Der Dom, der dient

Klingt sehr befremdlich, nicht wahr? Ein Dom sagt doch, wo’s langgeht, und die Sub ist die, die dient. Oder???

Naja, vordergründig schon. Es gibt Regeln, Strafen, Belohnungen. Der Dom bestimmt innerhalb der von Sub (grob) gesteckten Grenzen, was passiert, und kann frei entscheiden. Und die Sub fügt sich, gehorcht, und dient.

So weit, so gut. Nur, dass im Hintergrund eine ganz andere Dynamik arbeitet.

Die Sache ist nämlich die:

Sub gibt durch Tabus die groben Grenzen vor. Sub hat (oftmals, bzw anfangs) ein Safeword. Sub begibt sich freiwillig in die Situation. Sub hat grundsätzlich Spaß an dem, was passiert. Weil sie devot ist, oder maso, oder beides. Weil sie Spaß am Dienen hat. Weil sie auf Erniedrigung oder Benutzung steht. Weil sie sogar der Eintrag ins Strafbuch, oder der Gedanke, dass beim nächsten Treffen die Strafe abgearbeitet wird, anmacht. Weil sie sogar wenn ihr etwas keinen Spaß macht, doch trotzdem noch irgendwie Lust empfindet, dann eben gespeist durch das Wissen, Eigentum zu sein, über das ER frei verfügt.

Von solchen Beispielen gibt es endlos viele.

Ob das Kleiderregeln sind, oder Vorführung, oder O-Training, oder Keuschhaltung, oder dass man nicht mal sein Essen selber bestellen darf, oder auf dem Boden sitzen muss statt auf der Couch, oder eine Watsch’n oder Schläge kassiert für potentielle Nichtigkeiten……

So viele Dinge sehen von außen betrachtet so aus, als ob Dom frei von der Leber weg willkürlich bestimmt, und Sub MUSS die Kröte schlucken, weil …Sub halt.

Vielleicht ist das sogar der Hauptgrund für diese kleinen “Missverständnisse”, denen Stinos aufsitzen, wenn sie BDSM bzw D/s von außen betrachten, und für im besten Fall verkorkst und im schlimmsten Fall psychischen Missbrauch oder häusliche Gewalt halten.

Denn meist ist es so, dass Sub die Kröte schlucken WILL. Sonst wäre sie nämlich nicht (mehr) da, bei genau diesem Menschen. Selbst, wenn sie irgendwas GAR NICHT will oder mag, dann mag sie das, was unsichtbar DAHINTER STEHT, eben doch. Irgendwie. Weil ihre Seele diese Dynamik braucht, um glücklich zu sein.

Und da wird auch klar, dass sowas nur mit zwei (oder mehr) Menschen klappen kann, die WIRKLICH gut zueinander passen. Die Sache ist recht fragil und ohne Empathie läuft nichts.

Aber man könnte sagen, der Dom dient genauso der Sub wie die Sub dem Dom.

Nur anders. Win – win.

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One thought on “Der Dom, der dient

  1. Arbeitgeber ist derjenige, der seine Arbeit hingibt und Arbeitnehmer derjenige, der die Arbeit annimmt. Die Rollen sind je nach Machtverhältnis auch vertauscht.

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