Familiendommse – Sub. Switchen für Fortgeschrittene.

Beim Kaffee-Gequassel in WA kommen einem doch echt gute Blogideen.

Was brauche ich eigentlich, um in meinen “Sub-Modus” zu finden? Und warum brauche ich da was, wo es für andere Frauen augenscheinlich total easy ist, einfach zu “funktionieren”, obwohl meine Submissivität sich doch nicht allein aufs Schlafzimmer oder auf Treffen bezieht, sondern immer da ist? Hm.

Ich hab da drüber nachgedacht, und es wird wohl daran liegen, dass ich im Alltag die Kontrolle haben muss, die Verantwortung trage, und organisieren muss. Ich bin die Familiendommse. Und da komme ich im Kopf nicht so schnell raus. Ich tue mich auch in einer neuen Beziehung wie jetzt gerade, immer schwer damit, mich nicht um allen möglichen Kram kümmern zu wollen. Hier was googlen, da was aussuchen, mir über Anreisemöglichkeiten bei Glatteis den Kopf zu zerbrechen. Also, nicht MEINE Anreisemöglichkeiten. Für mich ist klar, dass ich mich todesmutig bei jedem Wetter versuche, durchzubeißen. Nee, SEINE Anreisemöglichkeiten. Das wurde letztes Mal amüsiert mit der Bemerkung “du bist es gewohnt, zu organisieren, nicht wahr?” zur Kenntnis genommen, aber für unnötig erklärt. Ich denke aber, dass ich dieses Verhalten nicht weiterhin wiederholen sollte, sonst gibt es irgendwann sicher weniger Amüsement. Ich bemühe mich.

Soweit ist das wahrscheinlich bei den meisten Subs, die im Alltag eher dominant sind (sein müssen) so. Dass die sich mit Loslassen schwer tun. Aber mir kommt es so vor, als ob viele davon den Schalter schneller umlegen können als ich. Oder den Schalter schneller finden.

Bei manchen, wenn ich Tweets oder Blogs über die Sessions und Erlebnisse so lese, habe ich den Eindruck, als wäre da gar keine Challenge, keine Herausforderung, kein mimimi, keine Überwindung, keine Angst. Die kommen rein, knien sich hin, und funktionieren wie ein Uhrwerk. Ohne mit der Wimper zu zucken. Egal, was auf sie zukommt. Und ich denke mir, die sind weder submissiver als ich, noch haben sie jemanden, dem sie mehr vertrauen können als ich. Denn dass ich meinem Herrn vertraue, habe ich schon mehrfach ganz ganz früh gezeigt, weil ich einfach das starke Gefühl hatte, dass ich das kann. Und ich wurde bis dato auch nicht enttäuscht im Gegenzug.

Nee, ich glaube, die sind einfach psychisch anders gestrickt als ich. Die stecken neue, vielleicht sogar unangenehme Dinge anscheinend deutlich einfacher weg. Die sind emotional entweder mordsstark und dabei sehr unbekümmert, oder vielleicht teilweise einfach nur mit allen Wassern gewaschen und abgebrüht. Und das bin ich beides nicht. Hm.

Ich brauche bei einem Treffen erstmal eine Anlaufzeit, um meinen Kopf dahin zu bringen, wo er sein soll. Die beginnt schon daheim, mit seinen Anweisungen über WA. Damit, dass ich mich anziehe und fertigmache. Die 30 oder 45 Minuten Fahrt brauche ich dann dringend zum innerlichen Sortieren und zur Vorbereitung. Dabei fährt mir grundsätzlich dann noch meine notorische Unpünktlichkeit (für die ich aber meist gar nix kann) in die Parade.

Ich bin immer viel zu knapp dran, weil ich an Tagen, an denen ich unverschämter Weise mal ein paar Stunden devote Frau sein können will und nicht nur Mutter und Arbeitstier, umso mehr vorarbeiten und vorbereiten muss als sonst. Ich muss an 1000 Sachen denken, muss noch alles fertig bekommen, für das ich sonst den Rest des Tages hätte, und meistens will dann noch irgendeiner irgendeinen Scheiß von mir in letzter Sekunde, oder es gibt noch 4 waaaaaahnsinnig wichtige Anrufe. Murphy´s Law.

Alles hinzukriegen in der Zeit ist jedes Mal unmöglich, ich bin spät unrettbar spät dran, und fühle mich wegen beidem schlecht, und dann könnte noch viel Verkehr sein und kein Parkplatz. Wenn ich in meinem grundsätzlich zum Scheitern verurteilten Perfektionismus dann am Treffpunkt erscheine, dann bin ich innerlich vor Stress und Druck fast am Rotieren. Die Unsicherheit in einem ungewohnten Outfit bzw Klamottenstil macht es dann nicht besser. Und sein (An)Blick gibt mir dann den Rest.

Sprich, ich brauche dann tatsächlich ersteinmal eine Kaffeelänge, um bei mir anzukommen. So, wie mein neuer Herr das auch mit mir macht bis jetzt. Die Dynamik ist sowieso immer da, das Gefälle bei seinem Anblick auch sofort, und die Berührungen, Küsse, Worte…eine Hand im Nacken oder seine Hand, die mein Handgelenk umfasst, zudrückt, und hält, helfen da sehr. Aber mir sofort und ohne Verschnaufer eine Session, Schmerzen, Dinge, die mich in der Öffentlichkeit große Überwindung kosten, fremde bzw zusätzliche Menschen o.ä. aufs Auge zu drücken, das würde mit mir nicht klappen. Dazu bin ich innerlich emotional zu angespannt.

Aber für die Entspannung sorgt er mit seiner ruhigen, unaufgeregten, dominanten Art geradezu perfekt. Das ist wichtig, das brauche ich.

Ich brauche eben einen in sich ruhenden, bestimmenden, (nicht einfach nur rechthaberischen) Mann. Einen, der nicht genauso hibbelig und unsicher und zum innerlichen Herzgankerl neigend ist wie ich. Einen, mit dem ich mich nicht immer weiter hochschaukle, weil er völlig doof reagiert, sondern der mich geschickt unten hält. Äh, also, im übertragenen Sinne. 😉

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#einThemaDreiAnsichten: “Tabu”

Ich habe das Vergnügen, mit bzw parallel zu den wunderbaren @needfull_1 und @CrowswithHalos eine Art Blogparade-ähnlichen Eintrag zu schreiben. Man findet die drei Einträge unter oben stehendem Hashtag, und das Thema der Wahl ist “Tabu”.

Ein schönes, weit gefasstes Thema, zu dem jede von uns die eigenen Gedanken schreiben wird. Wie sie es sieht, wie sie es für sich handhabt, vielleicht auch, was es einschließt oder ob Tabus überhaupt vorhanden sind oder einem Metakonsens gewichen sind oder jemals weichen könnten. All sowas eben.

Dann googlen wir doch erst mal die Definition: Ein TABU ist ein ungeschriebenes Gesetz, das innerhalb einer bestimmten Gesellschaft oder Wertegemeinschaft aufgrund deren allgemeingültiger Anschauung es verbietet, bestimmte Dinge zu tun.

Also ist ein Tabu etwas, das nicht akzeptiert ist, und auf totale Ablehnung stößt. Im BDSM ist ein Tabu dann eben nicht gesellschaftlich zu betrachten, sondern bezieht sich auf einzelne Personen und darauf, was diese unter keinen Umständen bereit sind, zu tun oder über sich ergehen zu lassen. Einfach weil es sich um Dinge, Handlungen, Praktiken handelt, die besagte Person komplett für sich ablehnt, sei es aus gesundheitlichen Gründen, aus psychologischen Gründen, oder weil die Person die Sache einfach nur fürchterlich oder unüberwindbar eklig findet. Oder sogar im BDSM SO pervers, dass man es beim besten Wissen und Gewissen nicht mitmachen kann und will. Oder wenn es sich um Ungesetzliches, Illegales handelt, und man dazu zu gesetzestreu ist.

Mit mir persönlich ist das mit den Tabus so ne Sache. Es gibt einige Dinge, die seit Anfang meiner BDSM-“Karriere” feststanden, sich seitdem nie geändert haben, und auch niemals ändern werden.

KV (“Kaviar”, also Kacke).

Tiere (sollte klar sein. Ist es aber leider nicht).

Kinder (siehe Tiere).

Netzfund, Quelle unbekannt. Genau wegen solcher Vollidioten und ihrer Ideen sind Tabulisten und Verhandlungen so wichtig. So, nun weiter im Text.

Einflussnahme jenseits von gut gemeinten Ratschlägen in mein Geschäft, den Job, sprich: meine Finanzen, die Kindererziehung, oder meine Kontakte zu Verwandten oder Freunden in der Vanillawelt.

Psychoterror, Verhör, Bootcamp, echte Todesangst. Die psychologisch harte, krasse Schiene eben. Die halte ich psychisch nicht aus.

Haare oder Augenbrauen rasieren oder verunstalten. Ich bin gern bereit, brav vor dem Friseurbesuch zu fragen, wie viel weg darf oder ob ich die Farbe mal wechseln darf. Aber wer denkt, er kann mir nen 2mm-Schnitt oder ne Glatze rasieren, der überlebt den Tag nicht. Ernsthaft. Limit, hart wie Diamant.

Alles, das mit Age Play – über die 08/15-Schulmädchenuniform hinaus (in der ich mir auch reichlich lächerlich vorkäme) – oder mit Windeln, Schnullern, Lätzchen, Malbüchern, und sonstigem Kinderkram auch nur ANSATZWEISE zu tun hat. Sieht man, dass ich schon hier Ausnahmen mache bzw mein eigenes Tabu aufweiche? Schulmädchenuniform geht gerade noch….

Sämtliche Praktiken oder Handlungen, die generell oder von ihrer Intensität her in dauerhaften, bleibenden Schäden (Nervenschäden , durchlöcherte oder ausgeleierte oder kaputt gedehnte Körperteile….) resultieren, oder mit deren Spuren ich im Alltag nicht mehr normal funktionieren kann (Hörstürze, arg verdroschene Füße, Platzwunden am Arsch, Veilchen oder schlimmeres im Gesicht….) Bleibende Spuren in Form von Narben durch ein Branding oder in Form eines Tattoos, als Eigentumsmarkierung? Wenn die große beiderseitige Liebe der nächsten 30 Jahre vorbeikommt, sag ich nicht nein.

Prostitution, Parkplätze, oder eigenständiges Aufreißen und Abschleppen irgendwelcher Typen auf Geheiß. Sorry, nicht meine Welt. Parkplätze? Echt? Und was, wenn nur Vorführung oder zuschauen lassen? Hm?

Pet Play, zumindest jenseits von Decke, Napf und Plug mit Schwanz. Also diese komplette Hund/Schwein/Pferd/Pony etc-Sache. Ich identifiziere mich als erwachsene Frau und das wars auch schon. Soso. Katzenschwanz und auf der Decke pennen würde ich also mitmachen, wenn es sein müsste? Schon wieder so ein aufgeweichtes Kompromiss-Tabu….

Die meisten Sachen im Klinik-Bereich. Aufblähungen, Infusionen, Harnröhrenmanipulationen, Vernähungen, extremere Nadel-Geschichten……Aber Nadeln sind nicht total ausgeschlossen? Nur nix extremes? Und so ein bisserl Gynstuhl mit etwas Dehnung wäre doch ganz geil….

Public Humiliation in der öffentlichen Öffentlichkeit. Weil ich nicht zwischen Vanillas gezerrt und geoutet werden will, und weil ich es auch den Vanillas da draußen gegenüber extremst übergriffig empfinde, sie ungefragt mit BDSM zu überfallen und zu belästigen. Aber im Café mehr küssend halb zu liegen als zu sitzen, das ging dann doch.

Das sind die Dinge, die mir momentan so spontan einfallen. Klingt wie eine lange Liste? Ist es aber nicht. Es gibt im BDSM fast nichts, das es NICHT gibt, und meine Tabu-Liste ist ein verschwindend kleiner Ausschnitt sämtlicher Praktiken, Handlungen, Spielarten oder Richtungen, in die die Sache sich entwickeln kann.

Und wie man an den kursiv gedruckten Anführungen innerhalb der wirklichen “Tabus” sieht, neige ich auch innerhalb der Tabus zu Kompromissen, und weiche sie auf, und hole raus, was irgendwie noch machbar ist… Ja, ich bin standhaft, wie gesagt. Nicht.

Alles andere außer den wirklich knallharten Tabusachen für mich, ist meiner Erfahrung nach vom Gegenüber abhängig. Das Loslassen können, die Kontrollabgabe, das tiefe Vertrauen zum Überbordwerfen (fast) der gesamten Tabuliste irgendwann einmal, und das Safeword gleich mit, steht und fällt mit dem Herrn. Mit dem Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens.

Beispiel gefällig? Ich würde einem random Spielgefährten, den ich noch nicht gut kenne, oder einem Spielpartner, mit dem es keine tiefere Bindung gibt, niemals erlauben, mich zu würgen, oder mir mehr als eine ganz leichte, spielerische Watschn zu geben. Er dürfte mir niemals mit Nadeln ankommen. Er dürfte definitiv niemals irgendwas mit NS (Natursekt, also Piss Play) mit mir machen. Er dürfte mich nicht verbal krass erniedrigen (also jenseits von “kleiner Schlampe”). Er dürfte mir auch nicht in den Mund spucken, oder verlangen, dass ich seinen Arsch rimme. Er dürfte mich nicht in ein Pornokino schleifen, oder mir ein MM(MMM)F organisieren. Und noch viele andere Dinge nicht.

Der “Richtige”, also der, der mich kennt, mit dem die Chemie stimmt, mit dem ich eine tiefe Bindung auf D/s-Ebene aufbauen kann, und bei dem ich einfach das Gefühl habe, dass “es passt” zwischen uns…..DER darf das alles früher oder später. Und wahrscheinlich noch viel mehr. Manche gerade eben als Beispiele zur Veranschaulichung aufgezählten Dinge sind da total einfach für mich, manche sind auf meiner Horror-Liste. Aber sie sind beim richtigen Herrn eben kein Tabu, sondern etwas, das ich vielleicht deutlich mehr fürchterlich als geil finde, aber aus meiner Devotion heraus tue oder tun würde. All die Dinge, die einen gewissen Horror oder eine gewisse Angst in mir erzeugen, oder die nicht geil, sondern erniedrigend für mich sind, stehen und fallen mit dem Gegenüber. Deshalb halte ich mich mit ausufernden Aussagen bezüglich Tabus eher zurück. Ich habe vieles noch nicht probiert, und kenne ja noch lange nicht alle schmutzigen Taschenspielertricks und Gemeinheiten, mit denen Dom so ums Eck kommen könnte. Deshalb kann ich zu Anfang einer Beziehung gar nicht genau sagen, was womöglich für mich wirklich nicht geht, und was ich zu tun bereit bin. Und ehrlichgesagt, fange ich was anderes als eine Beziehung, die mir diese Nähe und Vertrautheit in Aussicht stellt, gar nicht mehr an.

Das bringt mich zum nächsten wichtigen Punkt bezüglich Tabus. Man muss REDEN. Ganz viel, ganz oft, ganz lang, ganz ehrlich. Man muss sagen, welche Erfahrungen man schon gemacht hat,wo eventuell Trigger oder ein altes Trauma liegen (z.B. bei mir persönlich die Sache mit dem Natursekt), wo Ängste sind. Man muss sich vorab informieren über Praktiken und Kinks, und sich Gedanken machen, was man sich vorstellen kann und was eben nicht. Ein Vordruck hilft, oder ein Neigungsbogen. Oder man scrollt durch das A-Z der Begriffe in der Sklavenzentrale. Man kann googlen, Wikipedia bemühen, oder andere Leute auf Twitter fragen. Denn wie soll man denn Tabus erdenken und verhandeln, wenn man keine Ahnung hat, was es alles gibt, und wie sich Dinge anfühlen? Ich kann mich erinnern, wie naiv ich vor einigen Jahren bezüglich Stockschlägen und -spuren war. Ich habe später Bauklötze gestaunt, WIE weh das tat, und zwar schon lange bevor es die Spuren gab, die ich so als Grenze gedacht hatte. Pah!

Anfängliche Tabulisten sollte man, vor allem, wenn sie von Neulingen kommen, nicht als in Stein gemeißelt betrachten. Gute Herrschaften wissen das, lassen Nachverhandlungen zu, und re(a)gieren empathisch und nicht mit Eisenfaust bezüglich irgendwelcher Dinge, die ja schließlich nicht auf der Tabuliste stehen. Mit dem rücksichtslosen Durchdrücken von allem, was auf keiner Liste ist, tut man sich keinen Gefallen.

Und wenn ich gerade dabei bin, last but not least sozusagen: Wenn man sich in einer glücklichen D/s-Beziehung voll Vertrauen und Geborgenheit dazu entscheidet, die Tabuliste und das Safeword aufzugeben, und TPE zu leben, also den Metakonsens, und damit der Herrschaft komplett freie Hand gibt, was mit einem geschieht und wann….dann sollte das vernünftigerweise immer mit einem Menschen sein, der sehr ähnliche Vorlieben und Abneigungen hat wie man selbst. Vielleicht mit ein paar “Challenges” darunter, die aber kein Riesen-Tabu für einen sind. Dürfte klar sein, warum? Und man sollte sehr sorgfältig einen Menschen auswählen, der es gut mit einem meint, und der kein Arsch ist. Auch nicht manchmal. Sondern gar nicht. Sonst wird man spätestens im TPE, also ohne Tabus, eine gewaltige Bruchlandung machen. Das oftmals in der Vanillawelt zitierte Sprüchlein “Gegensätze ziehen sich an” funktioniert im BDSM genau null Minuten.

So, das war alles, was mir momentan zum Thema TABU eingefallen ist. Eventuelle spätere Eingebungen findet man dann hier drunter….

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