Inflation der Devotion/Dominanz oder der Etikettenschwindel

Das Thema an sich geistert in meinen WhatsApp bzw auf meiner TL ja schon seit….na ja, immer schon rum. Und die wunderbare @CrowswithHalos hat in ihrem super Dummdom-Beitrag von vor ein paar Tagen das Thema wieder vor meiner Nase fallen lassen und jetzt kann ich nicht mehr anders.

Also. Wie schreib ich das jetzt, ohne am Ende noch zu klingen wie der allseits beläch…. äh geschätzte Szene-Autor aus Berlin? Und ich will ja auch nicht stunden- und tagelang auf irgendwelchen Begrifflichkeiten rumreiten.

Aber….

Ich glaube, dass zwischen den sogenannten Dummdoms und Subs bzw zwischen Doms und den sogenannten Wunschzettelsubs ein Missverständnis gibt. Welches den sehr inflationär gebrauchten Begriffen “devot” und “dominant” geschuldet ist, und der Verwässerung dieser Begriffe bzw deren Bedeutung durch die “Mainstreamisierung” des BDSM. Durch DIESE FILME EINSELF, und auch ansonsten, im Nachgang. Da ist weder einer dumm, noch ist eine von schlechtem Benehmen. Es passt nur einfach nicht.

Ich bin ziemlich sicher, dass diese Ansicht nicht ultra-beliebt sein wird, und ich will um Gottes Willen niemandem seine Art der Auslebung seines “BDSM” nehmen oder in Abrede stellen oder sonstwas. Jede(r) wie sie/er mag. Nicht alle haben Zeit oder Lust, auf der Sklavenfarm einzuziehen, oder 24/7 der gestrenge Herr zu sein, der seinen Lifestyle nach den güldenen Regeln lebt, und zum Lachen in den Keller geht. Und ich selber bin in der Ausübung meines Traum-BDSM bzw – D/s ja auch durch das echte Leben und den Alltag verhindert…..

Darum geht es aber gar nicht. Es geht auch nicht darum, welche Praktik und wieviel aktive Zeit und Halsreif oder Safeword und Symbolik oder nicht. Worum es geht, ist, dass “devot” oder “dominant” sein eine innere Einstellung ist. Etwas, das man tief drinnen fühlt. Dass man sich in einem bestimmten Bereich zu bestimmenden Personen hingezogen fühlt, und gerne die Kontrolle abgibt, ob im erotischen Teilbereich des Lebens, oder auch im Alltag – in welcher Form und wie weit auch immer. Man genießt, dass man nicht entscheiden muss, was läuft, vielleicht was man anziehen soll, was zu erledigen ist, und man einfach folgen darf. Nicht weil man muss, sondern weil es einem in der Seele gut tut. Und weil es einen anmacht. Oder andersrum. Es geht darum, ob bzw dass man dieses Grundbedürfnis in sich trägt, das sich nicht leugnen oder unterdrücken lässt.

Man ist generell ein Mensch, der dem Partner gefallen will. Man ist ein Mensch, der eher viel Bestätigung braucht. Der das Gefühl braucht, dass jemand stolz auf ihn ist und dass er/sie “gefällt”. Der dem anderen Teil gerne etwas Gutes tut, und sich selber dabei zurücknimmt. Das ist vielleicht der Kern des Ganzen. Dabei kann diese devote Person allen anderen Leuten auf der Welt gegenüber auch dominant sein, und sich die Butter im Alltag definitiv nicht vom Brot klauen lassen. Das hat mit Devotion dem Einen gegenüber rein gar nichts zu tun. Die sexuelle Komponente und die Leidensfähigkeit oder der Masochismus, falls vorhanden, kommen zu dieser geistigen Grundhaltung dann noch dazu, sind aber absolut nicht der Kern.

Ich glaube, eine Person zu sein, die grundsätzlich egoistisch ist, oder sich selbst und ihre Bedürfnisse generell über Alles stellt, und sich selbst am Wichtigsten nimmt, kann man nicht devot nennen. Das widerspricht sich total.

Man kann auf Ohrfeigen stehen, auf Schmerzen, auf einen harten Fick, auf Bondage, Nadeln, Public Disgrace, was auch immer. Wenn das nur für Treffen gilt, nur für Sessions, nur fürs Schlafzimmer, und man ganz einfach auf diese Sorte Sex steht, dann ist das alles fein. Aber das macht einen nicht devot im eigentlichen Sinn. Dann ist man – meiner Meinung nach – das, was ich “schlafzimmersubmissiv” nenne, und was der gute @EmEmBDSM als “Erlebnissexualität” bezeichnet. Da fehlt die Grundeinstellung. Das Grundbedürfnis, zu dienen. Devot ist anders. Devot ist viel mehr.

Und mit der Dominanz funktioniert es genauso, nur andersrum. Man ist nicht “dominant”, nur weil man beim Sex Frauen gern ein Halsband anlegt, sie an den Haaren packt, und einem harten Fick nicht abgeneigt ist. Damit ist man kein Lifestyle Dom. Dann dominiert man beim Sex gerne den Partner. Und wenn es einen aufgeilt, der oder dem “Sub” Schmerzen zuzufügen, sie oder ihn zu quälen und Spuren auf ihm oder ihr zu hinterlassen, dann ist man Sadist, aber noch lange kein wirklicher Dom. Was ja beides auch total fein ist. Aber es macht eben keinen “Dominant” aus einem. Ich nehme an, das ist der Grund für die Vielzahl dieser Schenkelklopfer im Joy, wenn es heißt “dominant” und 10 Zeilen weiter unten “Geht gar nicht: BDSM/SM”.

(Vielleicht ist man dann noch Macho, oder besserwisserisch, oder narzisstisch, oder denkt, dass man mit der Tour einen Weg gefunden hat, seinen Egotrip durchzudrücken. Das sind dann die, vor denen man sich in Acht nehmen sollte.)

#einechterDOM (sorry, musste jetzt sein) hat die natürliche Grundeinstellung, dass er gerne die Führung hat. UND DAS AUCH KANN. Haben wollen kann man viel, wenn der Tag lang ist. Er kommt mit Verantwortung klar. Er weiß, wie der Hase läuft. Er ist gefestigt und umsichtig, und reflektiert. Sein Grundbedürfnis schließt es ein, sich kümmern und jemanden anleiten zu wollen. Er genießt es, die Kontrolle zu haben. Aber er hat auch die Fähigkeit dazu. Er ist nicht arrogant und überheblich. Er hat sich selbst und seinen Kram unter Kontrolle, bevor er sich anschickt, andere Menschen zu kontrollieren. All das kommt lange vor dem Bett und dem Schlagen. Und es geht weit darüber hinaus.

Und genau da sind wir wahrscheinlich bei dem großen Missverständnis. Bei der Sache mit den Schimpftiraden über “Wunschzettelsubs” hier und “Dummdom-Wannabes” da. Mal vorausgesetzt, dass keine bösen Absichten herrschen. Da gibt es nichts zu schimpfen und zu belächeln. Da prallen nur Leute aufeinander, die in ihren Bedürfnissen und ihrem Grundtuning total verschieden sind und sehr unterschiedliche Dinge wollen.

Ein Nicht-Lifestyle-Dom, der einfach gerne “bettdominant” ist, passt nicht zu einer Lifestyle Sub. Und umgekehrt. Eine “schlafzimmersubmissive” Frau passt nicht zu einem Lifestyle Dom. Aber alle, die mal FSoG gelesen haben, und einen Hauch Kink in sich spüren, nennen sich Dom oder Sub. Und das kann problematisch sein. Weil da unter Umständen eben Welten aufeinander treffen.

Echte Lifestyle Doms sind eine seltene Spezies. Wirklich devote Subs wahrscheinlich auch. So jemanden zu finden, ist jeweils nicht einfach. Und die Verwässerung der Szene durch Heerscharen von “Hobbysubs” und “-Herren” macht es nicht einfacher. Man fängt des öfteren mit jemandem was an, der oberflächlich so wirkt, oder vorgibt, etwas zu sein, was er/sie innerlich nicht ist.

Da liegt das Problem, denke ich.

NACHTRAG:

Da ich jetzt schon sehen kann, dass dieser Blogeintrag manchen Lesern etwas sauer aufstößt: ich versuche hier nicht, irgendjemanden als irgendwie weniger wert zu verunglimpfen, nur weil er oder sie ihr BDSM oder D/s nur “Teilzeit” ausleben kann oder will. Wie gesagt, darum geht es nicht.

Mir geht es um die Unterscheidung zwischen einem devoten Menschen und der Lebensart, wo man grundsätzlich ein sehr selbstbestimmtes Leben lebt, und sich aber eben ab und zu, während einer Session oder während des Sex gerne unterwirft. Weil ich glaube, darauf beruhen viele Missverständnisse und viele Enttäuschungen und viel Gemeckere.

Gegensätze ziehen sich vielleicht an, aber mit jemandem, der eine ganz andere Einstellung hat und ganz andere Ziele in einer Beziehung verfolgt, wird es auf Dauer nix, denke ich. Eine Frau, die nicht wirklich devot ist, wird in einer Beziehung, in der sie “erzogen” werden soll, und sich unterwerfen soll, und dienen soll, und zwar nicht nur beim Sex, sondern im LEBEN – mit einem Herrn, der mindestens 24/7 will, und womöglich mit Strafen reagiert, wenn was nicht klappt so wie er das will – nicht glücklich. Und ein Mann, der im Alltag am Führen eines anderen Menschen gar kein Interesse hat, und dem alles, was nichts mit Sex zu tun hat, zu viel Umstand und Arbeit ist, und der eigentlich bis auf geile Sexdates und Sessions seine Ruhe vor dem Kram will, der wird mit einer devoten Frau, die in einer D/s-Beziehung typischerweise needy ist und Aufmerksamkeit, Aufgaben, Zuwendung braucht wenn sie nicht emotinal verhungern soll, auch nicht froh. Und die Frau wird als nervig und als Klette empfunden.

Weil. Es. Nicht. Passt. Aber man hat sich im Internet und beim Kennenlernen natürlich “devot” und “dominant” genannt, und sich weiß Gott was alles vorgenommen. Was man nicht einhalten kann. Weil man, bzw einer davon, gar nicht so verkabelt ist. DAS meinte ich. Und dabei bleibe ich auch.

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Dominante Frauen. Und ich.

Schwieriges Thema. Zumal ich nur einige wenige Femdoms “online besser kenne”, aber keine einzige real life. Ich wohne halt bei Fuchs und Hase, und den Weg zu mir fanden bis jetzt nur ganze wenige Follower. Also kann ich nur von dem Bauchgefühl ausgehen, das ich so habe, wenn ich schreibe bzw lese, scrolle, durch Profile stöbere.

Tatsache ist, dass ich nur mit einem kleinen Teil der mir zumindest aus der Ferne bekannten Femdoms wirklich gut klarkomme. Bei den meisten anderen, die ich so lese, und über deren Konvos ich so scrolle, egal ob in der deutsch- oder in der englischsprachigen BDSM-Ecke von Twitter, sträubt sich mir immer unwillkürlich etwas das Nackenfell. Die Frage ist, warum.

Hm. Ich bilde mir bei sehr vielen dominanten Frauen ein, eine gewisse Bestimmtheit herauszulesen. Herauszu”hören”. Den Anspruch, dem Umfeld zu sagen – sagen zu DÜRFEN – wo es lang geht. Vor allem den in den Gesprächen/Threads anwesenden Subs. Da ist sehr oft ein gewisser überheblicher Unterton, ein Versuch der Dominanz, den ich schlicht und ergreifend überhaupt nicht ab kann.

Bei Männern stört mich das auch, allerdings bedeutend weniger. Bei Frauen geht das Ü-Ber-Haupt nicht. Warum DAS so ist, weiß ich nicht. Es ist aber auch im Alltag so, dass ich gerade Frauen, die sich mir gegenüber irgendwie “bossy” oder “bitchy” benehmen, hasse wie die Pest. Mehr noch als Männer. Und mich keinen Zentimeter dominieren lasse. Sondern auf Krawall bzw Konfrontation gebürstet bin. Tja, ich bin vielleicht devot, aber noch lange nicht für jede(n). Ich mag es überhaupt nicht, so gönnerhaft-süffisant von oben herab behandelt zu werden.

Das beherrschen einige Damen auf Twitter ausgesprochen gut, was erst letztens zu wiederkehrenden Kollisionen führte und zum letztendlichen Zwangsentfolgtwerden durch mich. Frauen, die mich behandeln, als wäre ich weniger wert als sie, weil ich in ihren Augen anscheinend weiter unten in der Hackordnung stehe als sie selbst, brauche ich so nötig wie ein Loch im Kopf. Vor allem die, die devote Menschen generell als “Subbies” bezeichnen. Ich weiß ja nicht, wie die darauf kommen, dass sie das dürfen, aber ich kann ihnen von hier aus versichern, dass das eine bodenlose Frechheit und respektlos as fuck ist. Und dass sie sich bei mir real life mindestens ne verbale Schelle holen würden. Wenn ich nicht DEINE Sub bin, dann behandele mich gefälligst auf Augenhöhe.

Wie gesagt, es gibt da einige ganz höfliche, echt liebe (darf man das so schreiben? ;)) Femdoms. aber halt auch andere. Und wenn ich deren Verhalten hier ihren Gesprächspartnern und vor allem – fremden wie eigenen – Subs gegenüber so beobachte, dann denke ich schon, dass die sich hinter den Kulissen genauso daneben benehmen wie online, und wahrscheinlich auch noch stolz darauf sind. Weil sie Arroganz, Selbstverliebtheit und das Niedermachen von anderen Menschen mit Dominanz verwechseln.

Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass manche dominanten Damen sich nicht ganz darüber im Klaren sind, dass sie für ihre Subs/Sklaven genauso da zu sein haben wie umgekehrt. Und, dass dieses D/s nicht nur aus Nehmen besteht, sondern auch aus Geben. Dass es nicht nur um SIE geht. Dass es nicht in Ordnung ist, den Sub wie das hinterletzte Arschloch zu behandeln (außer er WILL das so), und seinen latenten Hass auf Männer über so einen armes Schwein auszuleben, das einem ausgeliefert ist. Dass sie eine Verantwortung haben ihren Subs gegenüber.

Wie auch immer, es gibt ein paar ganz tolle dominante Frauen auf meiner TL, die ich sehr bewundere, aus vielerlei Gründen. Ihr wisst, wer ihr seid. Oder vielleicht auch nicht, hihi. 😉 Vom Rest halte ich mich fern, oder schnüffele mich nur durch die Profile, denke mir “igitt, dumme Nuss”, und gehe weiter. Und eine oder zwei Frauen würde ich vielleicht auch über eine Tasse Kaffee hinaus in meine Nähe lassen. Ganz vielleicht. Und das heißt viel für einen sehr sehr heterosexuellen Menschen wie mich.

Und dann gibt es andere, da würde der Versuch in einem SuperGAU enden. Vor allem, wenn ohne Vorankündigung im Zuge einer Session. Was mit persönlicher Extrem-Antipathie genauso zu tun hat, wie mit der Tatsache, dass ich so eben nicht ticke und aus heilloser Überforderung mit der Situation abbrechen würde. Das ist aber ein anderes Thema für einen anderen Beitrag…irgendwann.

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Und wie poly sind Sie so?

Das hier war ein alter Beitrag, den ich für 2020 überarbeitet habe.

Also. Die Sache mit dem “poly”. Wenn man so auf Twitter guckt, vor allem in der BDSM-Ecke, dann möchte man meinen, dass monogam dauerhaft ausverkauft ist. Und ja, vielleicht ist es wirklich so, dass der Mensch als altes Gesellschaftstier nicht dazu gemacht ist, sein Leben mit nur einem Partner zu verbringen, und dass Monogamie ein künstlich geschaffenes, zu starres, zu restriktives Konstrukt ist. Und im BDSM ist es ja geradezu guter Ton, mehr als einen Sexpartner zu haben. Da biste ja mit dem Anspruch, monogam leben zu wollen, schon ein merkwürdiges Labortierchen.

Ich selbst würde mich nach wie vor als “monogam+” beschreiben.

Ja, ich pflegte schon sexuelle Beziehungen zu mehreren Männern gleichzeitig, die verschiedene Teilbereiche meines BDSM abdeckten. Nämlich den Teil “Bondage” und den Teil “SM”. Der Teil D/s, ein für mich sehr zentraler und überaus wichtiger Teil, war über den Sommer und Herbst unbesetzt, da der Herr, der diesen Teil (zusammen mit allem außer Shibari) mit mir Anfang 2019 in Angriff nahm und mit dem es sich wirklich gut anfühlte, im späten Frühjahr erkrankte, und inzwischen leider verstorben ist.

Trotz der mehreren Spielpartner oder Kontakte in 2018 und 19 würde ich mich niemals als poly bezeichnen. Weder polyGAM noch polyAMOR. Der Gedanke, dass mein Herr noch weitere Subs hätte, wäre für mich schon furchtbar. Meinen Herrn/Partner aber auch noch mit jemandem oder mit mehreren EMOTIONAL teilen zu müssen, ist bzw wäre unerträglich.

Seit Anfang Dezember gibt es nun einen neuen Herrn, und es gibt exklusiv nur noch ihn. (Ok, und den Rigger, sofern dieser mal Zeit hätte. Und dann nur nach ok des Herrn, und innerhalb enger Grenzen. Fesseln. Sonst nix.)

Was ich mit meinem vorher bereits erwähnten “monogam+” meine:

MMF, zusätzliche Personen auf Parties, eine O-Nacht, dass er sich um irgendeine Sub kümmert während er mich fremdbenutzen lässt (in seiner Anwesenheit), das wäre – trotz des garantierten Mimimi und des Muffensausens vorab – wohl ok für mich. Weil ich ihm absolut vertraue.

Aber dass es in meiner BEZIEHUNG zu ihm, immer, ständig, jenseits von unbedeutendem PartySpaß mit Anhang noch eine andere – womöglich für sein Herz gleichwertige oder sogar wichtigere – Person gibt….DAS könnte ich nicht tolerieren. Deshalb sage ich ja “monogam+”.

Ich glaube sowieso, das ist der Knackpunkt bei den allermeisten dieser Poly-Konstrukte, die ich auf Twitter sehe. So gut wie ALLE diese Leute, die sich poly nennen, und diverse Beziehungen oder Sexkontakte pflegen, haben EINEN Hauptpartner oder EINE Hauptpartnerin. Sei das die langjährige Ehefrau daheim, der Lebenspartner, die Haupt- und oberste Sub. Da ist immer eine Person, der das Herz gehört, wenn es hart auf hart kommt. Die daheim ist. Die das “daheim” für einen AUSMACHT. Der Herzmensch. Der Partner in crime. Und von da aus gehend sind die Leute dann poly, und treffen andere Leute und unterhalten andere Beziehungen. Durchaus welche mit Zuneigung oder sogar Liebe diesen “Außenbeziehungen” gegenüber. Aber es gibt immer diesen Herzmenschen daheim oder sonstwo, als Konstante und sicheren Hafen neben den anderen Partnern, die oftmals nur Abschnittsbegleitungen sind. Und ich frage mich immer, was diese Menschen antworten würden, auf die Frage “Wenn das Ende der Welt nahte, wenn Sie nur eine/n retten könnten, wenn Sie Ihren letzten Tag hätten, wenn alle Stricke reißen würden….zu wem würden Sie gehen?”

Ich habe dieses Problem nicht. Ich habe keinen Partner oder Ehemann daheim, zu dem ich rennen hätte können, wenn eine Spielbeziehung den Bach runter ging. Oder bin in der Verlegenheit, wählen zu müssen zwischen 3 oder 4 Menschen. Und weil ich das nicht habe, sondern meine D/s-Beziehung zu meinem Herrn meine Beziehung IST, egal wie liebevoll und erfüllend diese auch sein mag, (und die jetzige entwickelt sich bis dato wirklich toll) käme poly sein und jemand anderen in dieser Beziehung drin haben für mich auch nicht in Frage.

Was für mich übrigens eine Grundbedingung für polygam wie auch polyamor ist, so von der Definition her:

Poly bedingt für mich immer, dass die Beziehung auf Langfristigkeit auslegt ist, und man sich mindestens gerne mag, und im Fall von polyamor wie der Name schon sagt Liebe, aber auf jeden Fall Emotionen im Spiel sind. Verbindlichkeit. Stabilität. Und Ehrlichkeit und Offenheit allen Beteiligten gegenüber!!!

Ja, die Emotionen machen es vielleicht aus…hm. Wenn ich fremdbenutzt werde/würde, oder in einem Club von jemand anderem als meinem Herrn bespielt, oder auf einem O-Event wildfremde Männer blase, dann ist/wäre das halt irgendwas mit Sex. Da sind keine Emotionen dabei. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ein geiler Abend und gut ist es. Mit poly hat das nichts zu tun, und ich denke DESHALB ist (wäre) mir sowas (wieder) möglich. Mit Gefühlen im Spiel, bzw mit einer dauerhaften Außenbeziehung, die man zu lieb gewinnt, würde es für mich schwierig. Den Körper herzugeben ist für mich deutlich einfacher als das Herz. Und das Herz teile ich nicht.

Der Begriff poly wird auch sehr inflationär genutzt, finde ich. Wenn man Single ist, und einfach nur gerne hier, da, und dort Sex hat, und verschiedene Gelegenheiten nutzt, im Club, mit einem oder mehreren Bekannten, als One Night Stand oder Affäre….dann ist man nicht “poly”, sondern ein Single, der halt sex-positiv ist, und gern rumfickt. Was ja total ok ist, weil warum nicht, wenn es keine Verbindlichkeiten und keine Verantwortung gegenüber irgendeinem festen Partner gibt, also keinen, um den man sich scheren müsste. Aber “Poly sein” ist das für mich nicht.

Und übrigens. Nachtrag:

Poly bedingt IMMER, dass alle voneinander wissen. Sich hintenrum, hinter dem Rücken der eigentlichen Partnerin oder Sub(s) mit anderen Leuten treffen zu wollen, und hier, da, dort rumficken, aber gleichzeitig darauf Wert zu legen, dass kein Tweet, kein Foto, keine Info, keine Nennung von Tatsachen auf Twitter gerät, damit man nicht mit den anderen Damen in Schwulitäten kommt….Das ist nicht Poly. Nur jämmerlich.

So geht Poly schon mal nicht. Das weiß sogar ich, und ich bin es nicht mal.😉😂

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