Und wie poly sind Sie so?

Das hier war ein alter Beitrag, den ich für 2020 überarbeitet habe.

Also. Die Sache mit dem “poly”. Wenn man so auf Twitter guckt, vor allem in der BDSM-Ecke, dann möchte man meinen, dass monogam dauerhaft ausverkauft ist. Und ja, vielleicht ist es wirklich so, dass der Mensch als altes Gesellschaftstier nicht dazu gemacht ist, sein Leben mit nur einem Partner zu verbringen, und dass Monogamie ein künstlich geschaffenes, zu starres, zu restriktives Konstrukt ist. Und im BDSM ist es ja geradezu guter Ton, mehr als einen Sexpartner zu haben. Da biste ja mit dem Anspruch, monogam leben zu wollen, schon ein merkwürdiges Labortierchen.

Ich selbst würde mich nach wie vor als “monogam+” beschreiben.

Ja, ich pflegte schon sexuelle Beziehungen zu mehreren Männern gleichzeitig, die verschiedene Teilbereiche meines BDSM abdeckten. Nämlich den Teil “Bondage” und den Teil “SM”. Der Teil D/s, ein für mich sehr zentraler und überaus wichtiger Teil, war über den Sommer und Herbst unbesetzt, da der Herr, der diesen Teil (zusammen mit allem außer Shibari) mit mir Anfang 2019 in Angriff nahm und mit dem es sich wirklich gut anfühlte, im späten Frühjahr erkrankte, und inzwischen leider verstorben ist.

Trotz der mehreren Spielpartner oder Kontakte in 2018 und 19 würde ich mich niemals als poly bezeichnen. Weder polyGAM noch polyAMOR. Der Gedanke, dass mein Herr noch weitere Subs hätte, wäre für mich schon furchtbar. Meinen Herrn/Partner aber auch noch mit jemandem oder mit mehreren EMOTIONAL teilen zu müssen, ist bzw wäre unerträglich.

Seit Anfang Dezember gibt es nun einen neuen Herrn, und es gibt exklusiv nur noch ihn. (Ok, und den Rigger, sofern dieser mal Zeit hätte. Und dann nur nach ok des Herrn, und innerhalb enger Grenzen. Fesseln. Sonst nix.)

Was ich mit meinem vorher bereits erwähnten “monogam+” meine:

MMF, zusätzliche Personen auf Parties, eine O-Nacht, dass er sich um irgendeine Sub kümmert während er mich fremdbenutzen lässt (in seiner Anwesenheit), das wäre – trotz des garantierten Mimimi und des Muffensausens vorab – wohl ok für mich. Weil ich ihm absolut vertraue.

Aber dass es in meiner BEZIEHUNG zu ihm, immer, ständig, jenseits von unbedeutendem PartySpaß mit Anhang noch eine andere – womöglich für sein Herz gleichwertige oder sogar wichtigere – Person gibt….DAS könnte ich nicht tolerieren. Deshalb sage ich ja “monogam+”.

Ich glaube sowieso, das ist der Knackpunkt bei den allermeisten dieser Poly-Konstrukte, die ich auf Twitter sehe. So gut wie ALLE diese Leute, die sich poly nennen, und diverse Beziehungen oder Sexkontakte pflegen, haben EINEN Hauptpartner oder EINE Hauptpartnerin. Sei das die langjährige Ehefrau daheim, der Lebenspartner, die Haupt- und oberste Sub. Da ist immer eine Person, der das Herz gehört, wenn es hart auf hart kommt. Die daheim ist. Die das “daheim” für einen AUSMACHT. Der Herzmensch. Der Partner in crime. Und von da aus gehend sind die Leute dann poly, und treffen andere Leute und unterhalten andere Beziehungen. Durchaus welche mit Zuneigung oder sogar Liebe diesen “Außenbeziehungen” gegenüber. Aber es gibt immer diesen Herzmenschen daheim oder sonstwo, als Konstante und sicheren Hafen neben den anderen Partnern, die oftmals nur Abschnittsbegleitungen sind. Und ich frage mich immer, was diese Menschen antworten würden, auf die Frage “Wenn das Ende der Welt nahte, wenn Sie nur eine/n retten könnten, wenn Sie Ihren letzten Tag hätten, wenn alle Stricke reißen würden….zu wem würden Sie gehen?”

Ich habe dieses Problem nicht. Ich habe keinen Partner oder Ehemann daheim, zu dem ich rennen hätte können, wenn eine Spielbeziehung den Bach runter ging. Oder bin in der Verlegenheit, wählen zu müssen zwischen 3 oder 4 Menschen. Und weil ich das nicht habe, sondern meine D/s-Beziehung zu meinem Herrn meine Beziehung IST, egal wie liebevoll und erfüllend diese auch sein mag, (und die jetzige entwickelt sich bis dato wirklich toll) käme poly sein und jemand anderen in dieser Beziehung drin haben für mich auch nicht in Frage.

Was für mich übrigens eine Grundbedingung für polygam wie auch polyamor ist, so von der Definition her:

Poly bedingt für mich immer, dass die Beziehung auf Langfristigkeit auslegt ist, und man sich mindestens gerne mag, und im Fall von polyamor wie der Name schon sagt Liebe, aber auf jeden Fall Emotionen im Spiel sind. Verbindlichkeit. Stabilität. Und Ehrlichkeit und Offenheit allen Beteiligten gegenüber!!!

Ja, die Emotionen machen es vielleicht aus…hm. Wenn ich fremdbenutzt werde/würde, oder in einem Club von jemand anderem als meinem Herrn bespielt, oder auf einem O-Event wildfremde Männer blase, dann ist/wäre das halt irgendwas mit Sex. Da sind keine Emotionen dabei. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ein geiler Abend und gut ist es. Mit poly hat das nichts zu tun, und ich denke DESHALB ist (wäre) mir sowas (wieder) möglich. Mit Gefühlen im Spiel, bzw mit einer dauerhaften Außenbeziehung, die man zu lieb gewinnt, würde es für mich schwierig. Den Körper herzugeben ist für mich deutlich einfacher als das Herz. Und das Herz teile ich nicht.

Der Begriff poly wird auch sehr inflationär genutzt, finde ich. Wenn man Single ist, und einfach nur gerne hier, da, und dort Sex hat, und verschiedene Gelegenheiten nutzt, im Club, mit einem oder mehreren Bekannten, als One Night Stand oder Affäre….dann ist man nicht “poly”, sondern ein Single, der halt sex-positiv ist, und gern rumfickt. Was ja total ok ist, weil warum nicht, wenn es keine Verbindlichkeiten und keine Verantwortung gegenüber irgendeinem festen Partner gibt, also keinen, um den man sich scheren müsste. Aber “Poly sein” ist das für mich nicht.

Und übrigens. Nachtrag:

Poly bedingt IMMER, dass alle voneinander wissen. Sich hintenrum, hinter dem Rücken der eigentlichen Partnerin oder Sub(s) mit anderen Leuten treffen zu wollen, und hier, da, dort rumficken, aber gleichzeitig darauf Wert zu legen, dass kein Tweet, kein Foto, keine Info, keine Nennung von Tatsachen auf Twitter gerät, damit man nicht mit den anderen Damen in Schwulitäten kommt….Das ist nicht Poly. Nur jämmerlich.

So geht Poly schon mal nicht. Das weiß sogar ich, und ich bin es nicht mal.😉😂

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6 thoughts on “Und wie poly sind Sie so?

  1. Ich bin nicht poly. Ich glaube an Treue in der Ehe und das als freie, bewusste Entscheidung aus Liebe. Der Körper ist keine Sache, die man benutzt oder benutzen lässt. Der Körper bin ich und wer meint, er kann Sex mit Dritten haben ohne Schaden zu nehmen und Schaden zu verursachen, macht sich selbst etwas vor. Beziehungsfähigkeit ist unmittelbar an Treue und Selbstbeherrschung geknüpft. Ich glaube, dass niemand poly ist. Es ist nur ein weiterer Begriff, sich und sein sexuelles Handeln zu rechtfertigen.

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    • M. says:

      Werter Volkmar,

      ich bezweifle sehr stark, daß Sie sich jemals wirklich und reflektiert mit dem Thema Polyamorie auseinander gesetzt haben.
      Hätten Sie dies, wäre ein anderer Kommentar dabei raus gekommen.

      Ihre Unterstellung, man mache sich etwas vor, belüge sich quasi selbst, wenn man mehrere Beziehungen hat und jeden der Partner einzeln liebt, ist schon arg dreist.

      Und ja, ich lebe poly und das sehr glücklich.
      Möchten Sie mir also sagen, ich mache mir etwas vor?
      Obgleich Sie nichts von mir wissen?
      Sie wissen nicht, ob ich je Schaden aus einer polyamorösen Beziehung davon getragen haben oder nicht.
      Dennoch erdreisten Sie sich, über mich zu urteilen?

      Gehen Sie in meinen Schuhen meinen Weg und dann unterhalten wir uns nochmal.

      Mit freundlichen Grüßen

      M.

      P. S.
      Ihnen scheint auch die Intention der Autorin nicht ganz klar zu sein.

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  2. Wie soll man sich denn mit dem Thema auseinandersetzen? Wie soll man das wirklich und reflektiert tun? Ich kann mich mit dem Menschen und seiner Wesensart auseinandersetzen. Als Christ glaube ich, dass jeder Mensch die gleichen Bedürfnisse, Grenzen und Herausforderungen an. Ich glaube, dass sich Liebe allein in der freien Bindung an einen Menschen und in der Treue zu diesem einen Menschen findet. Und zwar in er Ehe von Mann und Frau. Ich kann mich auch mit der Geschichte und den Beziehungsformen in der Geschichte auseinandersetzen. In Europa ist die Vielehe verboten. Das hat gute Gründe. Ob man es nun offene Ehe, Poly, Vielehe oder freie Liebe nennt ist unerheblich, weil es auf das gleiche hinausläuft und im Wesen dem Sinn menschlicher Sexualität widerspricht und dem Menschen schadet. Damit meine ich nicht nur die Sexpartner, ich meine auch die Kinder, die Großeltern, die Tanten und Onkel, die Großfamilie. Jedes Kind möchte wissen, wer die leiblichen Eltern und Großeltern sind. Jedes Kind hat ein Recht auf das eigene Erbe und damit meine ich nicht nur Materielles, aber auch das. Ich muss sie nicht kennen, um zu wissen, dass ihre Beziehungsform keine Zukunft hat und über kurz oder lang scheitern wird. Ich muss nur den Menschen kennen und die Geschichte der Menschheit. Hören sie sich doch selbst Mal zu, wie erbost und gereizt sie auf meinen kurzen Kommentar reagieren, eines Menschen, den sie nicht kennen und auch nicht kennen lernen werden. Warum also so empfindsam? Und Nein, ich möchte nicht in ihren Schuhen gehen. Ich bin seit 24 Jahren glücklich verheiratet und sehe keinen Sinn darin, aus egoistischen Gründen solche Experimente zu machen und Kindern und vielen anderen ohne Not eine schwere Bürde mit auf den Weg zu geben.

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    • Lieber Volkmar,
      mein Text hier hat darauf abgezielt, meine eigene Abgrezung gegnüber Poly-Beziehungen zu finden, und diese auch “aufzudröseln” für mich selbst. Und um zu betonen, dass in meiner Erfahrung viele davon kein wirkliches poly sind, sondern einfach sexuelle Erfahrungen mit verschiedenen Leuten. Worum es mir NICHT ging, war, eine poly Lebensweise grundsätzlich zu verdammen, oder eine Grundsatzdiskussion auf basis christlicher Werte daraus zu machen. Da sind Sie bei mir an der gaaaaanz falschen Adresse. Ich bin selber monogam+, was bedeutet, dass ich im Rahmen meiner BDSM Beziehung sehr wohl auch mal mit anderen Leuten außer meinem Herrn Sex hätte, wäre das gewünscht.
      Und den Satz mit “Ehe von Mann und Frau” habe ich geflissentlich überlesen, denn ich bin zutiefst überzeugt davon, dass es schnurzpiepsegal ist, ob Mann-Mann, Frau-Frau, Mann-Frau, trans oder sonstwas heiraten, so lange man sich liebt. Und mein Blog hat auch nichts mit Tanten, Enkeln und irgendwelchen Kindern zu tun, die angeblich unter der Art, wie ihre Eltern Sex haben und mit wem, leiden sollen. Das sehe ich komplett anders, bin aber an Diskussionen darüber auch nicht interessiert, und auf meinem Blog schon gar nicht.
      Ich will Ihnen Ihre Auffassung trotzdem nicht nehmen (was mir sicher auch nicht gelingen würde), aber hier ist definitiv nicht der rechte Platz dafür.

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  3. Ich will auch niemandem seine Auffassung nehmen, was ich eh nicht kann. Aber ich gehe davon aus, dass erwachsene Menschen mit den Meinungen anderer umgehen können und es aushalten, dass man zu Themen unterschiedliche Meinungen hat. Wenn sie die Frage stellen, wie poly sind sie? dann frage ich mich, wo soll denn der rechte Platz für die Antwort auf die Frage sein?

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    • Das war ein Titel. Eine hypothetische Frage. Der Aufhänger. Der war nicht dazu da, mir ellenlange Kommentare über Ihre religiös geprägte Weltanschauung drunter zu packen. Hätten Sie meinen Text verstanden bzw die Aussage, dann hätten Sie gemerkt, dass das hier keine Diskussionsrunde über religiös-moralische Grundsätze ist, sondern MEIN Gedankengang zu einem Thema. Nicht mehr und nicht weniger.
      Und damit beschließe ich diesen Thread jetzt auch.

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