Samstagabendgedanken

und wieder mal ein Samstag Abend, kinderfrei, zu Hause. Das wird jetzt übrigens ein potentiell vor Selbstmitleid zerfließender Post über alles und nix. Aber ich habe tatsächlich Zeit, und weiß nichts mit ihr anzufangen. Die Buchführung ist gemacht, die Nägel sind lackiert, die Haare gewaschen, die Bude ist sauber, und ich sitze hier. Allein. Verdammt noch mal.

Der Rigger ist auf irgend nem Workshop. Die einzige Freundin vor Ort ist im Yoga-Camp. Und mein Date ist für heute ins Wasser gefallen, verschoben wegen höherer Gewalt. Ein altes Auto und kein schneller Werkstatt-Termin. Also, das vom Date. Und das schreibt sich gar nicht so leicht. Date. Weil ich idealerweise gar kein Date mit jemandem gebraucht hätte. Ich hatte einen Herrn, der mir gut tat (und ich ihm auch, hoffe ich zumindest). Und dann kam diese doofe Erkrankung seinerseits, und wenn er wieder fit ist, dann schickt seine Firma ihn als nächstes für viele Monate ins Ausland. Ich bin immer noch fast täglich kurz auf WA mit ihm, über alles und nichts, Gott und die Welt, nur über BDSM längst kein Wort mehr. Noch für eine lange Zeit hab ich das durchgezogen, weil ich es wollte, aber vor Kurzem dann doch mit dem “guten Morgen mein Herr” aufgehört. War ganz schön schwer. Seufz.

Und sich wieder im Joy und in der SZ umzusehen, kostet genau so viel Kraft und Nerven wie vor seiner Zeit. Der Profiltext im Joy kommt heute oder morgen dran, der in der SZ ist frisch abgeändert. Mit dem Ergebnis, dass sich von der Domme über gebundene Männer bis zum Switcher wieder alles meldet, vorzugsweise aus 300+ km Entfernung. Den sowieso schon für meine Verhätnisse sehr kurzen Profiltext liest keine Sau, und die, die ihn lesen, ignorieren den Hinweis auf die Bedeutung der ortsnahen PLZ geflissentlich. Und ich stelle wieder fest, dass ich in einer Ecke Deutschlands sitze, in der echte Lifestyler völlige Mangelware sind. Die dreieinhalb brauchbaren bzw interessanten sind vergeben, einer ist 77 (!) Jahre alt. Der Rest besteht aus Dummdom-Material, potentiellen bzw erfahrungsgemäßen Narzissten, oder ist schon von der Vorliebenliste her inkompatibel. Der Matcher bringt nichts, was in Frage kommt.

Also tue ich das, was alle tun. Man weicht auf einen größeren Suchradius aus, bzw macht Kompromisse. Und verdrängt die Entfernungsproblematik, wider besseres Wissen. Was allerdings Männer aus Bern (ca. 450km), oder aus Linz (auch um die 400km) oder aus Hamburg (hahahaaaaa) dazu bewegt, sich bei mir mit total netten, aber völlig sinnlosen Anschreiben zu melden “ist nicht gerade ums Eck, aber findest du nicht auch, dass wir sehr gut passen würden?”, das bleibt mir verborgen. Da könnte er auch gleich aus Island oder Griechenland sein. Das wäre realistisch gesehen auch schon egal. Und wie kann es sein, dass diese Männer bei sich in der Gegend niemanden finden? Sie sind nicht hässlich, und schreiben intelligente Sätze, und kommen wie normale Menschen rüber. Gibt es denn in der Stadt keine devoten Frauen mehr? Oder sind die alle nur erlebnissexuelle FSoG-Mädels, und die Herren weichen vor Verzweiflung ans andere Ende Deutschlands aus? Ist ja traurig.

Aber bei mir schaut es ja auch nicht besser aus. Hatten wir ja schon. Meine Anforderungen, damit aus einem Einmal-Date etwas festes werden kann, sind nicht wenige. Das weiß ich. Aber ich bin da realistisch, und habe aus Erfahrung gelernt. Auch, wenn träumen so schön ist….

Langfristig regelmäßig machbare Entfernung, freie Zeit abseits von Samstagen, Besuchbarkeit, aber auch Bereitschaft, mir wenns nicht anders geht, entgegen zu fahren und ggf ein günstiges (Tages)Zimmer irgendwo näher bei mir zu buchen, und die Bereitschaft, mir auch in einer festen (Spiel)Beziehung meinen Rigger zu lassen, sind genauso wichtig wie Alter, Aussehen, Charakter, Intelligenz, BDSM -Erfahrung, sexuelle Vorlieben und Beziehungsstatus. Ja, ich weiß. Das sind viele Punkte. Aber so ist es halt.

Und mit den meisten der wenigen Männer, die überhaupt in Betracht kommen, hat man einfach keine Chemie. Da weiß man nach 2 Sätzen gar nicht, was man noch schreiben soll. Und von den ganz wenigen zwei, drei, die übrig bleiben, wollen einer oder zwei MICH nicht. Weil ich zu alt, zu dick, oder anderweitig nicht ihr Typ bin. Meine großen Tattoos scheiden auch die Geister. Kinder, die automatisch nur durch ihre Existenz seine Thronbesteigung vereiteln, ein zweisamkeitsfeindlicher, belastender Job, und meine dadurch bedingte Müdigkeit und Unfähigkeit, spätabends noch zig Kilometer nach Hause zu fahren ohne Unfall, kommen noch dazu. Da mache ich mir keine Illusionen.

Ich bin nur zugegebenermaßen wirklich zeitweise etwas deprimiert, dass wieder ein Herbst rumgeht, ohne dass ich auf einem Event oder einer Party war. Was erlebt habe. GELEBT habe, verdammte Axt. Ein Club, ein gebuchtes Zimmer im Dominastudio zu München, eine Nacht im BDSM Apartment. Ich tu hier gerade so, als wäre ich jung und gesund, und hätte alle Zeit der Welt. Aber was soll ich irgendwo allein? Und auf Twitter bekomme ich mit, dass gefühlt 80% meiner TL regelmäßig auf diverse Veranstaltungen verschwinden. Grmpf. Und ich hatte jemanden, und jetzt doch wieder nicht.

Wobei die Gründe nachvollziehbar und verständlich sind, und ich weder verarscht noch hintergangen noch abserviert wurde. Und diesem Menschen sehr dankbar bin, dass er sich mit mir die Mühe gemacht hat, aus einer verunsicherten, selbstvertrauensbefreiten, psychisch angeditschten Frau wieder jemanden zu machen, der sich selbst gut genug ist und den Kopf hoch hält. Und weiß, dass sie was aushält, und nicht wenig. Und dass der, dem das zu wenig ist, das Problem hat, und nicht ich. Man könnte salopp sagen, mein letzter Herr hat mein Selbstvertrauen und meinen Stolz gekonnt und mit Empathie wieder in mich reingeprügelt, und in ein paar tränenreichen Sessions den Schaden durch den Vorgänger repariert.

Und weil ich ein eher optimistischer und pragmatischer Typ bin, stehe ich nach einem kurzen Mimimi halt wieder auf, rücke das Krönchen zurecht, und schaue, was ich tun kann.

Ich kann endlich die Fülle an aufgeschobenen Arztterminen in Angriff nehmen, und habe das auch bereits begonnen. Von der Gyn über den Neuro und den Dermatologen bis zum Dentisten und den Chiropraktiker ist alles dabei, inkl 2 kurzen Vollnarkosen. So ist das, wenn man 20 Jahre lang nur buckelt und funktioniert, und Raubbau an seiner Gesundheit betreibt zum Wohle der Anderen. Dann hat man irgendwann kaputte Gelenke, Venen, Wirbelsäule, und muss versuchen, das auszubügeln. Und muss überall die Vorsorgen, Reinigungen und Darmspiegelungen und Screenings und Zeugs nachholen, die man Jahr für Jahr geschoben hat.

Ich kann zum Sport gehen. Endlich wieder. Ist auch bitter nötig, wenn ich das kraftlose Gewabbel, das mein Körper ist, so betrachte. Es gibt 65jährige, die fitter sind als ich. Wobei beim Sport tatsächlich Rentnerprogramm angesagt ist, bis ich weiß, dass ich soweit ok bin, dass ich nicht plötzlich herztot vom Crosstrainer falle, und was ich meinem Rücken überhaupt zumuten darf. Aber besser als nix.

Ich kann die Wohnung ausmisten und kistenweise zu kleine Kinderklamotten und Schuhe oder meine berühmten Fehl- und Frustkäufe der letzten 3 Jahre zur Kleidersammlung für Rumänien fahren. Natürlich könnte ich das Zeug auch verkaufen. Ebay, Kleiderkreisel, Flohmarkt. Aber das kostet mich Zeit, die ich nicht habe, und Nerven, die ich auch nicht habe. Also betrachte ich es als meine gute Tat anstatt Geldspenden, das Zeug zu verschenken. Und zwar dorthin, wo man sich über getragene Klamotten und Schuhe noch freut, und nicht die Helferinnen sich selber die besten Sachen rauspicken, und den Rest nur jahreszeitlich unpassend (die wollen jetzt nur Winterklamotten, aber ich will den bereits zu kleinen Sommer loswerden. Den Winter tragen wir ja bis zum Frühling, ne?), oder nur in neuwertig gnädigst annehmen, wie in unserer örtlichen Kleiderkammer. Aber in einer ordentlichen Wohnung, die leerer ist als vorher, fühle ich mich immer wohler, also muss das sein. Ausmisten und wegwerfen entspannt mich.

Und ich kann ab und zu zum Rigger gehen ohne Zeitdruck. Der wollte den ganzen Sommer in den Wald bzw die Natur mit mir, und nie war es zeitlich drin. Dafür ist jetzt endlich Zeit für verkorkstere Fesselungen, die z.B. die Bambusstangen, die an seiner Wand lehnen, mit einbeziehen.

Ich kann schreiben, so wie jetzt gerade. Auch das entspannt und ordnet Gedanken.

Und ich kann daten. Den einen Kandidaten, der es durch die Instanzen bis nach WA geschafft hat und da noch sitzt, ohne dass mein Bullshit – O – Meter ausgeschlagen hat. Ich schau einfach, ob man sich real life riechen kann und was, realistisch gesehen, möglich sein wird. Ja, ich hätte schon ein, zwei Männer, die ich wohl für nen Arsch voll und nen Fick treffen könnte. Aber ich möchte eigentlich nichts so unverbindliches, abgehacktes. Nix, WA, Session, Tschüss, nix. Das habe ich ausprobiert, das ist nichts für mich. Ich brauche eine Verbindung zu diesem Menschen jenseits der Türe. D/s, subtiles 24/7, im Idealfall. Vertrauen und Respekt trotz Gefälle.

Und den Arsch voll. Ja, das brauch ich auch mal wieder. Dringend.

Standard

2 thoughts on “Samstagabendgedanken

  1. Jens says:

    Interessant…. ich hatte Deinen Blog seit langer Zeit abonniert über meine “Dark-Side” Mailadresse, die ich nur gelegentlich lese. Heute seit langem mal wieder aufgeräumt, ein potentielles Date findet auch nicht statt und ich hatte mir die Zeit genommen.
    Für mich ist es so, dass ich weiß: Es hat alles seinen Sinn und ich habe aufgehört, nach dem Sinn und den Erklärungen zu suchen. Manchmal kommt “der Sinn” einfach so vorbei 🙂

    Liked by 2 people

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s