#EinThemaDreiAnsichten- höher, schneller, weiter

Jetzt muss ich doch mal was dazu schreiben, damit man hier auf mich nicht immer warten muss…;) Ja mei, diese Sucht, möglichst schnell möglichst viel zu erleben, und möglichst “gut” dabei zu sein. Kenn ich. Haben wahrscheinlich die meisten Subs. Das ist ja im Alltag auch nicht anders. Ein Teenie, der Gitarre spielen lernt und total ungeduldig und frustriert ist, weil ihm nach vollen 5 Wochen harten Trainings einfach immer noch kein Tremonti-Solo gelingen will ….Eine kleine Ballettratte, die heult, weil sie nach nem Jahr Kinderballett immer noch nicht so tanzen kann wie die Profis im TV. Warum sollte es im BDSM anders sein? Da hat man etwas, idealerweise auch jemanden gefunden, was und den man mit jeder Faser seines Körpers und vor allem seiner etwas dunkelgrauschwarzen Seele liebt, und kann das alles meist bei weitem nicht so oft und so intensiv ausleben wie man möchte. Weil Alltag, Job, Kinder, Entfernung……irgendwas ist ja immer. Und dann versucht man, so viel wie nur geht, mitzunehmen bei jeder Gelegenheit. Logisch.

Funktioniert allerdings nur begrenzt. Weil im BDSM eigentlich der Weg das Ziel ist. Wirklich gut wird SM sowieso erst, wenn man einen festen (Spiel)Partner gefunden hat. Weil man sich auf den anderen einstellen muss, vertrauen lernen muss, und alles, was man tut, nicht bei 150% anfängt, sondern sich langsam steigert. Praktiken, Werkzeuge, Sessions, Schmerzen….man geht eben zusammen einen Weg, und ein endgültiges Ziel darf und kann es eigentlich gar nicht geben, weil was wäre die Konsequenz? Dass man dann miteinander fertig ist. Am Ziel steigst du aus und gehst getrennter Wege. Also vergessen wir das mit dem Ziel. Der Weg ist wichtig, und da gibt es schier endlose Straßen und Routen.

So ist es auch beim Bondage, und ja, derselbe Gedankengang gilt auch im D/s, Stichwort “Ausbildung”. Das heißt halt in diesem groben, kalten “BDSM-Sprech” so. Das muss aber eigentlich auch ein Weg sein, den man zusammen geht, und wo der Weg das Ziel ist. Denn sonst ist man irgendwann fertig ausgebildet, und was dann? Wird man dann rausgeworfen und die Beziehung ist vorbei, und dann steht man da mit Sklavinnen-Gesellenbrief in der Tasche und äh, was dann? Vor allem vor dem Hintergrund, dass eh niemand eine fertige, geprüfte Meister-Sklavin haben will, weil alle Doms ja Neulinge ausbilden wollen…Zumal D/s auf mehr als einer Spielbeziehung beruhen muss, um wirklich gut zu funktionieren. Dafür braucht es zwischenmenschliche Passung, Zuneigung, im Idealfall Liebe. Das ist doch nicht vorbei, wenn die Ausbildung vorbei ist. Wäre doch Blödsinn. Also ist auch da der Weg das Ziel.

Und auch auf diesem Weg kann es einem nicht schnell genug gehen, mit 1000 Dingen… Vor allem, wenn man monate- oder jahrelang nicht die Gelegenheit hatte, sich auszuleben. Es fühlt sich so gut an und man kann gar nicht genug bekommen. Wobei ich da dieser Tage deutlich eingebremst werde von meinem Herrn. Durch sein andersartiges Herangehen allein schon bin ich bezüglich Sex/Selbstbefriedigung/GV ziemlich runtergeschraubt bis fast auf null. Was mir nicht wirklich gefällt, aber ich nehme es brav hin und halte es halt aus, und hoffe still, dass es nicht zu lange immer so weitergeht. Auf der anderen Seite wäre mir das Fallen ins gegenteilige Extrem aber auch nicht möglich. Weil Alltag, eben. Und meine Ungeduld, meine Neugier, und meine Nervosität, wenn ich im Dunkeln tappe drüber, was wann wie geschehen wird, sind ihm ja auch nicht entgangen. All das zu lernen, und es auch auszuhalten, sind Bestandteile der “Ausbildung”. Na dann…

Der kritischere Punkt ist die elende Vergleicherei mit anderen. Die kenne ich auch. Die ist hochgiftig, aber lässt sich zumindest für mich kaum komplett verhindern. Die begegnet einem vor allem Online, weil man so viel sieht, und mitbekommt. Auch, wenn Pornos nicht die Realität darstellen, Szenen geschnitten sind, kunstvolle Hängebondagefesselungen für den Betrachter unsichtbar im Vorfeld ein mehrköpfiges Team brauchten, um für ein paar wenige Minuten und für die Fotos so toll auszusehen. Vergleiche mit sich selbst und seinen Fähigkeiten sind dämlich, aber passieren. Das ist, wie wenn man sich mit den Hochglanzwerbungen in Modezeitschriften vergleicht. Man kann nur versuchen, sich selber da durch Rationaliät und nüchterne Betrachtung einzubremsen und im Zaume zu halten. Das klappt bei mir auch. Meistens. Einigermaßen.

Kleiner Einblick in den Wahnsinn.

Woher das kommt, weiß ich. Ich bin ehrgeizig, relativ perfektionistisch (zumindest wenn mir etwas wichtig ist), devot, will immer alles möglichst gut machen bis zu dem Punkt, wo ich übers Ziel hinaus schieße und mein vorauseilender Gehorsam oder mein Zuviel an “Mitdenken” mir zum Verhängnis wird. Bin aber auch ein sehr unsicherer Mensch, bzw verunsicherter Mensch, gerade was Beziehungen betrifft. Weil ich halt schon derbe auf die Fresse gefallen bin. Und auch bezüglich meines Aussehens sehr unsicher, und war ursprünglich null komma null “Body Positive”. Ich leitete meinen Wert für andere Leute seit meiner Jugend über mein Aussehen ab. Und bin damals schon als fetter Brillenträgerteenie immer Ausschussware gewesen. Das prägt einen leider sehr. Aus dem Muster kommt man nur langsam raus, aber hey, es wird.

Ich bin eine Weltklasse – “Over Thinkerin”. Schreiben Sie mir eine Antwort, und ich werde versuchen, mit meiner Kristallkugel den WAHREN Inhalt der Nachricht herauszukriegen. Also das, was Sie NICHT geschrieben, sondern ganz bestimmt nur gemeint haben. Um daraus potentiell den Zustand und die Zukunft der Beziehung herzuleiten. Schreiben Sie einsilbig, und ich erfühle und erdenke mir den Rest des Satzes dazu. Antworten Sie gar nicht, und ich sage Ihnen, was da nicht steht, was Sie aber ganz sicher sagen wollten. Schicken Sie mir ein Bild oder einen Link, oder machen Sie eine Bemerkung, und ich will mich unwillkürlich sofort damit vergleichen.

Ist die jünger, dünner, hübscher? Kann die mehr? Bläst die besser? ist die dehn- und biegbarer? HÄLT DIE MEHR AUS ??!!?

HÄLT. DIE. MEHR. AUS. Das ist für viele Subs der Kernsatz bei der Vergleicherei. Andere sind besser, halten viel mehr aus, gehen weiter, kommen mühelos in den Subspace, den man so nur vom Hörensagen kennt, stellen sich besser an, tragen Spuren, bei deren Anblick allein man schon fast in Tränen ausbricht… Woher diese Denke bei mir kam….auch das weiß ich. Die Zeit beim Narzissten hatte mich so werden lassen. Ich ging mit dem Willen und Wunsch, es für ihn gut zu machen rein, und kam mit einem miesen Selbstwert und für ihn niemals gut genug wieder raus. Meine totale Verunsicherung, an der er sich weidete, brauchte Monate um zu verschwinden. Und einen umsichtigen, anderen Herrn, der sie mir sprichwörtlich und gekonnt wieder rausprügelte, und mich mit den Worten “und lass dir ja von keinem mehr einreden, dass du nix aushälst!!” entließ.

Diese Denke, dieses zu viel zu schnell wollen, und zu viel aushalten wollen, um zu gefallen, und dann noch dumme, völlig irrationale und überflüssige Vergleiche mit anderen anstellen, ist pures Gift. Und man muss da wirklich ganz nüchtern gegensteuern. Sich einbremsen. Sich immer wieder sagen, hey, es ist alles ok, er hat dir noch nie einen Grund gegeben, negativ zu denken. Er ist nicht schuld an dem, was andere versaut haben. Er hat Arbeit. Er hat ein Leben. Du auch. Lass gut sein und mach dich nicht verrückt. Es ist alles gut.

Das klappt auch, und mit der Zeit dürfte es bei allen Subs, die in so einem irren Hamsterrad denken ( und ich glaube, das sind viele), besser werden. Wenn sie merken, dass sie (hoffentlich, denn das ist unabdingbar!) einen Partner haben, der sie ehrlich und respektvoll behandelt, und sie für ihn so o.k. sind wie sie sind. Ohne Arsch aus Stahlbeton und ohne Modelmaße, und mit einem Gehorsam, der, oder mit einer Schmerztoleranz, die ausbaufähig sind.

Dann können sie sich endlich auf das konzentrieren, was eigentlich wichtig ist. Sich selber, den Partner, und den gemeinsamen Weg durch die Weiten des BDSM. Und dann können sie das alles auch GENIESSEN, ohne zu hetzen und zu eilen, und ohne sich immer so ungesund zu vergleichen.

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