After Vanilla

Kleiner Tagebucheintrag.

Der Kinky Vanilla. Ich denke, die Zeit mit ihm neigt sich langsam dem Ende zu. Damit hat der neue Herr nichts zu tun. Streit oder Gemecker gab es auch nicht. Es ist ja eine Fickfreundschaft, was soll man sich da in die Haare kriegen. Nein, es ist….kompliziert.

Erstens mal hat er mir beim Kaffee eröffnet, dass er sich bereits umschaut, weil er “jetzt wieder eine feste Beziehung will”. Und das wollte er mir nur gleich sagen. Also könnte es irgendwann passieren, dass er mir schreibt, dass er sich verliebt hat, und das wars. Ja, ok, verstehe ich. Stünde selbst aber dafür definitiv nicht zur Verfügung. Aus ganz verschiedenen Gründen. Ich bin null Komma null in ihn verliebt. Er in mich auch nicht. Und es geht weiter von der, sagen wir, fehlenden intellektuellen Reibung bis hin zur abweichenden Neigung.

Seit der Play Party ist ein gewisser Abwärtstrend da, und es kann auch sein, dass ich mir das einbilde. Aber ich glaube nicht. Die Lockerheit und der Fun haben gelitten. Und es ist -zumindest mir- klar geworden, dass eine Grenze erreicht ist, bzw überschritten ist, die nicht überschritten werden sollte.

Ich habe da lang drüber nachgegrübelt, nachdem ich nach dem letzten Treffen zwar nicht unbefriedigt, aber ziemlich down und niedergeschlagen wieder daheim war. Ein Novum. Auf Twitter würden sie sagen “HAHAHA, du hast ihn kaputtgemacht.” Aber so stimmt es nicht. Jetzt inzwischen kann ich es in Worte fassen.

Man kann einen Vanilla, also einen Nicht-BDSMler, nur bis zu einem gewissen Punkt in Richtung BDSM führen, und wenn er noch so “kinky” ist. Irgendwann kommt der Punkt, wo es ihm entweder zu viel wird, oder gegen den Strich geht, oder er es einfach nicht mehr versteht. Nicht mehr verstehen KANN. Weil er halt anders verkabelt ist. Das alte Problem. Erkläre einem Nicht-BDSMler, warum du dich unterwirfst und schlagen und anpinkeln und ohrfeigen lässt. Der versteht das nie im Leben, selbst wenn er es versucht. Ok, er kann es oberflächlich verstehen, wenn du Glück hast. Aber BEGREIFEN kann er es nicht.

Und das ist eines der Probleme mit dem Kinky V. Seit über einem halben Jahr geht das jetzt, und ich habe ihn unter meine Fittiche genommen (nicht ganz uneigennützig, denn ich kam sexuell durchaus auf meine Kosten) und ihm gezeigt und erklärt, was ich eben wusste. Habe Spielzeuge mitgebracht, habe versucht, ihm einen kleinen Teil von BDSM zu vermitteln. Die Untiefen, sozusagen. Den Nichtschwimmerbereich. Das wollte er ja auch. Bin mit ihm auf diese Play Party gegangen und habe dort auch als “Lehr-Körper” fungiert. (darauf komm ich später noch zurück).

Ich habe das Gefühl, dass er SM-technisch nicht mehr weiter kann, und sich auch nicht wohl fühlt dabei. Ich habe ja schon x-mal gesagt, dass er kein Dom ist, und auch kein Sadist. Ich glaube, er fühlt sich nicht wohl, wenn er mir wirklich Schmerzen verursacht. Das ist nicht seine Welt. Und er ist unsicher, was er tun soll, und wie er es tun soll, und das kann ich als Sub, noch dazu als eine, die selber noch nie jemanden mit BDSM Werkzeugen geschlagen hat, und auch nicht sicher damit umgehen könnte, ihm nur bedingt vermitteln. Aber ich glaube, er will all das auch gar nicht. Nicht so hart, nicht so krass. Ich habe das Gefühl, dass ihm die Dinge, die er auf der Play Party beobachtet hat, suspekt waren. Und dass ICH, bzw die Tatsache, dass ich meist noch nicht mal einen Schmerzlaut von mir gab bei seinen Anstrengungen, ihm auch nicht ganz geheuer bin.

Und weil er kein Dom ist, kann er die seelische, psychologische Seite des Ganzen, sowie alles, was mit D/s zu tun hat, weder begreifen noch nachvollziehen. Ich erinnere mich an unsere Kaffee-Unterhaltungen über eine O-Nacht, wo er als Einzelherr dabei war. Worum es da EIGENTLICH ging, also hinter der Sex-Sache, hat er bis heute nicht verstanden, und ich habe wirklich versucht, es ihm zu vermitteln. Er kommt eben aus der Swingerszene, und sein Denken kreist letztendlich um Sex. Während mein Denken um all diese psychologischen Komponenten kreist, und Sex das Sahnehäubchen ist. Ja is klar. Hihi Sahne.

Und seine Unsicherheit und sein sehr limitiertes Wissen bezüglich SM, Anatomie, Schmerzspiel machen mich wiederum unsicher. Weil es MEIN Arsch ist, den ich hinhalte. Um auf den “Lehr-Körper” zurückzukommen…Ich bemerke, dass er grober wird. Dass er heftiger zulangt, mich so hart fingert bzw fickt, dass es wirklich weh tut hinterher. Dass er auf der Play Party eine deutliche Schippe draufgelegt hat. Ich hab ja die Spuren auf Twitter gepostet.

Und damit habe ich jetzt wiederum ein Problem. Weil ich mich nicht blind darauf verlassen kann, dass er weiß, wann Schluss ist. Dass er bei allem Stockgewedel achtsam und verantwortungsvoll ist. Die kleine, offene Stelle an meinem Arsch, die von diesem elenden “Bastardo”- Stock kam, hat er weder bemerkt, noch hat er drauf reagiert. Die Striemen waren sehr seitlich gesetzt statt mittig auf meinen Pobacken, und irgendwie, nicht geplant. Er besitzt im Eifer des Gefechts kein Gespür dafür, wie fest er zupackt, wie hart er fingert, wie schmerzhaft das ist, was er da tut, ob die Fesseln zu fest sind, ob er an den Haaren zieht, oder sie ausreißt…

Er würde nie absichtlich Schaden anrichten. Aber er liefert immer härter ab, und ich mache mir dabei immer mehr Sorgen um mein Fell. Bei einem guten, erfahrenen Dom sollte das eigentlich andersrum sein. Aber das ist er halt nicht. Wollte er nie sein, und würde er auch nie werden können. Das merke ich spätestens, wenn wir mal drüber reden. Handwerklich hat er einige Dinge gelernt, die psychologischen Aspekte sind an ihm vorüber gegangen.

Und seit neuestem dürfte er mich ja sowieso nicht mehr schlagen. Spanking, Züchtigungen, Spuren, die ganze Impact Play Schiene. Alles verboten. Alles Hoheitsgebiet des Herrn. Bliebe nur….Fickfreundschaft. Back to Vanilla.

Deshalb ist es total ok, wenn er sich irgendwann demnächst eine nette Frau sucht. Eine kinky Vanillafrau, die vielleicht FSoG gesehen hat, und die softe Schiene mit Velcrofesseln, kleinen Floggern vom Eis, und ein paar nicht zu festen Schlägen auf den Arsch ausprobieren will. Mein Herr sagt, die Sorte Frau rennt rudelweise im Joy rum. Mit dem, was ich ihm gezeigt habe, wird er so ein Frauchen total glücklich machen, und ihr kinky Hengst sein. Und ich werde mich für ihn freuen.

Aber mir hat die Sache noch klarer gemacht, dass ich selber wirklich nur weit jenseits vom Nichtschwimmerbecken des BDSM glücklich bin. After Vanilla.

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Kontrollabgabe vs “Fahr nicht so schnell, da ist 80.”

Kontrollabgabe. Im Spiel und darüber hinaus. 24/7, TPE, EPE, D/s….

Alles verschiedene Hausnummern, aber es läuft überall drauf raus, dass man eben die Kontrolle rausrückt, gehorcht, folgt, dient, sich fügt, devot, submissiv, unterwürfig ist, und dem domimanten Part – Dom, Herr, Meister (Proper? Eder?), Spielpartner, gottgleichem Anzubetenden samt Pluralis Majestatis- das Ruder überlässt.

Das ist auch das allererste, worüber man stolpert, wenn man sich auf Twitter mit BDSM beschäftigt, und anfängt, solche Accounts zu lesen. Viele hübsche Hochglanzmemes mit weisen Sprüchen zum Thema Kontrollabgabe.

Es ist nur….so einfach ist das nicht. Einfach reinmarschieren, und Kontrollabgabe wünschen klappt vielleicht bei einer jungen und unerfahrenen Sub, die noch nie mit Karacho auf die Schnauze geflogen ist. Da kann es schon sein, dass die jedes Stöckchen apportiert, das man ihr wirft.

Mit älteren, und aus -schlechter- Erfahrung schlau gewordenen Subs schaut es schon anders aus. Da gibt es dann halt Sachen, die man nicht mehr, oder nicht mehr so leichtfertig tut.

Sei es kompromittierende Bilder rausgeben, oder Passwörter für Social Media Accts rausrücken, oder sich Dauerstress machen, um unmögliche Zeitvorgaben zur Erfüllung von Aufgaben einzuhalten, oder sonstwas.

Das stößt dann gern mal auf Unverständnis, oder es wird einem suggeriert, dass eine RICHTIGE SUB das aber alles freudestrahlend tun würde, ohne Zögern und Zweifel und Diskussion.

Ich würde eher sagen, daran, wie genau solche Dinge besprochen und behandelt werden, trennt sich in Bezug auf “gute Doms” die Spreu vom Weizen.

Dass diese Kontrollabgabe in einer D/s-Beziehung, die über reines Spielen hinausgeht, irgendwann fällig ist, ist klar. Und auch total in Ordnung, zumindest in meinen Augen. Wie sonst soll man das Gefälle über den Alltag, die Treffen, die Distanz hinweg auch halbwegs aufrecht erhalten, wenn einem keine Mittel eingeräumt werden, das zu tun?

Aber der Ton macht halt die Musik, und es gibt möchtegerndominante Trampeltiere, und begabte Leute. Das merke ich dieser Tage ganz deutlich, denn ich habe momentan ganz klar mit der zweiten Gattung zu tun. Hach. Möge es anhalten.

Man könnte an dieser Stelle mal wieder über den Unterschied zwischen Sub und Sklavin schreiben, und was das in Bezug auf Grenzen, Kontrollabgabe, Kontrolle, Regeln heißt. Aber nö.

Stattdessen schreibe ich, was es mit mir macht.

Einer gekonnt eingesetzten, natürlichen Dominanz, die Brustgetrommel und den Hinweis darauf, wie voll hart und Dom und streng man doch ist, nicht nötig hat, kann ich keine Sekunde widerstehen. Da bin ich wie der Esel, der der Karotte an der Angel hinterherrennt, und dabei den Karren zieht. Man(n) muss meinen Kopf erreichen und die richtigen Töne treffen, lange bevor man einen Finger auf meinen Arsch legen kann. I’m a sucker for dominance.

Das Problem ist nur, dass solche Männer ungefähr so häufig sind wie Einhörner.

Wenn so ein Einhorn dann alle heiligen Zeiten am Horizont auftaucht, muss ich mich sehr bremsen, um ihm nicht sofort zu Füßen zu liegen. Was vielleicht nicht gut ist, Stichwort Distanz, Stichwort zu leicht zu haben, Stichwort auf die Fresse fallen. Wenn man nicht zu früh zulässt, dass das Gegenüber einen emotional, auf der devoten Gefühlsebene berührt, dann ist es auch nicht so schlimm, wenn nix draus wird, nicht wahr?

Haha. Das Dilemma dabei ist, dass es mir erstens fast unmöglich ist, NICHT auf die Art Dominanz, die ich mir immer wünsche, einzusteigen. Ich bin so verkabelt, und kann nicht anders. Und zweitens kriegt man den Mind fuck, die D/s-Dynamik, das Gefälle ja auch einfach nicht hin, wenn man sich nicht öffnet.

Es ist nur recht schwierig, die Trampeltiere der Vergangenheit hinter sich zu lassen, und sich auf etwas Neues einzulassen.

Und was man dabei nicht vergessen sollte: ich, und wahrscheinlich auch die allermeisten anderen Subs, sind im Alltag selbstbestimmte, erwachsene, oftmals alltagsdominante Leute mit eigenem Leben, Verpflichtungen, Verantwortung. Und keine submissiven, unterwürfigen Tierchen, die nur darauf warten, sich jedem, der mit Anzug und Leine um die Ecke biegt, vor die Füße zu werfen.

Die Kontrolle abzugeben, zu gehorchen, auch wenn einem etwas definitiv nicht passt, Strafen zu akzeptieren, obwohl man genau so alt und groß ist wie der andere und kein kleines Kind, ist nicht einfach. Auch nicht, in den unmöglichsten, surrealsten, erniedrigendsten Situationen dem anderen das Vertrauen entgegen zu bringen, dass er weiß was er tut, die Situation kontrolliert, und auf dich aufpasst.

Da wären wir dann bei mir, und der Tatsache, dass ich im Alltag geradezu ein Control Freak bin. Absolut. Ich checke lieber alles, was andere tun, nochmal, damit es auch richtig gemacht ist. Ich kann Teamwork schon seit meiner Kindheit nicht leiden. Ich kontrolliere, versuche, obenauf zu schwimmen, bin ein schlimmerer Beifahrer als jeder Mann, leide körperliche Schmerzen wenn der nicht zufährt, bei Wind zu nah für meinen Geschmack am Laster überholt, bin völlig unfähig, wegzudösen, weil ich ja darauf achten muss, wie schnell er wo fährt…oder ich kontrolliere nochmals nach, ob sich derjenige, dem ich mündlich, oder besser noch mit Notizzetteln!!!, aufgetragen habe etwas zu tun, auch daran erinnert hat….

Dass ich so bin, hat natürlich auch seine Gründe. Wer schon als Kind immer bei Teamwork/Arbeitsgruppen in der Schule derjenige war, der die ganze Arbeit machen durfte, während die anderen ne ruhige Kugel schoben, um sich dann mit meiner Leistung zu brüsten, der arbeitet zukünftig lieber allein. Da muss er sich nur um sich selbst kümmern und sein Resultat gehört ihm allein. Wer die Erfahrung macht, dass er von Hohldommeln umgeben ist, und irgendwie immer für alle mitdenken muss, wenn mal irgendwas klappen soll und nichts verpennt werden soll, der gewöhnt es sich eben an, zu kontrollieren. Mit dem Aufgaben delegieren hat es nie geklappt. Schön wär’s, aber halbherzige Resultate kann ich nunmal nicht ab. Wenn man sein ganzes Erwachsenenleben lang schon derjenige ist, der am Ende den Kopf hinhalten muss, dann ist man eben alltagsdominant.

Dabei hasse ich es wie die Pest, dass es so ist. Ich verhandle ungern, ich rüge ungern, ich behaupte mich ungern, um mein Recht zu bekommen. Ich wünschte, das würde mir jemand abnehmen. Jemand, der das besser kann als ich, und den Konfliktsituationen nicht seelisch mitnehmen, sondern dem sowas sadistische Freude macht. Jemand, der egoistisch und selbstbewusst genug ist, um das Beste für sich selber rauszuholen. Bzw, für mich.

Und ich denke, dass genau DAS, die belastende, aber unumgängliche Alltagsdominanz, zusammen mit meiner grundsätzlich devoten Verkabelung, mich Richtung D/s treibt. Ich tu mir schwer damit, die Kontrolle aus der Hand zu geben. Das ist ein langer Prozess, und je länger er gut läuft, desto mehr kann ich mich öffnen und dem Gegenüber vertrauen, so dass ich Anweisungen blind befolgen kann, ohne über potentielle Auswirkungen, Konsequenzen, oder darüber, was sein könnte und ob das jetzt hier überhaupt geht???!! nachzudenken. Das braucht Zeit, definitiv. Aber wenn es klappt, dann ist es eine riesige Portion Balsam für die Seele, die ich bitter nötig brauche, und ohne die ich dauerhaft auf dem Zahnfleisch gehe.

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