Emotionalität in Spielbeziehungen

Manchmal liest man Tweets oder andere Blogs, die man so sehr auf sich beziehen kann, dass es schon weh tut. Wenn man ein gebranntes Kind ist, dann scheut man vielleicht das Feuer ab einer gewissen Größe auch. Und dann gibt es noch viele, viele WA-Unterhaltungen, aus denen man einiges mitnimmt. Schöne Gespräche, die den Kopf ordnen, und nach denen man sich besser oder klarer fühlt. Und die, aus denen man eher deprimiert rausgeht, oder die einen um Monate zurückwerfen, direkt wieder dahin, wo es zu weh getan hat, um bleiben zu können.

Wie auch immer, früher war ich einfach in einer langen, monogamen Mann-Frau-Beziehung. Glücklich war diese längst nicht mehr. Aber einfach.

Jetzt ist alles anders. Diese Reise durch die Welt des bdsm und die Bekanntschaften, die man im Zuge dessen macht, sind natürlich wesentlich vielfältiger. Aber eben auch sehr viel komplizierter, zumindest für mich.

Es gibt ja fast nix, was es nicht gibt. Offene Beziehung, monogam “plus”, Poly im Sinne von mehreren Spielpartnern, Poly im Sinne einer Liebes Beziehung mit mehr als 2 involvierten Menschen, gleichgeschlechtliche feste Partnerschaften mit Spaß und bzw oder Spiel außerhalb….usw usw…

Ich habe in den letzten Monaten sehr viel gegrübelt, und für mich selber herausgefunden, dass Emotionen bzw Emotionalität in meinen Beziehungen ein Riesenthema waren und sind. Eine große Baustelle. Und ganz schnell ein Katastrophengebiet werden können.

Gebranntes Kind scheut das Feuer. Wenn einem jemand wichtig ist, man aber andersrum dieser Person eben nicht wichtig ist, dann ist das eine wirklich schmerzhafte Sache. Und man wird übervorsichtig, misstrauisch, oder hinterfragt alles 1000 x.

Ich habe aus der Erfahrung heraus gemerkt, dass es mir gelingen kann, mit mehreren Leuten Spiel- oder Spaßbeziehungen zu haben. Dass ich Sex nicht mit tiefen Gefühlen verknüpft genießen muss, sondern alle Beteiligten auch sehr gut mit einem “Freundschaft +” Leben können. Man mag sich, kommt menschlich miteinander gut klar, schreibt sich ab und zu WA, und verbringt ein paar schöne, geile, befriedigende Stunden miteinander. Und dann fährt man heim und lebt sein Alltagsleben. Das kann ich trennen, ja.

Aber es ist absolut notwendig für mich, von Anfang an zumindest ungefähr zu wissen, wo ich stehe. Kommunikation. Ich weiß, dass das nicht sehr romantisch ist, und dass es geilere Gespräche gibt, aber ich muss frühzeitig wissen, auf welchen Beinen eine im Aufbau befindliche Spielbeziehung steht. Vielleicht hab ich in die Richtung ein Psychoproblem. Wenn, dann kommt es nicht von ungefähr. Ich weiß, das wirkt unentspannt. Aber ich will keine tieferen Gefühle, als für eine Spielbeziehung nötig, investieren, wenn von der anderen Seite nicht mehr geplant ist.

Ich tu mich mit tiefem Vertrauen, mit dem Loslassen, mit der wirklichen Kontrollabgabe sowieso schon schwer. Mit Tunnelspielen. Mit Squirten, meistens. Vielleicht bin ich auch deshalb noch nie wirklich “geflogen”. Das kenne ich nur aus Erzählungen. Mein Herz total öffnen und mich praktisch schutzlos zu machen gegen Herzschmerz, Enttäuschung und plötzliches Ende, das will gut überlegt sein.

Ich kann zB beim Kinky Vanilla total gut damit leben, dass er allein oder womöglich mit einer seiner zahlreichen ” Joy-Freundinnen ” in Clubs geht. Irgendwelche Saunadates einstellt. An Silvester auch auf einer Party sein wird ohne mich. Ich bin nicht seine Freundin, und er ist mir keine Rechenschaft schuldig. Und umgekehrt ist es dasselbe. Friends with Benefits, sozusagen.

Ich kann mich auch mit Doms treffen, die noch andere Subs haben, und mit diesen spielen. (Also, den Doms, nicht den Subs ). Mit spürbarem D/s-Gefälle und allen Schikanen. Aber auch nur, indem ich sie unter Spielbeziehung verbuche. Man versteht sich, die körperliche bzw sexuelle Anziehung ist da, und die Chemie, dass man alle paar Wochen vor diesem Menschen kniet, und es sich RICHTIG anfühlt, stimmt. Das funktioniert, wobei ich da immer schnell merke, dass ich meine in diesem Falle ja völlig unangebracht aufkeimende Eifersucht auf alle und jede, die noch in den Genuss kommen, sofort abwürgen, und mit rationalen Gedanken in die Schranken weisen muss. Und ja, das klappt. Und zurück im Alltag fühlt man sich vielleicht verbunden, aber jeder hat doch sein Leben.

Was meist schon beim daran Denken nicht klappt, und ich mir in der Praxis extrem schwer vorstelle, das ist es, für einen solchen Spielbeziehungspartner tiefe Gefühle, nennt es Liebe, zu entwickeln. Und trotzdem allein zu sein für zig Wochen, und zu wissen, dass da noch andere sind. Das würde zu sehr an mir nagen und mir arg zusetzen, und dagegen müsste ich mich mit Händen und Füßen wehren.

Was aber völlig unmöglich für mich ist, das ist, einen poly-Mann zu lieben, und in seiner Hierarchie weiter unten zu stehen als irgendjemand anderes, noch dazu, wenn das, bzw ER, meine einzige Beziehung sein soll. Das ist eine Garantie für Unglücklichsein, Frust, Neid, Eifersucht, und alles Negative. Das geht nicht eine Sekunde lang gut, und ehrlich gesagt, halte ich so eine Beziehungsform für toxisch, ungerecht, und extremst beschissen.

Ich denke da an ein heutiges Telefonat mit meinem Twitterzwillingsbruder (*zwinker*), wo wir über dieses Thema sprachen und ich sagte, dass eine Poly-Sache mit tiefer Liebe dabei für mich maximal dann möglich oder einen Versuch wert wäre, wenn ich die erste, unumstrittene, um Lichtjahre weiter oben stehende Lebenspartnerin wäre, und die anderen halt die Spielbeziehungen für ab und zu. Und selbst in dieser Konstellation könnte ich nicht dafür garantieren, dass das klappt.

Es gibt halt Leute, die gern ihre Herzmenschen teilen. Und es gibt Leute, die das nicht wollen und können. Ich denke dabei an nächtliche WA mit jemandem gestern, der mich auch nach vielen Monaten immer noch ganz schön beutelt. Nein, ich kann das nicht. An so einer Liebe würde ich kaputt gehen, definitiv.

Mit mehreren Leuten spielen und sie lieb haben, das Gefälle spüren, Respekt haben, und all das funktioniert wunderbar und damit kann ich umgehen und es fühlt sich gut an, und ich leide hinterher nicht darunter.

Eine Spielbeziehung lieben, bzw sie zur Lebensbeziehung zu machen, das ist was anderes. Und da wird besagte Baustelle dann eben schnell zum Katastrophengebiet, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht gegeben sind.

Die andere Frage, die sich immer gleich im Anschluss stellt, ist dann allerdings die, ob D/s ohne tiefe Liebe, ohne tiefe Emotionen, überhaupt befriedigend sein kann. SM bzw bdsm klappt natürlich auch ohne die ewige, die tiefe, die einzige große Liebe. Für eine gelungene Session und im Alltag Freundschaft brauche ich keinen Seelenverwandten.

Bei D/s ist die Sache heikler. Und vielleicht fühlt sich das außerhalb einer festen 24/7-Beziehung meistens etwas wie Role Play an. Aber wenn das der Preis für ein halbwegs zufriedenes Seelenleben mit geilen, sehr befriedigenden Treffen ist….dann ist es halt so. Und selbst da gibt es erwiesenermaßen auch Männer, die man vielleicht nicht oft sieht, aber WENN….dann hat man keine Sekunde Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihres D/s.

Solange man nur weiß, wie man seine Begegnungen für sich selber einsortieren muss. Das ist unendlich wichtig. Für mich.

Standard

Der gute Dom…. ;)

This slideshow requires JavaScript.

“Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was Ihr für euer Land tun könnt.”

Das war tatsächlich das erste, was mir in den Sinn kam, als ich diese Ansammlung von supertollen und wichtigen Verhaltensregeln las, die man unbedingt beherzigen sollte, wenn man jemals eine halbwegs akzeptable Sub…..

Und eine Millisekunde lang musste ich fast lachen. Bevor mich die Wut packte.

Diese Scheiße, von wiedermal irgend so einem englischsprachigen “Supersub des Jahrzehnts”-Acct gepostet (und Spoiler Alert: nicht wenige dieser Vorzeige-Subs vom Dienst sind erwiesenermaßen MÄNNER. Gefickt eingeschädelt, ne?) ist nämlich ganz genau das Übel, das einem immer und überall begegnet, und was meiner Meinung nach eine nicht zu knappe Mitschuld am von der Bdsm-Sippe still tolerierten Missbrauch von Subs trägt. Missbrauch, der auf diversen Blogs in der letzten Zeit beschrieben wurde. Übergriffigkeit, Missachtung von Grenzen, Nötigung, sexueller Missbrauch, schwere Körperverletzung, Vergewaltigung….und so gut wie nichts wird bestraft, selbst wenn man es anzeigt. Weil man ja hinterher nicht wissen kann, ob die sich freiwillig hat so zurichten lassen, oder doch unfreiwillig. Ihr Perversen wolltet das doch so gnihihi. Freibrief für Arschlöcher. Und dann kommen noch solche Memes dazu, und die machen es echt nicht besser.

Devote Frauen, die vielleicht Anleitung brauchen, oder für ihren Herrn eine möglichst gute Sub (was ja etwas extrem individuelles ist) werden wollen, oder eben gerade die Neulinge im Lifestyle, die besonders verwundbar sind, bekommen durch solchen Kram die ganze Zeit eine Mini- Gehirnwäsche verpasst.

Wenn du eine gute Sub sein willst, dann sagst du zu allem, was dein Herr will Ja und Amen. Super, mal kurz TPE verpasst bekommen.

Wenn du eine gute Sub sein willst, dann gehorchst du ihm in allen Aspekten, die er eben wünscht, und wenn er denkt, dass du Strafe verdient hast, dann schluckst du die Kröte ohne Widerrede. Super, ein Freibrief für den Herrn zum oppositionsfreien Durchregieren, und obendrauf die Carte Blanche fürs Vertrimmen nach Gusto.

Wenn du eine gute Sub sein willst, dann mach dir klar, dass das viel Arbeit ist. Emotional, mental, sexuell. Sei dir sicher, dass du der Herausforderung gewachsen bist. Super, weil man als Neuling ja auch ganz genau weiß, worauf man sich einlässt. Aber ist ja auch wurscht, weil am besten rödelt man Tag und Nacht, es dem Herrn kuschelig zu machen, und Rechte oder Diskutieren oder Erwartungen oder das Gefühl, auch wichtig zu sein, gibt es ja eh nicht. Und wenn du es nicht schaffst, dich bis zum Brechen zu verbiegen für ihn, oder wenn du nicht jeden Wunsch erfüllen kannst, dann biste halt einfach (noch) nicht gut genug. Deine eigene Schuld. Musst dich halt mehr anstrengen.

Schon bequem, so ein Dom zu sein.

Aber halt…wo sind eigentlich die vielen Millionen von hübschen Twitter Posts und Memes mit den ehernen Regeln, die man als Dom gefälligst zu befolgen hat?

Oh. Finden wir irgendwie fast nie. Komisch. Naja, dann helfe ich doch gerne mal aus:

Du willst ein guter Dom für deine Sub sein? Die sich schließlich in deine Hände begeben hat, im Vorschuss-Vertrauen darauf, dass du es nicht versaust?

Wenn du ein guter Dom sein bzw werden willst:

bist du dir darüber im Klaren, dass das viel Arbeit ist. Mental, emotional, sexuell. Schaffst du das auch überhaupt alles?

bist du nicht apathisch oder zögerlich. Lass dir immer anmerken, dass du im Saft stehst, und zu 100% Bock auf bdsm und deine Sub und all ihre Anliegen hast. Mach sie stolz, deine Sub zu sein. Hopp, hopp.

versuchst du in jeder Sekunde deines total auf bdsm ausgerichteten Lebens, ein guter Partner für deine Sub zu sein, und tust alles Menschenmögliche, und das Unmögliche bitte auch, um dies zu schaffen. Das heißt vielleicht, dass du liebgewonnene oder gewohnte Verhaltensweisen, Hobbies, Jobs, Freundschaften, und persönliche Freiheiten aufgeben musst, aber hey, ohne Fleiß kein Preis.

bist du dir im Klaren darüber, dass du dich immer so zu verhalten hast, dass deine Sub sich für dich nicht zu Tode schämen muss. Nicht, dass sie von Leuten gefragt wird “was is’n DAS für einer???” , wenn du mal wieder den arroganten, dominanten Schlaubischlumpf auf Parties raushängen lassen musstest. Küsschen.

versuchst du nicht, Vereinbarungen auszuhebeln, oder irgendwelche krummen Touren, um deinen Willen zu kriegen.

gibt es die beste Antwort auf Fragen oder Wünsche deiner Sub per se nicht. Aber kümmere dich um adäquate Kommunikation, und erzwinge nicht Blanko-Zustimmung für deine Meinung.

denkst du immer daran, dass du dazu da bist, zu geben und zu nehmen, nicht nur zu nehmen, und nach dir die Sintflut.

denkst du proaktiv mit, was deine Sub braucht, und kümmerst dich darum. Wieso? Siehe letzter Punkt, Chef.

erklärst du deine Regeln, und lässt deine Sub wissen, was dir wirklich wichtig ist. Bestrafe sie nicht für irgendwelchen Mist, den sie nicht wissen konnte. Oder weil du nen schlechten Tag hattest. Oder für Dinge, für die einfach keiner was kann, auch nicht sie. Sonst musst du dich nicht über Unwillen und Diskussionen wundern.

bemühst du dich immer, jede Sekunde, um einen gepflegten, wohlriechenden, ansprechenden Körper. Deine Sub hat auch ne Nase und Augen. Sport, gesundes Essen, Mani-Pedi, gut rasiert, wohlduftend, saubere Zähne, ein Besuch bei der Kosmetikerin hat noch keinem geschadet. Keine Zeit? Musst halt besser planen. Ach ja, gute Klamotten inkl Dom-Anzug sind eh klar. Aber ein gut geschnittener, bitte. Deine Sub will ja nicht mit ner modischen Krücke raus.

Ein guter Dom will besitzen, spielen, ficken, und kontrollieren. Immer. Schwache Tage, zuviel Arbeit, anderweitige Sorgen, Alltagsgedöns….alles unwichtig.

Wer ein guter Dom sein will, der schafft das schon, ne?

Und? Wie schmeckte der Ausflug in die Welt der starren, güldenen, dominanten Pflichten? Ich bin ja nachsichtig, und weiß, dass ein Spielpartner noch einen Alltag und ein Leben außerhalb bdsm hat. Bei den Verfechtern und Autoren dieser a good sub…Memes und Blogs und Accts beschleicht mich allerdings der Verdacht, dass die das ernst meinen.  Und das ist…. Autsch.

 

 

Standard

Aftercare

IMG_20150911_191622

DAS ist das, worüber nie einer schreibt. Kaum einer spricht. Was nicht in gifs, nicht in den hübschen bdsm-Bildchen auf Twitter, und nicht in Pornos vorkommt.

Und dabei ist es so, so wichtig.

Aftercare bedeutet die Fürsorge, die man dem Partner oder der Partnerin NACH dem Sex, nach dem Spiel, nach der Session, nach den erlittenen Schmerzen, nach dem Gang an die Grenzen angedeihen lässt. Meist eher der dominante dem devoten Part, aber auch andersrum ist es natürlich möglich, bzw gegenseitig, je nach Bedarf. Und ich rede nicht von “kannst gern noch duschen, willst noch n Kaffee?”

Es gibt sicher Leute, die auf Aftercare verzichten können. Und manchmal ist eine Session oder ein Spiel vielleicht so soft, oder man ist selbst in so einer “hart-im-Nehmen-Verfassung”, dass man ohne auskommt. Oder man kompensiert daheim mit einem tollen Essen Marke “Soul food”, und mit leckerem Wein ( für mich ist eine Dusche und Kuschelklamotten, und warmes Essen mit vielen Carbs, oder was würziges, Indisch vielleicht…ganz wichtig, um so ein Treffen ausklingen zu lassen, wenn ich wieder allein bin)

Aber generell ist Aftercare einfach fundamental. Zumindest für mich. Und ohne ist eine Session irgendwie ohne Abschluss im besten Fall, aber bringt das Gefühl von Vernachlässigung oder Gleichgültigkeit von Seiten des Partners im schlimmsten Fall. Und das kann in einem seelischen Absturz resultieren, und das ist nicht schön.

Eine Session ist für mich immer auch eine gewisse Überwindung. Man zeigt sich dem Spielpartner völlig nackt in vielerlei Hinsicht. Man lässt die Schlampe raus, die im Alltag weggepackt ist. Man tut Dinge, an die man normalerweise gar nicht denken würde, oder möchte. Man ist ausgeliefert, ohne Kontrolle, kann nicht bestimmen, was passiert. (Ja, ich weiß, das ist es, was man will. Trotzdem ist das Überwindung, und beinhaltet auch etwas Angst) Man ist vielleicht gefesselt. Man durfte kommen. Man durfte nicht kommen? Man musste viel zu oft kommen? Man ertrug Schmerzen, und die unterscheiden sich halt in Intensität, und im Empfinden. (Ja, ich weiß auch, dass man da schließlich drauf steht. Und trotzdem sind es nunmal Schmerzen. Und die machen mürbe.) Vielleicht wurden sie als heftig wahrgenommen. Vielleicht WAREN sie heftig. (Ich glaube, zu dem Thema ist auch mal ein separater Eintrag fällig. Knoten ins Hirn gemacht.)

Man wird in einer Session jenseits der Kennenlernphase aus seiner Komfortzone rausgezerrt. Gefesselt, ins tiefe Wasser geworfen, und muss darauf vertrauen, dass der Partner einen nicht absaufen lässt. Und dann gehört es halt auch dazu, dass der Partner einen wieder rausfischt, losbindet, abtrocknet, und wieder in trockene Klamotten steckt. Man lässt Leute einfach nicht nass und nach Luft schnappend am Beckenrand liegen und geht.

Es kann sein, dass in einer Session alles an Stress, Lust, Geilheit, Traurigkeit, EMOTIONEN EBEN, was aufgestaut war, rausbricht. Es ist eine emotionale Ausnahmesituation mit wilder Hormonausschüttung, vielleicht schafft man es sogar in den Subspace, zum “Fliegen”. Mit den andauernden Schmerzreizen dazu heulst du vielleicht die halbe Session Rotz und Wasser. Der Zwiespalt zwischen deinem Kopf, der vom Schmerz längst die Schnauze voll hat und weg will, und deiner Pussy, der das ganze augenscheinlich gefällt, ist heftig. Ein bis mehrere markerschütternde Orgasmen geben dir den Rest. Du bist wie ein rohes Ei. Und zwar subjektiv. Unabhängig davon, wie hart der Fick, wie rot der Arsch, wie schlimm die Striemen wirklich, objektiv, sind bzw waren.

Wenn der Partner dann danach weder ein Lob, noch Kuscheln oder Streicheln, noch emotionale Nähe übrig hat, dann schlägt die Entspannung schnell um in das Gefühl des Ungeliebtseins. Dann fühlt man sich benutzt, und zwar auf die ungute Art. Dann beschleicht einen das Gefühl, dass der Partner nur einen Egotrip fährt, und man ihm wohl wurscht ist. Dass das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen nicht stimmt.

Das kann natürlich eine Überreaktion sein. Oder eine unabsichtliche Nachlässigkeit von Seiten des dominanten Partners. Eine Fehleinschätzung der Lage. Nur, wenn das wiederholt passiert, und man immer benutzt und allein gelassen wird und aus dem anderen Zimmer schallt “kannst gern hier duschen. Kaffee?” während du noch heulend auf dem Bett liegst und deine Knochen sortierst, dann ist das Scheiße. Und auf die Dauer ein unverzeihlicher Beziehungskiller.

Also, wie gesagt, es gibt sicher Leute, denen Aftercare gar nicht wichtig ist. Solange ihr das aber nicht wisst….kümmert euch. Seid nett, nehmt den anderen in den Arm. Lobt ihn oder sie. Bitte.

Standard

Warum ein “Dom”?

Gute Frage. Ist jetzt wieder ganz subjektiv, natürlich.

Mein Eindruck ist, dass diese Männer, zumindest, wenn sie sich selbst gefunden haben, sicher in ihrer Rolle sind, und eine gewisse Erfahrung haben. Einfach selbstbewusst sind und Ausstrahlung haben. Charisma. Ein Wolf im Anzug, ein Raubtier in Jeans. Kontrolliert, so lange es sein muss. Sie sind sich aber ihrer Natur sehr bewusst, und nicht im geringsten scheu, das durch Worte, Blicke, und Taten auch zu zeigen.

Ich mag Männer, die Männer sind, ohne sich von #metoo und Feminismus verschrecken zu lassen. Die sich -einvernehmlich- nehmen, was sie wollen. Ohne 4 Wochen voll Dates vorher, und Rumgeeiere mit Küssen und der Frage, ob die Hand heute schon auf den Busen oder den Hintern darf.

Mich machen Dates an, wo gleich klar ist, dass die Chemie stimmt, und wo man sich eventuell gleich auf ein kleines Spiel einlässt. Vielleicht mag ich auch, wenn das ein bisschen nach “Gefahr” riecht, nach Challenge, nach dem Unbekannten.

Beispiel gefällig? Wer kennt sie nicht, die Szene in FSoG, keine Ahnung welcher Teil, wo er ihr Höschen haben will, im Restaurant, und sie es möglichst unauffällig runterstreift und ihm übergibt? Sowas zu lesen machte nachweislich zig Millionen Frauen an, befeuerte das Kopfkino und sorgte für feuchte Höschen rund um den Globus.

Tja, und mit einem Dom kann das eben Realität sein, und ist nur eine allererste kleine Übung. Zum Warmwerden. Ein Dom fragt auch nicht lang, ob du eins trägst. Der langt vielleicht einfach unter den Tisch und fasst dir zwischen die Beine. Ohne mit der Wimper zu zucken und ohne viel Federlesens. Mit anschließendem “Ok. Runter damit.” Da kennst du ihn – in Persona – vielleicht 30 Minuten, oder weniger, und darfst schon gucken, wie du das Teil im Sitzen möglichst unauffällig loswirst. Vom Kampf gegen den hochroten Kopf und das Gedankenchaos mal abgesehen.

Es gibt jetzt Frauen, die so jemandem eine scheuern würden. Oder gehen. Oder das absolut unmöglich finden. Vielleicht wären das sogar die meisten. Glücklicherweise kommen bei Dom + interessierter, devoter Frau idealerweise zwei Menschen zusammen, die über eine sehr sexuelle Natur verfügen, und mühsam gezügelte Lust. Und die genau wissen, wo das noch hinführen kann. Und wenn zwei solche Menschen aufeinander treffen, und die Chemie stimmt, dann kann das zu wahnsinnig geilen, erfüllenden Sexerlebnissen führen. Egal, ob mit oder ohne irgendeiner Art von Schmerzspiel, oder sonstwas.

Ein “Dom” steht halt immer für Wahnsinns-Sex, etwas Gefahr, das “Zeigen, wo’s lang geht”, und sexuelle Abenteuer mitten in deinem Kopfkino. Ob es stimmt, ist die andere Frage. Aber die echten, erfahrenen, guten Doms…die neigen meiner Erfahrung nach auch dazu, zu liefern. Vielleicht mehr, als du verträgst. 😉

Und ich steh halt auf all sowas. Wenn ich auch mitunter eher schockstarr bin oder ne elend lange Leitung habe, weil mein Kopf denkt, er muss sich sicher verhört haben gerade 😂😎. Aber ein guter Dom versteht auch die anfänglichen 1000 Fragezeichen im Gesicht.

IMG_20170128_212947

Standard

Zwischen Submission und Wunschzettel. Oder so ähnlich.

Der @EmEmBDSM hatte mich gebeten, auch meinen Senf zum Thema Submission dazuzugeben. Aus “Fachkraft”-Sicht, wie er das nennt.

Ich denke schon, dass ich devot bin. Sogar sehr. Aber irgendwie… nicht allumfassend. Na ja, lest selbst. Das hier wird ein höchst persönlicher und sehr subjektiver Gedankenspaziergang, und es könnte sein, dass ich da in diverse Richtungen abschweife unterm Schreiben. Aber im Endeffekt wird dann schon wieder ein Schuh draus. Also just hang in there…

Tja, wo fang ich an…Ich stimme zu, dass Submission überall im Alltag vorkommt, wo bestimmte Leute eben so gepolt sind, dass sie sich eher zurücknehmen, und Dinge für andere Leute tun. Ganz ohne sexuellen Bezug. Einfach, weil es sie glücklich macht, wenn es dem anderen irgendwie dadurch gut, oder besser als vorher, geht. Und ja, man tut oft Dinge, ohne eine Gegenleistung zu wollen dafür. Oder ohne Erwartungen an den anderen. Einfach so.

Und ich bin ja auch nicht beruflich im Dienstleistungsgewerbe, weil ich Menschenhasserin bin (obwohl man mit den Jahren, und der Anzahl der Idioten und Unsympathen, mit denen man sich abgeben muss, durchaus dazu werden kann), sondern weil ich es mag, Leuten zu helfen, ihnen eine schöne Zeit zu schenken, und dafür Lob, Geld und im Allgemeinen echt gute Bewertungen zu kassieren. Ist also der grundsätzlichen Motivation im Bdsm bzw D/s nicht SO unähnlich. Hat aber hier wie dort eben auch Grenzen. Und -Achtung!- auch einen gewissen Eigennutz als Motivation. Hier das Geld (schließlich lebe ich davon, und Ruhm und Ehre kann man nicht essen). Und dort, in meinem Bdsm, meinen Ausgleich zum Alltag (wo ich immer noch Chefin bin, und die Verantwortung für einfach Alles trage). Meine Auszeit.

Inwiefern das “Teilzeitsub sein”, oder “Erlebnissexualität” ist, weiß ich nicht. Ich bin ja in keiner TPE 24/7 – Beziehung, und könnte das auch nicht. Weder “logistisch” noch seelisch. Mein Leben würde es mir gar nicht erlauben, mich völlig nach einem Dom und seinen Regeln oder Wünschen auszurichten, und ich bin auch in vielerlei Hinsicht zu eigensinnig und zu selbstbestimmt, um uneingeschränkte Kontrolle zu erlauben. Ich weiß nur, dass ich ohne Bdsm und das Gefühl, eben “unten” zu sein, nicht mehr kann. Ich bin dann rastlos, nörgelig, depri, und unzufrieden mit mir und der Welt, und merke das selbst. Da helfen keine neuen Schuhe, kein tolles Essen, kein Besuch beim Frisör, kein Nachmittag mit der Besten. Nur eine Session kann das ändern, und zwar inklusive Schmerz und dominiert werden. Wenn das eine Weile gar nicht möglich ist, dann geh ich innerlich wirklich auf dem Zahnfleisch.

Um ohne all das sein zu können, bin ich eben doch zu devot und zu maso.

Allerdings, wie schon oben erwähnt, ist meine Submission weder völlig uneigennützig, noch ohne Forderung nach Gegenleistung/Belohnung/Dank, noch allein getragen von dem Wusch, zu dienen um des Dienens Willen.

Ja, das schon auch. Ich bin natürlich stolz wenn mein Dom/Spielpartner/Herr zufrieden mit mir ist. Wenn es ihm gut geht. Wenn er auch seine Befriedigung aus dem Treffen mit mir ziehen konnte. Je mehr, desto besser. Klaro. Ich bin ja nicht selbstsüchtig. Das ist was anderes.

Trotzdem, und ich kann die gestrengen Superdoms schon verächtlich schnaufen hören (und es ist mir VÖLLIG wurscht), ich bin submissiv in erster Linie für MICH. Weil es MIR gut tut. Weil es mich glücklich macht. Weil ich es brauche. Es ist eine willkommene Abkehr vom Alltag. Eine Oase, wo ich Ruhe finde, loslassen darf, wo der Gang an die Grenzen Entspannung, Ausheulen können, einen ausgeschalteten Kopf, einen Reset-Knopf bedeutet.

Und in den paar Jahren, in denen ich jetzt Bdsm aktiv betreibe, und in denen ich immer wieder zwangsläufig neue Männer treffen musste auf der Suche nach jemandem, der zu mir passt (Oh! Noch so eine komische Aussage!!! da kommen wir gleich darauf zurück), habe ich genug erlebt und bin mehr als einmal auf die Fresse gefallen, leider.

Deshalb kann ich für mich persönlich die vor allem von Doms gern gebrachte These, dass Submission nun mal gibt, weil das eben ihr Naturell und ihre Bestimmung ist, und dafür weder Dank noch Gegenleistung beansprucht, noch zu beanspruchen hat (denn das könnte ja als Wunschzettel ausgelegt werden), nicht kommentarlos und umfassend abnicken.

Für mich bedeutet eine gelungene Spielpartnerschaft genau wie eine echte Liebesbeziehung ein ausgeglichenes Geben und Nehmen. Das gilt für Vanillas genauso wie für Bdsmler. Ich meine damit nicht unbedingt während der Session. Oder während des O-Wochenendes im organisierten Kurzurlaub. Da können die Waagschalen sehr ungleich befüllt sein. Obwohl selbst dort auch die Sub was vom Wochenende hat, oder aus dem Spiel ihre Befriedigung ziehen kann. Aber spätestens danach muss der dominante Part eben was zurückgeben. Ob das jetzt Gefühle, Kümmern, auch einen Gefallen tun, im Alltag helfen, wenn man ihn braucht, oder Kopfkino-Leistungen sind, sei dahingestellt.

Ich hole jetzt mal weiter aus:

Es fängt schon bei der Auswahl des Doms an. Ich glaube nicht, dass es dauerhaft gut laufen kann, wenn man zB 50% Passung hat, und der Rest des Neigungsbogens driftet stark auseinander, aber Submission ordnet sich ja schließlich unter, und hält aus, und verbiegt sich für Dominanz, bis sie sich fast das Kreuz bricht, nicht wahr? Nö. Ich sehe nicht ein, dass ich mich andauernd unterordnen soll, aber kein Entgegenkommen des Doms sehe. Verhandlungen sind dazu da, um Kompromisse zu finden. Sprecht mir nach : KOM. PRO. MISS. Das Ding, mit dem beide zufrieden sein können. 70 -30. 60 – 40. Aber nicht 100 – 0. Sonst kann man die Verhandlungen auch gleich bleiben lassen.

Und innerhalb einer wie auch immer gearteten Beziehung achte ich inzwischen schon auch darauf, dass anfängliche Versprechungen und die Realität nicht ZU weit auseinanderklaffen. Und das würde ich auch jeder anderen Sub raten. Man hat nur dieses eine Leben (wahrscheinlich), und man wird nicht jünger.

Vielleicht habe ich einen Wunschzettel. Ich nenne es eine mentale Liste der Sachen, die ich furchtbar gerne erleben will, bevor ich noch viel älter und noch viel grauer bin. Mein Kopfkino, zumindest der Teil, der wahr werden dürfte. Und den umzusetzen ich mich allein nie trauen würde, oder halt einen Partner in Crime dazu brauche.

Ein ganz einfaches Beispiel: Sagen wir, ein Sexerlebnis, das ich unbedingt einmal haben will, ist ein MMF mit meinem Spielpartner und einem anderen Mann. Ob jetzt hart, mit Seil gefesselt, von Beiden geschlagen, als Entführungs-, oder rape play-Szenario, oder soft, mit Kerzen, Champagner, weichen Lederfesseln und Augenbinde, ist hier unerheblich. Es geht ums Prinzip. Wenn ich jemandes Sub werde, und er weiß aufgrund unserer Verhandlungen und Gespräche von meinem Traum (und seid versichert, würde es wahr, ich wäre zuerst mal schockstarr wie ein Reh im Scheinwerferlicht) und ich warte und diene und verbiege mich monatelang. Und es kommt….nix. Nicht mal eine Play Party mit ein bisserl angegrapscht werden. Gar nix eben. Und dann fasse ich mir nach langer Zeit ein Herz und spreche die Thematik an, und dann kommt die Absage, weil “er seine Sub nicht voll mit dem Schlabber anderer Leute will”. Dann ist das Bockmist. Oder eine Sub bekommt bezüglich Ausbildung und D/s das Blaue vom Himmel herunter versprochen. Und Monate später bringt der interne “Kassensturz” gerade mal 20%, umd grenzenlosen Frust.

Leute, ich bin 43 Jahre alt. Ich gebe gern, ich bin devot, ich diene gern. Nichts macht mich so scharf, wie ein ( auch verbal) deutlich spürbares Dom-Sub-Gefälle. Ich habe mich bis dato ganz gut gehalten, denke ich. Aber ich habe trotzdem keine Jahre an Leute zu verschwenden, die meine Kinks, meine Träume, meine Bdsm-bucket list – ja nennt es nur Wunschzettel – nicht wahr machen können, oder das gar nicht wollen.

Submission sollte meiner Meinung nach SEHR genau darauf achten, dass eine Hand die andere wäscht, dass kein dauerhaftes Ungleichgewicht herrscht, und dass sie für ihre Hingabe auch innerhalb eines zeitlich angemessenen Rahmens eine gewisse Belohnung erhält. Auch wenn sie noch so gern dient und gibt. Oder vielleicht gerade deshalb. Weil sie davon lebt, dass sie Lob bekommt. Ein Feedback.

Vor allem, wenn ein Halsband im Raum steht. Darüber hab ich gestern einen Tweet gemacht. Probiert euch erst aus, ergründet eure Submission, und was für EUCH passt. Nicht für einen Dom, und sei er noch so toll. Für EUCH. Sonst ist es wie viel zu früh, womöglich noch als Jungfrau, heiraten, und zack, game over. 

Kann klappen. Man kann ja auch im Lotto gewinnen. 😉

Finde ich halt so.

Standard