“Domestic Discipline”. Versuch einer Einschätzung.

Ich habe die folgenden Auszüge auf einem DD- und Spanking- Blog namens “tinilen” gefunden, und zitiere hier mal:

Domestic Discipline, kurz DD, bedeutet im ganz klassischen Sinn, dass der Mann die führende, bestimmende und beschützende Rolle in der Ehe und Familie übernimmt und die Frau sich ihm und seinen Entscheidungen unterordnet. Der Mann, auch HoH (Head of Household) genannt, hat sowohl das Recht als auch die Pflicht, Regeln aufzustellen, sämtliche Entscheidungen in der Ehe zu treffen und Fehlverhalten zu sanktionieren. Die Frau, auch TiH (Taken in Hand), hat die aufgestellten Regeln und Entscheidungen zu akzeptieren, sich danach zu richten und ggf. einer Bestrafung zu unterziehen.”

So weit, so gut. Klingt irgendwie auch nur nach irgendwas mit 24/7 D/s, eher schon Richtung Metakonsens. Dann kommt allerdings das hier:

DD ist kein Spiel und hat in seiner reinen bzw ursprünglichen Form auch keinerlei sexuelle Aspekte. Es ist ein spezieller Lebensstil, den beide Partner absolut einvernehmlich und bewusst eingehen und leben. Aufgrund dessen fühlen sich viele DDler nicht der BDSM Szene zugehörig.”

Äh…..bitte was? Das heißt dann also gleich mehrere Dinge, die mir sauer aufstoßen. Wo fang ich nur an….Gut:

Im Umkehrschluss soll das dann heißen, dass BDSM ein “Spiel” ist, oder was? Und dass ich meinen Lebensstil also NICHT einvernehmlich eingegangen bin, weil es BDSM ist und nicht DD?? Und was heißt hier “keinerlei sexuelle Aspekte”? Also lassen sich Frauen allen Ernstes von Ihrem Partner bevormunden, “führen”, bestimmen, und für dem Partner nicht genehmes “Fehlverhalten” körperlich züchtigen bzw bestrafen, OHNE einen sexuellen Aspekt und ohne, dass man BDSM praktiziert, aber totalst einvernehmlich? Leute…wie definiert ihr denn dann bitte BDSM??? Weil eigentlich IST eine Partnerschaft mit einem 24/7 Gefälle und Regeln und Strafen und Haue ja eine Definition von D/s und damit BDSM, Karen.

Aber dann wiederum….welche Frau lässt sich denn von ihrem Partner sagen, wo´s langgeht, Regeln aufstellen, die sie zu befolgen hat, und sich willkürlich (weil sie gegen rEgeLn verstoßen hat) den Arsch rot und lila prügeln, OHNE IRGENDWAS DAVON ZU HABEN AUSSER SCHMERZEN UND ÄRGER?? Keinen Sex, keine Lust, keine Fesseln, keine Session, kein GAR NIX?? Nur Regeln und “Gesetze” und den Arsch voll, wenn man sich nicht dran hält? Und das ist alles? Haue immer nur als Strafe, weil du ja anscheinend ein dummes Kind anno 1890 bist, und man dich erziehen muss, bis du funktionierst wie gewünscht? Was stimmt denn mit denen nicht, bitte???

Und damit kommen wir dann zum für mich echt creepy Teil.

Die Frauen seien untertan ihren Männern als dem Herrn. Denn der Mann ist des Weibes Haupt, gleichwie auch Christus das Haupt ist der Gemeinde.“, Paulus 1.Korinther11,9” Aha. Dieses ganze Gedöns kommt anscheinend aus der christlich-religiös-fundamentalistischen Ecke, und ist in USA bei genau DEN Herrschaften beliebt, die mir schon von hier aus immer sofort das Nackenfell aufstellen. Ich habe deutlich zu viele völlig bekloppte Evangelikale mitbekommen in den letzten 5 Jahren, als der Mango Mussolini und seine gestörte Anhängerschaft in den USA am Ruder waren. Und deutlich zu viel “The Handmaid´s Tale” geschaut, um bei so nem hyperpatriarchalen Bibelquatsch keinen juckenden Ausschlag zu bekommen. Vielleicht ist das dann ja wirklich kein BDSM, und sei es noch so “consensual”, dass du dich freiwillig komplett unterbuttern und körperlich bestrafen lässt ohne irgendwas davon zu haben. Eher wieder mal so eine religiöse “Mann oben – Frau unten” – Sektengeschichte. Creepy as fuck.

Fazit: Herkunft creepy und religiös pemplem, und Durchführung als Teil von BDSM bzw D/s je nach Übereinkunft ganz normal, aber als losgelöste, einzelne Praktik angeblich außerhalb des BDSM für mich völlig bescheuert, sinnlos, unbefriedigend und irgendwie auch vom Gefühl her echt ungut. Ich bin höchst definitiv devot, und ein consensual Gefälle, das weit übers “Spielen” hinausgeht und 24/7 spürbar ist, Kontrolle, Regeln, Aufgaben, und das Gefühl, dass man einem ganz bestimmten Menschen “gehört”, und in gewisser Weise dem Herrn ausgeliefert ist, und er mit einem machen kann bzw könnte, was er will (consensually verhandelt), sind einfach riesengroße Kinks von mir. Wahrscheinlich mit die größten. Das geht bei mir zumindest vom Kopfkino her schon eher in Richtung Metakonsens. Aber wenn DD, also die Tatsache, dass der Partner führt und bestimmt, und du dich unterordnest und bei Verstößen bestraft wirst, ohne EPE (erotic power exchange), ohne einen sexuellen Aspekt betrieben wird, und auch sonst nix dabei rumkommt für die Frau, außer dass sie ja schließlich schwächer, doofer und unselbständiger ist als der Mann, denn sie ist ja schließlich nur aus seiner Rippe und ihm untertan, nämlich!!!…..dann ist mir das mehr als suspekt. Das ist keine gesunde Beziehung. Das ist finsterstes gesellschaftliches Mittelalter.

Unter seinem Auge. Sorry, cringe.

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2 thoughts on ““Domestic Discipline”. Versuch einer Einschätzung.

  1. Mir scheint, als würdest Du nur die negativen Aspekte einer solchen Bindung sehen, weil diese in Deiner Denke nicht vorkommen. Und Du eine solche Vereinbarung mit Dir niemals nicht aus guten Gründen ablehnst. Du siehst ebenfalls den negativen Aspekt, dass eine solche Bindung sich vollkommen gegen die erworbenen Rechte der Frauen in den letzten Jahrzehnten stellt. Du fragst Dich, was 24/7 D/s anderes ist als DD? Und warum die DDer sich nicht im BDSM-Kanon sehen? Google mal nach “Christian Domestic Discipline” und Dir werden noch mehr die Augen aufgehen, denn “Kirche” setzt noch einen oben drauf.

    Ich gebe Dir recht, dass DD schon irgendwie, zumindest, schräg ist. Und ich finde es gut, dass Du Dich darüber echauffierst, weil eine “moderne Frau” sowas im Leben nicht wollen können will. Leider gehst Du in Deiner Ansicht von Dir auf andere. Und das ist auch irgendwie schräg, oder? Sind Frauen, welche DD leben wollen schräg?

    Auch wenn 24/7 D/s oder DD für mich selbst nicht lebbar wäre, so sehe ich DD in einer möglichen Form im Buch/in der TV-Serie “The Handmaid’s Tale” verarbeitet. Eine Art zu leben, die ich keine Frau gönnen will. Nur ist hier DD eine Staatsform und die Frauen können sich ihren Wert nicht aussuchen. Sie werden in diese

    Wenn ich das richtig gelesen habe, dann ist DD nicht unbedingt dystopisch. Eine Dystopie ist das Gegenteil der Utopie, die auf eine gute, schöne und friedfertige Zukunft verweist. DD ist aber eine Wahl, die getroffen wird, ähnlich wie in 24/7 D/s eingewilligt wird. Frauen haben die Wahl DD zu leben. Zumeist kennen sich Frau/Mann schon länger und erst mit der Verlobung bittet die Frau den Mann um DD in der Ehe. Und zumeist auch nur dann, wenn sie davon überzeugt ist, dass der Mann auch DD “bieten” kann und sich dazu eignet.

    Die Frau unterwirft sich den Regeln des Mannes, die sie selbst mit ihm erarbeitet hat, respektive in der Verlobungszeit angewöhnt hat. Mangelt es dem Mann an dem nötigen Respekt und der nötigen Sorge um seine Partnerin, dann wird sie die Ehe nicht mit ihm eingehen. Mit der Ehe legt sie dann jedwedes Mitspracherecht ab, weil sie ihm vertraut, dass er es gut mit ihr meint.

    Klingt vertraut, aber ich würde durchaus behaupten, dass 24/7 D/s eher demokratischer Natur ist, weil ständig Kommunikation zwischen den Partnern laufen muss. So sehe ich, dass DD eher mit TPE auf einer Ebene stehen könnte.

    Da ich jedoch nicht wirklich praktische Erfahrung mit TPE habe, möchte ich mich hier von weiteren Mutmaßungen entfernen.

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    • Danke für den ausführlichen Kommentar. Nun ist es aber (wie fast immer auf diesem Blog) so, dass ich nicht versuchen wollte bzw versucht habe, eine objektive Beschreibung oder Erklärung von DD zu posten, sondern meine subjektive Sicht nach Recherche. Und ja, die ist durchwegs negativ, falls DD OHNE einen BDSM -Kontext betrieben wird. Wobei ich schon allein die Aussage auf diversen DD-Seiten, dass DD ja freien Willens und einvernehmlich gewählt sei und man sich von BDSM distanziere, echt drollig finde.
      Diese CDD Seiten, also die ultrachristliche evangelikale Sekte und ihre Ansichten, sind mir bekannt. Geh ich ja auch kurz drauf ein. Geh mir bloß wech mit denen…
      Und ja, ohne BDSM Bezug und ohne dass es eine Form des “Ausgleichs” oder einen Lustschmerz oder einen sexuellen Bezug gibt, ist “schräg” noch das freundlichste Wort, was mir da einfallen könnte. Denn nur, um mich bevormunden, gängeln und vertrimmen nur für angebliche Fehler zu lassen und nur zwecks Bestrafung, ohne dass da was für mich rausspringt, muss ich mir echt keinen DD Partner suchen. Familienoberhaupt, Ernährer und Kümmerer kann auch ein Vanilla Mann sein.
      Klar ist das subjektiv. Aber subjektiv beäuge ich diesen überpatriarchalischen Lifestyle mehr als skeptisch.
      Ist mir tatsächlich suspekt, und in Kombi mit irgendwelcher sektenartiger Gläubigkeit noch viel mehr. Dass das, was ich denke, keinen Menschen kümmert, der so leben will, ist mir auch klar. Aber schreiben kann ich’s ja.

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