Dunkle Gedanken – ganz ohne bdsm

Womit fang ich an? Will ich eigentlich, dass das hier jemand liest? Vielleicht sollte man diesen Eintrag einfach als Tagebucheintrag nehmen. Niedergeschriebene Gedanken, sonst nichts. Keine Diskussion, keine Wertung. Einfach rauslassen und festschreiben.

Ich bin eine Kämpferin. Ein Steh-auf-Männchen. Nein sorry, Frauchen. Weil “gendering” 😂 Ich konnte es mir nie leisten, mich hinzulegen und zu leiden. Also, immer weiter. Zähne zusammen und weiter. Aber wohin? Und wozu?

Mein Herz ist schwer momentan. Naja, eigentlich immer, irgendwie. Aber wie schon gesagt, ich halte nichts vom jammern um Aufmerksamkeit.

Ich könnte jetzt klagen, dass ich zu viel Stress habe. Dass ich krank bin. (Auf dem Papier liest es sich gar fürchterlich. Unheilbar. Degenerativ. Und die ganze Welt wartet darauf, dass es bergab geht. Aber den Gefallen tu ich ihnen nicht. Ich schlucke ein Medikament zum jährlichen Gegenwert eines gut ausgestatteten Kleinwagens, und ackere weiter und tu so als ob nichts wäre.) Dass ich gefangen bin in einer verstrickten, verkorksten Beziehung zum Ex. Aus dessen Dunstkreis ich nicht rauskomme. Der Kinder und des Jobs wegen. Was sehr belastend ist, weil ich mich nach wie vor fühle, als könnte ich keinen Schritt ohne Beobachtung tun. Ist auch so. Nicht nur ein Gefühl.  Dass ich manchmal einfach wahnsinnig traurig bin, wenn ich an verpasste Chancen denke. An die Tatsache, dass ich tausend Dinge anders machen würde, wenn ich nur nochmal 20 wäre. Ein anderes Leben. Ein anderer Weg. Andere Weggefährten. Andere Ziele.

Aber das ist vorbei. Die Gelegenheit war da, ich habe sie nicht erkannt, nicht ergriffen, habe meinen Arsch nicht hochbekommen, war zu bequem oder zu ängstlich, so wie immer. Eine meiner Superpowers im Leben. Aushalten, still halten, viel zu lange in einer schlimmen Situation verbleiben aus Furcht vor Veränderung oder weiterer Verschlechterung. Vor dem Ungewissen. Ja, ich wäre ein tolles Enterprise-Besatzungsmitglied. Mutig as fuck. 🙄

Wie immer man es dreht und wendet, ich fühle mich wie in einem Hamsterrad und weiß nicht mal, wozu ich renne. Ich hänge zwischenmenschlich in der Luft, kenne meinen Platz in vielerlei Hinsicht nicht, darf für jeden Scheiß meinen Kopf und meinen Geldbeutel hinhalten, und fühle mich als Spielball. Und hab immer öfter nicht mehr die Energie, mich dagegen zu wehren. Zukunftsängste, Angst vor Ungewissheit, Angst vor Krankheit, Angst vor Ende, Angst vor Unglück, Angst vor Verantwortung…sucht euch was aus.

Vor 20 Jahren hätte ich nicht mal darüber nachgedacht, bevor ich zig Kilometer durch Nacht und Wind fahre, wegen Freundinnenbesuch oder Party. Oder bevor ich in eine U-Bahn steige, oder ein Flugzeug. Heute hab ich sogar bei sowas ein mulmiges Gefühl. Ja, ich bin ein Schisshas geworden. Und Menschenmassen werden an schlechten Tagen zum Problem. Früher konnte ich von Trubel nicht genug kriegen, hab sogar in London gewohnt, und die Massen im schnellen Schritt auf dem Weg zum College mitten in Soho sicher umschifft.

Lieber daheim zu bleiben, das war nie ich. Aber jetzt oft schon. Da kann man sich dann genüsslich Dokus über das Weltall und Gammastrahlenblitze zu Gemüte führen, um ab dann sorgenvoll den Himmel zu betrachten, nicht wahr?

Oder wenn ich daran denke, dass meine Mutter nicht wirklich gut bei Gesundheit ist und auf Mitte 70 zugeht. Da würgt es mir die Luft ab. Dann werde ich vielleicht in den nächsten Jahren ganz allein sein. Und noch mehr der Fels für alle anderen sein müssen, ohne selbst einen Fels zu haben.

Und trotz Allem funktioniere ich jeden Tag weiter und weiter. Meine DNA ist anscheinend nicht anfällig für Depression und Co. Ansonsten läge ich längst am Boden und käme nicht mehr hoch. Das ist ein Segen. Oder ein Fluch. Denn so dreht sich das Hamsterrad weiter und ich bin weiter der Depp, der es antreibt. Weil einer ja schließlich muss.

 

 

 

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