Quo vadis und all sowas.

Ich saß neulich, am ersten Abend seit Menschengedenken, an den ich mich als “ab 21 Uhr frei und ohne noch zu erledigende Dinge” erinnern kann (und wir reden von vielen Monaten) auf der Couch. Passenderweise bei Shades of Grey Teil 2, den es endlich für lau auf meinem Prime zu gucken gab, und auf den ich seit zig Monaten neugierig war (ja, ich hab ihn geguckt. Und war schon schlechter unterhalten. Ich find ihn gar nicht SO übel. Nettes, laues, romantisches Hollywoodkino, null Denkleistung, gerade recht neben Kuscheldecke, Rotwein, und Blog). Und so brütete ich über einem tagebuchähnlichen Eintrag für eben diesen.

Und während die zwei Turteltauben im Popcorn-Movie über den 2. Anlauf miteinander, und ihre Beziehungsform und Zeugs diskutierten, fragte ich mich – nicht zum ersten Mal in den letzten Wochen und Monaten – mich unterspielt, unterfordert, unterliebt fühlend:

Was will ich eigentlich?

Also, in Bezug auf Männer, bdsm, D/s und so weiter.

Das ist nämlich gar nicht so einfach, Herrschaften. Es ist ja nicht so, dass ich jung, frei, unabhängig bin, und mal kurz alles fallen lassen und im Escala einziehen könnte. Oder sonstwo. Mein Leben, meine Arbeit, und meine Umstände sind kompliziert und beziehungsfeindlich. Und ich knabbere immer noch mehr als mir lieb ist, an der letzten zerbrochenen (Spiel?)Beziehung, auch wenn ich inzwischen Gott sei Dank längst meine Knie saubergemacht, ein Pflaster auf meinen Stolz geklebt, und mein Krönchen wieder gerade gerückt habe.

“Trau keinem Mann weiter, als du ihn werfen kannst.”

Bis dato ein unglücklicherweise wahrer Spruch, der sich auch auf Twitter allein in den letzten Wochen 4x bewahrheitet hat unter meinen britischen und amerikanischen Followern, die real life Beziehungen mit Halsband, Zusammenziehen, sogar Ehe hatten, und wo jede einzelne dieser devoten, sich augenscheinlich nach Leibeskräften einbringenden Frauen am Ende belogen, hintergangen, beschissen, fallengelassen oder aufs Abstellgleis gestellt worden ist, was sehr viele Tränen und sehr direkte Tweets nach sich zog.

Ich bemerke zwischenzeitlich jedenfalls Veränderungen in meiner Denke, und in meiner Zielsetzung. Vielleicht ist mein devot nur einfach gerade aus. Bzw, meine Toleranzgrenze für Bullshit extrem niedrig geworden. Was für mich als eigentlich monogamen, treuen, eher passiven bzw veränderungsscheuen Menschen, der sich selbst nie wichtig genug genommen, und andere (Männer! Doms!!) immer (vielleicht viel ZU) wichtig genommen hat, eine monumentale Sache ist.

Nun, mich beschleicht halt das Gefühl, dass Monogamie bzw Treue bzw EINEN Partner zu haben auf der einen, und Bdsm bzw D/s auf der anderen Seite für die allermeisten Männer anscheinend nicht zusammengehen.

Und wenn dem so ist….dann werde ich mich wohl anzupassen haben. Allerdings gilt das dann für alle Beteiligten.

Einseitige Exklusivität gibt es mit mir nicht mehr.

Und wenn das bedeutet, dass ich nie ein Halsband haben werde, welches ich mir nicht selber kaufen muss, dann ist das eben so. Ich habe lang genug keins bekommen, obwohl ich alles gegeben habe, was mir möglich war, also Scheiß drauf. Dann eben nicht. Ja, ich kann auch bocken, in Selbstmitleid verfallen, stur und ungerecht und rundumschlagend sein. Das ist kein Privileg der Herren.

Im Zuge einer reinen Spielbeziehung, wo das Herz meines Spielpartners über Fickfreundschaft hinaus nicht dabei ist, und wir uns alle 2, 3 Wochen oder mehr mal sehen, kann ich mich anpassen, und mein Herz ebenfalls nicht öffnen. Denn wenn nur ICH es öffne, und Zuneigung entwickle (und dazu neige ich bei regelmäßigen Spielpartnern, bei denen ich mich wohlfühle), oder mich womöglich verliebe, und ER mich nur als wie gut auch immer befreundeten, devoten Zeitvertreib sieht, womöglich neben ein paar anderen Frauen…was werde ich dann davon, außer unglücklich? Eben.

Dann ist es meiner Meinung nach aber auch total vermessen, von mir zu erwarten, dass ich mich hinsetze und auf ihn warte, und so mein Leben verbringe,tick-tock, während er mit anderen Leuten spielt, ohne mich auf Parties geht, und daheim womöglich noch eine “echte” Partnerin hat, mit der er sein Leben und seine Liebe teilt. Sorry, mach ich nicht. Dann treffen wir uns doch locker, mögen uns, spielen, ficken, und nehmen uns jeweils von verschiedenen Leuten, was wir brauchen. Das kann er, aber das kann ich auch. Alles fein, solange es ehrlich, kommunikativ, und für alle Beteiligten offen geschieht. (Wenn das NICHT offen geschieht, dann sind wir gleich wieder mitten in meinem letzten Blogeintrag “die Sache mit der Treue”. Und da wollt ihr mit mir jetzt wirklich nicht hin, glaubt mir.)

Im Zuge einer echten Liebesbeziehung ist es mir sowieso nicht möglich, den Menschen, dem ich mein Herz geöffnet habe, mit anderen Leuten dauerhaft zu teilen. Party, Club, Event? Gerne. Aber ansonsten nur wir zwei. Man könnte jetzt darüber referieren, ob ich zu unsicher, eifersüchtig, engstirnig bin um die Schönheit der Polybeziehung zu erkennen. Piep piep piep wir ham uns alle lieb.

Was soll ich sagen? Es gibt Leute, die darin aufblühen. Ich nicht. Nee sorry, nix für mich. Und wenn das “zu Zweit” nicht zu machen ist, dann bleibt derjenige halt Spielbeziehung und ich wehre mich dagegen, ihn in mein Herz zu schließen, was bedeutet, dass ich mich emotional natürlich nicht voll öffne.

Ideal ist das nicht, und das weiß ich auch. Wirkliches D/s, wie ich mir das so rosig vorstelle, ist ohne tiefe Zuneigung auch nicht so wirklich möglich. Aber was soll man machen, wenn man immer nur poly Männer findet, und noch froh sein muss, wenn man das wenigstens von vorne herein weiß, und nicht stattdessen hintergangen oder verarscht oder betrogen wird?

Vielleicht ist es mir bestimmt, allein zu bleiben, und mir einen Freundeskreis im Lifestyle aufzubauen, und mich mit verschiedenen Leuten zu treffen. Ein kinky Vanilla hier, der kommuniziert, und so viel Aftercare und freundschaftliche Zuneigung und Kümmern rüberwachsen lässt, dass sich so manche alten Hasen und selbsterklärte Super-Doms eine dicke Scheibe bei ihm abschneiden könnten, und der Zugang zu privaten O-Parties hat, der aber bei Weitem nicht dominant genug für mich ist. Ein eher sadistischer Dom da? Ein Seil-Interessierter dort? Ein klassischer Dom mit Liebe zu D/s-Kopfkino da drüben? Lockere Freundschaften, ein Paar mit Zugang zu einem Spielkreis mit privater Venue?…es gibt viele Wege nach Rom.

Aber das, was ich eigentlich will, wäre bzw ist das alles nicht. EIGENTLICH will ich eine Liebes-Beziehung anstatt einer Spiel-Beziehung. Eigentlich will ich einen Partner-in-crime, der jenseits des Ficks für mich da ist. Einen, der nicht immer nur fordert und nimmt, sondern auch gibt. Keine Diamanten und Helikopterflüge, aber Rückhalt, Zuneigung, starke Arme. Einen, der keine für mich unerfüllbaren Alltagsregeln aufstellt, und sich Kontrollgebaren über no-go-Areas anmaßt, anstatt sich um unser D/s und mein Kopfkino zu kümmern, wo er Kontrolle ausüben dürfte, soviel er will. Es geht mir nicht darum, zusammenzuleben, und ich brauche definitiv weder einen Ernährer noch einen Ersatzpapa für die Kids. Aber ein PARTNER wäre schön. Der genauso versaut ist wie ich, bzw noch wesentlich mehr. Der den Spagat zwischen Stino-Stunden bei Kaffee und angeregter Unterhaltung, und dem heißgeliebten Gefälle binnen Sekunden schafft. Mit dem ich durch die Türe geh, um mich 1 Sekunde später an die Wand gedrückt, mit eisernem Griff im Nacken und seiner anderen Hand zwischen meinen Beinen, wiederzufinden. Der sich auf mich freut, wenn ich zu ihm fahre, und mir das auch sagt. Der mir das Gefühl gibt, dass er stolz darauf ist, mich zu haben. Der die dreckige kleine Schlampe raus zu locken und zu führen weiß, und mir sagt, wie sehr er es liebt, dass ich so ein kleines Fickstück für ihn sein will. Der mich fordert. Der mich fördert. Der mich dabei weder kaputt macht noch überfordert. Der das hält, was er verspricht. Der kommuniziert. Der mich nicht unsichtbar hält, als müsste er sich für mich schämen, sondern öffentlich zu mir steht. Der mir sein Halsband gibt, und stolz ist, dass ich die seine bin. Weil er mich mag, und froh ist, dass er mich hat, und keine jüngere, dünnere, devotere, einfachere, unkompliziertere, doofere will. Sondern MICH. Mit Haut und Haaren. Punkt.

DAS ist es. 

Und wenn ich das nicht kriegen kann, dann kann ich leider auch nicht mein ganzes Herz und mein ganzes Seelenleben öffnen. Sondern nur ein Stückchen Herz, und meine Seele soweit das eben nötig ist, um mein bdsm auszuleben, und ansonsten nur meinen Mund und meine Beine. Aber das reicht den meisten Männern im bdsm ja anscheinend sowieso…

 

 

 

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