziehung will ich genau das nicht auch noch. Im Gegenteil.

Also, für mich wäre das nix, glaub ich. Zumindest Stand heute. Allerdings….falls ich jemals eines Morgens geswitched aufwache, dann zieht euch warm an, denn ich werde zur unangefochtenen Superdom von Twitter, und zeige euch mal so richtig, wo der Hammer hängt 😉

Standard

Schubladen

Ich bin da in letzter Zeit über so viele Aussagen zum Thema gestolpert, die mich verdutzt bis doch teilweise ziemlich angesäuert zurückgelassen haben, dass ich mir dachte – auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen – schreibste nochmal was dazu. Und ja, es handelt sich um meine Privatmeinung und ja, jeder soll seines eigenen Glückes Schmied sein im BDSM……..aber…. Nun, ich finde schon, dass es einfach ein paar wenige feste Größen gibt bzw geben sollte. Vor allem, seit Vieles so verwässert wurde unter dem Einfluss eines Heeres an Crossover-Swingern und zumeist jungen kinky Vanillas, die durch FSoG reingespült wurden, jetzt kräftig mitmischen, und zumindest auf Twitter oft genug das Ruder an sich reißen und sich für die neuen Lichtbringer und Erfinder des Rades halten.

Es gab immer, und gibt immer noch ein paar Begriffe im BDSM, an denen man sich orientieren kann, vor allem wenn man neu ist, und die zumindest für mich so unveränderlich feststehen wie mathematische Größen. Nach wie vor. Ich meine, ja es kann sein, dass Einstein sich fies verrechnet hat, oder nach 3000 Jahren herauskommt, dass bei irgendeinem alten Griechen doch der Wurm drin war, aber wahrscheinlich ist er das nicht, und so allgemein kann man schon davon ausgehen, dass bestimmte Dinge feststehen. Ahh, das klingt nach Schubladisierung, oh wie furchtbar!!1!!11

Nun ja. Ich mag Schubladen grundsätzlich gar nicht so ungern. Sie sind praktisch und machen es möglich, die Dinge zu benennen, und in “mag ich – mag ich nicht” einzuteilen. Sie erleichtern einem die Suche, die Identifikation seiner selbst und des Gegenübers, und geben Struktur. Auf Twitter wettern immer alle gegen Schubladendenken. Ich gebe zu, dass ich das bis zu einem bestimmten Grad für mich brauche, weil meine Welt Struktur haben muss. Beständigkeit, Verlässlichkeit, Definitionen, Regeln. Ein Gerüst. Wenn alles vogelwild durcheinander geht, und manche Leute ihre Identität, ihr Geschlecht, ihre Vorlieben, ihre Einstellung den Dingen gegenüber wechseln wie andere Leute die Unterwäsche, dann tu ich mich damit schwer. Sehr. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich noch nie etwas mit einem Switcher angefangen habe, und das wahrscheinlich auch nie werde. Die von mir gefühlte Gegensätzlichkeit und Unbeständigkeit der Persönlichkeit, den für mich existenten Bruch in der Dominanz, selbst wenn es einer anderen Person gegenüber wäre, könnte ich nicht ertragen. Mal abgesehen davon, dass ich einen Herrn definitiv nicht mit anderen Leuten teilen würde, für die er plötzlich sub wäre. Mein Kopf würde wahrscheinlich explodieren oder sowas.

Und ich bin ehrlichgesagt auch etwas angenervt darüber, wie viele Leute sich mit Federn schmücken, die ihnen offen gesagt einfach nicht zustehen. Jede eineinhalbste kinky Vanillafrau, die mal mit dem Federpuschel vom eis versohlt worden ist, nennt sich heute sub. Nicht, weil sie es im Herzen wirklich ist, sondern, weil das so kinky erscheint. Oder, noch besser, “Sklavin”. Sweety, you have no idea. Man sagt, man sei Lifestyler, dabei weiß man nichts darüber, außer, dass man sich cool vorkommt und voll VIP. Man spuckt große Töne, was für ein domly Dom vom Dienst man doch ist, meint aber damit, dass man halt gerne härter fickt. Man trägt Halsband, weil das hübsch ist, ohne zu wissen, was die Bedeutung ist, und ohne diese auch nur ansatzweise zu honorieren.

Sorry, aber….damit kann ich tatsächlich nix anfangen.

Da kommen dann so Sachen dabei raus wie “casual D/s”. I hate to be the spoilsport, aber “casual” und “D/s” sind zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. D/s ist IMMER da, wenn auch nicht immer präsent im Vordergrund, und nicht nur, wenn man gerade Lust auf ein Spielhalsband oder eine Session hat. Es ist eine Lebenseinstellung, die zwei Menschen miteinander teilen, und kein Spiel. Es beinhaltet weit mehr als zu einer bestimmten Zeit oder für einen bestimmten Zeitraum mit jemandem zu spielen und da halt submissiv zu sein. Das ist alles wunderbar, aber das sind Spielbeziehungen, und das ist einfach eine andere Kategorie. Schublade. Im einfachsten Fall nennen böse Zungen sowas “Schlafzimmersubmissivität”. Im Alltag ist da nix, und wenn man sich trifft, oder halt Sex hat, dann ist für diese Zeit Gefälle angesagt. (ja ich habs gesagt, das böse Wort)

D/s beinhaltet eine tiefe, emotionale Bindung zu einer anderen Person, der man IMMER dient. D/s braucht ein Gefälle, das immer da ist. Auch im Alltag. Auch um 5 Uhr morgens. Auch im Urlaub mit den Kindern oder der Freundin. D/s betreibt man nicht mit random Leuten, die auswechselbar sind. Und normalerweise beinhaltet es auch Regeln. Was nicht heißen muss, dass man die nicht dem Alltag anpassen könnte bzw müsste, wenn die Sache über längere Zeit klappen soll zumindest. Es geht auch nicht darum, ob man viele Regeln hat oder wenig, ob man dauerknien soll oder ob man Du oder Sie sagt. Alles ist Verhandlungssache. Und Geschmackssache. Aber man schaltet so eine Dynamik nicht einfach mal kurz an und aus wie es einem passt, sonst geht sie kaputt.

Und D/s kann meiner Meinung nach auch nicht mit mehreren Personen parallel klappen. Vielleicht noch so herum, dass ein/e Dom zwei oder mehr subs hat, und jede davon bekommt ihr maßgeschneidertes Gefälle und ihr maßgeschneidertes D/s. Ich bin definitiv kein Fan von poly, aber so herum macht es noch halbwegs Sinn. Wer es ertragen kann, dass sein/e Dom noch andere subs hat, bitte sehr. Andersrum, also mit einer/m sub mit mehr als einem/einer Dom, macht es allerdings überhaupt keinen Sinn und ist für mich auch nicht funktionsfähig.

Es kann nur einen Oberboss geben, nur einen Chefkoch, nur einen Anführer. Einer muss Primus sein. Was mach ich denn als sub, wenn Herr A mich glatt will und Herr B mit Schambehaarung? Was mach ich denn, wenn Herr A mich verleihen will und Herrn B das ganz furchtbar findet? Was mach ich denn, wenn Herr A Intimpiercings liebt und mir welche verpassen will und Herr B die total scheußlich findet? Was mach ich denn, wenn Herr A mir 5 Orgasmen samt Audiobeweis aufträgt und Herr B mir erst gestern zwei Wochen Wichsverbot gegeben hat? Kann man das Problem erkennen, ja? (Mal abgesehen vom emotionalen Aspekt, und der Tatsache, dass zu viele Köche nunmal den Brei verderben)

Und das bedeutet, dass entweder Herr A oder Herr B die Oberhand haben muss. Und in dem Moment ist der dann der Herr, und der andere hat sich nach seinen Vorgaben zu richten. Was dann automatisch bedeutet, dass mit dem kein D/s funktioniert, da er nur ein geduldeter Spielpartner innerhalb eines vorgegebenen Rahmens ist, oder ein Erfüllungsgehilfe für MMf oder ne Party vielleicht. D/s als Beziehungsmodell kann ich in so einem Gefüge auch nur und ausschließlich mit einem Dom sehen, und zwar mit dem Ranghöchsten. Der muss dann meine emotionale, tiefe Beziehung sein und nur dem gehört meine Hingabe, meine Loyalität, mein Körper. Und nur dessen Halsband trage ich. Das ist ja auch sowas. Drei Doms, drei Day Collars? Das wird aber eng und schwer am Hals. 😉

Ach ja. Halsband. Ja, das ist kleidsam und schick und kinky. Und man könnte sich schier zu Tode shoppen bei der Auswahl an Styles und Farben und Breiten und Materialien und Mustern, die es gibt. (und ich bin doch so eine Halsband- und Leinenfetischistin) Aber wichtig ist doch die Aussage, die Bedeutung dahinter. Klar kann ich für ne Session mit einem Spielpartner ein Halsband anziehen. Das zeigt dann meine Rolle an. Und macht uns heiß. Aber für Lifestyler ist das Teil mehr als ein sexy Kleidungsstück. Es zeigt an, dass man Eigentum ist. Dass man jemandem mit Haut und Haaren gehört, und das auch will. Dass die Sache – hoffentlich – wirklich was bedeutet. Immer, auch wenn man gerade nicht zusammen ist. Dass da ein Gefälle ist. Dass da einer ist, der im Hintergrund die Fäden zieht, und sich kümmert, und man ihm wichtig ist. Dass er Verantwortung übernimmt und eben nicht nur spielen will.

Und dann las ich das: Ein Mädel (in englischsprachigen Teil meines Twitter) reklamierte für sich, in einer D/s-Beziehung zu sein und sub ihres Dom. Und gab allen Ernstes an, dass sie ihr Safeword oft und oftmals für irgendwelche Sachen benutzt, auf die sie heute aber echt keinen Bock hat. Wohlgemerkt, es handelte sich nicht um Tabus, nicht um noch nie Vorverhandeltes, und es war nichts, was sie aus medizinischen Gründen jetzt oder gar nicht tun kann.

Und sie sagte tatsächlich, dafür wäre so ein Safeword ja da, und Consent blabla und Grenzen blabla. Und dafür gab es tatsächlich reichlich Zuspruch aus der Bubble und RTs und Herzchen und Applaus. Weil, da hat aber eine verstanden, wie man Predatoren fernhält und verantwortungsvolles BDSM betreibt bla schwafel.. Und ich dachte nur, habt ihr den Schuss nicht gehört??? Anderen BDSMlern so einen Stuß zu erzählen, und das noch als perfekt gelebtes D/s zu verkaufen….da krieg ich Puls.

Hat dieses Mädel denn – neben dem völligen Fehlen von Hingabe und Gerhorsam und Submission – überhaupt keinen Stolz? Igitt. Das ist keine D/s-Verbindung, sondern topping from the bottom, Wunschzettelerfüllerei, das Dömmchen am Nasenring rumführen, und für jede echte sub ein Grund zum Fremdschämen mit übelstem Cringefaktor. Ein Safeword ist der Schalter fürs Not-Aus. Der letzte Rettungsanker. Den man nur wirft, wenn es gar nicht anders geht, und den man eigentlich versucht, zu vermeiden. Weil man seinen Stolz hat, und will, dass der Herr stolz ist, verdammte Axt! Ein Safeword benutzt man doch nicht inflationär und für jeden Scheiß, wenn man keinen Bock auf wasauchimmer hat. Und dass so viele Leute so einen Mist auch noch teilten und das Mädel lobten, anstatt ihr Bescheid zu stoßen, macht mich echt sauer.

Und solche Fakes versaubeuteln nicht nur die Bedeutung des Begriffes D/s, sondern sie tun sich auch wirklich keinen Gefallen, wenn sie sich sub oder Sklavin oder TPE-erfahren nennen. Denn wenn die jemals mit einem Lifestyler zu tun kriegen, der aufgrund der reichlich blumigen Selbstbeschreibung Interesse zeigt, dann haben sie nach gefühlten 5 Minuten ein echtes Problem, bzw fragt sich das Gegenüber, ob die Witze machen, wenn sie “keinen Bock” haben, und sägt sie ab.

Und genau deshalb, zur Einordnung und Verständigung, sind die gefürchteten Schubladen und so ein paar feststehende Begriffe und Definitionen nötig und praktisch. Nicht mehr, nicht weniger. Struktur, Gerüst, feste Größe. Und schließlich man kann ja auch in mehrere Schubladen was stopfen, es muss ja nicht das ganze Hab und Gut in einer einzigen liegen 😉

Standard

Wegkreuzung im Nirgendwo

Die Vorfreude auf den Herrn, gepaart mit einem Quäntchen Furcht, weil ja das Strafbuch mit dabei ist, und es immer einiges abzuarbeiten gilt. Sehnsucht.

Der tiefe, besitzergreifende Kuss und der geliebte Nackengriff beim Wiedersehen. Ankommen.

Das Kaffeeritual und die kleinen Gesten und Signale, die nur wir verstehen. Kopfkino.

Das Abnehmen der Brille und das *Klick* des Halsbands. Mein Kopf, in dem ich nur noch seine “notgeile kleine Schlampe” bin. Unterwerfung.

Die ersten härteren Berührungen und Anweisungen. Gehorsam.

Die Anspannung und Unsicherheit, was passieren wird. Herzklopfen.

Die Gewissheit, dass man genau da ist, wo man sein will und genau das bekommt, was man braucht. Stimmigkeit.

Die Fahrt, Rock hochgezogen, breitbeinig, ohne Höschen. Durch Ortschaften, über Land. Seine Hand immer wieder zwischen meinen Schenkeln. Verlangen.

Am Ziel. Wald. Eine Wegkreuzung im Nirgendwo. Kalte Luft, die über meine Haut streicht während ich warte. Ruhe.

Fichten. Kahle Laubbäume. Schneereste auf dem Grund. Endlich an seiner Leine sein. Eigentum.

Geführt zum Hochsitz am Wegesrand. Festgebunden mit Seilen. Das rauhe Holz, das in die Haut drückt. Das Haar, das er mir fast schon sachte zur Seite streicht. Ausgeliefert sein.

Schläge, die mich zucken lassen. Hiebe, die mich tanzen lassen. Langsam, schnell, moderat, intensiv. Erste Tränen. Rückversicherung. Lust und Leiden.

Mühsam unterdrückte Schreie, Dienen, Striemen. Kälte, Liebkosungen, Wachs. Der Sog des Spiels. Willkür.

Losgemacht, gepackt und zurückgeführt werden. Die Sitzheizung wärmt den Arsch, die Schläge wärmen die Fußsohlen. Klammern, Schmerzen, Geilheit, Aushalten. Lob.

Lächeln. Zufrieden und entspannt. Erniedrigt, geschlagen und gefickt. Sein Sperma, das an meinen Schenkeln hinunterläuft. An meinem Platz sein.

Markiert als Eigentum. Und als seine notgeile kleine Schlampe. Sein Fickstück, seine Sub mit dem Sklavenherz. Für Stunden benutzt und doch jede Sekunde respektiert.❤

Standard

Betteln

Das Thema war ein aus der Not des alleine zuhause Herumsitzens geboren, und der Herr fand es interessant.

Also, was fällt mir denn da spontan so alles ein…?

Um etwas zu betteln ist was anderes als um etwas zu bitten. Bitten kann ich um einen Gefallen, um Geld, um einen Rückruf, um einen Kaffee. Betteln hat etwas Dringliches an sich. Dass man etwas gaaaanz unbedingt haben will oder braucht. Und es hat was Erniedrigendes an sich, zumindest für mich.

Wenn ich um etwas bitte, und die Antwort fällt negativ aus, dann kann ich mich in ein ebenmäßiges, betont lockeres oder gleichgültiges O.K. … zurückziehen, und zumindest nach außen hin so tun, als ob es mich höchstens marginal kratzt, auch wenn ich innerlich enttäuscht oder angefressen sein sollte, weil es mir vielleicht ja wichtig war. Wenn ich eine Frage stelle, oder um eine Information, einen Termin, einen Vorschlag bitte, und ein nein bekomme oder eine Absage oder – was für mich ganz schlimm ist – die Frage ignoriert wird (absichtlich oder unabsichtlich, weil “überhört/überlesen”?), dann versuche ich immer, ein Pokerface zu wahren. Lalala, gar nicht schlimm, siehst du? Auch wenn ich mir das innerlich merke.

Wenn ich um etwas betteln muss (denn betteln tu ich niemals freiwillig, oder weil es mir Spaß macht. Dazu bin ich viel zu stolz und es kickt mich auch nicht irgendwie direkt sexuell – mehr dazu weiter unten im Text), dann habe ich mich schon so weit aus dem Fenster lehnen müssen, dass ich nicht mehr mit dem Pokerface der Gleichgültigkeit davonkomme, und mich in jedem Fall erniedrigt fühle, und bei einem Nein auch noch zusätzlich gedemütigt und zurückgewiesen.

Und im Alltag sind Erniedrigungen, Demütigungen und Zurückweisungen (unabhängig vom Betteln, denn ich bettele, wie gesagt, im Alltag nicht) drei absolute Garanten für Probleme mit mir. Ob ich fauchig werde, mich irgendwie angegriffen fühle und zum Gegenangriff übergehe, mit Kälte reagiere, mit gezielten Retourkutschen, oder verletzt und beleidigt bin und die Person für den Rest ihres Lebens bei mir verschissen hat, das ist situationsabhängig. Aber ohne Blessuren endet das mit mir nicht. Ist ja klar. Wer lässt sich sowas schon (gern) gefallen?

Um diese Gefühle, die das betteln müssen (und das womöglich auch noch erfolglos) auslöst, in etwas Positives im Sinne des BDSM umzulenken, braucht Dom Fingerspitzengefühl, Empathie und Geschick. Es braucht einfach die passende Art der Dominanz, die passenden Worte und “Griffe” (verbal und non-verbal).

Man(n) muss meinen Kopf erstmal da hinbekommen, wo ich überhaupt so devot ticke bzw denke, dass ich um etwas bettele. Das ist nicht selbstverständlich, schon gar nicht, wenn es sich um etwas handelt, das ich selbst überhaupt nicht will oder wirklich hasse. Das kriegt nicht jeder hin, zumindest nicht so, dass ich nicht sehr zögerlich bin und aus der Situation eigentlich nur noch raus will, weil es so fake ist oder nur peinlich und sonst nix. Und ich befinde mich definitiv nie so weit jenseits von gut und böse in irgendeinem imaginären Subspacetunnel (nicht der von Star Trek. Der andere 😉 , dass ich nicht schmerzhaft mitbekommen würde, was ich da gerade sage und tue, und damit kommen wir zum nächsten Punkt…. dass aus dem entsetzten Erstaunen in meinem Kopf ob meines Gebettels um irgendeine Handlung, um Schläge, um Erniedrigung etwas wird, aus dem auch ich selbst Lust oder Befriedigung ziehen kann, muss Man(n) meinen Kopf auch dort halten können, wo er ihn zuvor schon erfolgreich hinmanövriert hat.

Die Wellenlänge muss stimmen, und das, was vom Gegenüber ausgeht, muss authentisch sein und nicht irgendwie aufgesetzt. Und ich muss tief drinnen das sichere Gefühl haben, dass er mich mag und jenseits der Situation als Mensch respektiert, damit ich mich so “zum Trottel machen” kann. Und wenn es richtig gut funktioniert, dann finde ich die Erkenntnis, in welcher niederen, bettelnden Position ich mich da befinde, sogar ausgesprochen geil, so um drei Ecken rum. Denn es funktioniert nur um besagte Ecken rum, sprich, mein devotes Hirn muss voll da sein, und gut gefüttert.

Wenn mich jemand so weit hat, dass ich für ihn um etwas bettele, was ich eigentlich überhaupt gar nicht will, und es dann noch völlig stimmig und geil finde, mir dabei womöglich erniedrigt und gedemütigt vorzukommen, und wenn sich die erniedrigende Bettelei wie ein passender Ausdruck von Submission und wie selbstverständliches Dienen anfühlt, und dabei auch noch sämtlicher Eigennutz weg ist, und es trotzdem für meinen Kopf so passt, wie es ist….joa, dann hat Man(n) bei mir erstens echt nen Stein im Brett, und zweitens ganz offensichtlich den sehr seltenen Dreh raus.

Standard

Corona und Co.

Das wird jetzt mal ein Eintrag aus geballtem Mimimi, und es fällt mir tatsächlich gerade zeitweise ziemlich schwer, nicht in Selbstmitleid auf der Couch zu versacken.

Vor ein paar Tagen habe ich die erste der beiden alten Rattendamen tot im Käfig gefunden. Es ging ihr schon länger nicht mehr so gut, sie hatte in immer kürzeren Abständen sowas wie Schwächeanfälle, wohl auch arge Rückenschmerzen, einen Bumblefoot, den wir jeden Tag behandeln mussten, und man merkte, dass ihr einfach allmählich die Puste ausging. Nachmittags haben wir sie beerdigt. Jetzt ist nur noch ihre letzte Schwester übrig, um die wir uns jetzt umso mehr kümmern müssen, weil sie kein Rudel mehr hat, und ich bezweifle, ob eine Vergesellschaftung mit den anderen klappen wird. Ich glaube, nach diesen zwei Rudeln, dem kleinen alten, und dem noch jüngeren, neueren, war es das für mich mit Ratten. Ich schaffe es seelisch einfach nicht, gefühlt alle 2 Monate ein geliebtes Haustier zu Grabe zu tragen. Wir haben alle geheult wie die Schlosshunde, sogar der Ex. Ich kann mit Sterben und Tod erwiesenermaßen sowieso nicht umgehen, und das ist mir alles zu viel. Und es ist nur die Spitze des Eisberges, unter dem ich mich gerade befinde.

Auch der plötzliche Tod meines letzten Herrn Ende Januar geht mir immer noch im Kopf rum, zumindest wenn ich durch meine WA Chats scrolle, und den einen grauen Haken sehe. Und das triggert altbekannte Denkmuster von wegen Verlustängste, Unsicherheiten, Schwarzmalerei etc, die ich aktiv unterdrücken muss, weil sie dem jetzigen Herrn gegenüber sinnlos und unangebracht sind.

Ich vermisse meinen Herrn, verdammt nochmal, und kann ihn doch nicht sehen. Weiß nicht, wie lange das so bleibt. Es könnten auch noch viele viele Wochen sein. Kommt ganz auf Corona an, und darauf, wann endlich Tests für alle gemacht werden können, und zwar schnell und ohne dass man das nochmal Tage später nachtesten muss. Die Angst, dass unsere noch ziemlich frische Beziehung mit erst ein paar Treffen bis jetzt, durch all die Belastungen und Sorgen von wegen Corona gepaart mit der räumlichen Distanz leiden könnte, macht mich echt fertig. Auch, wenn es keinen Pieps in diese Richtung gab bis dato. Ich mache mir trotzdem Sorgen, freue mich über jede Nachricht und jedes Gespräch, überlege mir, was ich schreibe, will nicht nerven oder lästig sein, will nicht sexuell needy rüberkommen in einer Zeit, wo man wahrscheinlich anderes im Kopf zu haben hat, obwohl die Sub in mir hintergründig immer dringend rauswill. Bin ganz erwachsen und vernünftig, und will doch eigentlich nur eine Umarmung und eine kurze Verschnaufpause, an meinen “Felsen” gelehnt. Mich ausheulen können. Einen Kuss auf den Scheitel, ein “alles wird gut”. Auch, wenn es beschönigt, blind, oder schlicht gelogen wäre. Ich nähme alles. Auch wenn ich weiß, dass das halt nicht geht. Und, dass er sich auch große Sorgen macht, wie die Welt sich verändern wird durch diesen Clusterfuck.

Die Sorge, dass ich mich oder jemand, den ich kenne oder mag sich mit Corona infiziert, ist auch nicht ohne. Jede Andeutung einer Erkältung betrachte ich argwöhnischst. Und ich habe ein sehr mulmiges Gefühl, wenn ich doch alle 7 bis 10 Tage mal für Salat&Co in den Supermarkt muss. Ich kenne die Videos aus Italien. Die armen Menschen. Schöner Dreck.

Eine weitere große Baustelle ist meine Mum, bei der es absehbar ist, dass sie es auch nicht mehr ewig macht. Sie ist in den letzten Jahren wirklich “alt” geworden, und körperlich wie geistig unflexibel, und schafft auch keinen ausgedehnteren Bummel durch irgendeine Innenstadt, oder eine kleine 2-Stunden-Wanderung um einen See mehr. Redet und denkt wie eine alte Frau, nicht wie jemand, der jung geblieben ist im Geist. Hat diverse körperliche Gebrechen, nimmt diverse Medis, und obwohl wir sehr verschieden sind und oft genug von unserer Einstellung zu den Dingen und unserer Denke her aneinander geraten, bekomme ich regelrecht innerliche Panik, wenn ich daran denke, dass sie irgendwann nicht mehr da sein wird, und ich dann de facto allein hier sein werde, bis auf die Kinder. Und Corona macht es momentan echt nicht besser. Sie gehört zur Premiumklientel für das Virus. Der Ex ist da, ja, aber der wird irgendwann wegfallen falls er zurück in die Heimat geht, wenn die Kinder alt genug sind. Und er ist ja der Ex, schließlich. Und dem jetzigen Herrn, auch wenn wir forever after zusammenbleiben würden, würde ich mich bzw meine persönliche Last nicht aufhalsen wollen. Ich habe immer alles mit mir allein ausgemacht. Dieses Mal habe ich allerdings tatsächlich Angst.

Da kommt viel zusammen. Das zumindest zur Zeit wochenlange Alleinsein – Corona sei Dank – das Vermissen, die Verantwortung für alles hier, die generelle Traurigkeit oder Melancholie oder wie immer man es nennen mag, die ich schon habe so lange ich mich erinnern kann, und die mich immer mal wieder einholt und kurzfristig überrollt, aber auch die krassen Veränderungen in meinem Leben und im Job, und alles zum Negativen.

Ich bin in diesen Job vor inzwischen fast 20 Jahren hineingeraten, als mein Vater schwer erkrankte und einige Zeit später starb. Bis dahin hatte ich mein Abi gemacht, einige Zeit in München halbherzig rumstudiert, hier und da gejobbt, und war dann nach London gezogen. Das war eine meiner wenigen intuitiven Hau-Ruck-Entscheidungen im Leben, und eine der ganz wenigen, die nicht total in die Hose gingen. Es war eine tolle Zeit, mit wenig Geld, aber viel Party und Spaß. Und Liebe. Und Kursen an einer Tourismusschule, und einem Cambridge-Zertifikat in Englisch. Nur, dass ich meine weitere Zukunft nicht dort aufbaute, sondern nach etwas über einem Jahr wieder daheim in der Provinz endete. Ob ich auf die Schnapsidee kam, was mit Tourismus machen zu wollen, oder ob meine Eltern mich einwickelten, ich weiß es tatsächlich nicht mehr. Jedenfalls machte ich eine auf 2 Jahre verkürzte Lehre zur Hotelfachfrau. Und. Habe. Praktisch. Jede. Minute. Davon. Gehasst. Inklusive des Gastronomie-üblichen Mobbings durch schon ausgelernte Kolleginnen und des branchenüblichen Ignorierens von Arbeitszeitenregelungen. Trotzdem zog ich sie durch, mit Einserabschluss.

Warum? Keine Ahnung. Weil ich es immer irgendwie wollte, dass andere Leute mit mir zufrieden waren? Weil ich es allen anderen Recht machen wollte? Weil ich keinen Plan hatte, was ich sonst, stattdessen machen sollte? Weil ich zu feige war für einen harten, klaren Schnitt und einen Neuanfang? Weil ich meine Eltern nicht enttäuschen wollte? Ich weiß es nicht. Vielleicht von allem etwas. Und der geneigte Leser meiner BDSM-Beiträge wird vielleicht rauslesen können, dass devot sein mir da wahrscheinlich auch nicht sehr geholfen hat, so von meiner Grundeinstellung her.

Und jemanden, der die Dinge für mich regelte und mich in die richtige Richtung schubste oder an die Hand nahm, gab es nicht. Den hätte ich wahrscheinlich gebraucht. Ich bin kein Anführer. Ich bin auch kein hirnloser Mitläufer, und kann mich in gehobener Position einbringen, aber der Job des Chefs mitsamt der Verantwortung und der Gespräche und Situationen, wo es hart auf hart kommt, und wo man sich auf die Hinterbeine stellen muss, und ja, eben den “Chef raushängen lassen”, die hasse ich, die kann ich nicht, die machen mir einen Wahnsinns-Stress. Konfliktsituationen, Angestellte tadeln, mein gutes Recht einfordern, auf Stornozahlungen beharren, Leuten sagen, dass das, was sie da tun, mit mir nicht läuft. Ich kriege es hin, aber es kann sein, dass ich vor so einem Gespräch tagelang Gedanken wälze und mich stresse. Ein richtiger Anführertyp sollte das doch locker hinbekommen, und womöglich noch seinen Spaß daran haben, zu “gewinnen”, oder? Meine Sehnsucht nach der Hand, die ich ergreifen kann, begleitet mich schon mein ganzes Erwachsenenleben, während ich stark bin und auch sein muss, und alles für mich regle, und irgendwie immer funktionieren musste, egal was war. Und gerade jetzt muss ich auf den Wahrheitsgehalt hinter “was dich nicht umbringt, macht dich stärker” hoffen.

Seit schon bald 20 Jahren mache ich diesen Job als Selbständige. Ohne BWL-Wissen, oder Studium. Ohne FH. Ohne Weiterbildung nach der Lehre. Dafür war keine Zeit mehr, weil Vaters Krankheit es eben verlangte, ins kalte Wasser zu springen. Ich habe mir alles selber beigebracht, und mir erlesen, was ich so brauchte. Für den Rest habe ich ein gutes Steuerbüro, das einen mittleren Goldbarren im Quartal als Vergütung nimmt, mir dafür aber das Finanzamt vom Leib hält und sich um Einhaltung von Deadlines und die Abschlüsse kümmert.

Rückblickend betrachtet hätte ich damals gleich am Anfang Schluss machen sollen, aber dafür war ich ja zu gutmütig, zu loyal, zu doof, zu unbeweglich, zu ängstlich. Ich habe die letzten fast 20 Jahre wenig gelebt, wenig Spaß gehabt, wenig für mich selbst getan, und immer nur für die anderen funktioniert. Sogar hochschwanger und spätestens 7 Tage nach den Geburten der Kinder habe ich wieder Vollzeit gearbeitet. Durch Schleimbeutelentzündungen in der Hüfte und der Schulter hindurch. Mit Fieber und grippalen Infekten. Immer, eben. Den Luxus, meinen Chef anzurufen und bei Lohnfortzahlung daheim zu bleiben, hatte ich nie. Klar, ich WAR ja der Chef. Selbst und ständig. Für keinen Cent mehr Einkommen, als ich z.B. mit dem Job meiner Besten bei einem großen Versicherer bekommen hätte, aber mit viel weniger Schlaf, fürchterlichen Arbeitszeiten, und dem vollen Risiko.

Tja, und jetzt Corona. Als Selbständige in der Hospitality Industry. Lange Rede, kurzer Sinn, die Buchungen, die ich für März, April, Ostern hatte, sind storniert. Dazu kam seit vielen Tagen nix mehr, und auch für die Feiertagswochenenden im Mai, für Pfingsten, sogar für den Sommer bucht kein Mensch. Nix. Stille. Grillenzirpen. Totale Leere im Buchungskalender, in einer Zeit, wo sonst die Buchungen für Ostern, Mai, Juni, Juli und teils schon später hereinflattern. Weil keiner weiß, wann es wie weitergeht, schon klar. Und seit einer Woche dürfte ich eh nur noch Geschäftsreisende oder Monteure unterbringen, aber keine Urlauber. Urlauber??? Was ist das denn. Und auch Monteure oder Geschäftsreisende gibt es hier gerade nicht.

Die Allermeisten hier haben jetzt halt einfach geschlossen. Wie lange, das weiß keiner. Und wenn es stimmt, dass es durchs Jahr hindurch mehrere Infektionswellen geben wird, ein Hü und Hott zwischen halbwegs normalem Leben und Ausgangsbeschränkungen, dann kann das kein noch so stabil stehendes Geschäft, Laden, Hotel etc auffangen. Ein paar Wochen, oder bis Sommer mit Soforthilfen, ja vielleicht. Bis Jahresende sicher nicht.

Mein Steuerbüro informiert sich zur Zeit über die Regelungen, und dann wird es Kurzarbeitergeld, Anpassungen der Abgaben für Strom, Wasser/Kanal, Müll, und Neuberechnung der Steuervorauszahlungen etc geben.

Aber trotzdem, andere Kosten von der horrend teuren Krankenversicherung über andere Versicherungen über GEMA, KabelTV, und vieles andere läuft ja trotzdem weiter. Noch ist etwas Geld da, aber ewig reicht das nicht mehr, und Hilfen bzw Sofortgeld kann ich erst beantragen, wenn ich pleite bin, soviel ich weiß. Das heißt, selbst das kleine Polster, das ich mir mit vielen Jahren Buckeln mühsam zusammengespart habe, wird draufgehen. Unverschuldet. Na danke. Und wenn der Spaß wirklich bis zum Herbst dauert, dann kann ich auch damit einen kompletten Saisonausfall bei weitem nicht abfedern. Und nur, weil es sich hier niemals um meinen Traumjob gehandelt hat, heißt das nicht, dass ich gerne damit baden gehe.

Wobei ich ja als Zugehörige der Risikogruppe, mit meinem modulierten Immunsystem, witzigerweise gar nicht mit bzw für potentielle Bazillenschleudern arbeiten sollte, wenn es mir endlich wieder erlaubt sein wird, wiederzueröffnen. Infektionsschutzgesetz. Wäre ich angestellt, dann müsste mein Arbeitgeber dafür sorgen, dass ich dort bzw so arbeiten kann, dass ich es nicht mit potentiell infizierten Leuten zu tun bekomme. Ich bin aber selbständig, und deshalb habe ich auch diesbezüglich die Arschkarte und keine Behörde und keine Versicherung und keine IHK und kein Gesundheitsamt fühlt sich ansatzweise verantwortlich für mich. Stellen wir also fest, dass mein Betrieb hopps geht, wenn keine Touristen da sind, und ich eventuell hopps gehe, wenn Touristen da sind. Super, ne? Wann kommt nochmal diese Impfung raus, damit ich halbwegs sorglos arbeiten kann???

In diesem Zusammenhang möchte ich noch sagen, dass mich hämische und selbstgefällige Aussagen von linkslastigen Herrschaften von wegen “unternehmerisches Risiko” und “Arbeitgeber sollte man zu Handlung Xy zwingen für ihre Arbeitnehmer blabla” oder von unserem lieben Vorzeigegrünen vom Dienst Herrn Habeck “sollen die Schließungszeit nutzen, um umweltfreundliche Heizungen einzubauen (!!!??!?)” UNENDLICH wütend machen. Ich bin nicht reich und reiße mir 15 Stunden am Tag und bis zum saisonalen, nächtlichen Heulkrampf vor lauter Erschöpfung den Arsch auf, ihr widerlichen Deppen. Und verliere vielleicht so wie zahllose andere kleine Leute meine Existenz, weil – im Endeffekt – es irgendwelche Idioten am anderen Ende der Welt einfach nicht bleiben lassen konnten, irgendwelches räudiges Wildgetier zu fressen, wovor die WHO seit spätestens SARS immer wieder gewarnt hat, weil das nämlich sprichwörtlich PANDEMIEN AUSLÖSEN KANN, VERFICKT NOCHMAL. Das muss man mal sacken lassen. Butterfly effect für Fortgeschrittene.

Joa, und all das und noch einiges mehr, was den Rahmen des Mimimi aber deutlich sprengen würde, geht mir jeden Tag im Kopf rum und hält mich bis in die Nacht wach, und das ist der Grund, warum ich auf sehr viel Blödsinn, den ich auf Twitter und sonstwo mitbekomme, meist einen klitzekleinen Hauch undiplomatisch reagiere und eine sehr begrenzte Toleranz gegenüber Idioten habe. Vielleicht verständlich. Wenn nicht, dann ist mir das auch wurscht.

Ich werde mir die Zeit, bis es hier mit irgendwas weitergeht, mit Wohnung ausmisten, backen, kochen, gärtnern (bei mir stirbt eigentlich alles außer Orchideen, also wird das interessant), aufräumen, Wände streichen, bloggen, mit den Kindern rausgehen, mich pflegen, und etwas Sport verbringen. Vielleicht schwinge ich mich auf das verhasste Spinningrad vom Ex, oder ich bemühe eine Yoga App. Es besteht nämlich die große Gefahr, dass ich bei Langeweile und Frust fresse, und ich möchte nach der Ausgangssperre noch durch die Türe passen. Eine Sprache lernen per App. Lesen. Versuchen, herauszurechnen und zu brainstormen, inwiefern und ob sich dieser Betrieb noch möglichst kostengünstig führen lässt, und wie ich mit möglichst wenig blauem Auge durchkomme. Und ich werde schlafen, wenn ich kann. So viel wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Freizeit keinen so hohen Preis hätte.

Standard

Das neue Zeitalter? Gedankenspiele.

Ich bin ja generell eher der Typ Mensch, der gerne so informiert ist wie möglich, und der sich sein solides Halbwissen selbst raussucht, erliest und googelt. Ich hasse es, wenn ich über eine Sache, die mich betrifft, sei es eine Diagnose, Behandlung, Regel, Verordnung, oder ein Vorgehen, whatever, nicht Bescheid weiß. Und ich verlasse mich selten bis nie blindlings auf eine Seite, die mich informiert. In Bezug auf Corona habe ich da als Nichtmedizinerin, Nichtvirologin, Nichtzukunftsforscherin, Nichtstatistikerin, Nichtpolitikerin, Nichtphilosophin natürlich ganz schön zu tun. Aber Frau tut, was sie kann.

Ich bin immer wieder sehr erstaunt, wenn ich mitbekomme (momentan zwangsläufig wie wir alle fast nur online, aber bis letztens auch durch den Small Talk auf Distanz mit älteren Nachbarn oder Bekannten, die man zufällig im Supermarkt traf), wie viele Menschen tatsächlich nach wie vor denken, dass diese riesengroße Scheiße, die uns da passiert ist, bis in ein paar Wochen vorbei ist. Ähm, neee, ganz sicher nicht. Das hier soll jetzt keine Dystopie werden. Ich bin eigentlich im tiefsten Inneren ein unerschütterlicher Optimist. Vielleicht einfach nur, weil ich im Leben mitbekommen habe, dass es immer irgendwie weitergehen MUSS. Und man dann die Arschbacken zusammenkneift und sich durchbeißt. It´s not over till the fat lady sings. Es geht immer irgendwie weiter. Die Frage, wenn das alles vorbei ist, wird allerdings eher sein, WIE.

Aber zuerst mal müssen wir Corona in den Griff kriegen. Das kann und muss jeder Einzelne auf der Welt mit verantwortungsvollem Verhalten tun. Das Problem hierbei scheint überall auf der Welt und leider auch (sogar sehr heftig) in Deutschland zu sein, dass es eine ziemlich große Gruppe an Volldeppen gibt. Allen Alters. Wobei die Jüngeren, so die 16- bis 30-Jährigen, anscheinend das größte Problem damit haben, einmal nicht nur an sich zu denken. Beim Fridays for Future- Demonstrieren hat das doch auch geklappt? Aber beim einfach mal mit dem Arsch daheim Bleiben sind sie teils intellektuell überfordert. Das ist etwas, was man im Nachgang beleuchten sollte, um eventuell bei der zukünftigen Kindererziehung nicht dieselben Fehler zu machen, den die Eltern dieser Generation wohl teils gemacht haben.

Ich schreibe diesen Blogbeitrag wohl wissend, dass ich erstens zur Risikogruppe gehöre, und zweitens zu denen, über denen der Insolvenzgeier kreist, sollte der Spaß länger dauern als ein paar Wochen. Und das wird er. Viel länger. Trotzdem bin ich erstaunlicherweise relativ ruhig, habe die Situation für mich akzeptiert nach anfänglicher Verharmlosung, Erstaunen, ansteigender Sorge, Ungläubigkeit ob der Größe des Kackhaufens, der da auf den Ventilator geprallt ist wie der Brite sagt, kurzfristiger Depression. Jetzt ist da stattdessen Akzeptanz der Situation inklusive Suche nach Plan B und C, gemischt mit Ärger über zögerliche Politiker und Coronaparty-Freaks und einem Hauch irrationalem Groll gegen Wildtierfresser.

Aber nun gut, it is what it is, und es hätte uns alle auch bedeutend schlimmer erwischen können. Corona ist nicht schön, und die Berichte und Videos aus Italiens Krankenhäusern sind es noch viel weniger. Aber es ist zwar ziemlich ansteckend, jedoch nur wenig tödlich. Lass das mal ein Virus sein, das für 80% der Bevölkerung tödlich ist und über die Luft übertragen wird, also bedeutend weiter fliegt als 2m. Wir hätten hier ein Szenario wie in Stephen King´s “letztem Gefecht”. Der Drops für unsere Zivilisation wäre für Jahrhunderte gelutscht. Ja, die Überlebenden hätten tonnenweise Klopapier übrig, sofern sie über die stinkenden Leichenberge steigen und es aus den Lagern und Häusern holen würden, aber so gesehen haben wir mit Corona echt noch Schwein gehabt, denn es hat uns global gesehen kalt und schlecht bis nicht vorbereitet erwischt und bringt den überwiegenden Teil von uns trotzdem nicht ins Grab.

Nichtsdestotrotz…die Sache wird dauern. Wer den Virologen wie zB Drosten oder der täglichen PK des RKI, zuhört, wird vielleicht zwischen den Zeilen rausgehört haben, dass die auch von Tag zu Tag etwas gestresster und negativer in ihrem Outlook werden. Ein Statement von Lothar H Wieler, Chef des RKI, von vor 2 Tagen war, dass er sich eine Krise diesen Ausmaßes nie hätte vorstellen können. Ich höre bzw schaue mir solche Podcasts bzw PKs gerne an, weil ich Infos eben gern direkt und nicht von solchen sensationsgeilen Gazetten wie “Welt” oder “BILD” beziehe. Es gibt auch einen ganz hervorragenden Twitter-Account namens @tomaspueyo , ein Silicon Valley Mensch, der in den letzten Tagen zwei brilliante Texte veröffentlicht hat. Zuerst “Why you must act now” und vor kurzem dann “The hammer and the dance”. Ich hab sie auf englisch gelesen, aber ich glaube, man kann auch eine Version in anderen Sprachen finden.

Bis jetzt treffen seine Prognosen und Rechenbeispiele echt super zu, und was er sagt, macht zu 100% Sinn. Der neue Artikel vom Hammer und dem Tanz dreht sich um die verschiedenen Vorgehensweisen verschiedener Länder. Wir sehen ja wie die USA gerade dabei sind, in atemberaubender Geschwindigkeit die Spitze bei den Infektionen einzunehmen und im Chaos zu versinken. Eine Rechnung, die die Ärztin Dr Emily Porter (Schwester der bravourösen Katie Porter, Congresswoman und Twitter-gefeiert seitdem sie einen von Trumps Gesundheitsheinis gekonnt zerlegt hat) in einem Video aufmacht, zeigt, dass wenn es so weitergeht, 1 von 50 Patienten ein Beatmungsgerät kriegt. Die anderen 49 gehen leider leer aus und sterben. Weil nicht mehr Geräte da sind. Ach so, und der glückliche Fünfzigste bezahlt dann für den Rest seines Lebens die Rechnung vom Krankenhaus. GB wird es mit ihrem gebeutelten NHS genauso ergehen, weil die Kehrtwende ihres Dorftrottelpremiers auch viel zu spät kommt.

Die meisten anderen westlichen Länder (von den armen Ländern auf der Welt/ Afrika will ich gar nicht anfangen. Wenn es da losgeht wie im Iran, dann Gnade denen Gott) fahren ja den Social Distancing-Kurs, um das Gesundheitssystem mit entsetztem Blick auf das fürchterlich gebeutelte Italien nicht zu sehr zu überlasten, mit zu vielen Patienten gleichzeitig. Und, weil 80jährige halt auch gerne noch 81 werden würden, wenn die eine oder andere sozialdarwinistische Linke das vielleicht auch anders sehen mag. Mit dieser moralisch und ethisch etwas bedenklichen Auslese alter Leute = Klimawandelferkel sollte man als zivilisierte Gesellschaft etwas vorsichtig sein. (wenn ich auch nicht leugnen möchte, dass ich gewissen älteren Leuten – zB Trump- jede Pest an den Hals wünsche, die ich finden kann). Was anscheinend viele Leute aber nicht auf dem Schirm haben bis dato, ist der Umstand, dass Menschen in Quarantäne, sei sie jetzt selbst auferlegt oder erzwungen, und Menschen, die Social Distancing so betreiben, wie es sein soll, keine Immunität aufbauen können, weil sie sich ja eben nicht anstecken. Um einen Herdenschutz irgendwann mal hoffentlich gewährleisten zu können, müssen sich aber ca 70% der Deutschen angesteckt haben, ob sie es asymptomatisch durchmachen oder nicht. Man will nur nicht, dass das zu schnell geht, sonst stapeln sich die Kranken in den Kliniken.

Das heißt dann aber, dass wenn Ausgangssperren, Verordnungen, Social Distancing Regeln o.ä. wieder gelockert werden – damit die Wirtschaft nicht noch schlimmer abkackt as jetzt schon, und damit wieder eine gewisse Normalität einkehren kann für die Daheimhocker – die Infektionszahlen automatisch wieder steigen. Weil das Virus noch da ist und die Leute ja weder geimpft noch immun sind. Die folgenden Monate bis der Herdenschutz hoffentlich greift, oder die Zeit bis zu einem wirksamen Impfstoff für alle werden folglich eine Wellenbewegung von frei – lockdown, frei – lockdown, frei – lockdown. Immer, wenn es unter Kontrolle ist, gibt es mehr Freiheiten und Sozialkontakte, und immer wenn die Zahlen wieder ansteigen, muss man auf die Bremse steigen. Wie fest, wird wohl abhängig von den Zahlen sein, und davon, wie viele schnellere Tests man bis dahin machen kann und wie gut das Gesundheitssystem inzwischen eingespielt und ausgebaut ist, und wie es mit der Situation klarkommt.

Also, die Aussicht, dass ich es wahrscheinlich früher oder später auch aufschnappe (weil 70%) , oder meine Mum mit ihrem Alter und ihren Vorerkrankungen, macht mich nicht froh. Eine rechtzeitige Impfung wäre mir lieber. Aber das Leben ist kein Ponyhof. Der worst case wäre wohl entweder, dass die Sache mit der wirksamen Impfung einfach nicht klappen will, oder dass die Leute, die es schon hatten, es trotzdem nochmal kriegen und wir so niemals eine Herdenimmunität zusammenbekommen, oder dass das Mistding mutiert in eine noch wesentlich unangenehmere Version und unser fast fertiger Impfstoff dagegen leider gar nix ausrichtet, und uns die neue Variante fertigmacht. Aber wir wollen ja nicht schwarzmalen, und einfach hoffen, dass es bis Ende 2020 entweder eine Impfung oder ein wirsames antivirales Mittel gibt. Fingers crossed.

Ich hätte ja echt gut meine paar Jahrzehnte auf diesem Planeten rumbringen können ohne dieses Szenario einer Pandemie, die das Potential hat, die Welt in ein Zeitalter davor und eines danach einzuteilen. Denn ich glaube nicht, dass es nochmal so wird wie zuvor, wenn das Gröbste mal vorbei ist. Nicht nur, weil die Wirtschaft schwer angeschlagen ist von den vielen wochenlangen Vollbremsungen und den vielen Milliarden an Hilfszahlungen für die vielen Leute, die ihre Jobs, ihre Betriebe, ihre Existenzen verlieren werden in den nächsten Wochen bis Monaten. Es wird viele gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische, soziale und psychologische Baustellen geben.

Es gibt viele Leute, denen das Social Distancing auf vielfältige Weise gar nicht gut tut. Und das jenseits des Problems, dass man beim wochenlangen Rumhocken daheim dazu neigt, aus Langeweile zu fressen, und einige Kilos mehr draufpackt als gut ist. Ältere Leute vereinsamen vielleicht noch mehr, psychisch Kranke, denen der Alltag und die Routine weggebrochen sind, auch. Depressiven tut sowas auch nicht gut. Leute, die eh schon überängstlich sind, kriegen durch die Coronaberichterstattung die Krise. Paare, die sowieso schon Konflikte haben, schlagen sich womöglich an Tag 12 die Köpfe ein. Kinder aus Problemfamilien, die in der Ganztagsschule weit weg von ihrer asozialen Sippe wesentlich besser aufgehoben sind und dort auch ordentliche Mahlzeiten bekommen, sind momentan und dann immer wieder mit ihren räudigen Eltern zusammen eingesperrt, und bekommen wahrscheinlich nix zu essen, aber Schläge. Das alles kann noch heiter werden.

Und ich sehe eine große Gefahr darin, wenn die Leute unzufrieden würden – vielleicht weil irgendwelche Maßnahmen nicht greifen, oder wenn es nicht genug Soforthilfe gibt, oder wenn doch Klopapier ausgeht oder die Grundversorgung doch nicht so reibungslos aufrecht erhalten werden kann, dass jeder nach wie vor alle Waren bekommt, oder wenn die Situation einfach zu lange dauert und man mürbe wird – und die Politiker der großen Parteien das verpennen und/oder Vogel Strauß spielen würden. Das tun sie ja gerne mal. Dann würden die Extremisten aller Arten Oberwasser kriegen. Und das wäre unschön. Noch ist alles fein. Seit Corona gibt es im rechten Lager eine merkwürdige Stille. Als wüssten sie nicht, was sie sagen sollen. Nicht mal mausgerutscht wird. Merkel wird für ihre besonnene Art gelobt und Söder hat traumhafte Zustimmungswerte, aber das kann sich schnell ändern. Wobei man immer im Hinterkopf behalten sollte, dass die alle nur auf 5m Sicht durch den Nebel steuern. Sowas wie Corona war noch nie da, und man sollte ihnen etwas Geduld und Wohlwollen entgegenbringen. Die Scheiße hat niemand von ihnen verursacht und wollte auch keiner haben.

Dass der Staat, die öffentliche Ordnung, die Grundversorgung bis in ein paar Wochen oder Monaten komplett zusammenbrechen und wir ohne Strom und fließend Wasser bei Faustrecht im Mittelalter hocken, das glaube ich nicht. Aber es werden sich wahrscheinlich viele Dinge ändern. Und viele Dinge MÜSSEN sich vielleicht auch endlich ändern. Jetzt, wo es international schmerzlich klar wird, dass es keine gute Idee war, das Gesundheitssystem und die Kliniken zu Tode zu sparen, und zur Wirtschaftlichkeit zu zwingen anstatt zur bestmöglichen Versorgung, muss sich viel ändern. Der soziale und gesellschaftliche Gedanke, in der Not füreinander da zu sein anstatt das egoistische, rücksichtslose Arschloch zu geben, muss sich durchsetzen. Man muss die plötzliche Erkenntnis seit ein paar Wochen, dass Globalisierung ziemlich problematisch sein kann, hinterher umsetzen, und wieder dazu übergehen, hier zu lagern und zu produzieren. Ob das jetzt Autoteile oder Medikamente sind. Wenn die aus Asien importiert werden müssen, weil es da so schön billig ist zu produzieren juchu, dann kann es halt sein, dass bei der nächsten gefressenen Fledermaus monatelang kein Nachschub mehr kommt. Und in der EU muss man sich SEHR GUT überlegen, ob diese Gemeinschaft noch Sinn macht oder ob sie nur eine schnelle Aktion bzw Reaktion auf Notfälle behindert und untergräbt, zB bei Landerechten oder Grenzschließungen. Und man wird sich auch SEHR GUT überlegen müssen, wen man eigentlich noch im Club haben will. Ungarn gehört wegen offener Demokratiefeindlichkeit und Weigerung, Geflüchtete aufzunehmen schon seit Jahren rausgeschmissen, und allerspätestens seit heute sollten auch Tschechien und Polen hochkant rausfliegen. Wer ein solch asoziales Arschloch ist, Konvoys mit Hilfslieferungen von Masken und Beatmungsgeräten von China an Italien aufzuhalten und einfach zu beschlagnahmen – zu stehlen – der hat in der EU nichts zu suchen. Wir müssen diese Gemeinschaft neu aufstellen, wenn sie noch zu was gut sein soll. Und die, die nur zum Geld einsacken und Masken klauen drin sind, müssen nen Arschttritt bekommen.

Vielleicht muss man auch national seine Ansprüche kollektiv etwas herunterfahren. Downsizen. Kleinere Brötchen backen. Weniger Urlaub machen. Weniger Scheiße kaufen. Wieder mehr regional einkaufen und kochen. Das Home Office beibehalten, wo es geht. Weniger fliegen. Tut auch der Umwelt gut. Nicht mehr immer nur mehrmehrmehr wollen. Die Dinge, die sich in der Krise als erstaunlich gute Alternative im Leben und im Job erwiesen, beibehalten. Bei den Dingen, die nicht funktioniert haben, nachjustieren. Dabei den Föderalismus in Deutschland kritisch hinterfragen und ggf in Teilen abändern. Und diese “Globalisierung ums Verrecken” zu den Akten legen. Vielleicht kann man das Gefühl mit back to the Eighties umschreiben? nur ohne kalten Krieg, und dafür mit schnellem Internet. 😉

Wobei….ich kann mich dunkel an meine Kindheit erinnern, wo es weder Internet noch Handys gab. Und 5 Programme im TV. Und es war schön. Und ich glaube nicht, dass wir damals blöder waren als die heutigen Kinder. Ich finde Google immens praktisch, wenn mich mein schlechtes Gedächtnis oder mein Halbwissen alle 5 Minuten verlassen. Und Amazon auch sehr bequem. Und ja, ich bin gern und viel auf Twitter unterwegs. Aber trotzdem, das Internet und Social Media sind ein zweischneidiges Schwert, und ich bin mir manchmal nicht sicher, ob das Negative daran nicht überwiegt. Vielleicht sollten wir auch unsere Abhängigkeit davon herunterschrauben und wieder lernen, wie man einen Holzofen anheizt ohne zu ersticken (sorry Kachelmann) , oder wie man selbst Gemüse anbaut, anstatt stundenlang online rumzuhängen und sich von “Bubble” zu “Bubble” (die da draußen im echten Leben sowieso keine Sau interessieren) zu bekriegen. Und das tun, was man “entschleunigen” nennt. Vielleicht kapieren wir das ja, wenn wir erst mal sehen, dass die Welt auch mit Corona nicht untergeht, und wir auch diverse Lockdowns überleben, ohne deshalb zu verhungern oder durch sofortige Staatspleite in der Pappschachtel enden. Was dich nicht umbringt, macht dich stärker, nicht wahr?

Und wenn wir schon dabei sind, dass wir uns um die Schwächeren oder Alten in unserer Gesellschaft gekümmert haben in der Krise, und dem Pflegepersonal applaudiert, und uns nach sozialen Kontakten gesehnt während der langen, wiederkehrenden Wochen der Isolation, dann sollten wir das hinterher nicht gleich wieder vergessen, sondern es beibehalten.

Die Hoffung habe ich, in all der momentanen Scheiße. Aber ich bin ja auch unerträglich optimistisch bis zuletzt 😉

Standard

Das ewige Thema: Missbrauch im BDSM & ein paar Gedanken dazu.

Das ist ja, abgesehen vom Sexkaufverbot, DAS THEMA in der BDSM-Ecke von Twitter. Jetzt geb ich halt auch noch meinen Senf dazu. Wie immer handelt es sich um meine Meinung, meine Erfahrungen, und mein Empfinden. Wenn Ihr es ganz anders seht, oder erlebt (habt), dann bitte.

Ein ganz witziger Blogeintrag dazu ist übrigens mein alter Beitrag “Die Geschichte von der Sklavin, die auszog, einen Herrn zu finden”. Findet ihr auf diesem Blog, wenn ihr weit genug zurückscrollt. Bis Februar 17. Sorry, dass ich ihn nicht verlinke, entweder lässt mich die kostenlose Basisversion von wp das nicht einfach so machen, oder ich bin zu doof. Tja nun. Der fasst so ungefähr meinen holprigen und keinesfalls reibungslosen Weg ins und anfänglich durchs BDSM zusammen.

Die Anfänge waren – siehe eben diesen Eintrag Feb 17 – schwer. Sobald ich meine Profile zuerst in der SZ und dann auch irgendwann im Joy mit Infos und Fotos füllte, und mit dem Vermerk “suche Mann” online ging, (damals noch in der Hoffnung, da wären ganz normale Menschen, die auch noch LESEN können), kamen Fluten von Zuschriften rein. Das allermeiste unmöglich. Zu weit weg, hässlich wie die Nacht finster, 65 Jahre alt oder 27. Gebunden, verheiratet, Swingertype mit nem 25-cm-Gratis-Flogger vom Onlinesexshop. Offensichtlicher potentieller Frauenprügler (das Problem würden später die NICHT so offensichtlichen werden..). Typ mit völlig anderen Fetischen und Kinks. Typ mit, sagen wir mal, intellektueller Minderausstattung. Typ mit so sagenhaft dämlichem Anschreiben, dass es auf keine Kuhhaut ging. Devote Männer. HÄ??? Transvestiten. HÄÄÄ????? Andere Subs. OCH LEUTE….

Es war schwierig, sich durch das qualitativ oft nicht gerade hochwertige Angebot zu wühlen, und noch viel schwieriger, zwischen harmlosen Schaumschlägern und Psychopathen zu unterscheiden bzw Männern, die diese Plattformen als Jagdgrund für noch naive Neulinge nutzen, welche sie benutzen, missbrauchen, vertrimmen und wegwerfen wollen bzw können. Die (alten weißen cis-) Predatoren, eben. (Und glaubt mir, die, die sich augenzwinkernd selbst so nennen, sind das fast nie wirklich. Sondern die anderen.)

Und es war schwierig, sich einen Überblick über das riesige Angebot zu verschaffen, das der BDSM an sich bietet. Man sehe nur mal das A-Z der anzugebenden Vorlieben in der SZ. Da musst du ja als Neuling die Hälfte der Begriffe googlen. Was wollte ich eigentlich? Was käme in Frage? Welche Praktiken, welche Handlungen? Nur Spielen, oder mehr? In den Alltag hinein, oder soll an der Haustür Schluss mit Einfluss sein? Wie ist das mit Schmerzen? Wie weh tut dies oder das eigentlich? Wo sind meine Grenzen? Und wie trete ich auf? Was kann, bzw MUSS, ich tun, damit ich nicht gnadenlos über den Tisch gezogen werde? Wie vermeide ich Gefahren? Und wie soll ich wissen, ob mein Gegenüber es ehrlich mit mir meint, oder ob der nur eine naive Pute sucht, die er mal ordentlich verkloppen und über die er einmal drübersteigen kann? Was für Tabus habe ich eigentlich? Und wie, um Himmels Willen, soll ich sowas als Anfängerin eigentlich jetzt schon wissen?

Das ist nur ein Auszug der Fragen, die man sich stellt. Und dann wühlt man sich eben durch, und findet vielleicht 2 oder 3 von 150 Leuten, mit denen man mal Kontakt aufnehmen möchte. Man nimmt diese ganz wenigen mit nach WA. Und dort verkacken es dann nochmal 80%, mit unangebrachten verbalen Übergriffigkeiten, mit Dick Pics, die man gar nicht haben wollte, oder sie reden sich bezüglich ihrer Vorstellungen bezüglich BDSM um Kopf und Kragen. Und am Ende bleibt dann, wenn man Glück hat, selten mal tatsächlicher einer übrig, mit dem man sich zumindest auf einen Kaffee treffen will. Vielleicht sogar mehr. Aber… was dann?

Dieses “was dann” ist der Knackpunkt. (Vor allem) wenn man ein Neuling ist, ist man ja oft naiv. Oder besser gesagt, man glaubt an das Gute im Menschen und kann sich gar nicht vorstellen, was für kollossale Arschkrampen es gibt. Und das Problem ist halt, dass gerade der BDSM ein Sammelbecken für solche Leute zu sein scheint. Weil sie natürlich rausbekommen haben, dass unerfahrene oder verliebte Subs leichte Beute sind. Und ich weiß, dass es ganze Abhandlungen darüber gibt, wie man solche Leute identifiziert und vermeidet, und sich schützt etc etc. Stammtische, Frauenrunden, Bücher, “Schutzengel” für erste Treffen, die man über die SZ kontaktieren kann, usw.

Das ist auch alles wichtig und richtig. Die Leute abklopfen, sich erst mal zum Kaffee zu treffen. Nicht mit Phantomen mitgehen. Sich nicht, wie ich immer wieder im Joy lesen kann, mit wildfremden Unbekannten zwecks Date im Hotel treffen. Sich auf jeden Fall covern lassen. Auf bestimmte No Go´s im Verhalten, den Aussagen, der Art wie man sich gibt und wie man spielt, achten. Und noch viel mehr.

Das Problem darin ist nur: die echten, talentierten, geübten Psychos tarnen sich extrem gut. Wenn du z.B. mit einem Narzissten noch nie zu tun hattest, und darüber im Vorfeld nicht schon viel gelesen hast, dann gehst du so einem fast zwangsläufig auf den Leim. Wahrscheinlich nur diesem einen im Leben, weil danach alles klar ist, und du so einen auf 2km gegen den Wind riechen kannst. Aber dieses eine Mal wirst du Federn lassen, und nicht zu knapp.

Die Sache ist einfach die…. auch trotz sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen: Garantien gibt es keine. Mann kann auch 2x total zuvorkommend und vorbildlich sein, aber irgendwann ist man halt doch allein mit ihm. Und gefesselt. Mann kann sich auch auf 2 Parties an Absprachen und Grenzen halten, und auf der 3. nicht mehr. Mann kann sich auch erst im Laufe der Zeit zum Negativen verändern, bzw seine Maske fallen lassen.

Irgendwann kommt der Punkt, wo man einem “Neuen” vertrauen muss. Wenn man von Anfang an schon das Gefühl hat, dass IRGENDWAS nicht stimmt, oder sich nicht wirklich RICHTIG anfühlt, dann sollte man gar nicht erst weitergehen. Denn das Bauchgefühl betrügt einen eigentlich nie. Wir haben nur oftmals in dieser rationalen Welt verlernt, (auf) es zu hören. Und da bin ich mir, wenn ich meine TL und Dinge, die mir herein RTed werden, so lese, manchmal nicht so sicher, ob der Tenor nicht etwas zu sehr in die Richtung “beachte Punkt A-F und geh auf das Frauentreffen, und denk immer an G-Z, und dann bist du auf der sicheren Seite” geht.

Die schlechte Nachricht ist: man ist NIE komplett sicher. Wenn man mit lebenden Menschen, unter ihnen eine Vielzahl von Irren (und im BDSM noch mehr) zu tun hat, gibt es – wie schon gesagt – keine Garantien. Punkt.

Die gute Nachricht ist: man kann im BDSM sehr viel im Vorfeld klären, und den Leuten wesentlich mehr auf den Zahn fühlen, als das in Vanillahausen üblich ist. Und ich finde, die Gespräche und Verhandlungen vorab sind eine Hilfe, denn sie geben eine definitve Grenzlinie vor, und wenn die übertreten wird, dann ist das nicht ohne sofortige Konsequenzen für den Fortbestand der ganzen Beziehung, oder eben auch nicht mehr.

Diesbezüglich fällt mir noch was ein: das leidige Wörtchen “NEIN!” und dessen Bedeutung. In Vanillahausen ist das ja so ne Sache. Wie wir alle wissen, heißt “Nein” Nein. Nur, dass manche Frauen es eben doch manchmal eher als “nicht ganz so nein” verwenden, ob bewusst oder unbewusst. Und wir wissen, dass es immer wieder Arschkrampen gibt, die von sich aus ein Nein überhören und ignorieren, und sei es noch so ernstgemeint und eindringlich. Wie auch immer, dieses Nein, der Ernst dahinter, und das Ignorieren anderer Leute Grenzen sind Ursache und Grund für alles von hitzigen Twitterdebatten, feministischen Kreuzzügen, Hasstiraden durch jämmerliche Incel-Gruppen, bis #metoo, und eben Vergewaltigungen. Und da muss ich sagen, das ist auch so ein Grund, warum ich den BDSM liebe. Da kann und soll vorher geredet und ausverhandelt werden. Und man weiß deshalb normalerweise ganz genau, wo die rote Linie ist. Und was wie bis dahin alles geht. Bei reinen Spielbeziehungen und random losen Treffen mit Bekannten sicher in engerem Rahmen, innerhalb einer echten D/s-Beziehung sicher mit größerem Spielfeld. Und innerhalb dessen bewegt der dominate Part sich je nach Absprache vielleicht frei nach Belieben. Dann gibt es innerhalb des Feldes kein NEIN. Und im TPE gibt es nicht mal mehr das abgesteckte Feld. Wie auch immer, es gilt der Spruch

“Nein ist kein Safeword.” Das hat man nämlich ja auch noch. Zumindest am Anfang. Insofern ist BDSM -wenn man nicht gerade an einen perfekt getarnten Vollpsychopathen gerät- für mich ein sicherer Spielplatz als Vanilla. Weil man praktisch gezwungen ist, zu reden und zu verhandeln, und das Gegenüber in sein Innenleben schauen zu lassen, bevor man sich auch nur auf einen Kaffee trifft. Und mit etwas Bauchgefühl kriegt man da schon über die Tage oder Wochen vorher mit, wie einer reagiert, und ob er sich mit irgendeiner Bemerkung oder Aussage, oder mit Unverständnis für bestimmte Grenzen ins Aus bugsiert.

Deshalb lässt man sich auch am besten Zeit, und schreibt lieber tagelang Romane in den Joy oder die SZ, und dann nochmal tagelang Romane in WA bevor man sich trifft. Und auch da nur öffentlich. Mit covern, mit Infos, mit Bauchgefühl. Und mehr kann man halt einfach nicht tun.

Standard

Schlaf gut, lieber L.

Seit dem 23.1. nachmittags war der letzte Herr plötzlich offline. Komplett, auf WA, auf Joy, überall sonst. Ungewöhnlich für einen, der alle paar Minuten am Handy hing, schon alleine vom Job aus. Am 19.1. hatten wir zuletzt geschrieben, am 24.1. hatte ich ihm noch ein lustiges Meme geschickt, auf dass er eben nicht mehr reagierte. Ab dem 27.1. hab ich immer mal wieder gegoogelt und gecheckt, ob er irgendwo online ist. Nichts. Stille.

Ich hatte schon ein echt schlechtes Bauchgefühl, weil das so ungewöhnlich war. Heute Morgen hab ich wieder gegoogelt, und mit seinem kompletten Namen als Suchbegriff tauchte ein fb- Post einer (wohl) Angehörigen auf, mit seinem Geburtsdatum und dem Vermerk ” – 30.1.20″. Und mit fast 30 Beileidsbekundungen drunter. Fast alles in seiner Muttersprache, eine slawische Sprache, aber ich hab es mir übersetzt. Kein Hinweis darauf, was zur Hölle da passiert ist.

Irgendwas muss am 23.1. passiert sein, was so schlimm war, dass er ab da nicht mehr ans Handy gehen, oder es mitnehmen konnte. Die letzte Woche war er dann wohl im Krankenhaus, wenn ich den fb Post richtig deute.

Er war nach seiner OP, die der Abschluss einer Ärzte- und Behandlungsodyssee über gut 9 Monate gewesen war, wieder vergleichsweise das blühende Leben, zum ersten Mal seit ich ihn kannte ohne dunkle Augenringe, und voller Pläne. Gerade eine Wohnung zum Kaufen gefunden, als Investment. Wollte im Frühjahr in seine alte Heimat gehen für seine Firma, und dort eine Dependance aufbauen. Hatte sich gerade seine kleine, hübsche Eigentumswohnung dort frisch renovieren lassen, und alles war ausgehandelt und geklärt, von den Zuschlägen über die Pendlerpauschale bis zum Budget für den Aufenthalt. Da hatte er sich drauf gefreut.

46 Jahre alt. Mitte Januar hab ich ihn auf einen Kaffee besucht. Alles super. Und jetzt….zack, weg. Einfach so. Das ist krass.

Ich hab mich nie mit direkten Worten bei ihm bedankt für das, was er für mich getan hat. Er war derjenige, der eine verunsicherte, ziemlich BDSM-selbstvertrauensbefreite, vom Kontakt mit einem Narzissten angeknackste Frau wieder auf die Beine gestellt, und ihr das Vertrauen in Doms an sich und sich selbst als Sub sprichwörtlich wieder reingeprügelt hat, salopp gesagt. Und er war hinter seiner extrem sarkastischen und rauhen Schale ein guter Kerl. Und ein guter Herr.

Vielleicht krieg ich noch raus, was denn nur passiert ist, oder wo er liegt. Vielleicht auch nicht. Vielleicht kann ich noch Blumen hinlegen irgendwann, und mich verabschieden.*

Bleibt wieder einmal die Erkenntnis, dass keiner weiß, wie viel Zeit ihm bleibt, und dass man niemals warten darf, die Dinge zu tun, die man tun will. Lebt, liebt, lacht! Esst die Nudeln anstatt den Salat, wenn sie euch anmachen. Zieht das teuerste, edle Paar Schuhe in den Supermarkt an, anstatt sie im Schrank für die eine Party alle 5 Jahre aufzuheben. Schaut die Heißluftballons nicht jahrelang von unten an. Wenn ihr Bock habt, dann bucht euch einen Flug. So lange ihr noch könnt. Und wenn ihr unglücklich in eurer Beziehung oder mit eurem nicht existenten Sexleben seid, dann ändert jetzt was. Irgendwann fallt ihr um und seid lange tot, dann ist es zu spät. Und ihr wisst nicht, ob das mit 86 geschieht, oder……..mit 46.

Er hatte eine Topfpflanze in der Küche am Fenster, ein Usambaraveilchen in lila. Auf das hat er immer gut aufgepasst, denn es war erstaunlicherweise so alt wie er. Ging nie ein, blühte wie verrückt. Zog überall hin mit um über die Jahre. Überdauerte an diversen Fenstern über die Jahre auch Krankenhausaufenthalte oder längere Reisen.

Ich hoffe, die, die deine Wohnung ausräumen, kümmern sich weiter drum. Dahin, wo du jetzt hingezogen bist, konntest du es nicht mitnehmen.

Schlaf gut, lieber L.

* Nachtrag. Inzwischen habe ich die Beerdigungsanzeige gesehen. Das Grab besuchen werde ich wahrscheinlich nie, denn er ist in Kroatien beerdigt worden. Fassen kann ich es immer noch nicht so ganz, aber schwarz auf weiß ist es wirklicher, und in gewisser Weise ein Abschluss.

Standard

Der Stadl

Bild: random Netzfund, unbekannt.

Das letzte Treffen war fast 2 Wochen her, und die Zeit war schon wieder viel zu lang geworden. Also schnitt sich mein Herr spontan wenigstens ein paar Stunden aus den Rippen, und ich sah zu, dass ich den Nachmittag freischaufeln konnte. Wir würden ungefähr 3,5 Stunden miteinander haben. Besser als nichts, und es schmeichelt mir sehr, dass er bereit war und ist, den Anfahrtsweg zu machen, nur damit wir uns für ein paar Sunden sehen können.

Die Tasche war schnell gepackt. Decken, Tee, der lange Schal, und ich sollte meine Lederfesseln mitbringen. Die Auswahl der Klamotten blieb mir überlassen, innerhalb der generellen Vorgabe: Strümpfe, keine Hose, in dunkel bzw schwarz, bitte Nagellack. Joa, das krieg ich hin…. 😉 Wobei die Außentemperatur im Winter schon so eine gewisse Herausforderung ist. Aber meine Wahl fiel auf den Rock vom letzten Mal (das Wachs ist raus \o/ ), ein Top, eine Hoodie-Jacke, Strümpfe und die flachen Boots, da es ja auch irgendwie irgendwo nach draußen gehen sollte. Und einen dicken Wintermantel, denn der Tag war deutlich kälter als letztes Mal, und am Treffpunkt dank Hochnebel ohne Sonne. Mehr wusste ich wieder nicht. Aber was ich weiß, ist, dass ich ihm vertrauen kann, und ich komme mit der totalen Ungewissheit bezüglich “was, wann, wo, wie” inzwischen besser klar.

Ich schaffte es dann auch, einigermaßen im Zeitrahmen zu erscheinen, was ja immer ein Problem darstellt. Weil ich einfach nie dann loskomme, wenn ich will. So eine Wunschvorstellung von mir ist, mich in Frieden herrichten zu können, den ganzen Weiberkram im Bad machen, mich anziehen, die Türe zuziehen, und entspannt losfahren zu können. Ohne, dass immer irgendeiner bis zur letzten Sekunde irgendwas von mir will oder braucht. Nun ja, bis jetzt hab ich es immer halbwegs im Rahmen gepackt. Aber ich will ihn halt auch nicht ewig warten lassen. Mal abgesehen davon, dass es weh tun könnte.

Ich parkte, und hielt Ausschau. Stieg aus, nahm meine Handtasche, lief auf ihn zu, und…Kuss. Und Nackengriff. Ankommen.

Er legte seinen Arm um mich – mit Hand im Nacken – und lenkte mich so in Richtung Tür des McD. Ich weiß nicht, ob das überhaupt irgendjemand mitbekommt, oder was die sich denken, wenn ich da so zur Tür “hinmarschiert” werde, oder wie auffällig oder unauffällig das nach außen hin ist, aber – und das ist sehr ungewöhnlich für mich – es ist mir tatsächlich völlig wurscht. Dann gab es erst mal Kaffee und was Süßes. An dieser Stelle muss ich nochmal erwähnen, wie schön es ist, wenn man mit jemandem zusammen ist, der zwar -wie man selbst auch – nicht uferlos frisst wie ein Scheunendrescher, aber mit dem bzw vor dem man was essen kann, ohne dass er die Krise kriegt, weil er nach irgendeinem gestrengen Ernährungsprinzip lebt, leider Abends nix isst, oder komplett zuckerfrei lebt, oder ketogen, oder low carb oder Steinzeitdingens oder vegan und Nestlé-hassend, oder bis auf Cheat Days nur von Quark mit Melone existierend….zum Genuss zu Zweit gehört für mich einfach auch die unverkrampfte Nahrungsaufnahme in netter Gesellschaft.

Wir tranken Kaffee, redeten über Alles und Nichts, ab und zu ging die ein oder andere Hand auf Wanderschaft (was mitten in einem gut besuchten McD natürlich enge Grenzen hat), er checkte die Einhaltung der Klamottenregeln, achtete darauf, dass meine Beine nicht zusammen und nicht übereinandergeschlagen waren, prüfte den Nagellack, als er meine Hand hielt… ich liebe diese subtilen Gesten und Kontrollhandlungen sehr. Das Gefühl, dass ich an der (meist leider imaginären) Leine bin. Da drüber gibt es jetzt dann auch mal nen Blogeintrag, glaube ich. 😉

Dann brachen wir auf. Ich durfte noch aufs Klo, und musste diesmal auch nicht das Höschen loswerden. Ok, hm, da schau her. Wir gingen raus auf den Parkplatz und zu meinem Auto, um meine Tasche aus dem Fußraum vorne rechts zu holen. Kaum war die Beifahrertür offen, war ich ins Auto gebeugt, er hinter mir und mein Rocksaum nicht da, wo er eigentlich sein sollte. Ich unterdrückte den Reflex, mich bedecken zu wollen, und blieb über meiner Tasche. Dann befahl er mir, mich auf den Sitz zu setzen, und zack, zog er mir das Höschen aus und steckte es ein. Mein Kopf kommt da so schnell gar nicht mit, anscheinend. Oder er gewöhnt sich wirklich daran, die Dinge ohne unterschwellige Panik, roten Kopf, oder Schreckstarre hinzunehmen. Und ich kriegte das Höschen von letztem Mal wieder. Sonst hat er da ja irgendwann mal ne Sammlung zuhause 😉 Wir gingen zu seinem Auto, und schnallten uns an. Ich dachte, es würde losgehen, aber stattdessen hieß es nur “Mach die Augen zu” und ich spürte, wie ich ein Halsband umgemacht bekam. Ein anderes, recht starres diesmal. *KLICK* Dieses Klick ist ab sofort sowas wie mein Lieblingsgeräusch, glaube ich.

Es ging los. Wohin? Keine Ahnung. Ich würde den Ort nicht mehr wiederfinden, was nicht nur, aber auch daran liegt, dass er immer meine Brille einkassiert und ich ab da halbblind bin. 😉 Autobahn, Ausfahrt, ab ins Nirgendwo. Immer so sitzen, dass er es leicht hat, überall ranzukommen, wo er rankommen möchte. Unterhaltung. Kopfkino. Grauer Tag, kleine Straßen, Wald, kalt. Radio. Irgendwann bog er auf einen Feldweg ab, der nach 150 oder 200 Metern neben einem Stadl im Nirgendwo endete. (Für die Saupreißn unter den Lesern: ein Stadl ist ein einzeln auf weiter Flur stehendes Gebäude aus Holz, in dem z.B. Stroh, Heu, aber auch landwirtschaftliches Gerät gelagert werden. Bitte gern.) Mein Herr scheint die Fähigkeiten eines Trüffelschweins für Locations zu haben, hat er doch einen ziemlich perfekten Stadl völlig ab vom Schuss aufgetan, der UNVERSPERRT war. Die Dinger sind meistens zugesperrt, haben Vorhängeschlösser, man kommt also nicht rein, und einbrechen will man ja nicht. Der hier war offen. Man musste nur über nen tiefhängenden Stacheldraht klettern und sich an einem alten, morschen Holunderbusch vorbeizwängen. Wir nahmen unsere Sachen mit, auch seinen kleinen Rucksack und die Werkzeuge, und dann waren wir drin.

Wir kletterten über irgend ein großes Metallteil, vielleicht ein Ding zum Furchenziehen oder Umpflügen? Dahinter war es immer noch kalt, aber nicht mehr SO sehr wie draußen. Gedämpftes Licht kam zwischen den krummen Latten und Brettern, aus denen der Stadl gezimmert war, herein und brachte eine tolle Atmosphäre. Der Boden war einigermaßen eben, aus weicher Erde und Holzspänen und Fichtennadeln. Und es gab mehrere Balken und dünne Fichtenstämme, die als Streben, zur Stabilisierung, oder als Unterteilung eingefügt waren. Diagonal, horizontal, vertikal. Abgesehen von der Temperatur ein sehr cooles Ambiente. Ich fand Kerker, Keller, Holz, Steinboden, Erde, Leder, Ketten, Eisen, Seile, Kerzen, indirektes Licht ja immer schon viel geiler als High Tech Studios in schwarzlila, oder Plüsch, Rüschen, Kissen, Bett.

Nun, was soll ich sagen…der Gentleman war ab diesem Punkt nicht ganz so gentle. Ich zog den Mantel aus, bekam den Rock samt Top und Jacke nach oben gerissen, und die Strümpfe Richtung Knie, und fand mich eine Sekunde später mit dem Gesicht in Richtung Wand und den Händen nach oben auf einen der Querbalken gestützt wieder. “Hast du was vergessen? Wolltest du nicht etwas tun?” “Sie um Bestrafung für die Vergehen und die Einkäufe bitten, mein Herr. Und, dass Sie es verdoppeln.” Das Gefühl, darum bitten zu müssen, und sich gegen seinen Willen noch weiter in die Jauche manövrieren zu müssen, indem man um noch mehr bitten mussdarf, kann man schlecht beschreiben. Das sind diese Erniedrigungen, bei denen dein Kopf schüttelnd neben dir steht, während deine Fotze anscheinend ganz andere Pläne hat. Der erste, kräftige Schlag kam per Hand. Ein Nackengriff zog mich weg vom Balken und in seine Arme. “Hast du nicht noch etwas vergessen?” Es denkt sich ganz hervorragend nach, während man entblößt und ohne Brille so im Halbdunkel im Schwitzkasten hängt. Nicht. “…??…Danke mein Herr…?” “Genau. Dann fangen wir mal mit den 6 x 2 an”. (Die waren für eine einsilbige Antwort, wo “mein Herr” dahinter gehört hätte. Und ja, das ist reine Willkür. Und ja, so ist das eben bei uns.) Es mag einen ja alles begeistern, was ökö und Natur ist, aber die Verwendung von Ruten schließt das nicht ein. AUA. Die Dinger sind nicht ohne.

Ich bekam die Handfesseln angelegt. Ich hatte mir vor ein paar Jahren mal schöne, breite, schwarze, gepolsterte, stabile Lederfesseln mit eingearbeiteten Ringen für Fixierungen gekauft. An denen baumelten Karabiner, und so konnte er mich schnell und unkompliziert um oder an diverse Balken und Streben fixieren, wie er das gerade wollte. Und ich bekam die Leine ans Halsband gemacht, so dass er mich wahlweise führen, mittels Leine irgendwohin ziehen, oder mich am Halsband packen und so lenken konnte. Die nächsten 12×2 für einen Einkauf durfte ich über einen relativ horizontal verlaufenden Balken entgegennehmen. (Falls jemand die letzten Blogeinträge nicht gelesen hat und auch auf Twitter nichts liest: ich darf mir das Wichsen erkaufen, zu schwankenden Tagespreisen, ganz nach Gusto des Herrn.) Mitzählen, und sich in den Pausen bedanken. Sich dafür bedanken, dass man so den Arsch vollkriegt, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Und dann zwischen die Beine gegriffen werden, mit dem entsprechenden Kommentar, weil man pitschnass ist. Erniedrigung eben. Ich hasse es. Ich LIEBE es.

So ging es weiter. Mal mit diversen Ruten, die sich sehr nach Stock anfühlen, und auch solche Spuren machen. Mal mit einem relativ fiesen Flogger, der ganz schön reinzieht. Teils stehend, mit den Armen hinterm Rücken um einen längs verbauten Fichtenstamm fixiert. Auf die Brüste. Auf den Bauch. Von unten zwischen die Beine. Es waren immer noch 30×2 abzugelten. Die Zählung geriet jedoch irgendwann ins Hintertreffen, weil das Aushalten und Atmen wichtiger wurde. Und, weil es immer wieder Pausen gab, in denen ich anders festgemacht, oder im Arm gehalten und gestreichelt und gelobt wurde. Oder auf dem Boden kniend wartete, auf ein anderes Werkzeug oder seinen Schwanz in meinem Mund. Teils mit Klammern an den Nippeln, was nach wie vor sehr wenig Lust und sehr viel Quälerei für mich bedeutet. Vor allem, wenn man immer wieder – natürlich völlig unabsichtlich- mit dem Flogger “hinkommt”. Aber ich kann es mir halt nicht aussuchen. Und ich mag es so ja auch. Teils kam wieder Wachs zum Einsatz, damit “mir warm wird”. Teils mit Augenbinde, in die ich heulen konnte. Ja, dieses Mal hatte er mich so weit, dass ich schon Tränen in den Augen und auf den Wangen hatte. Ich bin nach wie vor dankbar, dass er sich langsam vorarbeitet, und nicht einfach auf dem ungefähren Level des letzten Herrn einsteigt, nach so langer Pause.

Das Zeitgefühl kommt einem, zusätzlich zur Zählung, total abhanden, wenn man in so einer Situation ist. Wenn man keine Brille hat, und keine Uhr. Wenn man sich auf das Aushalten, den Versuch, mitzuzählen, die Schmerzen und die Kälte fokussiert. Wenn man noch dazu verbundene Augen hat. Ich hätte nicht sagen können, wie lange ich auf dem Erdboden kniete, wie lange ich schon in diesem Stadl war, wie lange er meinen Mund fickte, mal aufrecht und mal, während ich auf dem Rücken auf der Erde lag und versuchte, gleichzeitig Luft zu bekommen und ihm bestmöglich zu dienen. Wie lange er mich hielt, küsste, und sich kümmerte. Ich hätte kommen dürfen, als er mich reizte, aber es war zu viel Input, zu kalt, zu überreizt, overload, und so kam an diesem Spätnachmittag wieder nur er. Und auch das war entgegen sämtlicher früherer Überzeugungen völlig ok für mich. (ich durfte dann noch abends daheim, gratis). Kneif mich mal jemand, bitte….

Es wären insgesamt 96 Hiebe abzuarbeiten gewesen, aber ich glaube nicht, dass wir die komplett schafften. Es war irgendwann einfach zu kalt. Ich war von der Brust bis zu den Oberschenkeln nackt, er hatte auch keine Moonboots und keinen Mantel an…ich denke, wir kamen bis in die 80er vielleicht. Der Rest verfiel (auch wenn ich die Zähne für die letzten 10 oder 15 auch noch für ihn zusammengebissen hätte). Ich zog mir die Klamotten wieder dahin, wo sie hingehörten, und klopfte und wischte mir die Erde und die Nadeln ab, und pulte sämtliches Laub und Späne aus meinen Haaren. Dann zog ich meinen Mantel wieder an, er packte unsere Sachen zusammen, und wir kletterten wieder nach draußen. Im Auto gab es dann Tee und Sitzheizung, und beides tat sehr sehr gut. Dann ging es allmählich zurück in die Zivilisation.

Beim McD parkte er wieder, und wir stiegen aus. Und erst dann, nach ein, zwei Schritten, bemerkte ich, dass an meiner Vorderfront eine Hundleine baumelte, und ich das Halsband noch trug. Ich glaube, er hat bis dahin auch nicht mehr daran gedacht, was zeigt, wie hoch der Wohlfühlfaktor war. Sowas zu vergessen, bzw sich nicht sofortigst nen Kopf zu machen, ob das jemand sehen und was sich derjenige denken könnte, ist gar nicht typisch für mich. Was passiert denn da nur mit mir? 😉 Und ach ja, die Handfesseln waren ja auch noch dran. Die durften, genau wie das Halsband, draußen im Auto bleiben, als wir wieder hineingingen, noch einen Kaffee tranken, und den wunderschönen Nachmittag ausklingen ließen, bevor es an diese elendige Verabschiederei ging, die man gar nicht haben will, und jeder in die jeweils andere Richtung fuhr…

Standard