Geduld

Geduld. Die Fähigkeit, zu warten. Die Ausdauer im ruhigen, beherrschten, nachsichtigen Ertragen von Zustand Xy. Das kommt raus, wenn man “Geduld” in Google eingibt, oder im Duden nachschaut.

Als Synonyme für Geduld werden oft : Ausdauer, Beständigkeit, Nachsicht, Gleichmut, Duldsamkeit angegeben. Einige passen besser und einige sind bisschen was Anderes, zumindest für mich, aber sei es drum.

Um “Geduld” zu haben, ist eine gewisse Impulskontrolle wichtig, die jede/r haben sollte. Die ist allerdings bei dem einen Menschen mehr und bei dem anderen eben deutlich weniger ausgeprägt. Impulskontrolle ist nicht nur unter Mitmenschen im Privaten wichtig, sondern auch für den schulischen und beruflichen Erfolg im Leben unerlässlich. Oder andersrum gesagt, wenn man andauernd ungeduldig und ohne nötige Selbstkontrolle und impulsiv statt überlegt durchs Leben eiert, kommt man meist nicht weit. Außer, man wird komplett durchgeknallter Performance Künstler vielleicht. Aber man wird anecken, und sich selbst Steine in den Weg legen.

Neben der Impulskontrolle ist auch die Fähigkeit wichtig, einen Gratifikationsaufschub oder sogar den Verzicht auf Gratifikation zu ertragen. Wer kennt ihn nicht, den Frust oder die Befremdung, wenn es nach getaner Arbeit oder nach Bemühungen oder trotz Pflichtbewusstsein keine Belohnung, kein greifbares, positives Resultat, kein Lob gibt. Ob das jetzt der Kollege ist, der das “Danke, war ne super Idee” wieder mal vergisst, oder ob es einem Herrn bei einer Session augenscheinlich egal ist, ob auch DU gekommen bist…es ist frustrierend, macht sauer, ist unbefriedigend. Aber wer nicht lernt, damit umzugehen, dass es zumindest nicht immer sofort ein “Zuckerl” gibt, der hat es halt im Leben schwer.

Was sagt die Psychologie also? Man möge Geduld erlernen. Das funktioniert nicht gleich gut bei jedem Menschen, je nach Persönlichkeitsstruktur etc, aber etwas kann jeder erlernen. Man kann sich ablenken mit anderen Dingen, damit man nicht immer an das denkt, worauf man ungeduldig wartet. Man kann versuchen, achtsam zu sein und den inneren Druck zu reduzieren. Man kann versuchen, seine innere Einstellung an unabänderliche Gegebenheiten anzupassen, sprich, sich mit Dingen, die man jetzt nicht ändern kann, zu arrangieren. Das soll es leichter machen. Man soll optimistisch sein (haha) und sich einen realistischen Rahmen schaffen, anstatt zeitlich zu eng zu planen.

So weit die Theorie.

Ich durfte diesen Blogbeitrag namens “Geduld” schreiben, weil ich um einen Themenvorschlag für einen Blogbeitrag gebeten hatte. Damit mein Kopf ein bisschen beschäftigt ist und eine Aufgabe hat. Und weil er sich genau dieses Thema rausgepickt hat, und den Blogeintrag als den Kaufpreis für 1x Wichsen definiert hat. Jetzt musste er auch geduldig sein, weil ich eine Woche brauchte, um diesen Beitrag zusammenzuschreiben und die Formulierungen und Gedankengänge auszuformulieren. Ich neige ja dazu, keinen einzigen Satz jemals einfach so hinzurotzen und ohne nochmaliges Durchlesen zu posten. Ich hasse sowas. Und Rechtschreibfehler auch. Und wenn ich dann so Korrektur lese, fällt mir noch was ein, das ich vergessen habe. Oder ich frage mich, ob man das so oder so schreiben kann…..und dann dauert es eben. Ist ja eindeutig MEIN Problem, wenn ich tagelang nicht wichsen darf weil ich mit dem Blog so lange brauche. Aber das Thema ist nicht gerade einfach. Geduld. Das hat er sich wohl ausgesucht, weil ich neulich 2x nachgefragt habe, als lange keine Antwort kam. Nicht zum ersten Mal.

Man könnte jetzt lachen und denken hahaha muss sie halt Geduld lernen, die kleine Sub, ist ja auch anscheinend echt ungeduldig höhöhö. Das könnte vielleicht als Dom´scher Schenkelklopfer herhalten, und sicher gibt es dazu auch irgendwelche BDSM-Witzchen. Kann sie wieder nicht warten, musste sie wohl mal besser erziehen, nech? Aber nein. Das ist deutlich zu einfach, und wird mir auch nicht gerecht, finde ich. Die Sache ist wesentlich komplexer, und genau deshalb habe ich auch tagelang drüber gebrütet und mich, meine Handlungen, Nachfragen und Gefühle reflektiert, zurückschauend und so objektiv und gut es ging. Wenn schon, dann richtig. Halbe Sachen mag ich nicht.

Ja. Ich kann furchtbar, furchtbar ungeduldig sein. Wenn man an den “16 Personalities”, den mbti, interessiert ist, oder mal nachlesen möchte, ich finde diese Einteilungen total faszinierend und interessant. Mein Herr ist ein ESTJ-A, und zwar wie er im Buche steht. 100% Trefferquote, soweit ich das beurteilen kann. Ich bin ein INTJ-T, also ein Einhorn, obwohl ich auch -seltener- beim ISTJ-T lande. Ich denke, ich habe von beiden was, die Zuverlässigkeit, die Liebe zu Fakten, den Pragmatismus vom S, und viele andere Wesensarten vom N. Die INTJ-typische extreme Ungeduld, vor allem mit lahmarschigen, begriffsstutzigen oder/und dummen Menschen ist definitiv meins, und das seit frühester Kindheit.

Wenn ich merke, dass Leute dumm sind, oder mir geistig oder gedanklich bei einem Thema nicht dahin folgen können, wo ich hin will, sich anstellen wie der erste Mensch, oder von meinem Thema keine Ahnung haben, fühle ich in mir eine Mischung aus Frust, Ärger, und dem Gefühl, meine Zeit zu vergeuden. Es zerrt innerlich regelrecht an meinen Zügeln. Kurz gesagt: Ich wäre eine Lehrerin aus der Hölle. Zumindest für die, die sich nicht anstrengen und die nicht auf Zack sind. Auch kann ich es nicht leiden, wenn man mir endlich getroffene Marschrichtungen mit irgendwelchen wirren Theorien, was man “stattdessen ja auch noch könnte”….. durchkreuzt. Oder, wenn man nicht ausspuckt, was Sache ist, und um den Kern ebendieser rumschwanzelt. Das mag die Alltagsdommse nicht, und ich reagiere unleidlich und ungeduldig.

In Beziehungen – vor allem im D/s-Kontext, aber auch schon früher im Vanillaleben – bin ich allerdings tatsächlich die Nachsicht und Duldsamkeit in Person. Lacht nicht, das IST so. Das wurde mir schon x-mal von Anderen bestätigt über die Jahre, und das sehe ich tatsächlich selber auch so. Ich lasse mir lange viel gefallen, bin sehr nachsichtig und hatte/habe so eine Geduld mit Freund/Mann/Herrn/Dom/Spielpartner, dass sicher 90% der mir bekannten Frauen/Subs bedeutend früher und bedeutend “direkter” die Grenze ziehen würden. Ich war wahrscheinlich viele Male im Leben ZU nachsichtig.

Was meine ich damit? Beispiele: Wenn jemand ein Treffen ausmachte, auf das ich mich total gefreut habe, und es wegen irgendwelchen anderweitigen Terminen kurzfristig platzen ließ. Dann machte ich keine Szene. Ich war enttäuscht, aber nicht beleidigt, zumindest solange der Grund gut war. Ich kenne da Frauen, die machen sowas ein oder maximal zwei Mal mit, und dann gehen sie, denn “wäre ich ihm auch nur ansatzweise wichtig, würde er sich Zeit nehmen, und auf einen, bei dem ich hinter 100 anderen Dingen rangiere, kann ich verzichten”. Und ich? Gratifikationsaufschub mit leidendem Lächeln ertragen, oder so ähnlich. Fragt nicht, wie oft mir das schon passiert ist. Und es kratzt am Selbstbewusstsein mit der Zeit, mal abgesehen von der Enttäuschung. Es dauert trotzdem lange, bis tatsächlich auch mir mal die Geduld ausgeht.

Anderes Beispiel. Ein vor Monaten abgeändertes SZ-Profil meines Herrn warf mich aus dem Gleichgewicht. Ja, so eine “kleine Sache” kann mich massiv triggern. Schlechte Erfahrung aus der Vergangenheit. Es hat bis Januar gedauert, bis ich es überhaupt ansprach und schriftlich erklärte, was das mit mir im Kopf macht. Jetzt ist es Februar, und ich warte immer noch auf eine Reaktion darauf. Duldsamer gehts wohl kaum, und ich kenne ehrlich gesagt wirklich keine Frau, die da nicht schon längst deutlich weniger nachsichtig wäre.

Und schließlich habe ich ihn seit vielen Monaten nicht in persona gesehen, und bin trotzdem noch da. Geduldig. Naja, da geht es mehr um Corona, aber das Argument kam mir gelegen 😉 Wenn ich auch zugeben muss, dass mir innerlich die Gleichmut inzwischen ziemlich abhanden gekommen ist. Aber ich versuche das mit diesem “die innere Einstellung an unabänderliche Gegebenheiten anpassen”.

Und auch wenn ich nach Nagellackfarben oder Einkaufspreisen frage, bin ich meines Erachtens nach nicht wirklich ungeduldig. Natürlich wäre es mir am liebsten, wenn er einfach gleich oder beim nächsten Mal online schriebe, was er möchte oder verlangt. Aber dann denke ich mir, ok der hat so viel Arbeit während du daheim rumhockst (ich habe ja praktisch Berufsverbot seit Monaten, und wenn ich mir die Unbelehrbarkeit der Ministerpräsidenten und ihrer Lakaien bezüglich #ZeroCovid und das allgemeine Öffnungsmimimi trotz Mutationen so anschaue, dann wohl noch für viele weitere Monate), lass ihn halt in Ruhe arbeiten und mach ihm keinen Stress.

Aber wenn ich dann den Rest des Tages, und auch den nächsten Tag nichts höre, und gleichzeitig ein Termin näherrückt, für den ich halt gerne lackierte Nägel hätte um mich etwas gepflegt zu fühlen und um ein bisschen D/s zu spüren , dann…..kann es schon sein, dass ich nachfrage. Ist das dann “ungeduldig”? Ich habe natürlich das Risiko, dass er dann extra lange nix sagt, und wenn ich die Vereinbarung nicht brechen will, dann muss ich ohne Lack aus dem Haus zum Termin. Oder ich kriege dann Barbiepuppenrosa als Farbe. Juchu. Vielleicht denkt er ja auch, dass mein Wunsch seiner Zeiteinteilung untersteht, und dieser gegenüber zurückzustecken hat. Aber……es ist doch nur eine höfliche Frage nach einer Lackfarbe. Das ist doch was Schnelles, Einfaches menno.

Nächstes Beispiel: Einkaufspreis. Das ist schwierig. Denn eigentlich bezahle ich ja einen Preis dafür, dass ich wichsen darf. Das an sich schränkt mich tatsächlich ein, auch im subjektiven Wohlbefinden, da ich eine Frau mit relativ großem Sexdrive bin, vor allem, wenn man an meiner imaginären Leine zieht, und weil ich es mir ohne irgendwelche D/s-Regeln je nach Laune bis zu täglich machte. Es entspannt, ist schön, und ehrlich gesagt ist es seit Corona so ziemlich mein einziges Vergnügen. Das nicht zu haben, und einkaufen zu müssen, ist deutlich spürbares D/s. Vor allem, weil ich ja nicht alle 2 Tage einkaufen will, denn meistens sind die Preise….unangenehm. Ich mag das Ganze, weil es eben Kontrolle und etwas D/s ist, und beides Kinks sind, und ich davon eh nicht viel haben kann auf die Distanz, und ja, die Klammern oder das Chili oder das Wachs etc etc machen mich auch geil. Je nach Aufgabe sogar sehr. Aber ist ein, zwei, drei Tage lang mich warten lassen auf die Nennung des Kaufpreises dann nicht …..irgendwie……doppelt bezahlt? Und wenn ich dann nach 24, 30, 36 Stunden höflich nachfrage, ist das dann wirklich Ungeduld? Hm. Ich bin da was auf der Spur.

Ich habe nur ziemlich wenig Hebel, die ich betätigen kann. Wenn ich Pech habe, kriege ich sofortige Preisnennungen, aber dafür wird es dann vielleicht einfach zu teuer. Und bei einem Treffen versuchen, mit Charme und Wimperngeklimper bessere Bedingungen zu kriegen in einem netten Gespräch bei Kaffee kann ich auch nicht, weil es das auf absehbare Zeit nicht gibt.

Ich glaube wirklich nicht, dass ich in Bezug auf all diese Dinge ungeduldig bin. Ich kann sehr ungeduldig sein, und wir machten da schon Witzchen drüber, wenn ich irgendeine Info wollte zum Beispiel bezüglich eines Treffens oder eines Schlagwerzeugs, und die nicht bekam. Dann kann ich es kaum erwarten, aber das ist irgendwie was anderes. Oder? Ist das nicht Neugier, gepaart mit leicht ängstlicher Erwartung, und Unsicherheit?

Wobei…….Thema Unsicherheit. Könnte es sein, dass das, was er manchmal vielleicht als ungeduldiges Verhalten meinerseits ansieht, schlicht meiner Unsicherheit geschuldet ist? Darüber, warum ich keine Antwort kriege als hätte er es nicht gelesen? Hat er es gelesen? Oder ist es durch die viele Arbeit irgendwie an Tag 2 doch untergegangen? Ist das Absicht? Hat er vielleicht gar keinen Nerv dafür? Ist das ein Test? Oder soll mir das irgendwas beibringen? Oder findet er wirklich keine 5 Minuten Zeit, sich was zu überlegen? Oder ist das ein Spiel, dessen Regeln ich irgendwie nicht verstehe? Oder denke ich in solchen Situationen einfach nur viel zu viel, wieder mal? Wäre ja auch nix Neues. Oder zerpflücke ich so die psychologischen Einzelteile, dass ich das große Ganze wieder mal nicht sehen kann? Oder vielleicht habe ich ja auch einfach nur eine beschissene Selbsteinschätzung. Aber Unsicherheit bzw Verunsicherung ertrage ich von der Persönlichkeitsstruktur her einfach generell wirklich schlecht.

Oder vielleicht ist die Ungeduld auch einfach der Drang, dass endlich “irgendwas weitergeht”, obwohl momentan eben nichts weitergehen kann. Die Frustration darüber. Das quengelige Kind in einem drin, das sich nach so vielen Monaten des Wartens am liebsten auf den Boden schmeißen und eine Supermarkt-Trotzanfall- Kassenszene machen würde. Auch das kriege ich unter Kontrolle, aber vielleicht äußert sich das einfach darin, dass ich manchmal so wirke als würde ich “mit den Hufen scharren”.

Jetzt muss ich nur schriftlich und ohne Gespräch vermitteln, dass ich die Ausdauer, Beständigkeit, Nachsicht, Gleichmut, Duldsamkeit in Person bin, zumindest meistens , und einfach nur geduldig (mehr oder weniger) auf etwas D/s, ein paar Aufgaben und etwas “an der Leine ziehen” warte wie ein Hund auf den Stöckchenwurf, aber meine Leidensfähigkeit, Impulskontrolle und Fähigkeit zum Gratifikationsaufschub so hoch sind, dass man es anscheinend meist nicht sehen kann. Zumindest, wenn die Unsicherheit mich nicht beutelt. Ja hahaha guter Plan. 😉

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