Doms Aufgabengebiete oder wofür hat man den denn, wenn er nix entscheidet???

Nach ein paar WA zum Thema mit der lieben @Wortkomponistin dachte ich mir, ich schreib die Gedankengänge mal etwas “öffentlicher”. Vielleicht lesen es ja ein paar selbsterklärt dominante, dem D/s zugeneigte Männer, und lernen vielleicht sogar was dabei.

Auf das Thema kamen wir durch eine Konvo über Partykleidung, und Frauen, die nicht wissen, was sie anziehen sollen. Gut, unsicher ist man immer, unabhängig davon, ob man lange dürre Haxn hat oder nicht, aber im Zweifelsfall sollte für die Endabnahme des Outfits und die Entscheidung dann eigentlich der Herr da sein. Wofür hat man den denn, wenn er nix entscheidet? Das war der Beginn des Gedankenganges, dem ihr jetzt diesen herrlichen Eintrag hier verdankt.

Wieder einmal ist dieser Eintrag SUBJEKTIV gehalten, das heißt ihr müsst nicht so denken und D/s so wollen wie ich, aber mein Kopf denkt halt so.

Bei meinem letzten Herrn durfte ich meinen Alltag behalten, weil es einfach kaum zu machen, und unrealistisch ist, Leute 24/7 bei der Arbeit und im Familienleben dauerreglementieren zu wollen. Hose im Job? Klar. Flache Arbeitsschuhe? Ja, was denn sonst. Da High Heels oder nur noch Röcke, oder nie mehr Unterwäsche (auch nicht bei -23 Grad im Januar!!!!) zu verlangen, oder Subs eine Woche im Metallkeuschheitsgürtel in ihren Alltag zu entlassen? Sorry, auf sowas kommen nur Spinner.

Aber für TREFFEN, oder gemeinsame Zeit, oder Sessions, oder für irgendwas, das mit BDSM zu tun hat, will ich fragen müssen. So bin ich halt. Zuletzt ging ER mit mir shoppen, und seitdem habe ich 2 kurze, schwarze Röcke daheim, die ich mir nie im Leben gekauft hätte, weil sie mir viel zu kurz sind, die mir aber zugegebenermaßen gar nicht schlecht stehen. Dieses durch den Laden bummeln mit ihm, und hiflos zusehen, wie ER Sachen aussucht, und auf ein gebrummeltes “och nö…” nur einen Blick und ein “das entscheidest nicht du” zurück kriegen…..das macht mich an. Und ist doch das Salz in der Suppe, schließlich.

Ich kann mich auch erinnern, dass ich einmal -ohne zu fragen – Unterwäsche bestellte. Nur zum Anprobieren, aber sie war halt für Treffen gedacht. Das war wieder einmal so ein Fall, wo ich etwas besonders gut machen wollte, und mein vorauseilender Gehorsam – um drei Ecken rum- mir zum Verhängnis wurde. Weil ich da hätte fragen müssen. Das tat dann beim nächsten Treffen weh. Und…..auch DAS macht mich an. Nicht unbedingt die Strafen. Denn wenn man jemanden hat, der das ernstnimmt und nicht nur wischiwaschi spielt, dann fordert man Strafen besser nicht heraus. Aber das Gefühl, dass es durchgezogen wird, und Mann zu seinem Wort und den Vereinbarungen steht. Die Führung hat, die Kontrolle hat. Dass ich nicht aus der Sache rauskomm. DAS macht mich an.

Und im Umkehrschluss lässt das Fehlen dieser “Merkmale” mein Interesse an jemandem recht schnell erkalten. Es geht ja nicht nur bzw nötigenfalls um Klamotten und Schuhe, oder die Frage “Höschen, oder unten ohne?” Es geht um mehr. Es geht um den D/s-Gedanken per se. Dass ER führt, und ich mich führen lassen will. Es geht um den Gedanken, Eigentum zu sein. Es geht um das Wissen, dass er sich Arbeit und Gedanken macht, was er wann von mir verlangen kann, und wie er mich fordern und mein Hirn beschäftigt halten kann. Es geht darum, dass die oftmals großen Töne, die viele Herrschaften anfangs gerne spucken, auch noch nach 2 Wochen deutlich hörbar sind, und nicht mit einem leisen Meersau-Quietscher im Nirvana des seichten Alltags verschwinden.

Das ist übrigens für mich persönlich bei schriftlichem Kontakt zu potentiellen Anwärtern um den Job immer ein recht sicheres Kriterium:

Wie reagiert er auf spielerisch anzügliche Bemerkungen? Kann er mit Sprache jonglieren? Kann er zwischen der Zeilen lesen? KAPIERT ER, was ich sagen will, und steigt er drauf ein? Und was kommt dann von ihm? Dummgeschwätz, unerotisches Bla, niveaubefreites Übers-Ziel-Hinausschießen? Ignoriert er es und schreibt weiter, als wäre ich irgendeine Bekannte? Oder hat er die sich ihm bietende Chance gar nicht gerafft, und steigt deshalb nicht drauf ein? Oder macht er den Eindruck, gar nicht zu wollen? Kommt er Möchtegern-dominant rüber und ich finde ihn nur irgendwas zwischen langweilig und peinlich? Oder ist er so ein extrem seltenes Exemplar, das das Spiel mit der Sprache beherrscht, und es vermag, einem ganz beiläufig selbst härtestes Sex-Vokabular so gekonnt an den Kopf zu knallen, dass es kein turn-off ist. Sondern das Kopfkino von 0 auf 100 geht, und die Worte so nach natürlicher Dominanz “riechen”, dass frau schon beim Lesen spüren kann, wie sich ein Stockwerk tiefer alles zusammenzieht. Fuck yes. Das sind die Guten. Die sind nur leider selten.

Ich schweife ab…..obwohl, eigentlich doch nicht. Diese Fähigkeit, mit Sprache zu spielen, ist nämlich wichtig, um auch später noch seine Wünsche, Anträge, Aufträge so rüberzubringen, dass Sub ihm aus der Hand frisst. Ihr Männer glaubt ja gar nicht, was gezielt eingesetzte und klug gewählte Worte in Schrift oder auch (auf)gesprochen, bei uns auslösen können. Und wenn ihr es wissen solltet, warum zum Henker benutzt ihr das Wissen dann nicht?

Es soll da ja so Frauen* geben, die auf gekonnt rübergebrachte Befehle hin fast schon wegschwimmen, bevor sie überhaupt angefangen haben, die Aufgabe in Angriff zu nehmen. Frauen, die sich wünschen, auf sie zugeschnittene, perfekte Erniedrigungen zu hören, gepaart mit ein paar liebenden Ohrfeigen. Frauen, die ab und zu das gute alte “Du gehörst mir” hören oder lesen wollen. Und die Dominanzgehabe á la *auf dem Nachhauseweg unvermittelt am Hals gegen die Wand drücken und mit der anderen Hand zwischen die Beine fahren* oder *beim Küssen im Nacken packen und so fixieren* lieben.

**mich

Warum machen so viele von euch das nur zu Anfang, und lassen dann schnell stark nach? Genauso wie bei euren Nachrichten oder Messages? Wenn dieses D/s-Ding halbwegs klappen soll, dann müsst ihr euch bemühen. Nicht nur einmalig. Nein, auch nicht andauernd. Aber konstant. Denn wenn mal 2 Wochen kein Gespräch über Orgasmuskontrolle bzw Wichsen stattfindet, und ihr anfangs NATÜRLICH die Kontrolle da drüber wolltet, aber danach weder Aufträge noch Verbote erteilt, noch euch drum kümmert, warum Sub seit 3 Wochen nix mehr dazu gefragt hat…..wieso soll Sub sich dann noch an etwas halten, oder euch informieren? Wer so viel Desinteresse zeigt, dem muss man diesbezüglich auch nicht mehr gehorchen. Ist euch ja eh egal, anscheinend.

Und so schaut es in vielen Bereichen aus. Wir folgen gern, unsere Submissivität und unsere Bereitschaft zur Hingabe und zum Gehorsam ist geweckt, und wir sind wie ein Hund, der wedelnd zu Füßen des Herrn sitzt und sehnsüchtig darauf wartet, dass er endlich dieses verfickte Stöckchen wirft. JA DANN WERFT ES HALT AUCH, HERRGOTT. Seid mal etwas kreativ.

Das ist auch so eine Sache: Ihr seid die Doms. Die Herren. Wölfe. Leader. Was auch immer. Dann führt doch bitte auch. Sucht euch ein Szenario aus. Plant die gemeinsame Zeit. Seid kreativ dabei und übernehmt die Kontrolle. Es gibt nicht viel, was ein größerer turn-off für mich ist als ein Dom, dem ich Vorschläge machen und Anweisungen geben muss wie einem großen Kind, das nicht weiß, was es tun soll oder könnte.

Probier doch mal Xy aus.

Wie wäre es , wenn du zuerst AB benutzst, und dann CD.

Wir könnten doch dieses und jenes…

Fessel doch mal so und so.

Benutz doch mal die Augenbinde…..

Es gab schon Männer, denen ich meinen Wunschzettel präsentieren konnte, und den haben sie dann treuherzig und gewissenhaft abgearbeitet. Klar, war nett. Frau weiß, was kommt, und das sind dann ganz entspannte Stunden mit Orgasmusgarantie. Aber mit BDSM hat das nix zu tun. Das ist…nett, eben. Mehr nicht. Keine Spannung, kein Anflug von Angst, keine Grenzgänge. Nett.

Und dieses selber die Kontrolle haben, sich selber die Session ausdenken, den Alltag selbst mit etwas Kopfkino aufzuhübschen, selbst kreativ sein müssen, selbst den Dom anstupfen zu müssen, ob er denn nicht Anweisungen geben oder Aufgaben oder Hausaufgaben geben möchte??? Ob er denn nicht mal die Klamottensache übernehmen könnte? Ob er denn nicht Strafen einführen könnte? Ob er denn nicht mal mit mir raus gehen könnte? …..

Ganz ehrlich? Das ist nicht mein Scheiß-Job. Das ist DEINER. DU bist der Herr. Schon vergessen? Ich bin nicht deine Mama, und nicht deine Lehrerin. Du sagtest, du wärst erfahren? Dann MACH MAL. Ich bin hier, um loszulassen und dir zu folgen, und nicht, um wieder kontrollieren und planen zu müssen. Wie soll ich das mit dem Loslassen denn hinkriegen, wenn ich es de facto nicht kann? Also führe doch bitte. Und zwar nicht nur alle heiligen Zeiten mal, sondern IMMER. Manchmal subtil und ganz im Hintergrund, und manchmal ganz offensichtlich. Ein paar WA innerhalb 24 Stunden müssten drin sein. Das dauert ein paar Sekunden. Die hast du, da bin ich sicher. Du weißt den abgesteckten Rahmen, du weißt, was du wann schon tun kannst und was nicht. Das ist dein Kerngeschäft. Dein ursprüngliches, grundsätzliches Aufgabengebiet. Sei kreativ, sei konstant, sei verlässlich.

Dieses mal Hü, mal Hott, anfangs volle Pulle D/s, und dann nix mehr, manchmal Strafe, manchmal vergessen oder zu faul, sich nicht um die Einhaltung von Absprachen kümmern, sich nicht um die SUB samt ihrem Kopf kümmern, das ist der Tod. Und da verliert Frau dann das Interesse, und die Bereitschaft, sich drauf einzulassen, geht hopps. Der Zauber ist weg.

Und das kann doch keiner wollen.

P.S. ich sage hier definitiv nicht, dass ein Dom die ganze Beziehungsarbeit allein stemmen muss, und noch dazu täglich die wildesten Szenarien entwerfen und durchziehen. Und täglich vor Stärke und Dominanz strotzen.

Nee, überhaupt nicht. Aber die grundsätzliche Fähigkeit, die Dinge, die er sich in seinem versauten Hirn ausdenkt, eloquent rüberzubringen, und zwar ohne das Zutun der Sub. Und die Kreativität, sich überhaupt versaute Dinge auszudenken.

Das sollte ein Mensch mit Führungsanspruch schon haben. Nur, weil man Herr sein will, ist man aber noch längst kein guter. Reden, lesen, sich was abgucken, lernen.

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