Selbsthingabe? Selbstaufgabe.

Das hier sind meine Gedanken. Tut, was ihr wollt.

Ich stolpere immer wieder über Tweets auf meiner Twitter TL, in denen Subs (fast immer Frauen) sich in den höchsten Tönen darüber auslassen, wie abgöttisch und grenzenlos und bedingungslos sie doch ihren Herrn lieben.

Im Zuge des typischen Online-Affentheaters geht das mit den üblichen “ich gehöre Ihnen, mein Herr”-Tweets mit mehr oder weniger hübschen Bildchen. Man lässt seine TL 16 Std am Tag wissen, wie abgrundtief devot man doch ist. Man nennt seinen Dom “Meister” und spricht ihn mit “Ihr” anstatt “Sie” an. Ui, ein Blaublut.

Man heult sich wochenlang auf TL aus, wenn man verlassen wurde, und – und da beginnt es, krank zu werden – man macht den Eindruck, irgendwo zwischen völlig entwurzelt und suizidal zu sein. Aus dem Leben gerissen. Unfähig, allein zu atmen, zu kacken, einzukaufen, eine Glühbirne zu wechseln, zu duschen…

Damit ist schon mal klar, dass keine alten Eltern, kranken Geschwister, oder Kinder da sind. Denn damit könnte man sich weder wochenlange Ausflüge auf die Sklavenfarm vorher, noch diese Sorte Komplettzusammenbruch hinterher leisten.

Es gibt da ein englischsprachiges sub-acct, das seit Monaten weder essen noch schlafen kann, und ganz allein erst wieder einen Alltag ohne Anweisungen hinzubekommen erlernen muss.

Tja nun. Es gibt Selbsthingabe und es gibt Selbstaufgabe. Und ich bin ziemlich sicher, dass Selbstaufgabe immer immer immer Scheiße ist.

In meinem Verständnis ist eine Ds-Beziehung ( und gebe es in ihr so viel Strenge oder Gefälle oder Erniedrigung wie ihr wollt) immer ein Geben und Nehmen. Es hat nie nie niiiiieeee nur darum zu gehen, was dem Top gut tut, oder Spaß macht. Sondern auch dem bottom. Wenn einer der beiden sich selbst, seine Kontakte, seine Familie, sein Leben an sich aufgeben soll, und lauter Dinge tun, die er kein bisschen kinky findet, oder die ihm vom Wesen her oder der inneren Einstellung her gewaltig widerstreben, nur um dem anderen zu gefallen, und er das auch noch tut, dann läuft was gewaltig schief.

Sich selbst aufzugeben, ist dumm. Ganz einfach. Ihr könnt NIEMALS euer Seelenheil, euer Glück, euer Leben von einem anderen Menschen abhängig machen. Letztendlich kennt keiner den anderen zu 100%, egal wie groß die Liebe ist.

Im Endeffekt müsst ihr selbst euch auf euch verlassen (können).

Das hat nichts damit zu tun, dass man sich zu 100% hingeben kann. Sich mag. Sich liebt. Befreundet ist. Sich vertraut. Whatever.

Aber es ist ein Fehler, so unselbständig und so “sklavig” zu werden, dass man ohne den Herrn weder seinen Tag noch das Leben an sich gebacken kriegt.

Beim durchschnittlichen Verfallsdatum der großen Liebe, v.a. im bdsm, ist das keine gute Idee.

Noch schlechter wird die Idee, wenn die sogenannten “body modifications” dazukommen. Was tut ihr eigentlich, wenn eure malträtierten, hängend gewordenen, x mal durchstochenen Titten, die 20 dicken Piercings in den Schamlippen, die gedehnten Teile, die Narben, die Tattoos bis zum Hals, das Eigentums-Branding etc etc noch da sind, wenn euer über alles geliebter, für die Ewigkeit angedachter Herr euch längst hat fallen lassen wie eine heiße Kartoffel?

Ab zum Beauty Doc, vielleicht kann der für viel Geld noch irgendwas retten, was ihr euch beim nächsten Herrn dann wieder ruinieren lasst.

Diese Totalaufgabe sämtlicher Denkprozesse zwecks falsch verstandener Hingabe gipfelt dann tatsächlich bei manchen Zeitgenossen darin, ihren gesamten Besitz, ihre Immobilie, ihr Geschäft etc, eben ALLES ihrem Herrn zu ÜBERSCHREIBEN. Rechtlich bindend. Das ist so dermaßen brunzdumm, dass ich kaum Worte dafür finde, aber ja, das gibt es tatsächlich.

Ich verstehe den Wusch, “besessen” zu werden. Eigentum zu sein. Kontrolle, Gefälle etc.

Aber in dem Moment, wo ihr Kontakte oder Freundschaften aus reiner Willkür des Tops zu beenden habt, wo ihr eurer Familie entfremdet werden sollt, wo euer Bankkonto eine Vollmacht bekommen soll….sollten die Alarmglocken nur so schrillen.

Vielleicht denkt ihr da dran, bevor ihr euch eure Registrierungsnummer auf die Stirn tätowieren lasst:

Bdsm ist keine Kaffeefahrt mit Gehirnwäsche plus Abzocke.

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Strafen, Schmerzen, Ängste, Emotionen.

So. Jetzt schreib ich mal was zum Thema *siehe oben*. Teils als Hobbydozentin, teils als Ermutigung, Beruhigung, Denkanstoß, und teils #ausGründen.

Jeder Mensch ist anders. Jeder Mensch empfindet anders. Jeder Mensch hält unterschiedlich viel aus. Jeder Mensch tut sich unterschiedlich schwer, seine Grenzen zu verschieben oder zu überspringen. Und das ist völlig unabhängig davon, ob sich dieser Mensch als masochistisch beschreibt, oder nicht.

Die Tagesform spielt mit rein. Ob man vorher Ärger, Streit, Stress hatte. Ob man eine Erkältung ausbrütet. Ob man genug gegessen bzw getrunken hat an dem Tag. Ob man vielleicht irgendwelche körperlichen Zipperlein hat, die einen anders oder ungleich fühlen lassen. Ich fühle z.B. durch mein “Zipperlein” Schmerz, Wärme, Kälte, Berührungen auf der linken Körperhälfte unterschiedlich zu rechts. Beide Seiten tut weh, aber eben etwas verschieden, und auch das macht es schwer, sich auf das nächste Dutzend mental einzurichten.

Und was – zumindest bei mir – ganz wichtig ist, um möglichst viel Schmerz ertragen zu können, auch wenn er nur noch meiner Fotze gefällt, aber MIR schon längst nicht mehr, das ist die Bindung zum Herrn. Das Gefühl, dass er mich gern hat. Dass er soooo stolz sein wird, wenn ich für ihn die Zähne zusammenbeiße. Das ihm-vertrauen-können, dass er weiß, wann es definitiv zuviel wird, selbst bei Strafen. Denn was nützt es, wenn man das Fell über die Ohren gezogen bekommt, dass man 2 Wochen nicht sitzen kann (ob berechtigt oder nicht, ist völlig egal) und man deshalb so Angst vor dem Mann, der nächsten Session, und den Schmerzen bekommt (und sei es nur unterbewusst), dass die Lust am Spiel oder am bdsm schlicht hopps geht? Gar nix.

That said… Seid versichert, dass eine ernst zu nehmende Sub, die nicht nur bissel role play-Haue will, sondern die des Gesamtpaketes bdsm/Ds/SM wegen da ist, immer ihr Bestes geben wird für ihren Herrn. Weil es in ihrer Natur liegt, ihm gefallen zu wollen, und ihn zufrieden zu stellen. Es ist also immer mies, und auch echt kontraproduktiv, ihre Leistung in Frage zu stellen, zu veräppeln, zu vergleichen oder mit Lob oder Anerkennung zu geizen.

Es ist die Aufgabe des Herrn, seine Sub auszubilden, und sie immer weiter zu bringen. Und das klappt mit Anerkennung um ein vielfaches besser als mit Runtermachen.

Und wir sprechen hier nicht von Erniedrigung. Die kann, wenn man darauf steht, beflügeln. Nein, wir reden von Runtermachen. Veräppeln. Ihre Devotion in Abrede stellen. Ihr das Gefühl vermitteln, sie sei nicht gut genug, weil sie zu weich ist.

“Die Schülerin war stets bestrebt, ….” Setzen, sechs.

Und wenn jemand sagt, er sei masochistisch, dann ist das erst mal ein Extra-Zuckerl für die Rohrstockschwinger unter euch. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Sub dann irgendwann dazu fähig sein wird, dass ihr 10m Anlauf nehmen und voll durchziehen könnt, bis das Blut spritzt. Und das muss auch gar nicht sein. Es gibt für jeden Topf einen Deckel, und dieser passt vielleicht einfach nicht. Wenig hilfreich sind jedenfalls Kommentare wie “stell dich doch nicht so an, bei meiner Ex ist mir mal das Paddle gebrochen und ihr wars nicht hart genug…” wenn euer Gegenüber sich vor Schmerzen windet und vor Heulen kaum Luft kriegt.

Dieses Gegenüber tut gerade, was es kann. Für EUCH. Um EUCH zu gefallen. Damit IHR zufrieden seid, und stolz, und das Gegenüber belohnt (wie auch immer). Damit es auf die Spuren, und das Geschaffte stolz sein kann, und daran -und an eurer Zuneigung- wachsen kann.

Also macht was daraus.

 

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