Strafen und Züchtigungen

Es gab vor ein paar Tagen eine sehr interessante Diskussion auf Twitter zum Thema Strafe bzw Züchtigung. Blödes Wort, irgendwie. Der Witz daran ist nämlich, dass Züchtigung mit Bestrafung gar nichts zu tun hat. Zumindest in den Köpfen der Doms, mit denen ich zu tun hatte und habe.

Um Züchtigung kann man bitten (müssen), und da wären wir wieder bei Erniedrigung angelangt. Mir fällt es wahnsinnig schwer, meinen Dom oder Herrn darum zu bitten, mir das Fell über die Ohren zu ziehen. Wahrscheinlich, weil ich weiß, dass das jetzt gleich wirklich weh tun wird, und der noch normal funktionierende Teil meines verkorksten Hirns mich anschreit, ob ich denn komplett bekloppt bin. Aber ich schweife vom Thema ab….

Im englischsprachigen Twitter bzw BDSM Kontext reden sie andauernd von “punish” wenn sie züchtigen meinen. Finde ich nicht sehr gelungen. Denn warum soll man mich “bestrafen”, wenn ich nix verbockt habe? Das geht mir gegen den Strich, und gegen den Gerechtigkeitssinn. Ich möchte auch auf Deutsch nicht um Strafe bitten, wenn es nichts zu strafen gibt. Nee, das ist doof und geht GAR nicht. Also, züchtigen. Klingt auch sehr doof für mich, altmodisch und irgendwie komisch, aber nen besseren Vorschlag habe ich auch nicht. “Züchtigen” ist dann halt das Wort, das man benutzen kann, wenn es darum geht, den Arsch voll zu kriegen oder kriegen zu wollen, ohne dass man was ausgefressen hat.

Was mich zurück zu Twitter bringt, wo die Diskussion zu Tage förderte, dass es Gespanne gibt, wo einfach gespielt wird ohne Bestrafungen und ohne den Unterton von “Züchtigung” im Sinne von “disziplinieren” oder “an ihren Platz weisen”. Vielleicht, weil es in manchen Gespannen keine Dynamik und keinen “Platz” gibt, sondern man halt einfach spielt und Spaß hat. Es gibt Subs, die (körperliche) Bestrafungen gar nicht aufm Schirm haben bzw wo die Dynamik in der Beziehung so soft ist, dass sie gar nicht bestraft werden, selbst wenn sie was verkacken oder sich daneben benehmen. Es gibt Subs, die Schmerz wirklich hassen, und für die Schläge, die weh tun, eine echte Strafe sind (auch wenn es sich nur um Züchtigungen ohne Strafkontext handelt), und für sie nichts daran kinky oder geil ist. Und es gibt die, deren Dynamik eben Spielen mit Schlägen, aber auch Strafen jedweder Art vorsieht.

Strafen müssen ja auch nicht unbedingt körperlich weh tun. Es gibt natürlich für alle Verfehlungen 1000 Möglichkeiten, seinem Sadismus zu frönen und Denkzettel zu verpassen. Aber oftmals ist Ignorieren, Kontaktbeschränkung, Aufsatz schreiben lassen, Fotos von irgendwas echt Erniedrigendem schicken müssen, gestrichene Parties, Orgasmusverbot, etc etc viel schlimmer. Es gibt auch Gespanne, wo der Herr tatsächlich die Gewalt über das Twitter, fb, IG oder WA seiner Sub hat, und ihr zur Strafe verbietet, online zu gehen. Über solche Maßnahmen kann man streiten, und sie gehören sicher in keine Spielbeziehung, sondern haben ganz klar was von 24/7 bzw TPE. Aber das wäre für die meisten hier eine VIEL schlimmere Strafe als 20 oder 25 halbwegs ordentliche Rohrstockhiebe, da bin ich sicher.

Ich persönlich brauche für meinen Kopf und mein Seelenleben bekanntermaßen eine D/s-Dynamik über das Spiel hinaus. Und Strafen neben den Züchtigungen. Gerne mit Strafbuch. Mich macht das total an, und bringt mir Kopfkino und das Gefühl, Eigentum zu sein, und das brauche ich ja beides. Und ich brauche ein Gegenüber, das nicht einknickt, oder sich nicht erinnert, oder das Ganze nicht ernst nimmt. Wenn ich merke, dass hinter der Strafandrohung und den Regeln (hach, Regeln….gaaanz wichtig) nur heiße Luft ist, dann killt das die Dynamik. Ich bin jemand, der seinen Kopf aus fast jeder Schlinge herausreden bzw -argumentieren kann, und wer sich da von mir einwickeln lässt, der hat verloren. 😉

Was mir aber extremst wichtig ist, damit ich mich auf eine Dynamik, die Bestrafung einschließt, einlassen kann: der Herr muss GERECHT sein. und seine Strafen objektiv angemessen. Diese Art, sich irgendeinen Quatsch zusammenzureimen, nur um strafen zu können, oder die Regeln nach Gusto zu ändern, und zu feixen, wenn Sub unwissend diese dann bricht??? Mords-Sanktionen austeilen für Pipifax, weil ich Dom, du nix, und überhaupt?

Ha ha. Sehr lustig. Da will einer unbedingt an seiner Beziehung sägen.

Ich biete durch meine notorische Unpünktlichkeit, meine Vergesslichkeit, meine Schusseligkeit und mein sarkastisches Mundwerk (welches nur durchkommt, wenn ich mich mit jemandem wohlfühle und nicht (mehr) “fremdele”, übrigens) schon genug Steilvorlagen. Mehr braucht es nicht, und Unsicherheiten bezüglich Tageslaune und meines Regel-Rahmens kann ich echt nicht ab.

Wenn man das beachtet, kann man mit mir und 24/7 echt Spaß haben, denn eine Frau, ein Wort.

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Über Kopfkino, Tiefgang, und Hürden

Ficken geht mit Vielen.

Spielen geht mit Einigen.

Mich emotional einigermaßen öffnen dabei geht mit ganz Wenigen.

Alles, was andere Personen einschließt, geht nur mit dem Einen.

So könnte man das wohl kurz zusammenfassen. Ich habe in den letzten Jahren immer mehr gemerkt, dass mein Kopf da ganz krass unterscheidet.

Ficken kann ich theoretisch mit jedem Mann, den ich einigermaßen attraktiv finde, und der es verbal wie non-verbal richtig anstellt. Das ist dann aber nix tieferes. Und mit Zunge Küssen mag ich generell nicht wirklich gern, mochte ich noch nie. Und mit einem ONS gleich doppelt ungern. Das hat was mit Emotion zu tun, und ist da fehl am Platz.

Spielen geht mit deutlich weniger Menschen. Den Arsch voll bekommen, Sex, der sogar sehr gut sein kann, ja, auch Spuren, die einige Tage bleiben. Das kann sehr schön sein, und entspannt auch etwas.

Aber die wirklichen Sessions, die von der Intensität her und vom Schmerz her bis an die Grenze gehen, und vielleicht etwas darüber hinaus, und damit enden, dass ich als ein verrotztes, tränenüberströmtes, knochenloses und völlig tiefenentspanntes Häufchen da liege. Und wo ich genauso entspannt in seinen Armen liegen kann, und mich streicheln lassen ohne irgendwie verspannt zu sein und ohne mich aus der Situation weg zu wünschen… DIE gehen nur mit ganz Wenigen. Und zwar, weil es dafür emotional einfach “passen” muss. Dafür muss ich mich seelisch öffnen, und zwar so richtig. Das muss jemand sein, mit dem es sich “richtig” anfühlt, etwas zu tun, das so völlig pervers und landläufig verkorkst ist, und zu dem ich eine Verbindung aufbauen kann, die das zulässt. Es muss jemand sein, bei dem es mir nicht irgendwie komisch oder unpassend vorkommt, ihm den Kragen vollzuheulen.

Eine Gewöhnungsphase braucht es dafür nicht unbedingt. Wenn es passt, passt es. Das merke ich ganz ganz schnell.

Wofür es definitiv eine Gewöhnungsphase braucht, bzw viel Vorarbeit in Form von Gesprächen und eine gefestigte, vertrauensvolle D/s-Beziehung, in der ich die Dynamik auch spüre, das ist die komplette Vorführung/Fremdbenutzung/Verleih-Schiene. Dazu gehören auch 3er oder mehr. Dafür muss bzw müsste mein Kopf da sein, wo er hingehört, und das bekomme ich logischerweise nur in einer eingespielten Beziehung hin. Sowas ist nichts für gelegentliche Treffen ohne Alltagsdynamik, für einmalige Dates, oder für friends with benefits.

Und das ist definitiv nichts, was mal kurz zwischen Tür und Angel beschlossen und abgespult wird. Eine Atmosphäre, in der entweder Zeit- oder Leistungs-Erfüllungsdruck herrscht, oder man sozusagen eine Strichliste führt, eine Bucket List, wo alles drauf steht, was man mal erleben will, und dann trifft man sich, zack, liefern, zack, spielen, kein Tiefgang, keine Emotionen, keine Herzensverbindung, zack, 3 Sachen als abgearbeitet abhaken, Küsschen, bis zum nächsten Mal…..Das fände ich ganz schrecklich. Und meine Seele würde dabei Schaden nehmen.

Ich brauche die Einstimmung, die Rituale, das Gefühl, dass das jetzt etwas besonderes ist. Ich brauche die ganzen abgedroschenen Güldenes-Buch-Sprüche inkl Halsband.

“Du wirst jetzt eine schwanzgeile kleine Schlampe für mich sein und brav das tun, was man dir sagt. Streng dich an und mach mich stolz” oder so ähnlich. Irgendwas in der Art, so blöd wie es klingt, mein Kopf muss erst sicher im Sub Modus sein. Und ich muss wissen, dass der Herr immer die Kontrolle über alles hat. Und ich brauche Anleitung und Rückversicherung, um das Fickstück so richtig von der Leine lassen zu können.

Dass ich das kann, weiß ich. Bei dieser kleinen O-Nacht vor Ewigkeiten hat es einwandfrei funktioniert. Seitdem weiß ich, dass Fremdbenutzung/-bespielung durchaus mein Ding ist. 😂😈

Da hat alles gepasst, und die Stimmung auch. Ich bin halt auch eher der Club- bzw Eventtyp und weniger der Parkplatztyp. Das Ergebnis ist das gleiche, aber die Atmosphäre ist verschieden, und ob ich diese totale Erniedrigung durch Reduzierung auf 3 Löcher vertragen kann, ist sehr von der Atmosphäre, den Beteiligten, und ganz extrem von meiner Tagesform abhängig. Das ist nichts, was mal kurz rubbeldiekatz geht. Bin halt keine O, sondern mag nur solche Nächte.😉

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