Dominante Frauen. Und ich.

Schwieriges Thema. Zumal ich nur einige wenige Femdoms “online besser kenne”, aber keine einzige real life. Ich wohne halt bei Fuchs und Hase, und den Weg zu mir fanden bis jetzt nur ganze wenige Follower. Also kann ich nur von dem Bauchgefühl ausgehen, das ich so habe, wenn ich schreibe bzw lese, scrolle, durch Profile stöbere.

Tatsache ist, dass ich nur mit einem kleinen Teil der mir zumindest aus der Ferne bekannten Femdoms wirklich gut klarkomme. Bei den meisten anderen, die ich so lese, und über deren Konvos ich so scrolle, egal ob in der deutsch- oder in der englischsprachigen BDSM-Ecke von Twitter, sträubt sich mir immer unwillkürlich etwas das Nackenfell. Die Frage ist, warum.

Hm. Ich bilde mir bei sehr vielen dominanten Frauen ein, eine gewisse Bestimmtheit herauszulesen. Herauszu”hören”. Den Anspruch, dem Umfeld zu sagen – sagen zu DÜRFEN – wo es lang geht. Vor allem den in den Gesprächen/Threads anwesenden Subs. Da ist sehr oft ein gewisser überheblicher Unterton, ein Versuch der Dominanz, den ich schlicht und ergreifend überhaupt nicht ab kann.

Bei Männern stört mich das auch, allerdings bedeutend weniger. Bei Frauen geht das Ü-Ber-Haupt nicht. Warum DAS so ist, weiß ich nicht. Es ist aber auch im Alltag so, dass ich gerade Frauen, die sich mir gegenüber irgendwie “bossy” oder “bitchy” benehmen, hasse wie die Pest. Mehr noch als Männer. Und mich keinen Zentimeter dominieren lasse. Sondern auf Krawall bzw Konfrontation gebürstet bin. Tja, ich bin vielleicht devot, aber noch lange nicht für jede(n). Ich mag es überhaupt nicht, so gönnerhaft-süffisant von oben herab behandelt zu werden.

Das beherrschen einige Damen auf Twitter ausgesprochen gut, was erst letztens zu wiederkehrenden Kollisionen führte und zum letztendlichen Zwangsentfolgtwerden durch mich. Frauen, die mich behandeln, als wäre ich weniger wert als sie, weil ich in ihren Augen anscheinend weiter unten in der Hackordnung stehe als sie selbst, brauche ich so nötig wie ein Loch im Kopf. Vor allem die, die devote Menschen generell als “Subbies” bezeichnen. Ich weiß ja nicht, wie die darauf kommen, dass sie das dürfen, aber ich kann ihnen von hier aus versichern, dass das eine bodenlose Frechheit und respektlos as fuck ist. Und dass sie sich bei mir real life mindestens ne verbale Schelle holen würden. Wenn ich nicht DEINE Sub bin, dann behandele mich gefälligst auf Augenhöhe.

Wie gesagt, es gibt da einige ganz höfliche, echt liebe (darf man das so schreiben? ;)) Femdoms. aber halt auch andere. Und wenn ich deren Verhalten hier ihren Gesprächspartnern und vor allem – fremden wie eigenen – Subs gegenüber so beobachte, dann denke ich schon, dass die sich hinter den Kulissen genauso daneben benehmen wie online, und wahrscheinlich auch noch stolz darauf sind. Weil sie Arroganz, Selbstverliebtheit und das Niedermachen von anderen Menschen mit Dominanz verwechseln.

Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass manche dominanten Damen sich nicht ganz darüber im Klaren sind, dass sie für ihre Subs/Sklaven genauso da zu sein haben wie umgekehrt. Und, dass dieses D/s nicht nur aus Nehmen besteht, sondern auch aus Geben. Dass es nicht nur um SIE geht. Dass es nicht in Ordnung ist, den Sub wie das hinterletzte Arschloch zu behandeln (außer er WILL das so), und seinen latenten Hass auf Männer über so einen armes Schwein auszuleben, das einem ausgeliefert ist. Dass sie eine Verantwortung haben ihren Subs gegenüber.

Wie auch immer, es gibt ein paar ganz tolle dominante Frauen auf meiner TL, die ich sehr bewundere, aus vielerlei Gründen. Ihr wisst, wer ihr seid. Oder vielleicht auch nicht, hihi. 😉 Vom Rest halte ich mich fern, oder schnüffele mich nur durch die Profile, denke mir “igitt, dumme Nuss”, und gehe weiter. Und eine oder zwei Frauen würde ich vielleicht auch über eine Tasse Kaffee hinaus in meine Nähe lassen. Ganz vielleicht. Und das heißt viel für einen sehr sehr heterosexuellen Menschen wie mich.

Und dann gibt es andere, da würde der Versuch in einem SuperGAU enden. Vor allem, wenn ohne Vorankündigung im Zuge einer Session. Was mit persönlicher Extrem-Antipathie genauso zu tun hat, wie mit der Tatsache, dass ich so eben nicht ticke und aus heilloser Überforderung mit der Situation abbrechen würde. Das ist aber ein anderes Thema für einen anderen Beitrag…irgendwann.

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Und wie poly sind Sie so?

Die Sache mit dem “poly”. Wenn man so auf Twitter guckt, vor allem in der BDSM-Ecke, dann möchte man meinen, dass monogam dauerhaft ausverkauft ist. Und ja, vielleicht ist es wirklich so, dass der Mensch als altes Gesellschaftstier nicht dazu gemacht ist, sein Leben mit nur einem Partner zu verbringen, und dass Monogamie ein künstlich geschaffenes, zu starres, zu restriktives Konstrukt ist. Und im BDSM ist es ja geradezu guter Ton, mehr als einen Sexpartner zu haben. Da biste ja mit dem Anspruch, monogam leben zu wollen, schon ein merkwürdiges Labortierchen.

Ich selbst würde mich nach wie vor als “monogam+” beschreiben. Ich pflege momentan sexuelle Beziehungen zu mehreren Männern, die verschiedene Teilbereiche meines BDSM abdecken, nämlich den Teil “Bondage” und den Teil “SM”. Der Teil D/s, ein unglücklicherweise für mich sehr zentraler und überaus wichtiger Teil, ist unbesetzt, da es den Herrn, der diesen Teil (zusammen mit allen anderen Teilen außer Shibari) mit mir in Angriff nahm und mit dem es sich ganz wunderbar anfühlte, ja zwar noch gibt, aber die ganze Sache brach liegt (siehe “Dornröschenschlaf”).

Diese Aufteilung in Teilbereiche, und der Versuch, diese mit verschiedenen Leuten abzudecken, sind für mich in Ordnung, aber nicht meine Idealvorstellung. Ich bin nicht wirklich poly. Am glücklichsten bin bzw wäre ich in einer festen Beziehung – am besten mit sowas wie , wie hieß das noch, hm…..ach ja, ZUNEIGUNG. Oder sogar irgendwas mit LIEBE. Idealerweise nicht einseitig, sondern beiderseitig. Ja, das wäre schön. Und in dieser festen Beziehung darf es dann auch Playdates mit anderen geben. Partybesuche. MMF, O-Events, Fremdbenutzung etc. Aber nur zusammen, und als Extrazuckerl. Eine zusätzliche Person in meiner Beziehung, immer, ständig, jenseits von unbedeutendem Spaß zusammen, oder das Wissen, dass es neben mir noch eine andere – womöglich gleichwertige oder sogar wichtigere – Person gibt, könnte ich nicht tolerieren. Deshalb sage ich ja “monogam+”.

Ich glaube sowieso, das ist der Knackpunkt bei all diesen Poly-Konstrukten, die ich auf Twitter sehe. So gut wie ALLE diese Leute, die sich poly nennen, und diverse Beziehungen oder Sexkontakte pflegen, haben EINEN Hauptpartner oder EINE Hauptpartnerin. Sei das die langjährige Ehefrau daheim, der Lebenspartner, die Haupt- und oberste Sub. Da ist immer eine Person, der das Herz gehört, wenn es hart auf hart kommt. Die daheim ist. Die das “daheim” für einen AUSMACHT. Der Herzmensch. Der Partner in crime. Und von da aus gehend sind die Leute dann poly, und treffen andere Leute und unterhalten andere Beziehungen. Durchaus welche mit Zuneigung oder sogar Liebe diesen “Außenbeziehungen” gegenüber. Aber es gibt immer diesen Herzmenschen daheim oder sonstwo, als Konstante und sicheren Hafen neben den anderen Partnern, die oftmals nur Abschnittsbegleitungen sind.

Und das habe ich nicht. Ich habe keinen Herzmenschen daheim, zu dem ich rennen kann, wenn die Spielbeziehung den Bach runter geht. Und weil ich das nicht habe, sondern meine BDSM-Beziehung zu meinem Herrn meine Beziehung IST, egal wie liebevoll und erfüllend diese auch sein mag, oder auch nicht, käme poly sein und jemand anderen in dieser Beziehung drin haben für mich auch nicht in Frage.

Was für mich übrigens eine Grundbedingung für poly ist, so von der Definition her:

Poly bedingt für mich immer, dass die Beziehung auf Langfristigkeit auslegt ist, und man sich mindestens gerne mag, und idealerweise Liebe, aber auf jeden Fall Emotionen im Spiel sind. Verbindlichkeit in gewissem Maße. Stabilität. Und Ehrlichkeit und Offenheit allen Beteiligten gegenüber!!!

Ja, die Emotionen machen es vielleicht aus…hm. Wenn ich fremdbenutzt werde, oder in einem Club von jemand anderem als meinem Herrn bespielt, oder auf einem O-Event wildfremde Männer blase, dann ist das halt irgendwas mit Sex. Da sind keine Emotionen dabei. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ein geiler Abend und gut ist es. Mit poly hat das nichts zu tun, und vielleicht DESHALB ist mir sowas möglich. Mit Gefühlen im Spiel, bzw mit einer dauerhaften Außenbeziehung, die man zu lieb gewinnt, würde es für mich schwierig. Den Körper herzugeben ist für mich deutlich einfacher als das Herz.

Der Begriff poly wird auch sehr inflationär genutzt, finde ich. Wenn man Single ist, und einfach nur gerne hier, da, und dort Sex hat, und verschiedene Gelegenheiten nutzt, im Club, mit einem Bekannten, als One Night Stand…dann ist man nicht “poly”, sondern ein Single, der halt Sex positive ist, und gern rumfickt. Was ja total ok ist, weil warum nicht, wenn es keine Verbindlichkeiten und keine Verantwortung gegenüber irgnedeinem festen Partner, Kind etc gibt, also keinen, um den man sich scheren müsste.

Aber “poly” sein ist das so halt für mich nicht.

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Dornröschenschlaf

Das hier ist jetzt nur eine kleine, generelle Info zum momentanen Dornröschenschlaf in Sachen BDSM. Weil sich der eine oder andere Twitterer schon wundern dürfte, warum da gar kein neues Foto von nem gestreiften Arsch und so gar kein begeisterter D/s-lastiger Tweet kommt, zumindest nicht in real time, oder fast ;). Sondern nur fachsimpelnd und theoretisch.

Ich würde gerne, stolz wie Oskar, neue Fotos posten und Threads über die letzte Session schreiben, aber es gab schon seit einer Weile kein Treffen bzw keine Session mehr. Mein Herr ist seit vielen Wochen gesundheitlich arg geplagt, und sehr erschöpft, und hat weder die Energie noch die Konzentrationsfähigkeit für eine Session. Der Alltag schlaucht schon genug.

Es gab bis dato eine Odyssee von Arzt zu Arzt, verschiedene Einschätzungen, Fehldiagnosen, wiederholte Trips ins KH, Ausprobieren von Medikation, Nebenwirkungen, Wechsel, und immer wieder wochenlanges Hingewarte auf den nächsten Termin oder Test, und das ist noch lange nicht vorbei.

Das ist auch der Grund, warum ich nach wie vor ohne Halsband durch die Gegend laufe. Weil er es unfair und verantwortungslos fände, mir das zu geben, nur um es 3 Wochen später womöglich endgültig zurückziehen zu müssen.

Er hat mir vor Wochen schon angeboten, mir jemand anderes zu suchen, der verfügbarer und fitter ist. Ich habe aber abgelehnt, weil ich gerne erst abwarten wollte, wie es sich entwickelt. Ist ja nicht so, dass das Problem nicht lösbar und verbesserbar wäre, und auf ewig Scheiße bleiben müsste. Wenn die Langwierigkeit und Mühseligkeit auch echt nervt (ihn logischerweise noch viel viel mehr als mich). Ich bin gern bei ihm, weiß, dass ich ihm vertrauen kann, wir passen BDSM-technisch gut zusammen, und kommen auch menschlich gut klar, und so eine Stecknadel im Heuhaufen werfe ich nicht vorschnell weg.

Ich merke allerdings, dass ich allmählich echt aufm Zahnfleisch gehe, weil mir meine “Schmerztherapie” fehlt, die – so weh sie tut – Wellness und endlich einmal wieder “Abschalten können” bedeutet, wenn auch nur für kurze Zeit. Seine Gesellschaft fehlt mir, und das D/s. Ohne Aufgaben, ohne Kontrolle, ohne Hausaufgabe bin ich die typische, rotierende, unausgelastete Sub, die man so kennt. Ich habe schon vor einer Weile um ab und zu eine Aufgabe (und sei sie noch so unsinnig oder doof) gebettelt, so als Beschäftigungstherapie für den Kopf. Aber einer, der kaum seine Arbeitswoche rumkriegt und in den Seilen hängt, hat keinen Nerv für irgendwas, leider.

Zu irgend nem Fickfreund fahren dürfte ich jederzeit, aber da gibt es nach dem Kinky Vanilla niemanden, und ich habe jetzt bei meinen langen, harten Arbeitstagen im Sommer auch selber nicht die Energie und die Zeit, irgendwelche Leute zu daten. Also….selbst ist die Frau. Ist ja nicht neu. In der Vergangenheit war ich ja auch schon mal über lange Zeit für nix und wieder nix geparkt, und bin am ausgetreckten Arm dabei fast verhungert. Witzigerweise auch aus Gesundheitsgründen, wobei diese auch nur bei mir zum Tragen kamen, so wie es aussieht. Diesmal allerdings ist der Fall völlig anders gelagert, und ich weiß, dass da keine Ausreden oder Hinhaltetaktiken dahinterstecken.

Ich versuche, den Rigger mindestens alle 2 Wochen zu sehen, und mir da etwas Spaß, Entspannung, und den einen oder anderen O abzuholen. Seilbondage macht mir viel Freude, und ich stelle mich auch nicht zu steif oder blöd an, haha. Eine Vorgabe meines Herrn für Kontakte mit anderen Männern war es, dass das Spuren machen, das BDSM an sich, das Schlagen nur ihm gehört, und irgendwelche anderen Leute fesseln oder ficken dürfen, aber eben nicht mehr als nen Klaps aufn Arsch geben. Da werde ich ihn vielleicht fragen, ob der Rigger in der Wartezeit mir nicht mal etwas mehr aua machen darf als mir nur den Arsch zu tätscheln. Der ist eh viel weniger sadistisch als mein Herr, aber mir würde es wenigstens etwas aushelfen. Mal sehen.

Das ist auf jeden Fall Stand der Dinge, und ich wünschte, es wäre anders, weil auf der einen Seite die Devote in mir – ohne Möglichkeit, dieses tiefgreifende Bedürfnis auszuleben – allmählich in meinem Kopf randaliert, und auf der anderen Seite die Masochistin in mir mit Wäscheklammern spielt und langsam schon Fantasien vom Self Spanking entwickelt, und das eigentlich etwas ist, das ich völlig idiotisch und armselig finde, und mein Stolz verbietet es mir eigentlich , das auch nur in Betracht zu ziehen…

Also lenke ich mich ab. Arbeit gibt es ja wahrlich genug. Seufz.

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Gedanken zum Safeword

Das will ich ja schon ewig mehr dazu schreiben, und komme nie dazu. Also, dann mal auf ans Werk…

Die Sache mit dem Safeword. Auf Englisch existiert hier schon ein alter Blogeintrag von mir dazu, und meine Ansicht hat sich nicht wirklich verändert seitdem. Hier aber jetzt das Ganze mit Stand 2019 und auf Deutsch.

Disclaimer: es handelt sich hier um meine ganz persönliche Meinung zu dem Thema. Ich bin mir darüber im Klaren, dass diese nicht mit der Meinung einiger TL Expert*innen und auch nicht mit dem güldenen Buch vereinbar ist. Ja mei. Passiert ja öfter, damit müssen wir dann alle leben 😉

Ein Safeword ist am Anfang einer (Spiel)Beziehung auf jeden Fall wichtig, zumindest wenn die Intensität des Spiels über Krawatten und Federtickler hinausgeht. Und selbst bei sehr moderat gestalteten Basics kann es ja sein, dass sich Sub plötzlich nicht mehr wohl (in ihrer/seiner Haut) fühlt, und abbrechen will. Also ja zum Safeword. Eigentlich sollte bei Neulingen und ganz am Anfang ein ganz schlichtes “Stop” schon reichen, weil man ja als schlauer, ehrbarer Dom nicht mit der Tür ins Haus fällt, und erst mal abcheckt, wie der Wissensstand, die Erfahrung und das Schmerzempfinden so sind, nicht wahr? Wie auch immer, mit Safeword fühlt man sich theoretisch sicherer, wahrscheinlich auf beiden Seiten, denn die Unsicherheit des Doms, wie weit er gehen soll bzw kann, ohne dass es brenzlig wird und ohne dass man aneinander gewöhnt ist, sollte man auch bedenken.

Wenn man dann allerdings gut eingespielt ist, dann ist für mich persönlich die Notwendigkeit eines Safewords nicht mehr unbedingt gegeben. Zumindest nicht immer und für den “Normalbetrieb”. Irgendwelche extremsten Praktiken sind sicher was anderes, und bevor man üble Schäden behält, oder draufgeht, vereinbart man vielleicht besser irgendein Zeichen, ein Wort, eine Geste, um abzubrechen. Nachdem ich aber weder auf echte Todesangst noch auf so krasse Spiele stehe, betrifft mich das eher weniger.

Zumindest ein guter Teil meines engeren Followerkreises sieht die Sache mit dem Safeword ähnlich wie ich (und das sind meist die, die tatsächlich BDSM leben, und zwar seit zig Jahren), aber man läuft mit dieser Meinung immer leicht Gefahr, in Grundsatzdiskussionen mit glühenden Verfechtern des “Safewords um jeden Preis und immer immer immer!!!” zu geraten. Deshalb erkläre ich hier drunter, warum und wie ich das sehe.

Aaalso. Wenn man an einen echten Deppen gerät, dann hilft einen auch ein Safeword nix. Das ist keine Allround-Versicherung gegen einfach alles. Versuchen, sich soweit wie möglich auch anderweitig im Vorfeld abzusichern, muss man trotzdem.

Wenn man eingespielt ist, und den anderen Part irgendwann gut kennt und seine Reaktionen einschätzen gelernt hat, und ihn “lesen” kann, dann finde ich persönlich ein Safeword eher hinderlich. Im schlimmsten Fall hindert es MICH eher daran, WIRKLICH total die Kontrolle abzugeben, weil ich ja theoretisch die Sache immer noch lenken und beeinflussen kann. Und im schlimmsten Fall hindert es IHN daran, mich WIRKLICH an die Grenze oder sogar einen kleinen Schubser darüber hinaus zu bringen, weil er immer im Hinterkopf hat, dass wenn er noch 3 Schläge mehr in dieser Intensität austeilt, ich die Sache abbreche. Also wird er vielleicht eher vermeiden, mich an meine Grenze zu bringen.

Bei mir kommt dann auch noch der Umstand dazu, dass ich zu den Subs gehöre, die gefallen wollen, und tapfer und stark sein wollen, und für ihn die Zähne zusammenbeißen wollen. Und die ihren Stolz haben. Vielleicht falschen Stolz in diesem Sinne, aber ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass ich das Safeword zum Abbruch nicht ums Verrecken benutzen würde. Mein Stolz und mein Willen und meine Devotion und die Tatsache, dass ich es innerlich als sowas wie eine Niederlage betrachte, ein Safeword zu gebrauchen, würden mich lange daran hindern. Wenn es doch fiele, wäre es wahrscheinlich schon längst zu spät.

Deshalb bin ich froh, dass ich die Ampellösung benutzen kann. Dann kann ich signalisieren, dass es kurz vor knapp ist, ohne alles abzubrechen, was ich ganz furchtbar fände. Und selbst dieses “Gelb” habe ich noch nie gesprochen. Auch das wäre mir arg, und ich will es schaffen, auch wenn ich wirklich am Ende der Fahnenstange bin. (Das hängt garantiert damit zusammen, dass ich in der Vergangenheit von so ein, zwei Kandidaten gerne runtergemacht wurde, dass ich ja ein Mimimi wäre, und nichts aushalten würde. Dem jetzigen Herrn sei Dank, hat das inzwischen nachgelassen, und ich weiß, dass ich “es” kann.)

Dazu kommt noch, dass ich, wenn es wirklich schlimm wird, so mit atmen und mich irgendwie da durchkämpfen und dem Schmerz beschäftigt bin, dass ich an ein Safeword gar nicht denken kann. In einem lichten Moment schießt es mir dann in den Kopf, aber bevor ich Luft geholt habe und das Wort den Weg auf meine Zunge findet……hört(e) es auf. Jedes Mal.

Das bringt mich zum nächsten und abschließenden Gedanken in Bezug auf diese Safeword-Debatte.

Wenn ich dauerhaft mit jemandem eine BDSM-Beziehung eingehe, und immer wieder mit diesem Menschen spiele, dann erwarte ich, dass derjenige sich Mühe gibt, mich und meine Reaktionen (kennen) zu lernen, so wie ich mich anstrenge, ihn und seine Vorlieben, Regeln, was ihm wichtig ist, kennenzulernen. Und, dass er die Empathie und das Gefühl dafür besitzt, zu wissen, wie weit er gehen kann, und wann Schluß ist, auch wenn ich nichts sage bzw kein Safeword habe. Ein guter Dom kriegt das hin, weil er diese Qualitäten, zu erkennen, zu beobachten, und seine Sub zu lesen beherrscht. Weil er kein Haudrauf ist und kein Egoist, und weil er in meinen Reaktionen lesen kann.

Mit einem, der das NICHT hinbekommt, würde ich nicht weiter spielen, auch nicht mit Safeword. Unter anderem deshalb habe ich auch aufgehört, den Kinky Vanilla zu treffen. Weil er mit zu wenig Wissen um BDSM und mit zu wenig Beobachtungsgabe und Empathie ans Werk geht, und ich beim Spielen kein mulmiges Gefühl und Angst um meinen Körper haben will. Ich will mich fallenlassen und die Kontrolle abgeben können, ohne Angst, dass der vor oder hinter mir irgendwas verbockt.

Deshalb finde ich Leute, die ums Verrecken am Safeword festhalten, sogar in einer festen, jahrelangen Beziehung, manchmal etwas befremdlich. Vor allem, wenn sie das Argument bringen, dass sie ja nicht in ihre Subs reinsehen können, und ihnen das Spiel so zu brenzlig ist. Ja, sach ma, Menschenkenntnis und Empathie war aus, oder wie??

Wie gesagt, ein guter Dom (m/w/d) kriegt das hin….;)

Nachtrag:

Gerade in den letzten Tagen hat sich auf Twitter wiedermal so ein Meister aller Klassen mit der Aussage hervorgetan, dass für ihn ein Safeword bei seiner Sklavin (Vorsicht, Unterschied zur Sub ;)) Topping from the Bottom wäre. Und das geht ja GAR nicht. Aber nur bei D/s, witzigerweise. Nicht bei SM. Und so wirres Zeugs dergleichen mehr.

Okaaayyyy……. Atmen.

Ich kann dazu aus der Ferne, und mit bereits gemachten Erfahrungen, sagen: Wenn einer von Anfang an darauf besteht, dass ihr kein Safeword (oft gepaart mit “deine Grenzen definiere ich” ) haben dürft, obwohl der Zipfelklatscher euch noch gar nicht kennt, und euch nicht einschätzen kann ( hat er euch denn ausführlich nach Triggern, schlechten Erfahrungen der Vergangenheit, Ängsten, Psychoproblemen, Gesundheitsproblemen etc befragt, hm?)……dann LAUFT. Es handelt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entweder um ein selbstgefälliges, arrogantes Arschloch, das glaubt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Oder um einen Psycho, der seinen Narzissmus, Sadismus, was weiß ich für -ismus, an euch ausleben will, ohne dass ihr was dagegen tun könnt.

Ein Safeword kann in einer tiefgreifenden TPE-Beziehung (darüber gibt es demnächst separat ein paar Gedanken) störend für die Dynamik sein, ja. Aber es ist bis dahin niemals Topping from the bottom, eine Ungehörigkeit der Sub, es zu benutzen, oder sonstwas. Das Weglassen des Safewords hat meiner Meinung nach von der Sub auszugehen, weil sie so weit ist, bedingungslos zu vertrauen. Das wird nicht vom Dom aufobtruiert, oder als Bedingung verlangt. Es gibt da nichts zu verlangen.

Und dass das “ja nur für D/s gilt”? Bitte was? In einer D/s-Beziehung, jenseits von Peitschen und ganz ohne SM ist so dermaßen viel seelischer Missbrauch möglich, man glaubt es kaum. Und seelische Verletzungen und Narben sind keinen Deut besser als ein paar Striemen zuviel am Arsch. Was nutzt es mir, wenn ich diesen Meister vom Dienst in einer Session stoppen kann, aber im Zuge meines D/s jede Blödheit, die ihm einfällt, mitmachen muss, auch wenn es für mich wirklich schlimm ist, oder wenn ich seine Erniedrigungen mitmachen darf, die mich tief verletzen, weil er nach “ich Chef, du nix” verfährt?

So einfach ist das nicht, Freunde. Nichts ist einfach im BDSM. Nicht, wenn man es halbwegs ernstnimmt.

So. Weitermachen.

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@EmEmBDSM fragt “Wie empfindest du den Begriff “unterwürfig”?

Tja nun. Meine erste Reaktion war, bzw wäre es noch vor 2 oder 3 Jahren gewesen, mit aufgestelltem Nackenfell tief Luft für einen Rant zu holen. Weil igitt. Und geht gar nicht. Und das Bild, das man im Kopf hat, von irgendwelchen Hunden, die sich auf den Rücken legen und Unterwürfigkeit demonstrieren.

Aber, aus heutiger Sicht betrachtet….ist das wieder mal so ein Begriff, bei dem es sehr stark auf das Gegenüber ankommt. Ich meine, unterwürfig und devot und submissiv kann man alles in einen Topf werfen, aber unterwürfig klingt halt irgendwie krasser. Kommt aber aufs Gleiche raus für mich. Nämlich, dass man sich eben unterwirft, sexuell auf jeden Fall, und vielleicht auch darüber hinaus, und deshalb ist man halt “unterwürfig”.

Ich finde den Begriff nicht toll, weil ich devot lieber mag, aber wenn man die Definition googelt, kommt auch da dasselbe raus. Und auf mich persönlich bezogen, stimmt es ja auch. Nur, dass in den Genuss, mich unterwürfig zu erleben, halt noch lange nicht jeder kommt 😉 Wenn aber, dann bin ich es nicht nur im Bett (oder auf dem Boden vor der Couch ;)), sondern auch im Alltag bzw während des gesamten Treffens, und darüber hinaus. Was ER sagt, mache ich, wie ER will, ziehe ich an, und meine im Alltag gern und oft praktizierte Widerrede existiert nicht. Befehle werden ausgeführt, und die Positionen, in denen ich geparkt bin, vom Sitzen zu seinen Füßen auf dem Boden bis hin zum guten alten Gesicht auf den Teppich, Arsch hoch, sind die Essenz von “unterwüfig”.

Also, mit dem Begriff habe ich keine Schwierigkeiten. Ich würde es nur niemandem empfehlen, mich von oben herab so zu nennen, ohne dass er das von mir aus auch darf 😉

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Wunschbeitrag: Meine Meinung zu…

BDSM

Tja nun, für mich ist das etwas sehr wichtiges, ein fundamentaler Bestandteil meines Lebens. Ich habe keine “devote Seite” oder möchte ab und zu “spielen”, sondern das ist ein grundlegender Teil von mir, und nichts, was ich ab und zu mal befriedigen möchte. Es ist immer da, ich kann es nicht ablegen, und BDSM ist eben das Mittel zum Zweck. Der Schuh der passt. Die Anteile sind für mich auch witzigerweise ungefähr gleich wichtig. Ich liebe Bondage, Discipline ist ein Grundpfeiler, ohne Sadismus kann ich meinen Masochismus nicht gestillt bekommen. Also, Gesamtpaket.

Ich hänge der Theorie bezüglich BDSM an, dass in meinem Hirn einfach für bzw zwischen “Lust” und “Schmerz”, die ja im selben Areal prozessiert werden, mehr Verbindungen da sind als bei “normalen” Leuten. Ich bin ganz einfach anders verkabelt. Vielleicht ein Kurzschluss, wer weiß? 😉

Und ich habe gelesen, dass es Leute gibt, die um ihren Körper herum sowas wie eine Begrenzung brauchen, einen “Zaun” um ihren Körper, gegen den sie sich stemmen oder gegen den sie drücken können, um gut zum Orgasmus zu kommen. So von der Körperlichkeit, vom Empfinden her. Ja, macht Sinn.

Und entgegen den vehementen Beteuerungen der Szene und entgegen diverser Studien/Umfragen, die wohl alle gegensätzliche Resultate brachten, bin ich aus meiner Erfahrung, meinen bisherigen Begegnungen mit BDSMlern, und vom Bauchgefühl her der festen Überzeugung, dass wir alle irgendwie und in irgend einer Art ne Schraube locker haben. Sorry, “normale” Leute lassen sich nicht schlagen bis sie 3 Wochen nicht sitzen können, oder sich Nadeln oder Nägel irgendwo durchjagen, oder sich mit Strom quälen, oder haben das Bedürfnis, sich zu unterwerfen, oder oder oder….

Wie hieß es in Star Trek mal so schön? “Normal is what everyone else is, but you are not”.

Und ich denke auch, dass BDSM ein Sammelbecken für psychisch angeditschte, labile Menschen ist. Ich kenne oder lese kaum Jemanden auf Twitter, die nicht Borderliner, mehr oder weniger depressiv, süchtig nach Aufmerksamkeit, narzisstisch, oder eben emotional instabil wäre. Und dass man total normal im Oberstübchen ist, wenn man Lust und Befriedigung dabei empfindet, wenn man anderen Menschen so viel Schmerz zufügt, dass sie weinen und schreien, würde ich jetzt auch nicht sagen.

Hey, ich finde das nicht schlimm, und ich nehme mich da auch nicht aus. Aber “normal” , so wie all die anderen, sind wir nicht. So ehrlich, das zu sagen und mir das einzugestehen, bin ich inzwischen. Ich habe es halt akzeptiert für mich.

STIGMATISIERUNG

Hm, gute Frage. Ich denke, dass BDSM seit der FSoG- Welle und diversen anderen Büchern und Filmchen und Anspielungen so in die Öffentlichkeit gezerrt worden ist, dass die öberflächliche Akzeptanz höher ist als früher, und die Neugierde unter den Vanillas größer. Allerdings haben die auch keinen Schimmer, was wir wirklich tun. Was jenseits des Pipifaxkrempels von FSoG abgeht. Davon, worum es bei D/s eigentlich geht, und bei TPE, haben die keine Ahnung, und tun sich mit dem Konzept von Devotheit, freiwilliger Unterwerfung, Sadismus etc sehr sehr schwer. Immer, wenn es vom Hollywood-fake-BDSM weg ging, und ans Eingemachte in kleinen Plaudereien aus dem Nähkästchen, die man dem einen oder anderen Vanilla so angedeihen ließ, war es mit der Akzeptanz schnell vorbei, und man stand als Freak da.

Deshalb denke ich, dass eine Stigmatisierung immer noch vorhanden ist bzw wäre, wenn Menschen über einen herausfinden würden, was man da so treibt. Und deshalb halte ich mich gegenüber den Vanillas um mich herum bedeckt, und nur durch kleine, süffisante Bemerkungen oder meine Wortwahl (hust) kann der aufmerksame Zuhörer den Eindruck gewinnen, dass ich da irgendwie anders bin. Oder, wenn man weiß, wie man die Halskette mit dem Triskelenanhänger, die ich seit Monaten nicht abgelegt habe, richtig deuten soll. 😉

Sexarbeit

Halte ich für ganz normale Arbeit. Gab es schon immer, wird es immer geben, ist wichtig und man sollte den Sex Workers das Leben einfacher statt schwerer machen. Erzwungene Prostitution ist Scheiße (Zuhälterei, Sex Trafficking, Menschenhandel etc), aber ich bin mir sehr sicher, dass es da draußen auch viele Leute gibt, die den Job freiwillig, absichtlich und gerne machen. Muss jeder selber wissen.

Ich gehe sogar soweit, zu sagen, dass wenn ich nochmal jung wäre, ungebunden, ohne Kinder, und schon das Wissen um Sex, meine Neigung, BDSM von heute, 25 Jahre später, hätte…. dass ich mir dann ziemlich sicher irgendeinen Job im Dunstkreis des BDSM gesucht hätte.

Ob (Online)ShopBesitzerin, Clubbetreiberin, oder sogar irgendwas “aktives” so wie BDSM Escort-Sub (Knoten ins Tachentuch, im nächsten Leben schon als Teenie besser auf die Figur aufpassen!!), oder Profi-Dommse (ich bin zwar Sub, aber bin sicher, lernen lässt sich alles)….irgendwas in dem Bereich hätte ich gemacht. Mit Herzblut.

Gesetzen

Ähm….Gesetze?? Naja, wenn man irgendwas machen will, dann lässt man sich auch nicht durch Gesetze abhalten. Ich glaube gelesen zu haben, dass in GB face sitting in Pornos verboten ist. Ich glaube nicht, dass so ein Gesetz was bringt.

Ein paar grundsätzliche Sachen wie Sodomie oder Inzest oder Pädophilie oder sexueller Missbrauch müssen knallhart geahndet werden, aber ansonsten machen Gesetze wenig Sinn, schon allein weil man ihre Einhaltung ja eher schwer überprüfen kann.

Und in Bezug auf BDSM halte ich mich an RACK als “Gesetz”. Weil man mit SSC keine 3m weit kommt, und weil in RACK alles drin ist, was für mich wichtig ist.

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Was (mir) wirklich wichtig ist …

…mich als Frau – als Mensch – respektiert zu fühlen. Auch wenn ich gerade benutzt und erniedrigt werde

…das Gefühl zu haben, vertrauen zu können. Ohne Bruchlandung

…jemanden zu haben, der sich mit dem, was er tut, auskennt. Und der sich nicht zu schade ist, das, was er nicht weiß zu erfragen oder zu erlernen

…zu merken, dass Grenzen nicht mit der Brechstange angekratzt oder verschoben werden. Sondern mit Empathie und Gefühl

…ein Gegenüber zu haben, das die Zwischentöne zwischen Sklaventreiber und Dömmchen kennt. Und sich weder zu weit am einen noch am anderen Ende des Spektrums bewegt

…ein Zugehörigkeitsgefühl zu spüren. Genau wie ein Besitzverhältnis

…ein offenes Ohr für alles, was einen bewegt, vorzufinden. Nicht nur für das, was dem anderen sowieso gelegen kommt

…jemanden zu haben, der nicht nur Herr ist, sondern auch menschelt. Und der trotzdem das D/s im Auge behält

…in der Session gekonnt zum Weinen gebracht zu werden. Und zum Entspannen und Loslassen. Ohne mich zu überfordern und ohne mich für irgendwas schämen zu müssen

…zwischendurch genauso wie hinterher aufgefangen, gestreichelt, gelobt zu werden. Den Stolz und die Bestätigung zu spüren

…mich zu fühlen, als ob ich die Wahl bin und nicht die Notlösung

All das ist mir viel wichtiger als Herzchen, Blümchen, Liebesschwüre, und andauernde Zweisamkeit. Und es ist auch viel wichtiger als Äußerlichkeiten, Luxus, die neuesten Werkzeuge oder die geilsten Locations.

Weil am Ende des Tages nur das zählt, was macht, dass man seine innere Zufriedenheit findet.

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