Das Metadingens

In den letzten Tagen und Wochen gab es viel zu diskutieren und noch mehr zu lesen auf Twitter, über dieses Dingens namens Metakonsens. Und schon lange davor habe ich mir meine Gedanken darüber gemacht. Wobei, und das gebe ich zu, ich anfangs die Bedeutung regelrecht googlen musste. Und mich in die Materie einlesen.

Das ist übrigens etwas, was man von Leuten, die sich für ein bestimmtes Thema angeblich interessieren, verlangen kann. Auch von Neulingen. Auch von Subs. Dass man sich SELBER über Thema/Bereich/Praktik Xy so gut schlau macht, wie man kann, und nicht einfach mal irgendwo reinschlittert und alles, was einem ein anderer BDSMler oder ein Spielpartner erzählt, für bare Münze nimmt, oder alles, jede Entscheidung, jede Planung, jeden Schnaufer dem dominanten Part überlässt, ohne mal selber zu hinterfragen, ob das echt so cool ist, oder ob das nicht vielleicht ein ungutes Bauchgefühl macht, was der da so plant. Aber da hapert es oft genug.

Sagt nix, ich bin mit meiner Wahl des Spielpartners bzw mit den Entscheidungen des Gegenübers oft genug auf die Schnauze gefallen. Ich war auch unerfahren, war zu gutgläubig, wollte mich als Sub beweisen, war dumm. Schon allein deshalb ist es mir wichtig, zu betonen, dass man das Hirn eingeschaltet lassen sollte, zumindest bis man sich in diesem Dschungel etwas besser auskennt.

That said, was ist denn jetzt dieser “Metakonsens”? Kann ich nur aus subjektiver Sicht was drüber schreiben. Andere Leute definieren das vielleicht irgendwie anders, und gewisse “Szene-bekannte Autoren” aus der großen Stadt würden wahrscheinlich die nächste Woche damit verbringen, darüber zu referieren, wie man das im Mutterland des BDSM, also den USA (HAHAHAHA), nennt. Mir völlig schnurz. Ich kümmere mich hier mal um MICH.

Metakonsens in der Classic-Version heißt für mich in der Definition, dass ich mich dem dominanten Part komplett mit Haut und Haaren ausliefere und auf Einflussnahme, was mit mir wann warum geschieht, im Alltag wie im BDSM-Kontext, verzichte. Das Safeword kommt weg, jedes Veto auch, die Tabuliste auch, und ich vertraue darauf, dass der Partner keinen Scheiß baut.

Ich habe mich letztens auf TL in die Definition gerettet, dass das was für die Oberstufe im Leistungskurs ist, und die Fünftklässler bitte erst den Grundwortschatz lernen möchten, und sich dann hocharbeiten. Den Vergleich finde ich ziemlich gelungen, ehrlichgesagt. 😉 Und mögen muss man sowas halt schon, so von der Persönlichkeitsstruktur her. Es ist etwas, mit dem viele nichts anfangen können, denke ich. Es steht im Widerspruch zu allem, was man ( vor allem heutztage) beigebracht bekommt, wie man zu sein hat. Selbstbestimmt, emanzipiert, gleichberechtigt. Die Tage der Sklaverei sind längst vorbei, und damit wird diese Art des Daseins ja auch oft und fleißig verwechselt.

Die Sklaven in der Geschichte der Welt haben sich allerdings nicht FREIWILLIG in so ein Verhältnis begeben. Es gibt – auch heute – Menschen, die sich danach sehnen, dass andere die Entscheidungen treffen, und die sich in genau dieser Situation, die viele andere kritisch beäugen oder vor der sie Angst hätten, sicher, geborgen und angekommen fühlen. Wobei man es mit TPE und Meta auch deutlich übertreiben kann, und das Ganze – so wie alles andere im Leben auch – ungesunde Züge annehmen kann. Spätestens, wenn die Behandlung subjektiv nicht gut ist,bzw wenn der dominante Part halt doch ein Psycho ist, und ein psychisch labiles, leicht zu beeinflussendes Gegenüber hat, und dieses zu einem gehirngewaschenen Hascherl macht, und es emotional, sexuell, psychisch und finanziell ausbeutet, ist für mich definitiv Schluss mit lustig. Da gibt es die kränkesten Dinge, bis hin zu notariell beglaubigten Übereignungen allen Besitzes. Nicht cool. Gar nicht cool.

Dass ich rein rechtlich gesehen GAR NIX MUSS, was ich nicht will, und dass alle diese Absprachen, Einverständniserklärungen, Verträge – außer die tatsächlich und angeblich im Vollbesitz sämtlicher geistiger Kräfte geschlossenen notariellen – usw im BDSM in der Welt da draußen nicht das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben stehen, ist wohl hoffentlich jedem klar. Der Knackpunkt ist nur, dass sie innerhalb einer D/s-Dynamik ALLES wert sind. Man kann sich natürlich verweigern, oder sich nicht an Absprachen halten. Aber dann macht man sich halt irgendwie die Grundlage der eigenen Beziehung kaputt.)

Ein Interesse an Meta bedingt erst mal, dass ich in einer D/s-geprägten Beziehung stecke, die sich längst nicht (mehr) aufs Spielen beschränkt, und mindestens 24/7 ist. Der Einfluß und die Entscheidungsgewalt des Herrn (Dom sage ich in diesem Zusammenhang nicht mehr, da der Begriff für mich eher was mit Spielen und Sessions zu tun hat, jedoch nicht unbedingt mehr) gehen über “irgendwas mit Sex und Erotik” hinaus, und umfassen (mehr und mehr) den Alltag. Man bekommt mehr und mehr Regeln, muss bei mehr und mehr Alltagskram vorher fragen, und gibt mehr und mehr Kontrolle ab.

Sowas macht man nicht am Anfang als Neuling, mit einem neuen Partner. Und schon gar nicht mit jedem Hinz und Kunz. Diese Erweiterung des Hoheitsgebietes, das Mehr an Kontrolle über einen selbst, muss sich der dominante Part verdienen. Mit der Zeit, und dadurch, dass er einen verantwortlich und gut führt, einen gut behandelt, und sich als (subjektiv) guter Partner, guter Herr und “regular human” erweist. Dass er kein Monster ist, kein Psycho, kein Predator, kein egoistischer, selbstsüchtiger Arsch. Man sich bei ihm gut aufgehoben fühlt, und er “es halt einfach nicht verkackt”.

Das ist ein Prozess. Der funktioniert nicht mit jedem, und sicher nicht jetzt gleich und sofort und total. Man muss sich kennenlernen, und sollte in seinen Vorlieben und Abneigungen sehr gut zusammenpassen. Sonst wird ein Geistesblitz des Herrn, dass er einem jetzt mal aus Spaß an der Freude die Augenbrauen abrasiert, oder dass er einen ja mal fast nackt aufm Parkplatz aussetzen könnte, schnell zu einem wirklich üblen Problem. Also sucht man sich am besten einen Gegenpart, der das, was man Scheiße findet, auch nicht mag. Apropos Scheiße…..ihr versteht. Es muss passen.

Wer also Metakonsens und ein “Ja und Amen” in allen Dingen schon knapp nach Kennenlernen fordert, der hat meiner Meinung nach keinen Schimmer, wie gutes und verantwortungsvolles D/s funktioniert. Oder – was bedeutend schlimmer ist – er hat gar kein Interesse daran, irgendwas verantwortungsvoll und im Sinne seiner Sub zu betreiben, sondern fährt seinen Egotrip. Also Vorsicht, Deppenalarm.

(Kleiner Hinweis am Rande: den submissiven Part in Richtung einer TPE-Beziehung zu führen, ist ARBEIT und ein ziemliches Investment von Zeit und Hingabe von Seiten des dominanten Parts. Vor allem, wenn man eine Fernbeziehung führt. Also lieber den Mund anfangs nicht zu voll nehmen, wenn man dann nicht liefern kann oder will, Herrschaften!)

Für mich persönlich ist meine eigene Version vom Metakonsens – “Meta Light”, wenn man so will – das Nonplusultra. Sowas wie meine Königsdisziplin. Das Ziel, wenn einfach alles passt und gut läuft. Ich persönlich sehe das so: Anfangs muss noch ein Safeword da sein, aus Sicherheitsgründen, und Kontrolle gibt es vorwiegend nur über die Bereiche, die mit Sex/BDSM/Sessions direkt zu tun haben. Frau muss ja erst mal gucken, mit wem sie es zu tun hat. Da ist noch eine gewisse innere Distanz, bis man weiß, woran man ist. Umgekehrt ist es sicher auch so. Man muss sich und seine Kinks und seine Submission bzw Dominanz gegenseitig kennenlernen. Gucken, ob es passt oder wo es hakt.

Wenn man den Menschen hinter dem Dom dann kennengelernt hat, und ein, zwei, drei Mal gespielt, und es hat gepasst, war toll, und der Mensch ist für gut befunden – weil man mit ihm lachen und für ihn weinen kann, weil er verantwortungsvoll spielt, weil er nicht nur nimmt, sondern auch gibt, und sich kümmert, weil die Chemie stimmt – dann bin ich ein Mensch, der gern mehr und mehr Kontrolle und Selbstbestimmung aufgeben möchte. Ich möchte mit diesem Menschen dann einen Weg gehen, und der geht definitiv nicht in Richtung “nur Sessions mit Gefälle, und ansonsten bitte Augenhöhe und bleib mir bloß mit deinen Regeln vom Leib”.

Reines Spielen, ohne irgendeine Spur eines wenigstens subtil vorhandenen Gefälles, ohne D/s, ohne das Wissen, irgendwie “ausgeliefert” zu sein, gibt mir inzwischen wenig bis nichts. Auch das war ein Prozess, wie so Vieles andere. Vor 3, 4 Jahren wollte ich immer am liebsten eine reine Spielbeziehung mit Sessions, und darüber hinaus meinen Frieden. Inzwischen langweilt mich so ein Ausleben von BDSM eher. Das ist für mich persönlich reine Befriedigung von BDSM-orientierten sexuellen Gelüsten, ein Gefälle für einen eng begrenzten Zeitraum, nämlich das Treffen an sich, bei einem völlig davon unabhängigen, komplett selbstbestimmten Alltag. Das hat für mich dann aber nur mit sexueller Submission als Kink zu tun, aber mit wirklichem “devot sein” nicht viel. Das ist “Spielen”, aber nicht “Leben”.

Ich genieße das Kopfkino, den mind fuck, das Wissen, dass ich bestimmte Regeln oder Vorgaben einzuhalten habe, viel zu sehr, um nur zu spielen. Aufgaben erfüllen zu müssen, mit Fotobeweis, ein Strafbuch zu haben, fragen zu müssen, ob ich wichsen darf, mich danach bedanken zu müssen, in gewisser Weise ausgeliefert zu sein, der Gedanke, Eigentum zu sein….das ist neben gefesselt sein, gekonnt erniedrigt werden, und dem guten alten Halsband ein weiterer Haupt-Kink von mir. Dabei ist es ja bis jetzt nicht viel, woran ich mich zu halten habe.

Auszug gefällig? Ich muss zuerst guten Morgen sagen. Ich muss, wie erwähnt, fragen, ob ich es mir machen darf. Ich habe Kleiderregeln einzuhalten, aber momentan nur für Treffen. Ich darf keine BDSM-relevante Kleidung oder Schuhe mehr kaufen ohne sein OK. Wenn ich was versemmle, gibt es eine Strafe. Ich muss das Laufen in High Heels und bestimmte Positionen üben. Und all das ist mir nicht lästig, sondern lieb, bis jetzt zumindest. Und ich ertappe mich dabei, wie ich mir mehr wünsche.

Ob es mir an einer Stelle mal zuviel werden würde, wenn es Richtung Metakonsens ginge? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich schon. Deshalb spreche ich ja von “Meta Light” für mich. Weil meine Kinder, mein Job, meine Finanzen 3 Bereiche sind, in denen ich für konstruktive Verbesserungsvorschläge bzw Tipps sicher offen bin/wäre, aber in diesen Bereichen die Kontrolle abgeben und mich ohne Widerspruch unterordnen? Das überschreitet meine rote Linie.

Ansonsten aber? Wie gesagt, es ist ein Weg, nicht ein sofortiger Zielpunkt. Ich habe neulich gelesen, dass jemand als Neuling dankbar war, einen dominanten Gegenpol zu haben, dem man die Entscheidungen überlassen konnte, aber je mehr man selber dazulernt, desto weniger bzw gezielter gibt man die Kontrolle ab. Ich fühle das für mich ziemlich genau andersrum. Je mehr ich über D/s und BDSM weiß, und je besser ich den Partner kenne, desto mehr Kontrolle möchte ich abgeben. Hm.

Dazu gehört auch das Safeword. Ich habe sogar ZWEI. Gelb und rot. Weil ich für den Anfang ein Wort wollte, das signalisiert, dass ich echt an der Grenze bin und mehr nicht mehr geht, aber ohne die vernichtende Wirkung von rot. Ich möchte keinen Abbruch einer ganzen Session, nur weil ich in genau dieser Situation wirklich nicht mehr weiter kann. Deshalb bin ich ein großer Fan von gelb – rot. Wobei ich bis dato noch nie gelb herausgepresst habe. Nur fast, um ein Haar. Aber mirakulöser Weise war genau dann Schluss. Als könnte er Gedanken lesen. 😉 Und das heißt, dass dieser Mensch Empathie besitzt, und Einfühlungsvermögen. Dass er aufmerksam und erfahren ist. Und das wiederum bringt mich dazu, früher oder später das Safeword nicht mehr als Notwendigkeit anzusehen.

Das ist wie beim Rest von diesem Metadingens. Man könnte sagen, es hat mit BEDINGUNGSLOSEM VERTRAUEN zu tun, das man haben muss. Wenn man das haben kann, dann ist es ein Traum, und befriedigt das Devote in mir genauso wie den oben beschriebenen Kink. Und wenn man das Gefühl hat, dass man dieses bedingungslose Vertrauen in den dominanten Part nicht haben kann……dann ist für mich persönlich in der Beziehung sowieso der Wurm drin. Weil sie dann maximal das Spielen nach vorgegebener Liste erlaubt, und man selbst da nicht loslässt, sondern immer noch mit einem Auge vorsichtshalber guckt, was der da treibt. Und auf sowas kann ich echt verzichten.

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