Über Halsbänder,das grosse O und andere Befindlichkeiten

Tja. 2017 und weiterhin ist hier mentale Baustelle. Lassen Sie mich mal zusammenfassen und versuchen, die Gedankengänge der letzten Zeit in halbwegs verständlichen Kontext zu bringen.

2 Doms als Spielpartner aber keine wirkliche Beziehung, so mit verlieben, rosa Wolken und soviel 24/7 wie es nur geht. Auf die Dauer, auf Jahre gesehen, kein Zustand. Den ich gern ändern würde, aber in Nr 1 könnte ich mich nicht verlieben, und in Nr 2 schon, aber der will nicht.

Überhaupt wimmelt es anscheinend von Männern, die Spielbeziehungen suchen.  Und die sind nicht mal nötigenfalls gebunden, oder suchen halt nur Affären. Nein, die Bindungsangst geht wohl um. Wenn man örtlich gebunden ist und zwei Kinder hat, macht es die Sache nicht einfacher. Obwohl ich definitiv keinen Bei-uns-Einzieher und schon gar keinen Ersatzpapa suche. Und wo es schon für Vanillas teils schwer ist, jemanden fürs Herz anstatt nur den Unterleib zu finden, ist das mit dem Auswahlkriterium “lifestyle Dom” noch viel schwerer.

Spielhalsbänder sind kein Problem und ich trage sie gerne. Und für eine gewisse Zeit fühlen sie sich auch toll an und helfen mir in meine Rolle, meine Stellung. Aber dann kommt immer der Punkt wo man sie abnimmt. Und der Punkt wird allmählich immer nerviger. Das selbst gekaufte Halsband… ist einfach nicht befriedigend.

Und dann, auf der anderen Seite, geistert dieses “O”- Wort in meinem Kopf und auf meiner TL rum. Und in diversen Blogs, die ich gerne lese. Auch dazu hab ich mir so meine Gedanken gemacht. Es kommt die alte Frage auf. Was bin ich eigentlich? 

Ich weiß nach wie vor viel besser, was ich NICHT bin. Ich bin kein age player,  ich habe keinen Spass daran, in Tiercharaktere zu schlüpfen (abgesehen von Katzenöhrchen und nem Puschelschwanz an hohen Feiertagen vielleicht), ich habe keinerlei Nerv für das auf Twitter so wahnsinnig beliebte DDlg.

Aber was bin ich? Irgendwann mal habe ich mich mehr oder weniger als sexuell devot aber im Alltagsleben total selbstbestimmt definiert. Aber je länger man dabei ist, und je intensiver die Erfahrungen werden, desto mehr will man auch. Inzwischen denke ich schon eher in Richtung 24/7 als in Richtung reine Spielbeziehung. Wobei es immer noch Bereiche in meinem Leben gibt, wie z.B. mein Job, oder die Erziehung meiner Kinder, wo ich mir zwar vielleicht Rat geben lassen würde von einem qualifizierten Gegenüber, aber mehr sicher nicht. Ich glaube auch nicht dass sich das je ändern wird.

Trotzdem wäre ich bei dem wirklichen Mr Right, also einem Mann, in den ich bis über beide Ohren verliebt wäre, sehr “handzahm”. Das ist sowas, was mir viele Twitterfreunde nicht glauben (wollen). Ja, ich bin so devot wie ich im Alltag dominant rüberkomme. Also sehr. 😉  Das ist aber eine langjährige Notwendigkeit. Ich habe die Verantwortung für mehrere Mitarbeiter, 2 Kinder, und dafür dass wir nicht verhungern und unser Leben läuft. Gerne würde ich das Weibchen raushängen lassen und mich an meinem starken Fels anlehnen. Nur ist da kein Alltags-Fels. Und der letzte langjährige Fels hat sich leider in der Not als ein instabiles Päckchen Kies entpuppt. Ich bin überzeugt davon, dass 99% meiner Bekannten mich als dominant einschätzen würden, wüssten sie von meiner Neigung zum BDSM.

Oh, was liegt ihr doch falsch, Leute. Ich zeig es nur nicht. Oder sagen wir mal, ich bemühe mich, es nicht zu zeigen. Im Job kommen mir meine Unentschlossenheit, meine Konfliktscheu, meine Abneigung vor längerem Blickkontakt, und die Unfähigkeit, chefmäßig auch mal auf den Tisch zu hauen, immer wieder ins Gehege.

Wie auch immer. Eine Frau die nur beim Sex devot ist, bin ich nicht. Naturdevot, sicherlich. Aber eine O, in der klassischen Definition bin ich auch nicht. Mit der totalen Kontrollabgabe im Alltag, damit, nichts zu sagen zu haben bei allem was geschieht, in allen Bereichen meines Lebens, habe ich, zumindest theoretisch, ein grosses Problem. Auch wenn da einer wäre, dem ich total vertrauen würde.

Das bringt mich jetzt noch auf meinen zuletzt runtergeladenen Lesestoff. “Die Geschichte der jO”.

Ich habe die Geschichte der O nie gelesen. Den Film nie gesehen. Und glaube auch nicht, dass ich da viel verpasst habe. Aber ich dachte mir, ok, lies mal die moderne Variante.

Was ich davon halten soll,weiß ich immer noch nicht. Gut geschrieben ist es schon. Die deftige Sprache macht mir auch keine Probleme. Wie anders als Ficken soll man Ficken schon nennen?

Was mir Probleme bereitet, ist der Inhalt. Oder besser gesagt, die Verknüpfung von halbfreiwilliger Prostitution, 2 Dommes als Zuhälterinnen, und der bis zuletzt komplett fehlenden Zuneigung von O zu Domme 2, und andersrum, mit der Definition der “O”.

Jedem/Jeder das Seine/Ihre. Und wer auf so extreme psychische Erniedrigung steht, ok. Und wer so total nymphoman ist, dass man sich deshalb prostituiert, ok. Gekauft. Nur ist es für mich ganz persönlich eben moralisch nicht ok wenn man eine einem ergebene O auf den Strich schickt damit sie Geld bringt. Oder wenn man sie so erniedrigt, keusch hält und per Handy terrorisiert dass sie deshalb im Job Fehler macht und rausfliegt. Und man dann lapidar bemerkt, macht ja nix, dann kann sie ja jetzt Vollzeit anschaffen. Und jemanden auf den Strassenstrich zu schicken, der nicht nein sagen dürfte, selbst wenn er wollte, ist für mich eine so grosse Verletzung der Fürsorgepflicht, die man als Dom(me)/ Ausbilder hat, dass es mir die Sprache verschlägt. Und dann noch die Tatsache dass Domme 2, die Zahnärztin, die O nicht leiden kann bis zuletzt und sie nur tyrannisiert wo es geht. Das ist für mich keine gesunde Ds-Beziehung. Selbst wenn D sadistisch ist und s/O auf Erniedrigung steht.

Ein D hat die gottverdammte Pflicht, sich um seine/ihre s zu kümmern und für ihr Wohlergehen zu sorgen, scheissegal ob sie das will oder einsieht oder nicht. Und wenn die O so maso ist, oder so übereifrig, oder so spitz und total verpeilt,  dass sie es selber nicht sieht, dann um so mehr!!!!

Aber was weiß ich schon davon? Ausser dass es Grenzen geben MUSS, in der echten Welt, an denen definitiv Schluss sein muss mit “O”. Spätestens wenn der dominante Part sich unter aller Sau verhält, so wie Domme 2 im Buch. Für mich persönlich. Wie gesagt.

Das Original tu ich mir nicht mehr an, und höre weiter ganz einfach auf mein naturdevotes Bauchi. So fahr ich meistens ganz gut. Und das ist wahrscheinlich wichtiger als irgendwelche Regelwerke und BDSM-Bibeln.

Amen.  *Luft hol*

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7 thoughts on “Über Halsbänder,das grosse O und andere Befindlichkeiten

  1. Stimme dir ABSOLUT zu !!! Ich meine, ich habe den Film jetzt nicht gesehen, deine Schilderung reicht mir da !
    Es ist doch eine frage auch des Respektes ! Ein DOM hat vor seiner “Partnerin”,die dann die devote Rolle übernimmt, ebenso viel Respekt zu haben, wie umgekehrt. Viele übersehen das eigentliche dabei, nämlich das sich dies “hingeben” eine freiwillige, lustvolle Bereitschaft ist. In der eben der DOM schon wohl die Verantwortung und ebenso auch die Fürsorge trägt. Es ist ein Miteinander !!!
    Ach es gibt da sicherlich immer noch viel zu sagen !!

    Genauso warum eine solche Beziehung oft eine 24 Stunden Beziehung sein sollte ? Warum? Wenn es z.B. jetzt ein festes Paar ist, dann kann es genauso gut diese Lustphasen in bestimmte Bereiche einteilen. Die dann außerhalb von Beruf und Erziehung, je nach dem öffentlich, sein können !? Oder?

    Eine andere Frage ist warum Dominanz bei den meisten immer mit Schmerz verbunden ist? ( Ich sage jetzt nicht, das es nicht dabei sein kann ) Für mich beinhaltet z.B. Dominanz mehr auch lustvolle Gefühle, die durch bestimmte Handlungen erzeugt werden können, die allerdings dann auch nicht immer etwas mit körperlichen Schmerz zu tun haben müssen.

    Wie gesagt, gäbe bestimmt vieles dazu zu sagen.

    Liebe Grüße

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    • Es ging bei mir nicht um das 70er-Jahre-Original und den damals skandalösen Film (die hab ich nie gesehen bzw gelesen) sondern um die Geschichte der jO, einer modernen Version, auch als Tatsachen-Lebensbeichte verfasst.
      Das ist natürlich Sache der Autorin wie sie lebt aber ich persönlich finde es eben mehr als grenzwertig was da lief mit ihr, wenn das wirklich auf Tatsachen beruhte.
      Und ja, ich bin auch der Meinung dass D seiner s genauso viel Respekt zu zeigen hat wie andersrum.
      Ansonsten… Für manche ists halt der Schmerz, für andere die Erniedrigung, die es ja auf 1000 Arten gibt, und für andere einfach das Gefühl des Kontrollverlusts, was den Kick bringt. Alles gut solange keiner Schaden nimmt. Seelisch oder körperlich. Und das ist bei der Figur jO nicht gegeben. Meiner Meinung nach.
      Ja da gibt es viel zu diskutieren, und ich will sicher keine Moralkeule schwingen über anderer Leute Leben. Aber ich würde der Zahnärztin ihre manikürten Fingerchen brechen, sollten wir uns treffen. 😉

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  2. 24/7 und O …

    Das erstere halte ich im Wortsinne für fast unmöglich, ich möchte diese Verantwortung für einen Menschen überhaupt nicht haben, als Top nicht, als Mensch sowieso nicht. Das ist fürchterlich verantwortungsvoll und anstrengend. Wenn man das ganze ganze aber so definiert, das man bei Bedarf/Gelegenheit/… schnell umschalten kann – oder muß – sind wir dabei und haben wohl etwas ähnliches. Kinder, Job, Alltag – all dies geht bei uns ebenfalls vor und ich sehe auch nicht, wie das anders vernünftig zu lösen wäre, zumindest dann nicht, wenn es in einem gesunden Rahmen für Alle bleiben soll.

    Die O …

    Tja, wir haben ja auch unseren ersten O angehauchten Event hinter uns und es war toll, wenn auch mit einigen Komplikationen verbunden und sicher etwas, was wir weiter verfolgen werden. Letztlich sind die reinen O Events mehr oder minder Sexgeschichten mit ein bißchen Hauen – zumindest wenn die sich tatsächlich an den Phantasien von Pauline Réage orientieren. Was wir erlebten, was eher ein moderierter SM Event – was aber durchaus spannend und befriedigend war :). Ich denke – Je näher das am Buch ist, desto Hardcore – aber auch nicht uninteressant.

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  3. Ich kenne die “Geschichte der jO” auch, also den ersten Teil. Und die von dir beschriebenen Störgefühle hatte ich bei dem Buch ebenfalls. Definitiv nicht wirklich nachahmenswert. Aber für mich auch interessant, gerade auch in der Hinsicht, dass dort die Grenze zum Missbrauch und zur “Unmenschlichkeit” mehrfach überschritten wurde. Mein Glaube, dass bei bestimmten Spielarten der Sexualität und Erotik Vorsicht geboten ist, wurde dadurch auch bestätigt.

    Ich kann trotzdem nur empfehlen, das Original zu lesen. Also “Die Geschichte der O” von Pauline Reage. Denn das ist keine 100%ige Schilderung von tatsächlichen Ereignissen, sondern in großen Teilen Fantasie. Und von einer großartigen Autorin geschrieben, also von der Sprache und den Bildern her Weltliteratur. Und mit diesem Hintergrund ist die Geschichte faszinierend, denn sie zeigt etwas über Fantasien und Wünsche und indirekt auch über deren psychologische Hintergründe. Für mich übrigens etwas über die Sehnsucht nach “Absolutheit” und “Vollkommenheit” und dass diese Sehnsucht womöglich niemals erfüllt werden kann und – wenn überhaupt – dann nur durch absolute Freiheit von den Gefühlen für andere Menschen und nicht durch die vollkommene Unterwerfung unter die Gefühle oder die Menschen.

    Und manche Szenen sind zwar eher grausam und gemein, andere aber für mich sehr erregend. Und am Irritierendsten sind eben diese die beides zugleich sind. Und es wird nie so grausam wie bei De Sade.

    Der Film allerdings ist kompletter Mist.

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    • Dann versuch ich mein Glück doch mal mit dem Original. jO ist an sich gut geschrieben, und wenn sie mit ihrer Ausbildung glücklich geworden / mit ihrem Leben zufrieden ist…Ich will sie nicht kritisieren, das steht mir nicht zu. Ich für mich fand eben das Verhalten beider Dommsen, v.a. der zweiten, unter aller Sau. Auch ihr männlicher Ausbilder war dagegen, was die alles treiben. Wie ich verstehe, gibt es 3 oder 4 Teile der jO. Ich denke aber nicht, dass ich die kaufe/ lese. Eine O sein hat für mich persönlich nichts mit der gewerblichem Sex zu tun, oder mit Zuhälterei. Nicht, dass ich das verurteile. Normaler Job, wer es kann, bitte. Aber das Dienen, der Verleih-Gedanke, etc, haben für mich einfach nix mit Geld zu tun. 2 Paar Stiefel.
      Dann ist mir vielleicht die eher psychologische Betrachtung im Original lieber. 🙂

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