Erniedrigung.

Erniedrigungen. Demütigungen. Oder, anders genannt, das Minenfeld in meinem BDSM. Ich schreibe hier jetzt auf, was meine Meinung dazu ist. Und vor allem, WARUM es so ist, wie es ist. Für MICH. Was ICH als geil, bzw als no-go empfinde. Du siehst es ganz anders, und findest meine Sichtweise doof? Schön für dich, dann schreib es selber auf.

Also….mit gezielten Erniedrigungen kann man mich entweder extremst geil machen, oder sich, die Session, vielleicht sogar die Beziehung komplett ins Aus schießen. Je nachdem. Ein, zwei Sätze können schon irreparablen Schaden anrichten. Oder eben das Gegenteil. Ich würde niemandem empfehlen, ohne mich vorher gut zu kennen, und ohne Vorgespräche, diese Richtung mit mir einzuschlagen. Wenn man mich da auf dem falschen Fuß erwischt, dann kann ich sehr verletzt, beleidigt, und abweisend reagieren, und ich bin nicht willenlos dumm-devot genug, um Fehltritte und derartige Vergehen still hinzunehmen und zu schlucken.

Ich bin in Bezug auf Demütigungen vorbelastet durch jahrelanges Mobbing, damals in der Schule. Wegen meines Aussehens und meines Gewichts, wegen der Spange und der Brille. Das mit dem Fettarsch, der fetten Sau, der Brillenschlange etc hat sich eingebrannt, und macht mir bis heute zu schaffen, obwohl ich heute 30kg weniger habe als damals. Wenn auch fast 10 kg mehr als vor meinen Kindern in meiner schlankesten Zeit nach dem Abi. Damals trug ich Gr 38/40 und fühlte mich trotzdem zu dick. Und hatte so viel überschüssige Haut, dass ich schließlich nach Kind 2 eine Bauchstraffung machen ließ. Die nahm die Haut und das meiste Geschwabbel weg, hinterließ aber eine etwas wulstige Narbe von Hüfte zu Hüfte. Dazu gibt es unzählige Dehnungsstreifen, und zwar nicht aus den Schwangerschaften, sondern von davor, die ich großteils mit großflächigen Tattoos kaschieren ließ.

Selbstwertgefühl war jahrelang kaum vorhanden, und ist immer noch nicht top. Männer, die mir das Gefühl gaben, schön zu sein, gab es nicht. Der Ex hat es dann jahrelang ehrlich versucht, aber schaffte es nicht. Die sicherlich ehrlich gemeinten Äußerungen, mein Bauch sei ihm egal und alles wäre gut, drangen nie durch. Ich war völlig gehemmt, wollte nicht nackt sein, habe meinen Körper lange Zeit regelrecht gehasst, und fühlte mich weder schön noch gut genug, als dass man mich ernsthaft hätte begehren können. Das ist erst nach der Bauchstraffung, und mit den Tattoos besser geworden. Wesentlich besser. Trotzdem ist bis heute jedes Winterkilo mehr, jede enge Hose nach einer Natriumglutamatüberdosis durch z.B. ein China-take-away eine stimmungstechnische Kleinkatastrophe, die ich bewusst bekämpfen muss, damit ich mich nicht den ganzen Tag schlecht fühle. Und schuldig, sowas überhaupt gefressen zu haben. Und ich muss mich auch heutzutage noch ganz bewusst gegen den Gedanken wehren, dass ich jemandem sicher nur zu fett und hässlich war, wenn aus einem Date oder Probespiel hinterher nichts wird.

Wenn du also denkst, dass “schieb mal deinen fetten Arsch hier rüber, Schlampe” oder auch nur “Dickerchen” eine gute Idee ist, dann muss ich dich enttäuschen. Schon diese noch relativ moderaten Worte würden ziemlich übel für dich enden.

Jede negative Anspielung auf mein Gewicht oder meinen Körper ist ein komplettes Tabu. So verletzend, dass ich weder darüberstehen kann noch will, noch es als Neckerei nehmen, noch sonstwas. Nein. Einfach nein. Wenn, was Gott sei Dank fast nie vorkommt, mich jemand auf Twitter oder im Joy aufgrund meiner (sowieso schon sehr sorgfältig ausgewählten, und im besten Licht und im besten Kamerawinkel und mit eingezogenem Bauch bis fast zur Ohnmacht geschossenen) Bilder beleidigt, dann kann ich da schon darüberstehen. Ich trage heute Gr 42, komme inzwischen mit meinem Körper besser klar als je zuvor, und weiß, dass es Männer gibt, die meinen Arsch sehr geil finden, so wie er ist. Aber in einer intimen (Spiel)Beziehung, mit jemandem, bei dem ich mich wohlfühlen und dem ich vertrauen können muss, geht so was GAR nicht.

Dasselbe gilt auch für Demütigungen bezüglich meiner Intelligenz. Ich bin nicht blöd, habe ein Einser-Abi hingelegt damals, wenn auch nie studiert danach, und bin durch meine auf 2 Jahre verkürzte Lehre zu einem weiteren Superzeugnis durchgeflitzt. In der Theorie bzw der Berufsschule zumindest. Im Ausbildungsbetrieb wurde nämlich auch gemobbt. Da wurde einem konstant unter die Nase gerieben, dass man zu langsam, zu doof, zu ungeschickt wäre, eben so ein Theoretiker vom Gymnasium ohne Können im praktischen Bereich. Nie gut genug. Auch das war im Nachhinein haltloser Bullshit. Ich BIN gut. Und trotzdem, auch das hat gesessen und Spuren hinterlassen.

Ein “dumme Schlampe” ist also auch nicht viel besser als eine “fette Schlampe”, und mit größter Vorsicht zu genießen. Ich werfe dir nicht unbedingt einen Stöckelschuh an den Kopf, aber ich merke es mir und es führt zu meinem Rückzug aus unserer Dynamik und zu zukünftiger Reserviertheit dir gegenüber. Mit anderen Worten, wer mich verletzt, den lass ich nicht mehr an mich ran. Zumindest nicht emotional.

Also, fassen wir zusammen. Was geht alles überhaupt nicht? (da kommen jetzt auch all die anderen Dinge dazu, die mir gerade so einfallen):

Negative Bemerkungen bezüglich meines Gewichts bzw meines Körpers.

Negative Bemerkungen bezüglich meiner Intelligenz bzw meines Wertes als Mensch.

Entmenschlichungen. Ich bin kein Tier und ich bin kein Möbelstück oder sonstwas. Sperr mich in einen Käfig, aber als Frau, nicht als Tier. Und ich bin nicht dein Fußhocker.

Mich wie ein (dummes) Kind behandeln, bzw mir meinen Status als erwachsene Frau absprechen. Ich finde DDlg und Age play und Adult Child und Windeln etc bekanntermaßen so fundamental widerwärtig, dass man all das bei mir sowieso nur als Strafe bzw extreme Demütigung sehen könnte. Könnte passen, ne? Dann aber greift die Ausschlussklausel. Sorry, das mach ich nicht mit. Weder im Spaß noch im Ernst.

Ach ja, der komplette Bereich Scheiße, Dreck, und dieser “Slave Farm”-Quatsch. Bleib mir mit deinen Melkmaschinen vom Leib. Da hättest du eh kein Glück, ich habe jeweils noch im Kreißsaal abgestillt. Da kommt nix. Und du musst mich auch nicht “breeden”. Mach dich nicht lächerlich. Und ich schleppe auch keine schweren Lasten für dich durch die Gegend. Ich hab Rücken, unter anderem. Hol dir ein Pferd.

Verhörsituationen. Mit Psychoterror kann ich nicht gut, auch wenn er Fake ist.

Ignorieren. Wenn mich mein Herzmensch zur Strafe (anhaltend) ignoriert, dann fühle ich mich dadurch vor den Kopf gestoßen, verletzt, und weggeschubst, und in die Lage eines abgestraften Kindes versetzt. Wenn das deine Art, mich zu demütigen ist, dann sei dir dessen bewusst, dass ich dazu neige, wütend und ebenfalls verletzend zu werden, wenn ich mir ignoriert und weggeschubst vorkomme. Oder, dass ich wahlweise schmolle, mich um meinen eigenen Scheiß kümmere, und dir dann halt auch die kalte Schulter zeige. Das kann dann in ewigem Schweigen enden, denn ich bin nachtragend, wenn ich mich zu Unrecht schlecht behandelt fühle.

Und -ganz großes Tabu – :
Haare raspelkurz schneiden, irgendwie verunstalten, oder Glatze scheren. Das ist kein Spaß. Es ist mir schnurzpiepegal, ob du das geil findest, und wie viele Sklavenfarmvideos du gesehen hast, und ob du das für das Tüpfelchen auf’s i bezüglich echter Submission und Hingabe und Gehorsam und was weiß ich hälst. Dann musst du dir wohl eine andere suchen. Ich will darüber auch keine Witzchen hören, nicht zweideutig damit aufgezogen werden, und vor allem nicht damit bedroht werden, weder subtil noch sonstwie. Geh mir an die Haare und freu dich auf eine Anzeige. Und auf die Kostenübernahme für eine sauteure Echthaarperücke. Haare abrasiert bekommen läuft bei mir unter Vergewaltigung. Meine Haare sind mir heilig. Geh da dran und ich mach dich platt. Ernsthaft. Der Tod.

Es gibt sicher noch viel, viel mehr, an das ich jetzt nicht mal gedacht habe. Dann kommen wir zu den Dingen, die unter bestimmten Voraussetzungen gehen.

Public humiliation. Da muss man unterscheiden. Public im Sinne von Club voll von Gleichgesinnten, und eventuell schauen ein paar davon bei was auch immer zu, das ist ok. Public im Sinne von draußen in der Öffentlichkeit, aber so, dass es zu Kopfkino, aber nicht zu wirklichem Zusammentreffen mit Unbeteiligten kommt, das ist unter Umständen auch noch ok. Gerade so, mit viel Vertrauen, welches besser nicht enttäuscht wird.

Allerdings….Public im Sinne von wirklich öffentlich, also zum Beispiel im Korsett samt Halsband und ohne Schal zum Einkaufen im lokalen Supermarkt geschickt werden, oder Halsband und Leine tragen müssen draußen, abseits von irgendwelchen BDSM-Veranstaltungen, sondern in der U-Bahn oder auf der Straße, und daran irgendwo hin geführt werden, oder irgendwelche Unbeteiligten, die ins Spiel miteinbezogen werden, das ist absolut nicht ok. No Way. Unmöglich. Horror. Schwarze Liste.

CMNF. Nackthaltung an sich, aber eben noch viel mehr das nackt sein müssen auf einem Event. Ist sehr erniedrigend für mich. Gründe siehe oben. Geht im privaten Rahmen nur, wenn schon viel Vertrauen da ist, und als Veranstaltung wäre es für mich wirklich schlimm. Klassisches O-Outfit mit Unterbrustkorsett geht. Hauptsache, ich darf was um die Mitte tragen. Das solltest du im Hinterkopf behalten. BDSM heißt, die Grenzen zu verschieben. Aber halt immer mal ein Schubserchen, mit viel Lob und Rückversicherung, und nicht mit der Brechstange.

Natursekt. Ein ganz ganz heikles Thema. Minenfeld. Ich gehöre auch zu den vielen Subs, die schon auf Drecksäcke im Domkostüm reingefallen sind. Ich wurde gerade bezüglich NS ohne Vorwarnung und wohlwissend, dass das für mich ein Tabu war damals, zu meinem Glück gezwungen. Und ich meine *gezwungen*. Danach war lange Zeit mit dem Thema Schluss. Ich bin inzwischen wieder so weit, dass ich meinem Herrn irgendwann den Schwanz nach dem Pinkeln sauberlecken könnte bzw würde, und das vielleicht sogar nur noch 50% ekelhaft fände, und 50% geil. Oder, dass ich mich irgendwann in der Wanne knieend anpinkeln lassen könnte. Ich werde aber nie zu einer NS-Liebhaberin werden, und auch keine größeren Mengen schlucken. Dazu war die negative Erfahrung zu krass. Dass ich zu wenigstens *etwas* NS bereit bin, sollte zeigen, dass ich mich anstrenge und dienen will. Erniedrigend as fuck ist es allemal. Also überteib’s nicht.

Ohrfeigen. Ja, geht klar. Aber niemals mit Tinnituserfahrung und blauen Flecken. Piano, bitte schön. Und liebend, nicht strafend.

Anspucken. Funktioniert dann, wenn es insgesamt einfach “stimmt”. Wenn mein Kopf während einer Session so im Sub-Modus ist, und ich so geil bin, dass mich das in genau dieser Situation, mit genau diesem Menschen, eher noch pusht (obwohl ich im Alltag nicht mal mit meinen eigenen Kindern aus einer Flasche trinken will) . Ist mit Ohrfeigen dasselbe. Tagesformabhängig, Personenabhängig.

Genau wie das nächste auf der Liste. Rimming. Ist passiv für mich nicht besonders toll, und aktiv irgendwo zwischen Erniedrigung, Demütigung und totalem Horror. Geht nur unter besonderen Umständen (siehe letzter Absatz), plus Dusche und perfekt enthaartem Arsch. Sonst könnte es sein, dass ich dir aufs Bett kotze. Wie auch immer, das ist auch so eine Sache, die ich aus meiner Devotheit und dem Wunsch, dir gut zu dienen heraus mache. Es gefällt mir nicht und gibt mir überhaupt nichts, außer leichtem Ekel.

Tja und dann wären da noch die Verbalerniedrigungen. Wie schon eingangs gesagt, darauf stehe ich total, und die machen mich, geschickt und zur rechten Zeit angebracht, geil ohne Ende. Aber….Vorsicht. Ein “das gefällt dir, huh, ? Du kleine dreckige Schlampe”, “kleines notgeiles Miststück”, und derlei Dinge sind absolut ok und zielführend. Irgendwas mit läufigen Hündinnen, dummen Fickstücken oder fetten Ärschen definitiv nicht.

Überhaupt…..es gibt ja Leute, die so erniedrigt sein wollen, dass sie das, was ihnen da an den Kopf geworfen wird, wirklich glauben. Dass sie ein minderwertiger Wurm unterm Absatz sind, und froh sein können, wenn man/Frau sich überhaupt mit ihnen abgibt. Vielleicht ticken Männer eher so, aber es gibt sicher auch Frauen, die sich gerne dauerhaft erniedrigen und zum Volltrottel mit Ficklöchern degradieren lassen.

So bin ich nicht. Jede Erniedrigung, jede Demütigung muss in der Gewissheit stattfinden, dass sie NICHT ernst gemeint ist. Also, nicht “echt” ist, sondern ein Spiel. Gewollt und abgesegnet von uns beiden.

Ihr merkt, es ist eine Gratwanderung. Das Minenfeld. Dementsprechend mein Tipp: niemals einfach drauf los plappern und ins Blaue schießen. Reden und diskutieren, damit es geil ist und nicht das Ende der Beziehung.

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6 thoughts on “Erniedrigung.

  1. Super Blogbeitrag!
    Ich bin zu mindestens 90 % genau deiner Meinung. Auf die übrigen 10 % will ich jetzt nicht eingehen, denn es geht ja um DEINE Grenzen und No-Goes. Meine gehören hier nicht hin.
    Nur ganz allgemein:
    BDSM bedeutet für mich, spielen mit gegenseitigem RESPEKT!
    Dom kann und darf Respekt erwarten und bekommt ihn von mir auch. Genauso erwarte ich als Sub aber auch Respekt gezollt zu bekommen.
    Nach meiner Meinung ist in einer guten D/s-Beziehung die Sub ein Gegenstück zu ihrem Dom, nicht sein Opfer.
    Ein Dom, der erniedrigen und demütigen muss, um sich selbst groß und stark zu fühlen, ist für mich ein kleines Würstchen mit zu wenig Selbstwertgefühl. Vor so jemandem habe ich wiederum keinen Respekt.
    Nur wenn grundsätzlich Augenhöhe zwischen Dom und Sub herrscht, ist es ein Genuss für mich, genau diese Augenhöhe ganz bewusst zu verlieren, wenn er das Machtgefälle aufbaut. Nur dann kann ich mich unterwerfen und dann macht es mich stolz und glücklich und geil.

    Liked by 2 people

  2. MasterGünter says:

    Danke und Bravo zugleich für einen ausführlichen und dabei tiefgehenden Beitrag. Dabei sehr persönlich und ehrlich. Danke für deine Offenheit

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  3. Reblogged this on EXTREM UNLIMITED EROTIK and commented:
    Liebe(r) Extrem Unlimited Leser(in)!
    Wir haben einen Beitrag von einer Blogger Kollegin gefunden, den wir für hervorragend halten. Das ein Spiel oft nicht als Spiel wahr genommen wird, sondern als Anlass für Beleidigungen und Erniedrigung. Das hat bei BDSM Spielen nichts verloren, – gar nichts, aber lies selbst.
    Bis dahin alles Liebe
    Eure C. und P.

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  4. Pingback: Falscher Dirty Talk - EXTREM UNLIMITED EROTIK

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