Dornröschenschlaf

Das hier ist jetzt nur eine kleine, generelle Info zum momentanen Dornröschenschlaf in Sachen BDSM. Weil sich der eine oder andere Twitterer schon wundern dürfte, warum da gar kein neues Foto von nem gestreiften Arsch und so gar kein begeisterter D/s-lastiger Tweet kommt, zumindest nicht in real time, oder fast ;). Sondern nur fachsimpelnd und theoretisch.

Ich würde gerne, stolz wie Oskar, neue Fotos posten und Threads über die letzte Session schreiben, aber es gab schon seit einer Weile kein Treffen bzw keine Session mehr. Mein Herr ist seit vielen Wochen gesundheitlich arg geplagt, und sehr erschöpft, und hat weder die Energie noch die Konzentrationsfähigkeit für eine Session. Der Alltag schlaucht schon genug.

Es gab bis dato eine Odyssee von Arzt zu Arzt, verschiedene Einschätzungen, Fehldiagnosen, wiederholte Trips ins KH, Ausprobieren von Medikation, Nebenwirkungen, Wechsel, und immer wieder wochenlanges Hingewarte auf den nächsten Termin oder Test, und das ist noch lange nicht vorbei.

Das ist auch der Grund, warum ich nach wie vor ohne Halsband durch die Gegend laufe. Weil er es unfair und verantwortungslos fände, mir das zu geben, nur um es 3 Wochen später womöglich endgültig zurückziehen zu müssen.

Er hat mir vor Wochen schon angeboten, mir jemand anderes zu suchen, der verfügbarer und fitter ist. Ich habe aber abgelehnt, weil ich gerne erst abwarten wollte, wie es sich entwickelt. Ist ja nicht so, dass das Problem nicht lösbar und verbesserbar wäre, und auf ewig Scheiße bleiben müsste. Wenn die Langwierigkeit und Mühseligkeit auch echt nervt (ihn logischerweise noch viel viel mehr als mich). Ich bin gern bei ihm, weiß, dass ich ihm vertrauen kann, wir passen BDSM-technisch gut zusammen, und kommen auch menschlich gut klar, und so eine Stecknadel im Heuhaufen werfe ich nicht vorschnell weg.

Ich merke allerdings, dass ich allmählich echt aufm Zahnfleisch gehe, weil mir meine “Schmerztherapie” fehlt, die – so weh sie tut – Wellness und endlich einmal wieder “Abschalten können” bedeutet, wenn auch nur für kurze Zeit. Seine Gesellschaft fehlt mir, und das D/s. Ohne Aufgaben, ohne Kontrolle, ohne Hausaufgabe bin ich die typische, rotierende, unausgelastete Sub, die man so kennt. Ich habe schon vor einer Weile um ab und zu eine Aufgabe (und sei sie noch so unsinnig oder doof) gebettelt, so als Beschäftigungstherapie für den Kopf. Aber einer, der kaum seine Arbeitswoche rumkriegt und in den Seilen hängt, hat keinen Nerv für irgendwas, leider.

Zu irgend nem Fickfreund fahren dürfte ich jederzeit, aber da gibt es nach dem Kinky Vanilla niemanden, und ich habe jetzt bei meinen langen, harten Arbeitstagen im Sommer auch selber nicht die Energie und die Zeit, irgendwelche Leute zu daten. Also….selbst ist die Frau. Ist ja nicht neu. In der Vergangenheit war ich ja auch schon mal über lange Zeit für nix und wieder nix geparkt, und bin am ausgetreckten Arm dabei fast verhungert. Witzigerweise auch aus Gesundheitsgründen, wobei diese auch nur bei mir zum Tragen kamen, so wie es aussieht. Diesmal allerdings ist der Fall völlig anders gelagert, und ich weiß, dass da keine Ausreden oder Hinhaltetaktiken dahinterstecken.

Ich versuche, den Rigger mindestens alle 2 Wochen zu sehen, und mir da etwas Spaß, Entspannung, und den einen oder anderen O abzuholen. Seilbondage macht mir viel Freude, und ich stelle mich auch nicht zu steif oder blöd an, haha. Eine Vorgabe meines Herrn für Kontakte mit anderen Männern war es, dass das Spuren machen, das BDSM an sich, das Schlagen nur ihm gehört, und irgendwelche anderen Leute fesseln oder ficken dürfen, aber eben nicht mehr als nen Klaps aufn Arsch geben. Da werde ich ihn vielleicht fragen, ob der Rigger in der Wartezeit mir nicht mal etwas mehr aua machen darf als mir nur den Arsch zu tätscheln. Der ist eh viel weniger sadistisch als mein Herr, aber mir würde es wenigstens etwas aushelfen. Mal sehen.

Das ist auf jeden Fall Stand der Dinge, und ich wünschte, es wäre anders, weil auf der einen Seite die Devote in mir – ohne Möglichkeit, dieses tiefgreifende Bedürfnis auszuleben – allmählich in meinem Kopf randaliert, und auf der anderen Seite die Masochistin in mir mit Wäscheklammern spielt und langsam schon Fantasien vom Self Spanking entwickelt, und das eigentlich etwas ist, das ich völlig idiotisch und armselig finde, und mein Stolz verbietet es mir eigentlich , das auch nur in Betracht zu ziehen…

Also lenke ich mich ab. Arbeit gibt es ja wahrlich genug. Seufz.

Standard

Gedanken zum Safeword

Das will ich ja schon ewig mehr dazu schreiben, und komme nie dazu. Also, dann mal auf ans Werk…

Die Sache mit dem Safeword. Auf Englisch existiert hier schon ein alter Blogeintrag von mir dazu, und meine Ansicht hat sich nicht wirklich verändert seitdem. Hier aber jetzt das Ganze mit Stand 2019 und auf Deutsch.

Disclaimer: es handelt sich hier um meine ganz persönliche Meinung zu dem Thema. Ich bin mir darüber im Klaren, dass diese nicht mit der Meinung einiger TL Expert*innen und auch nicht mit dem güldenen Buch vereinbar ist. Ja mei. Passiert ja öfter, damit müssen wir dann alle leben 😉

Ein Safeword ist am Anfang einer (Spiel)Beziehung auf jeden Fall wichtig, zumindest wenn die Intensität des Spiels über Krawatten und Federtickler hinausgeht. Und selbst bei sehr moderat gestalteten Basics kann es ja sein, dass sich Sub plötzlich nicht mehr wohl (in ihrer/seiner Haut) fühlt, und abbrechen will. Also ja zum Safeword. Eigentlich sollte bei Neulingen und ganz am Anfang ein ganz schlichtes “Stop” schon reichen, weil man ja als schlauer, ehrbarer Dom nicht mit der Tür ins Haus fällt, und erst mal abcheckt, wie der Wissensstand, die Erfahrung und das Schmerzempfinden so sind, nicht wahr? Wie auch immer, mit Safeword fühlt man sich theoretisch sicherer, wahrscheinlich auf beiden Seiten, denn die Unsicherheit des Doms, wie weit er gehen soll bzw kann, ohne dass es brenzlig wird und ohne dass man aneinander gewöhnt ist, sollte man auch bedenken.

Wenn man dann allerdings gut eingespielt ist, dann ist für mich persönlich die Notwendigkeit eines Safewords nicht mehr unbedingt gegeben. Zumindest nicht immer und für den “Normalbetrieb”. Irgendwelche extremsten Praktiken sind sicher was anderes, und bevor man üble Schäden behält, oder draufgeht, vereinbart man vielleicht besser irgendein Zeichen, ein Wort, eine Geste, um abzubrechen. Nachdem ich aber weder auf echte Todesangst noch auf so krasse Spiele stehe, betrifft mich das eher weniger.

Zumindest ein guter Teil meines engeren Followerkreises sieht die Sache mit dem Safeword ähnlich wie ich (und das sind meist die, die tatsächlich BDSM leben, und zwar seit zig Jahren), aber man läuft mit dieser Meinung immer leicht Gefahr, in Grundsatzdiskussionen mit glühenden Verfechtern des “Safewords um jeden Preis und immer immer immer!!!” zu geraten. Deshalb erkläre ich hier drunter, warum und wie ich das sehe.

Aaalso. Wenn man an einen echten Deppen gerät, dann hilft einen auch ein Safeword nix. Das ist keine Allround-Versicherung gegen einfach alles. Versuchen, sich soweit wie möglich auch anderweitig im Vorfeld abzusichern, muss man trotzdem.

Wenn man eingespielt ist, und den anderen Part irgendwann gut kennt und seine Reaktionen einschätzen gelernt hat, und ihn “lesen” kann, dann finde ich persönlich ein Safeword eher hinderlich. Im schlimmsten Fall hindert es MICH eher daran, WIRKLICH total die Kontrolle abzugeben, weil ich ja theoretisch die Sache immer noch lenken und beeinflussen kann. Und im schlimmsten Fall hindert es IHN daran, mich WIRKLICH an die Grenze oder sogar einen kleinen Schubser darüber hinaus zu bringen, weil er immer im Hinterkopf hat, dass wenn er noch 3 Schläge mehr in dieser Intensität austeilt, ich die Sache abbreche. Also wird er vielleicht eher vermeiden, mich an meine Grenze zu bringen.

Bei mir kommt dann auch noch der Umstand dazu, dass ich zu den Subs gehöre, die gefallen wollen, und tapfer und stark sein wollen, und für ihn die Zähne zusammenbeißen wollen. Und die ihren Stolz haben. Vielleicht falschen Stolz in diesem Sinne, aber ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass ich das Safeword zum Abbruch nicht ums Verrecken benutzen würde. Mein Stolz und mein Willen und meine Devotion und die Tatsache, dass ich es innerlich als sowas wie eine Niederlage betrachte, ein Safeword zu gebrauchen, würden mich lange daran hindern. Wenn es doch fiele, wäre es wahrscheinlich schon längst zu spät.

Deshalb bin ich froh, dass ich die Ampellösung benutzen kann. Dann kann ich signalisieren, dass es kurz vor knapp ist, ohne alles abzubrechen, was ich ganz furchtbar fände. Und selbst dieses “Gelb” habe ich noch nie gesprochen. Auch das wäre mir arg, und ich will es schaffen, auch wenn ich wirklich am Ende der Fahnenstange bin. (Das hängt garantiert damit zusammen, dass ich in der Vergangenheit von so ein, zwei Kandidaten gerne runtergemacht wurde, dass ich ja ein Mimimi wäre, und nichts aushalten würde. Dem jetzigen Herrn sei Dank, hat das inzwischen nachgelassen, und ich weiß, dass ich “es” kann.)

Dazu kommt noch, dass ich, wenn es wirklich schlimm wird, so mit atmen und mich irgendwie da durchkämpfen und dem Schmerz beschäftigt bin, dass ich an ein Safeword gar nicht denken kann. In einem lichten Moment schießt es mir dann in den Kopf, aber bevor ich Luft geholt habe und das Wort den Weg auf meine Zunge findet……hört(e) es auf. Jedes Mal.

Das bringt mich zum nächsten und abschließenden Gedanken in Bezug auf diese Safeword-Debatte.

Wenn ich dauerhaft mit jemandem eine BDSM-Beziehung eingehe, und immer wieder mit diesem Menschen spiele, dann erwarte ich, dass derjenige sich Mühe gibt, mich und meine Reaktionen (kennen) zu lernen, so wie ich mich anstrenge, ihn und seine Vorlieben, Regeln, was ihm wichtig ist, kennenzulernen. Und, dass er die Empathie und das Gefühl dafür besitzt, zu wissen, wie weit er gehen kann, und wann Schluß ist, auch wenn ich nichts sage bzw kein Safeword habe. Ein guter Dom kriegt das hin, weil er diese Qualitäten, zu erkennen, zu beobachten, und seine Sub zu lesen beherrscht. Weil er kein Haudrauf ist und kein Egoist, und weil er in meinen Reaktionen lesen kann.

Mit einem, der das NICHT hinbekommt, würde ich nicht weiter spielen, auch nicht mit Safeword. Unter anderem deshalb habe ich auch aufgehört, den Kinky Vanilla zu treffen. Weil er mit zu wenig Wissen um BDSM und mit zu wenig Beobachtungsgabe und Empathie ans Werk geht, und ich beim Spielen kein mulmiges Gefühl und Angst um meinen Körper haben will. Ich will mich fallenlassen und die Kontrolle abgeben können, ohne Angst, dass der vor oder hinter mir irgendwas verbockt.

Deshalb finde ich Leute, die ums Verrecken am Safeword festhalten, sogar in einer festen, jahrelangen Beziehung, manchmal etwas befremdlich. Vor allem, wenn sie das Argument bringen, dass sie ja nicht in ihre Subs reinsehen können, und ihnen das Spiel so zu brenzlig ist. Ja, sach ma, Menschenkenntnis und Empathie war aus, oder wie??

Wie gesagt, ein guter Dom (m/w/d) kriegt das hin….;)

Nachtrag:

Gerade in den letzten Tagen hat sich auf Twitter wiedermal so ein Meister aller Klassen mit der Aussage hervorgetan, dass für ihn ein Safeword bei seiner Sklavin (Vorsicht, Unterschied zur Sub ;)) Topping from the Bottom wäre. Und das geht ja GAR nicht. Aber nur bei D/s, witzigerweise. Nicht bei SM. Und so wirres Zeugs dergleichen mehr.

Okaaayyyy……. Atmen.

Ich kann dazu aus der Ferne, und mit bereits gemachten Erfahrungen, sagen: Wenn einer von Anfang an darauf besteht, dass ihr kein Safeword (oft gepaart mit “deine Grenzen definiere ich” ) haben dürft, obwohl der Zipfelklatscher euch noch gar nicht kennt, und euch nicht einschätzen kann ( hat er euch denn ausführlich nach Triggern, schlechten Erfahrungen der Vergangenheit, Ängsten, Psychoproblemen, Gesundheitsproblemen etc befragt, hm?)……dann LAUFT. Es handelt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entweder um ein selbstgefälliges, arrogantes Arschloch, das glaubt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Oder um einen Psycho, der seinen Narzissmus, Sadismus, was weiß ich für -ismus, an euch ausleben will, ohne dass ihr was dagegen tun könnt.

Ein Safeword kann in einer tiefgreifenden TPE-Beziehung (darüber gibt es demnächst separat ein paar Gedanken) störend für die Dynamik sein, ja. Aber es ist bis dahin niemals Topping from the bottom, eine Ungehörigkeit der Sub, es zu benutzen, oder sonstwas. Das Weglassen des Safewords hat meiner Meinung nach von der Sub auszugehen, weil sie so weit ist, bedingungslos zu vertrauen. Das wird nicht vom Dom aufobtruiert, oder als Bedingung verlangt. Es gibt da nichts zu verlangen.

Und dass das “ja nur für D/s gilt”? Bitte was? In einer D/s-Beziehung, jenseits von Peitschen und ganz ohne SM ist so dermaßen viel seelischer Missbrauch möglich, man glaubt es kaum. Und seelische Verletzungen und Narben sind keinen Deut besser als ein paar Striemen zuviel am Arsch. Was nutzt es mir, wenn ich diesen Meister vom Dienst in einer Session stoppen kann, aber im Zuge meines D/s jede Blödheit, die ihm einfällt, mitmachen muss, auch wenn es für mich wirklich schlimm ist, oder wenn ich seine Erniedrigungen mitmachen darf, die mich tief verletzen, weil er nach “ich Chef, du nix” verfährt?

So einfach ist das nicht, Freunde. Nichts ist einfach im BDSM. Nicht, wenn man es halbwegs ernstnimmt.

So. Weitermachen.

Standard