Das ewige Thema: Missbrauch im BDSM & ein paar Gedanken dazu.

Das ist ja, abgesehen vom Sexkaufverbot, DAS THEMA in der BDSM-Ecke von Twitter. Jetzt geb ich halt auch noch meinen Senf dazu. Wie immer handelt es sich um meine Meinung, meine Erfahrungen, und mein Empfinden. Wenn Ihr es ganz anders seht, oder erlebt (habt), dann bitte.

Ein ganz witziger Blogeintrag dazu ist übrigens mein alter Beitrag “Die Geschichte von der Sklavin, die auszog, einen Herrn zu finden”. Findet ihr auf diesem Blog, wenn ihr weit genug zurückscrollt. Bis Februar 17. Sorry, dass ich ihn nicht verlinke, entweder lässt mich die kostenlose Basisversion von wp das nicht einfach so machen, oder ich bin zu doof. Tja nun. Der fasst so ungefähr meinen holprigen und keinesfalls reibungslosen Weg ins und anfänglich durchs BDSM zusammen.

Die Anfänge waren – siehe eben diesen Eintrag Feb 17 – schwer. Sobald ich meine Profile zuerst in der SZ und dann auch irgendwann im Joy mit Infos und Fotos füllte, und mit dem Vermerk “suche Mann” online ging, (damals noch in der Hoffnung, da wären ganz normale Menschen, die auch noch LESEN können), kamen Fluten von Zuschriften rein. Das allermeiste unmöglich. Zu weit weg, hässlich wie die Nacht finster, 65 Jahre alt oder 27. Gebunden, verheiratet, Swingertype mit nem 25-cm-Gratis-Flogger vom Onlinesexshop. Offensichtlicher potentieller Frauenprügler (das Problem würden später die NICHT so offensichtlichen werden..). Typ mit völlig anderen Fetischen und Kinks. Typ mit, sagen wir mal, intellektueller Minderausstattung. Typ mit so sagenhaft dämlichem Anschreiben, dass es auf keine Kuhhaut ging. Devote Männer. HÄ??? Transvestiten. HÄÄÄ????? Andere Subs. OCH LEUTE….

Es war schwierig, sich durch das qualitativ oft nicht gerade hochwertige Angebot zu wühlen, und noch viel schwieriger, zwischen harmlosen Schaumschlägern und Psychopathen zu unterscheiden bzw Männern, die diese Plattformen als Jagdgrund für noch naive Neulinge nutzen, welche sie benutzen, missbrauchen, vertrimmen und wegwerfen wollen bzw können. Die (alten weißen cis-) Predatoren, eben. (Und glaubt mir, die, die sich augenzwinkernd selbst so nennen, sind das fast nie wirklich. Sondern die anderen.)

Und es war schwierig, sich einen Überblick über das riesige Angebot zu verschaffen, das der BDSM an sich bietet. Man sehe nur mal das A-Z der anzugebenden Vorlieben in der SZ. Da musst du ja als Neuling die Hälfte der Begriffe googlen. Was wollte ich eigentlich? Was käme in Frage? Welche Praktiken, welche Handlungen? Nur Spielen, oder mehr? In den Alltag hinein, oder soll an der Haustür Schluss mit Einfluss sein? Wie ist das mit Schmerzen? Wie weh tut dies oder das eigentlich? Wo sind meine Grenzen? Und wie trete ich auf? Was kann, bzw MUSS, ich tun, damit ich nicht gnadenlos über den Tisch gezogen werde? Wie vermeide ich Gefahren? Und wie soll ich wissen, ob mein Gegenüber es ehrlich mit mir meint, oder ob der nur eine naive Pute sucht, die er mal ordentlich verkloppen und über die er einmal drübersteigen kann? Was für Tabus habe ich eigentlich? Und wie, um Himmels Willen, soll ich sowas als Anfängerin eigentlich jetzt schon wissen?

Das ist nur ein Auszug der Fragen, die man sich stellt. Und dann wühlt man sich eben durch, und findet vielleicht 2 oder 3 von 150 Leuten, mit denen man mal Kontakt aufnehmen möchte. Man nimmt diese ganz wenigen mit nach WA. Und dort verkacken es dann nochmal 80%, mit unangebrachten verbalen Übergriffigkeiten, mit Dick Pics, die man gar nicht haben wollte, oder sie reden sich bezüglich ihrer Vorstellungen bezüglich BDSM um Kopf und Kragen. Und am Ende bleibt dann, wenn man Glück hat, selten mal tatsächlicher einer übrig, mit dem man sich zumindest auf einen Kaffee treffen will. Vielleicht sogar mehr. Aber… was dann?

Dieses “was dann” ist der Knackpunkt. (Vor allem) wenn man ein Neuling ist, ist man ja oft naiv. Oder besser gesagt, man glaubt an das Gute im Menschen und kann sich gar nicht vorstellen, was für kollossale Arschkrampen es gibt. Und das Problem ist halt, dass gerade der BDSM ein Sammelbecken für solche Leute zu sein scheint. Weil sie natürlich rausbekommen haben, dass unerfahrene oder verliebte Subs leichte Beute sind. Und ich weiß, dass es ganze Abhandlungen darüber gibt, wie man solche Leute identifiziert und vermeidet, und sich schützt etc etc. Stammtische, Frauenrunden, Bücher, “Schutzengel” für erste Treffen, die man über die SZ kontaktieren kann, usw.

Das ist auch alles wichtig und richtig. Die Leute abklopfen, sich erst mal zum Kaffee zu treffen. Nicht mit Phantomen mitgehen. Sich nicht, wie ich immer wieder im Joy lesen kann, mit wildfremden Unbekannten zwecks Date im Hotel treffen. Sich auf jeden Fall covern lassen. Auf bestimmte No Go´s im Verhalten, den Aussagen, der Art wie man sich gibt und wie man spielt, achten. Und noch viel mehr.

Das Problem darin ist nur: die echten, talentierten, geübten Psychos tarnen sich extrem gut. Wenn du z.B. mit einem Narzissten noch nie zu tun hattest, und darüber im Vorfeld nicht schon viel gelesen hast, dann gehst du so einem fast zwangsläufig auf den Leim. Wahrscheinlich nur diesem einen im Leben, weil danach alles klar ist, und du so einen auf 2km gegen den Wind riechen kannst. Aber dieses eine Mal wirst du Federn lassen, und nicht zu knapp.

Die Sache ist einfach die…. auch trotz sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen: Garantien gibt es keine. Mann kann auch 2x total zuvorkommend und vorbildlich sein, aber irgendwann ist man halt doch allein mit ihm. Und gefesselt. Mann kann sich auch auf 2 Parties an Absprachen und Grenzen halten, und auf der 3. nicht mehr. Mann kann sich auch erst im Laufe der Zeit zum Negativen verändern, bzw seine Maske fallen lassen.

Irgendwann kommt der Punkt, wo man einem “Neuen” vertrauen muss. Wenn man von Anfang an schon das Gefühl hat, dass IRGENDWAS nicht stimmt, oder sich nicht wirklich RICHTIG anfühlt, dann sollte man gar nicht erst weitergehen. Denn das Bauchgefühl betrügt einen eigentlich nie. Wir haben nur oftmals in dieser rationalen Welt verlernt, (auf) es zu hören. Und da bin ich mir, wenn ich meine TL und Dinge, die mir herein RTed werden, so lese, manchmal nicht so sicher, ob der Tenor nicht etwas zu sehr in die Richtung “beachte Punkt A-F und geh auf das Frauentreffen, und denk immer an G-Z, und dann bist du auf der sicheren Seite” geht.

Die schlechte Nachricht ist: man ist NIE komplett sicher. Wenn man mit lebenden Menschen, unter ihnen eine Vielzahl von Irren (und im BDSM noch mehr) zu tun hat, gibt es – wie schon gesagt – keine Garantien. Punkt.

Die gute Nachricht ist: man kann im BDSM sehr viel im Vorfeld klären, und den Leuten wesentlich mehr auf den Zahn fühlen, als das in Vanillahausen üblich ist. Und ich finde, die Gespräche und Verhandlungen vorab sind eine Hilfe, denn sie geben eine definitve Grenzlinie vor, und wenn die übertreten wird, dann ist das nicht ohne sofortige Konsequenzen für den Fortbestand der ganzen Beziehung, oder eben auch nicht mehr.

Diesbezüglich fällt mir noch was ein: das leidige Wörtchen “NEIN!” und dessen Bedeutung. In Vanillahausen ist das ja so ne Sache. Wie wir alle wissen, heißt “Nein” Nein. Nur, dass manche Frauen es eben doch manchmal eher als “nicht ganz so nein” verwenden, ob bewusst oder unbewusst. Und wir wissen, dass es immer wieder Arschkrampen gibt, die von sich aus ein Nein überhören und ignorieren, und sei es noch so ernstgemeint und eindringlich. Wie auch immer, dieses Nein, der Ernst dahinter, und das Ignorieren anderer Leute Grenzen sind Ursache und Grund für alles von hitzigen Twitterdebatten, feministischen Kreuzzügen, Hasstiraden durch jämmerliche Incel-Gruppen, bis #metoo, und eben Vergewaltigungen. Und da muss ich sagen, das ist auch so ein Grund, warum ich den BDSM liebe. Da kann und soll vorher geredet und ausverhandelt werden. Und man weiß deshalb normalerweise ganz genau, wo die rote Linie ist. Und was wie bis dahin alles geht. Bei reinen Spielbeziehungen und random losen Treffen mit Bekannten sicher in engerem Rahmen, innerhalb einer echten D/s-Beziehung sicher mit größerem Spielfeld. Und innerhalb dessen bewegt der dominate Part sich je nach Absprache vielleicht frei nach Belieben. Dann gibt es innerhalb des Feldes kein NEIN. Und im TPE gibt es nicht mal mehr das abgesteckte Feld. Wie auch immer, es gilt der Spruch

“Nein ist kein Safeword.” Das hat man nämlich ja auch noch. Zumindest am Anfang. Insofern ist BDSM -wenn man nicht gerade an einen perfekt getarnten Vollpsychopathen gerät- für mich ein sicherer Spielplatz als Vanilla. Weil man praktisch gezwungen ist, zu reden und zu verhandeln, und das Gegenüber in sein Innenleben schauen zu lassen, bevor man sich auch nur auf einen Kaffee trifft. Und mit etwas Bauchgefühl kriegt man da schon über die Tage oder Wochen vorher mit, wie einer reagiert, und ob er sich mit irgendeiner Bemerkung oder Aussage, oder mit Unverständnis für bestimmte Grenzen ins Aus bugsiert.

Deshalb lässt man sich auch am besten Zeit, und schreibt lieber tagelang Romane in den Joy oder die SZ, und dann nochmal tagelang Romane in WA bevor man sich trifft. Und auch da nur öffentlich. Mit covern, mit Infos, mit Bauchgefühl. Und mehr kann man halt einfach nicht tun.

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Schlaf gut, lieber L.

Seit dem 23.1. nachmittags war der letzte Herr plötzlich offline. Komplett, auf WA, auf Joy, überall sonst. Ungewöhnlich für einen, der alle paar Minuten am Handy hing, schon alleine vom Job aus. Am 19.1. hatten wir zuletzt geschrieben, am 24.1. hatte ich ihm noch ein lustiges Meme geschickt, auf dass er eben nicht mehr reagierte. Ab dem 27.1. hab ich immer mal wieder gegoogelt und gecheckt, ob er irgendwo online ist. Nichts. Stille.

Ich hatte schon ein echt schlechtes Bauchgefühl, weil das so ungewöhnlich war. Heute Morgen hab ich wieder gegoogelt, und mit seinem kompletten Namen als Suchbegriff tauchte ein fb- Post einer (wohl) Angehörigen auf, mit seinem Geburtsdatum und dem Vermerk ” – 30.1.20″. Und mit fast 30 Beileidsbekundungen drunter. Fast alles in seiner Muttersprache, eine slawische Sprache, aber ich hab es mir übersetzt. Kein Hinweis darauf, was zur Hölle da passiert ist.

Irgendwas muss am 23.1. passiert sein, was so schlimm war, dass er ab da nicht mehr ans Handy gehen, oder es mitnehmen konnte. Die letzte Woche war er dann wohl im Krankenhaus, wenn ich den fb Post richtig deute.

Er war nach seiner OP, die der Abschluss einer Ärzte- und Behandlungsodyssee über gut 9 Monate gewesen war, wieder vergleichsweise das blühende Leben, zum ersten Mal seit ich ihn kannte ohne dunkle Augenringe, und voller Pläne. Gerade eine Wohnung zum Kaufen gefunden, als Investment. Wollte im Frühjahr in seine alte Heimat gehen für seine Firma, und dort eine Dependance aufbauen. Hatte sich gerade seine kleine, hübsche Eigentumswohnung dort frisch renovieren lassen, und alles war ausgehandelt und geklärt, von den Zuschlägen über die Pendlerpauschale bis zum Budget für den Aufenthalt. Da hatte er sich drauf gefreut.

46 Jahre alt. Mitte Januar hab ich ihn auf einen Kaffee besucht. Alles super. Und jetzt….zack, weg. Einfach so. Das ist krass.

Ich hab mich nie mit direkten Worten bei ihm bedankt für das, was er für mich getan hat. Er war derjenige, der eine verunsicherte, ziemlich BDSM-selbstvertrauensbefreite, vom Kontakt mit einem Narzissten angeknackste Frau wieder auf die Beine gestellt, und ihr das Vertrauen in Doms an sich und sich selbst als Sub sprichwörtlich wieder reingeprügelt hat, salopp gesagt. Und er war hinter seiner extrem sarkastischen und rauhen Schale ein guter Kerl. Und ein guter Herr.

Vielleicht krieg ich noch raus, was denn nur passiert ist, oder wo er liegt. Vielleicht auch nicht. Vielleicht kann ich noch Blumen hinlegen irgendwann, und mich verabschieden.*

Bleibt wieder einmal die Erkenntnis, dass keiner weiß, wie viel Zeit ihm bleibt, und dass man niemals warten darf, die Dinge zu tun, die man tun will. Lebt, liebt, lacht! Esst die Nudeln anstatt den Salat, wenn sie euch anmachen. Zieht das teuerste, edle Paar Schuhe in den Supermarkt an, anstatt sie im Schrank für die eine Party alle 5 Jahre aufzuheben. Schaut die Heißluftballons nicht jahrelang von unten an. Wenn ihr Bock habt, dann bucht euch einen Flug. So lange ihr noch könnt. Und wenn ihr unglücklich in eurer Beziehung oder mit eurem nicht existenten Sexleben seid, dann ändert jetzt was. Irgendwann fallt ihr um und seid lange tot, dann ist es zu spät. Und ihr wisst nicht, ob das mit 86 geschieht, oder……..mit 46.

Er hatte eine Topfpflanze in der Küche am Fenster, ein Usambaraveilchen in lila. Auf das hat er immer gut aufgepasst, denn es war erstaunlicherweise so alt wie er. Ging nie ein, blühte wie verrückt. Zog überall hin mit um über die Jahre. Überdauerte an diversen Fenstern über die Jahre auch Krankenhausaufenthalte oder längere Reisen.

Ich hoffe, die, die deine Wohnung ausräumen, kümmern sich weiter drum. Dahin, wo du jetzt hingezogen bist, konntest du es nicht mitnehmen.

Schlaf gut, lieber L.

* Nachtrag. Inzwischen habe ich die Beerdigungsanzeige gesehen. Das Grab besuchen werde ich wahrscheinlich nie, denn er ist in Kroatien beerdigt worden. Fassen kann ich es immer noch nicht so ganz, aber schwarz auf weiß ist es wirklicher, und in gewisser Weise ein Abschluss.

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Der Stadl

Bild: random Netzfund, unbekannt.

Das letzte Treffen war fast 2 Wochen her, und die Zeit war schon wieder viel zu lang geworden. Also schnitt sich mein Herr spontan wenigstens ein paar Stunden aus den Rippen, und ich sah zu, dass ich den Nachmittag freischaufeln konnte. Wir würden ungefähr 3,5 Stunden miteinander haben. Besser als nichts, und es schmeichelt mir sehr, dass er bereit war und ist, den Anfahrtsweg zu machen, nur damit wir uns für ein paar Sunden sehen können.

Die Tasche war schnell gepackt. Decken, Tee, der lange Schal, und ich sollte meine Lederfesseln mitbringen. Die Auswahl der Klamotten blieb mir überlassen, innerhalb der generellen Vorgabe: Strümpfe, keine Hose, in dunkel bzw schwarz, bitte Nagellack. Joa, das krieg ich hin…. 😉 Wobei die Außentemperatur im Winter schon so eine gewisse Herausforderung ist. Aber meine Wahl fiel auf den Rock vom letzten Mal (das Wachs ist raus \o/ ), ein Top, eine Hoodie-Jacke, Strümpfe und die flachen Boots, da es ja auch irgendwie irgendwo nach draußen gehen sollte. Und einen dicken Wintermantel, denn der Tag war deutlich kälter als letztes Mal, und am Treffpunkt dank Hochnebel ohne Sonne. Mehr wusste ich wieder nicht. Aber was ich weiß, ist, dass ich ihm vertrauen kann, und ich komme mit der totalen Ungewissheit bezüglich “was, wann, wo, wie” inzwischen besser klar.

Ich schaffte es dann auch, einigermaßen im Zeitrahmen zu erscheinen, was ja immer ein Problem darstellt. Weil ich einfach nie dann loskomme, wenn ich will. So eine Wunschvorstellung von mir ist, mich in Frieden herrichten zu können, den ganzen Weiberkram im Bad machen, mich anziehen, die Türe zuziehen, und entspannt losfahren zu können. Ohne, dass immer irgendeiner bis zur letzten Sekunde irgendwas von mir will oder braucht. Nun ja, bis jetzt hab ich es immer halbwegs im Rahmen gepackt. Aber ich will ihn halt auch nicht ewig warten lassen. Mal abgesehen davon, dass es weh tun könnte.

Ich parkte, und hielt Ausschau. Stieg aus, nahm meine Handtasche, lief auf ihn zu, und…Kuss. Und Nackengriff. Ankommen.

Er legte seinen Arm um mich – mit Hand im Nacken – und lenkte mich so in Richtung Tür des McD. Ich weiß nicht, ob das überhaupt irgendjemand mitbekommt, oder was die sich denken, wenn ich da so zur Tür “hinmarschiert” werde, oder wie auffällig oder unauffällig das nach außen hin ist, aber – und das ist sehr ungewöhnlich für mich – es ist mir tatsächlich völlig wurscht. Dann gab es erst mal Kaffee und was Süßes. An dieser Stelle muss ich nochmal erwähnen, wie schön es ist, wenn man mit jemandem zusammen ist, der zwar -wie man selbst auch – nicht uferlos frisst wie ein Scheunendrescher, aber mit dem bzw vor dem man was essen kann, ohne dass er die Krise kriegt, weil er nach irgendeinem gestrengen Ernährungsprinzip lebt, leider Abends nix isst, oder komplett zuckerfrei lebt, oder ketogen, oder low carb oder Steinzeitdingens oder vegan und Nestlé-hassend, oder bis auf Cheat Days nur von Quark mit Melone existierend….zum Genuss zu Zweit gehört für mich einfach auch die unverkrampfte Nahrungsaufnahme in netter Gesellschaft.

Wir tranken Kaffee, redeten über Alles und Nichts, ab und zu ging die ein oder andere Hand auf Wanderschaft (was mitten in einem gut besuchten McD natürlich enge Grenzen hat), er checkte die Einhaltung der Klamottenregeln, achtete darauf, dass meine Beine nicht zusammen und nicht übereinandergeschlagen waren, prüfte den Nagellack, als er meine Hand hielt… ich liebe diese subtilen Gesten und Kontrollhandlungen sehr. Das Gefühl, dass ich an der (meist leider imaginären) Leine bin. Da drüber gibt es jetzt dann auch mal nen Blogeintrag, glaube ich. 😉

Dann brachen wir auf. Ich durfte noch aufs Klo, und musste diesmal auch nicht das Höschen loswerden. Ok, hm, da schau her. Wir gingen raus auf den Parkplatz und zu meinem Auto, um meine Tasche aus dem Fußraum vorne rechts zu holen. Kaum war die Beifahrertür offen, war ich ins Auto gebeugt, er hinter mir und mein Rocksaum nicht da, wo er eigentlich sein sollte. Ich unterdrückte den Reflex, mich bedecken zu wollen, und blieb über meiner Tasche. Dann befahl er mir, mich auf den Sitz zu setzen, und zack, zog er mir das Höschen aus und steckte es ein. Mein Kopf kommt da so schnell gar nicht mit, anscheinend. Oder er gewöhnt sich wirklich daran, die Dinge ohne unterschwellige Panik, roten Kopf, oder Schreckstarre hinzunehmen. Und ich kriegte das Höschen von letztem Mal wieder. Sonst hat er da ja irgendwann mal ne Sammlung zuhause 😉 Wir gingen zu seinem Auto, und schnallten uns an. Ich dachte, es würde losgehen, aber stattdessen hieß es nur “Mach die Augen zu” und ich spürte, wie ich ein Halsband umgemacht bekam. Ein anderes, recht starres diesmal. *KLICK* Dieses Klick ist ab sofort sowas wie mein Lieblingsgeräusch, glaube ich.

Es ging los. Wohin? Keine Ahnung. Ich würde den Ort nicht mehr wiederfinden, was nicht nur, aber auch daran liegt, dass er immer meine Brille einkassiert und ich ab da halbblind bin. 😉 Autobahn, Ausfahrt, ab ins Nirgendwo. Immer so sitzen, dass er es leicht hat, überall ranzukommen, wo er rankommen möchte. Unterhaltung. Kopfkino. Grauer Tag, kleine Straßen, Wald, kalt. Radio. Irgendwann bog er auf einen Feldweg ab, der nach 150 oder 200 Metern neben einem Stadl im Nirgendwo endete. (Für die Saupreißn unter den Lesern: ein Stadl ist ein einzeln auf weiter Flur stehendes Gebäude aus Holz, in dem z.B. Stroh, Heu, aber auch landwirtschaftliches Gerät gelagert werden. Bitte gern.) Mein Herr scheint die Fähigkeiten eines Trüffelschweins für Locations zu haben, hat er doch einen ziemlich perfekten Stadl völlig ab vom Schuss aufgetan, der UNVERSPERRT war. Die Dinger sind meistens zugesperrt, haben Vorhängeschlösser, man kommt also nicht rein, und einbrechen will man ja nicht. Der hier war offen. Man musste nur über nen tiefhängenden Stacheldraht klettern und sich an einem alten, morschen Holunderbusch vorbeizwängen. Wir nahmen unsere Sachen mit, auch seinen kleinen Rucksack und die Werkzeuge, und dann waren wir drin.

Wir kletterten über irgend ein großes Metallteil, vielleicht ein Ding zum Furchenziehen oder Umpflügen? Dahinter war es immer noch kalt, aber nicht mehr SO sehr wie draußen. Gedämpftes Licht kam zwischen den krummen Latten und Brettern, aus denen der Stadl gezimmert war, herein und brachte eine tolle Atmosphäre. Der Boden war einigermaßen eben, aus weicher Erde und Holzspänen und Fichtennadeln. Und es gab mehrere Balken und dünne Fichtenstämme, die als Streben, zur Stabilisierung, oder als Unterteilung eingefügt waren. Diagonal, horizontal, vertikal. Abgesehen von der Temperatur ein sehr cooles Ambiente. Ich fand Kerker, Keller, Holz, Steinboden, Erde, Leder, Ketten, Eisen, Seile, Kerzen, indirektes Licht ja immer schon viel geiler als High Tech Studios in schwarzlila, oder Plüsch, Rüschen, Kissen, Bett.

Nun, was soll ich sagen…der Gentleman war ab diesem Punkt nicht ganz so gentle. Ich zog den Mantel aus, bekam den Rock samt Top und Jacke nach oben gerissen, und die Strümpfe Richtung Knie, und fand mich eine Sekunde später mit dem Gesicht in Richtung Wand und den Händen nach oben auf einen der Querbalken gestützt wieder. “Hast du was vergessen? Wolltest du nicht etwas tun?” “Sie um Bestrafung für die Vergehen und die Einkäufe bitten, mein Herr. Und, dass Sie es verdoppeln.” Das Gefühl, darum bitten zu müssen, und sich gegen seinen Willen noch weiter in die Jauche manövrieren zu müssen, indem man um noch mehr bitten mussdarf, kann man schlecht beschreiben. Das sind diese Erniedrigungen, bei denen dein Kopf schüttelnd neben dir steht, während deine Fotze anscheinend ganz andere Pläne hat. Der erste, kräftige Schlag kam per Hand. Ein Nackengriff zog mich weg vom Balken und in seine Arme. “Hast du nicht noch etwas vergessen?” Es denkt sich ganz hervorragend nach, während man entblößt und ohne Brille so im Halbdunkel im Schwitzkasten hängt. Nicht. “…??…Danke mein Herr…?” “Genau. Dann fangen wir mal mit den 6 x 2 an”. (Die waren für eine einsilbige Antwort, wo “mein Herr” dahinter gehört hätte. Und ja, das ist reine Willkür. Und ja, so ist das eben bei uns.) Es mag einen ja alles begeistern, was ökö und Natur ist, aber die Verwendung von Ruten schließt das nicht ein. AUA. Die Dinger sind nicht ohne.

Ich bekam die Handfesseln angelegt. Ich hatte mir vor ein paar Jahren mal schöne, breite, schwarze, gepolsterte, stabile Lederfesseln mit eingearbeiteten Ringen für Fixierungen gekauft. An denen baumelten Karabiner, und so konnte er mich schnell und unkompliziert um oder an diverse Balken und Streben fixieren, wie er das gerade wollte. Und ich bekam die Leine ans Halsband gemacht, so dass er mich wahlweise führen, mittels Leine irgendwohin ziehen, oder mich am Halsband packen und so lenken konnte. Die nächsten 12×2 für einen Einkauf durfte ich über einen relativ horizontal verlaufenden Balken entgegennehmen. (Falls jemand die letzten Blogeinträge nicht gelesen hat und auch auf Twitter nichts liest: ich darf mir das Wichsen erkaufen, zu schwankenden Tagespreisen, ganz nach Gusto des Herrn.) Mitzählen, und sich in den Pausen bedanken. Sich dafür bedanken, dass man so den Arsch vollkriegt, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Und dann zwischen die Beine gegriffen werden, mit dem entsprechenden Kommentar, weil man pitschnass ist. Erniedrigung eben. Ich hasse es. Ich LIEBE es.

So ging es weiter. Mal mit diversen Ruten, die sich sehr nach Stock anfühlen, und auch solche Spuren machen. Mal mit einem relativ fiesen Flogger, der ganz schön reinzieht. Teils stehend, mit den Armen hinterm Rücken um einen längs verbauten Fichtenstamm fixiert. Auf die Brüste. Auf den Bauch. Von unten zwischen die Beine. Es waren immer noch 30×2 abzugelten. Die Zählung geriet jedoch irgendwann ins Hintertreffen, weil das Aushalten und Atmen wichtiger wurde. Und, weil es immer wieder Pausen gab, in denen ich anders festgemacht, oder im Arm gehalten und gestreichelt und gelobt wurde. Oder auf dem Boden kniend wartete, auf ein anderes Werkzeug oder seinen Schwanz in meinem Mund. Teils mit Klammern an den Nippeln, was nach wie vor sehr wenig Lust und sehr viel Quälerei für mich bedeutet. Vor allem, wenn man immer wieder – natürlich völlig unabsichtlich- mit dem Flogger “hinkommt”. Aber ich kann es mir halt nicht aussuchen. Und ich mag es so ja auch. Teils kam wieder Wachs zum Einsatz, damit “mir warm wird”. Teils mit Augenbinde, in die ich heulen konnte. Ja, dieses Mal hatte er mich so weit, dass ich schon Tränen in den Augen und auf den Wangen hatte. Ich bin nach wie vor dankbar, dass er sich langsam vorarbeitet, und nicht einfach auf dem ungefähren Level des letzten Herrn einsteigt, nach so langer Pause.

Das Zeitgefühl kommt einem, zusätzlich zur Zählung, total abhanden, wenn man in so einer Situation ist. Wenn man keine Brille hat, und keine Uhr. Wenn man sich auf das Aushalten, den Versuch, mitzuzählen, die Schmerzen und die Kälte fokussiert. Wenn man noch dazu verbundene Augen hat. Ich hätte nicht sagen können, wie lange ich auf dem Erdboden kniete, wie lange ich schon in diesem Stadl war, wie lange er meinen Mund fickte, mal aufrecht und mal, während ich auf dem Rücken auf der Erde lag und versuchte, gleichzeitig Luft zu bekommen und ihm bestmöglich zu dienen. Wie lange er mich hielt, küsste, und sich kümmerte. Ich hätte kommen dürfen, als er mich reizte, aber es war zu viel Input, zu kalt, zu überreizt, overload, und so kam an diesem Spätnachmittag wieder nur er. Und auch das war entgegen sämtlicher früherer Überzeugungen völlig ok für mich. (ich durfte dann noch abends daheim, gratis). Kneif mich mal jemand, bitte….

Es wären insgesamt 96 Hiebe abzuarbeiten gewesen, aber ich glaube nicht, dass wir die komplett schafften. Es war irgendwann einfach zu kalt. Ich war von der Brust bis zu den Oberschenkeln nackt, er hatte auch keine Moonboots und keinen Mantel an…ich denke, wir kamen bis in die 80er vielleicht. Der Rest verfiel (auch wenn ich die Zähne für die letzten 10 oder 15 auch noch für ihn zusammengebissen hätte). Ich zog mir die Klamotten wieder dahin, wo sie hingehörten, und klopfte und wischte mir die Erde und die Nadeln ab, und pulte sämtliches Laub und Späne aus meinen Haaren. Dann zog ich meinen Mantel wieder an, er packte unsere Sachen zusammen, und wir kletterten wieder nach draußen. Im Auto gab es dann Tee und Sitzheizung, und beides tat sehr sehr gut. Dann ging es allmählich zurück in die Zivilisation.

Beim McD parkte er wieder, und wir stiegen aus. Und erst dann, nach ein, zwei Schritten, bemerkte ich, dass an meiner Vorderfront eine Hundleine baumelte, und ich das Halsband noch trug. Ich glaube, er hat bis dahin auch nicht mehr daran gedacht, was zeigt, wie hoch der Wohlfühlfaktor war. Sowas zu vergessen, bzw sich nicht sofortigst nen Kopf zu machen, ob das jemand sehen und was sich derjenige denken könnte, ist gar nicht typisch für mich. Was passiert denn da nur mit mir? 😉 Und ach ja, die Handfesseln waren ja auch noch dran. Die durften, genau wie das Halsband, draußen im Auto bleiben, als wir wieder hineingingen, noch einen Kaffee tranken, und den wunderschönen Nachmittag ausklingen ließen, bevor es an diese elendige Verabschiederei ging, die man gar nicht haben will, und jeder in die jeweils andere Richtung fuhr…

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#EinThemaDreiAnsichten- höher, schneller, weiter

Jetzt muss ich doch mal was dazu schreiben, damit man hier auf mich nicht immer warten muss…;) Ja mei, diese Sucht, möglichst schnell möglichst viel zu erleben, und möglichst “gut” dabei zu sein. Kenn ich. Haben wahrscheinlich die meisten Subs. Das ist ja im Alltag auch nicht anders. Ein Teenie, der Gitarre spielen lernt und total ungeduldig und frustriert ist, weil ihm nach vollen 5 Wochen harten Trainings einfach immer noch kein Tremonti-Solo gelingen will ….Eine kleine Ballettratte, die heult, weil sie nach nem Jahr Kinderballett immer noch nicht so tanzen kann wie die Profis im TV. Warum sollte es im BDSM anders sein? Da hat man etwas, idealerweise auch jemanden gefunden, was und den man mit jeder Faser seines Körpers und vor allem seiner etwas dunkelgrauschwarzen Seele liebt, und kann das alles meist bei weitem nicht so oft und so intensiv ausleben wie man möchte. Weil Alltag, Job, Kinder, Entfernung……irgendwas ist ja immer. Und dann versucht man, so viel wie nur geht, mitzunehmen bei jeder Gelegenheit. Logisch.

Funktioniert allerdings nur begrenzt. Weil im BDSM eigentlich der Weg das Ziel ist. Wirklich gut wird SM sowieso erst, wenn man einen festen (Spiel)Partner gefunden hat. Weil man sich auf den anderen einstellen muss, vertrauen lernen muss, und alles, was man tut, nicht bei 150% anfängt, sondern sich langsam steigert. Praktiken, Werkzeuge, Sessions, Schmerzen….man geht eben zusammen einen Weg, und ein endgültiges Ziel darf und kann es eigentlich gar nicht geben, weil was wäre die Konsequenz? Dass man dann miteinander fertig ist. Am Ziel steigst du aus und gehst getrennter Wege. Also vergessen wir das mit dem Ziel. Der Weg ist wichtig, und da gibt es schier endlose Straßen und Routen.

So ist es auch beim Bondage, und ja, derselbe Gedankengang gilt auch im D/s, Stichwort “Ausbildung”. Das heißt halt in diesem groben, kalten “BDSM-Sprech” so. Das muss aber eigentlich auch ein Weg sein, den man zusammen geht, und wo der Weg das Ziel ist. Denn sonst ist man irgendwann fertig ausgebildet, und was dann? Wird man dann rausgeworfen und die Beziehung ist vorbei, und dann steht man da mit Sklavinnen-Gesellenbrief in der Tasche und äh, was dann? Vor allem vor dem Hintergrund, dass eh niemand eine fertige, geprüfte Meister-Sklavin haben will, weil alle Doms ja Neulinge ausbilden wollen…Zumal D/s auf mehr als einer Spielbeziehung beruhen muss, um wirklich gut zu funktionieren. Dafür braucht es zwischenmenschliche Passung, Zuneigung, im Idealfall Liebe. Das ist doch nicht vorbei, wenn die Ausbildung vorbei ist. Wäre doch Blödsinn. Also ist auch da der Weg das Ziel.

Und auch auf diesem Weg kann es einem nicht schnell genug gehen, mit 1000 Dingen… Vor allem, wenn man monate- oder jahrelang nicht die Gelegenheit hatte, sich auszuleben. Es fühlt sich so gut an und man kann gar nicht genug bekommen. Wobei ich da dieser Tage deutlich eingebremst werde von meinem Herrn. Durch sein andersartiges Herangehen allein schon bin ich bezüglich Sex/Selbstbefriedigung/GV ziemlich runtergeschraubt bis fast auf null. Was mir nicht wirklich gefällt, aber ich nehme es brav hin und halte es halt aus, und hoffe still, dass es nicht zu lange immer so weitergeht. Auf der anderen Seite wäre mir das Fallen ins gegenteilige Extrem aber auch nicht möglich. Weil Alltag, eben. Und meine Ungeduld, meine Neugier, und meine Nervosität, wenn ich im Dunkeln tappe drüber, was wann wie geschehen wird, sind ihm ja auch nicht entgangen. All das zu lernen, und es auch auszuhalten, sind Bestandteile der “Ausbildung”. Na dann…

Der kritischere Punkt ist die elende Vergleicherei mit anderen. Die kenne ich auch. Die ist hochgiftig, aber lässt sich zumindest für mich kaum komplett verhindern. Die begegnet einem vor allem Online, weil man so viel sieht, und mitbekommt. Auch, wenn Pornos nicht die Realität darstellen, Szenen geschnitten sind, kunstvolle Hängebondagefesselungen für den Betrachter unsichtbar im Vorfeld ein mehrköpfiges Team brauchten, um für ein paar wenige Minuten und für die Fotos so toll auszusehen. Vergleiche mit sich selbst und seinen Fähigkeiten sind dämlich, aber passieren. Das ist, wie wenn man sich mit den Hochglanzwerbungen in Modezeitschriften vergleicht. Man kann nur versuchen, sich selber da durch Rationaliät und nüchterne Betrachtung einzubremsen und im Zaume zu halten. Das klappt bei mir auch. Meistens. Einigermaßen.

Kleiner Einblick in den Wahnsinn.

Woher das kommt, weiß ich. Ich bin ehrgeizig, relativ perfektionistisch (zumindest wenn mir etwas wichtig ist), devot, will immer alles möglichst gut machen bis zu dem Punkt, wo ich übers Ziel hinaus schieße und mein vorauseilender Gehorsam oder mein Zuviel an “Mitdenken” mir zum Verhängnis wird. Bin aber auch ein sehr unsicherer Mensch, bzw verunsicherter Mensch, gerade was Beziehungen betrifft. Weil ich halt schon derbe auf die Fresse gefallen bin. Und auch bezüglich meines Aussehens sehr unsicher, und war ursprünglich null komma null “Body Positive”. Ich leitete meinen Wert für andere Leute seit meiner Jugend über mein Aussehen ab. Und bin damals schon als fetter Brillenträgerteenie immer Ausschussware gewesen. Das prägt einen leider sehr. Aus dem Muster kommt man nur langsam raus, aber hey, es wird.

Ich bin eine Weltklasse – “Over Thinkerin”. Schreiben Sie mir eine Antwort, und ich werde versuchen, mit meiner Kristallkugel den WAHREN Inhalt der Nachricht herauszukriegen. Also das, was Sie NICHT geschrieben, sondern ganz bestimmt nur gemeint haben. Um daraus potentiell den Zustand und die Zukunft der Beziehung herzuleiten. Schreiben Sie einsilbig, und ich erfühle und erdenke mir den Rest des Satzes dazu. Antworten Sie gar nicht, und ich sage Ihnen, was da nicht steht, was Sie aber ganz sicher sagen wollten. Schicken Sie mir ein Bild oder einen Link, oder machen Sie eine Bemerkung, und ich will mich unwillkürlich sofort damit vergleichen.

Ist die jünger, dünner, hübscher? Kann die mehr? Bläst die besser? ist die dehn- und biegbarer? HÄLT DIE MEHR AUS ??!!?

HÄLT. DIE. MEHR. AUS. Das ist für viele Subs der Kernsatz bei der Vergleicherei. Andere sind besser, halten viel mehr aus, gehen weiter, kommen mühelos in den Subspace, den man so nur vom Hörensagen kennt, stellen sich besser an, tragen Spuren, bei deren Anblick allein man schon fast in Tränen ausbricht… Woher diese Denke bei mir kam….auch das weiß ich. Die Zeit beim Narzissten hatte mich so werden lassen. Ich ging mit dem Willen und Wunsch, es für ihn gut zu machen rein, und kam mit einem miesen Selbstwert und für ihn niemals gut genug wieder raus. Meine totale Verunsicherung, an der er sich weidete, brauchte Monate um zu verschwinden. Und einen umsichtigen, anderen Herrn, der sie mir sprichwörtlich und gekonnt wieder rausprügelte, und mich mit den Worten “und lass dir ja von keinem mehr einreden, dass du nix aushälst!!” entließ.

Diese Denke, dieses zu viel zu schnell wollen, und zu viel aushalten wollen, um zu gefallen, und dann noch dumme, völlig irrationale und überflüssige Vergleiche mit anderen anstellen, ist pures Gift. Und man muss da wirklich ganz nüchtern gegensteuern. Sich einbremsen. Sich immer wieder sagen, hey, es ist alles ok, er hat dir noch nie einen Grund gegeben, negativ zu denken. Er ist nicht schuld an dem, was andere versaut haben. Er hat Arbeit. Er hat ein Leben. Du auch. Lass gut sein und mach dich nicht verrückt. Es ist alles gut.

Das klappt auch, und mit der Zeit dürfte es bei allen Subs, die in so einem irren Hamsterrad denken ( und ich glaube, das sind viele), besser werden. Wenn sie merken, dass sie (hoffentlich, denn das ist unabdingbar!) einen Partner haben, der sie ehrlich und respektvoll behandelt, und sie für ihn so o.k. sind wie sie sind. Ohne Arsch aus Stahlbeton und ohne Modelmaße, und mit einem Gehorsam, der, oder mit einer Schmerztoleranz, die ausbaufähig sind.

Dann können sie sich endlich auf das konzentrieren, was eigentlich wichtig ist. Sich selber, den Partner, und den gemeinsamen Weg durch die Weiten des BDSM. Und dann können sie das alles auch GENIESSEN, ohne zu hetzen und zu eilen, und ohne sich immer so ungesund zu vergleichen.

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Tiefer, dunkler Wald

Das wird eine Zusammenfassung des letzten Nachmittags mit IHM. Mir gehen viele Sachen im Kopf rum, und ich blogge das jetzt mal, weil ich damit eventuell Ordnung reinbekomme, und die Gedanken für mich einordnen und die Dinge sortieren kann. Das ist zumindest der Plan. Die Denkweise, meine Einstellung verschiebt sich und ich bin irgendwas zwischen erstaunt über mich und wahnsinnig angetörnt, und das muss ich erst mal verarbeiten. Es wird also ein eher langer, babbeliger Beitrag. Ihr seid gewarnt. Nun gut….

Vor wenigen Tagen habe ich meinen Herrn endlich wiedergesehen. Wir haben ja beide ein Alltagsleben, das seinen Tribut fordert, und dann kamen ja auch noch die berüchtigten Feiertage am Jahresende. Also hat es jetzt doch über 3 Wochen gedauert, und die Zeit wurde schon seeeehr lang. Kaum auszuhalten. Was ja ein gutes Zeichen ist, vor allem, wenn das auf Gegenseitigkeit beruht mit dem Vermissen der Gesellschaft des anderen. Und ich bin sehr froh, dass er die Sache realistisch sieht, und mir keinen Strick daraus dreht, dass ich auch nicht 24/7 zur Verfügung stehen kann, sobald sich bei ihm mal ein Zeitfenster auf tut. Nichtsdestotrotz, es ist halt schon hart, wenn man viele viele Tage Alltag hat, und doch eigentlich nur zurück an die Leine will. (Dazu später mehr) Dieses Gefühl (ohne Leine natürlich) hatte ich zuletzt vor 25 Jahren, beim Vanilla-Ex, als der noch über 1000km weg von mir lebte, ursprünglich. (Ja, ich weiß, es gibt Leute, die ein halbes Jahr darauf warten müssen, bis sie sich wiedersehen, und ich luxusjammere hier. Aber ich erlaube mir auch mal etwas mimimi. Sie entschuldigen mich.)

Wir trafen uns bei einem goldenen M unweit der Autobahn, weil es superpraktisch ist, wegen der Möglichkeit ein Auto stehen zu lassen, und weil der Cappuccino schlicht und ergreifend einfach gut ist, und wir beide leidenschaftliche Kaffeetrinker sind. Ich wählte an diesem relativ milden, bzw nicht GANZ so arschkalten Tag schwarze, dickere Strümpfe, den schwarzen Rock, der knapp 2 Handbreit überm Knie endet und damit garantiert, dass ich mich noch setzen kann, ohne dass man den oberen Rand der Strümpfe sieht (das ist ein McDonalds und kein Fetischclub), ein schwarzes Hemdchen mit V-Ausschnitt und Spitze, einen dünnen Cardigan, und derbe schwarze Springerstiefel-artige Boots fürs Fahren. Und für später, eventuell… Hm. Nagellack in dark chocolate, Lippenstift passend in Rosenholz, weil es ja unter Tags war, und quietschrot auch nicht so toll zu meinen Haaren aussieht. Alles wie mir aufgetragen worden war. Hohe Stiefeletten hatte ich dabei, aber zum Fahren sind flache Schuhe einfach besser. Jogginghose und Pulli, langer Schal, alte Fleecedecken waren auch dabei. Und ich hatte tatsächlich ne Thermoskanne Tee mitgebracht, falls es uns bzw vor allem mir furchtbar kalt würde irgendwo und irgendwann. Ich kann nix dafür, ich kann das Planen und Organisieren nicht lassen. Die Mama ist stark in mir 😉 Aber etwas mitdenken schadet ja nie, und ich hatte schon genug dran zu knappsen, dass ich überhaupt nicht wusste, was mit mir passieren würde. Weder wo, noch was, noch wie. Wobei….auch das “Mitdenken” kann nach hinten losgehen. Dazu später mehr.

Ich parkte und sah ihn schon auf mich zukommen. Keine Zeit mehr zum Schuhe wechseln, oder auch nur zum Durchschnaufen. Im Gegenteil, mein Herz setzt immer mit dieser Mischung zwischen wilder Anziehung und einem Quäntchen Schiss aus, und zack, endlich ein Kuss und der geliebte Nackengriff. Die Klamotten gefielen, die Haarfarbe, die er ausgesucht hatte, auch, und die flachen Boots konnten dran bleiben. Wichtig war, so nehme ich an, dass die hohen dabei waren und die Bereitschaft bestand, sofort in diese zu wechseln. Also dann. Kaffee.

Diesmal fiel der Kaffee einigermaßen gesellschaftstauglich aus, wegen Anwesenheit einiger Kinder an den Nebentischen. Das bewahrte mich vor der Aufgabe, mein Höschen am Sitzplatz los zu werden (was sich äußerst schwierig gestaltet hätte, das ganz subtil über die Boots zu kriegen) Ich durfte also aufs Klo. Das Fragen, ob ich zum Pinkeln darf, kenne ich ja von früher. Dass ich die Beine nicht übereinander schlagen darf, auch. Das klappt nur nicht immer, weil ich es irgendwann doch mal unabsichtlich mache. Dass ich dafür vielleicht Kosequenzen abkriege, weiß ich auch. Viele Basics sind mir klar, ich hab mich daran gewöhnt, und versuche, sie einzuhalten. Genau wie das Siezen. Wenn man uns mit einem Ohr zuhört, dann kann man als Nebensitzer schon mitbekommen, dass da was komisch ist an der Kommunikation. Da sind zwei Menschen, die offensichtlich zusammengehören, und er duzt sie und sie siezt ihn. Hm. Aber das ist alles wesentlich subtiler als ein Griff zwischen die Beine oder ein Höschen, das sich in den Boots verhakt. Also Klo. Gott sei Dank.

Als ich zurückkam, händigte ich ihm das betreffende Teil aus. Ja, es war schwarz, wie gewünscht. (Ich bin ja nicht lebensmüde und nehme ein grünes wenn schwarz verlangt ist. Ich war noch nie absichtlich provozierend, und habe wenig Potential zum “Brat”. In unserer Dynamik – genauso wie auch schon früher – wäre das wahrscheinlich auch nicht zu empfehlen. Den Griff zwischen die Beine, unterm Tisch, gab es trotzdem noch. Es fällt mir immer noch anfänglich schwer, sowas einfach zuzulassen ohne zu versuchen, mich zurückzuziehen, die Beine reflexartig zu schließen, oder ähnliches. Es ist ja nicht so, dass mir das nicht gefällt. Im Gegenteil. Aber in der “öffentlichen Öffentlichkeit” bin ich immer noch etwas, äh, verkrampft. Es wird besser, nur eben langsam. Ich kann auch da nicht von heute auf morgen aus meiner Haut. Wobei ich absolut sicher sein kann, dass dieser Mann genau weiß was er tut, und die Situation definitiv unter Kotrolle hat. Das Vertrauen war jedenfalls intuitiv ab der ersten Minute beim ersten Kaffee da, und wird immer stärker. Nur den Kopf und das “das geht doch nicht!!!” muss ich weiterhin bekämpfen. Wird schon.

Wir tranken aus und gingen zu meinem Auto, um die Tasche mit den mitgebrachten Sachen zu holen. Dann fuhren wir in seinem Auto los. Seine Art, mir die Türe zu öffnen oder aufzuhalten, egal ob Auto oder Eingangstür ist ungewohnt und sehr Gentleman-like. (Ich könnte jetzt den Witz vom Gentleman, der nicht immer ein gentle man ist, machen aber ich lass es lieber. Oops, zu spät 😉 ) Im Auto achtete ich auch brav darauf, nicht die Beine übereinander zu schlagen oder zusammenzupressen, und es ihm möglichst leicht zu machen, wann immer die Hand zu mir rüberkam. Achtung, Ablenkung im Straßenverkehr, hehehe…

Es ging in ein kleines Dorf, durch selbiges hindurch und in den Wald an eine Weggabelung, wo wohl öfter mal Wanderer parken, es aber wirklich SEHR ruhig ist. Im Gegensatz zu den Wäldern in meinem Eck, wo man gefühlt alle 5 Minuten auf Wanderer, Hundegassigeher, Spaziergänger, Waldarbeiter, Bauern, Reiter, Mountainbiker…….trifft. Zumindest, so lange nicht 1m Schnee liegt, und dann ist es halt auch für ein Date dort eher unwirtlich. Ach so, dann sind da Langläufer und je nach Gebiet Winter/Schneeschuhwanderer, haha. Er stieg aus, lief ums Auto und öffnete die Tür. Ich stieg aus und fand mich eine Sekunde später gegen das Auto gedrückt wieder. Die Details erspare ich euch , aber es hatte mit einer Begutachtung bei Tageslicht, mit einem Gürtel und mit einer Ansage zu tun bezüglich meines “Mitdenkens” zuvor.

Nämlich: Ich hatte Vormittags noch in WA angemerkt, ob – obwohl ich ziemlich sicher war, dass er das nie vergessen würde – er Kondome dabeihätte, weil ich keine hätte. Die Kondomsache wird sich irgendwann sowieso von selbst erledigen, weil wir in einer festen Beziehung beide keine Gummis wollen, aber zuerst muss noch ein HIV Test her. Und ich wollte halt einfach nicht, dass wir irgendwann ohne Gummis mitten im Wald stehen….Tja, Denkfehler.

Das war eine dieser Gelegenheiten, wo deutlich wird, wie anders dieser Mann sein BDSM auffasst. Das gefickt Werden gibt es nicht einfach so, da muss man erst hinkommen und es sich verdienen, sozusagen. Und es liegt auch nicht bei mir, ob und was und wann es passiert. Ka-Wumms. Bisher war es gar keine Frage, ob gefickt wird. Das wollte eigentlich jeder, genauso wie bisherige Sessions im Normalfall mit wenigstens einem Orgasmus für mich endeten, sogar beim Narzissten. Und jetzt durfte ich schon das zweite Mal dienen und blasen (und auch das ist ein DÜRFEN), und ohne Orgasmus heim fahren. Er sagte noch, dass es Spaß machen wird, mich zu ficken. Und machte doch keine Anstalten. Wie viel Kontrolle hat dieser Mensch denn, bitte?? Und zu allem Überfluss hab ich jetzt auch noch eine Regel aufgedrückt bekommen, nach der ich wichsen darf, so oft ich will zwischen den Treffen, mir das aber erkaufen muss. Ich bekomme die Anzahl mitgeteilt, nicht aber das Werkzeug oder die Stelle, die es treffen wird. “Kleines Restrisiko” nannte er das augenzwinkernd. Und kann mir dann überlegen, ob es mir die Sache wert ist. Und beim nächsten Treffen muss ich dann den Gesamtpreis bezahlen, zusammen mit den eventuellen Strafen für die eventuellen Vergehen, die in der Zwischenzeit zusammenkamen. Schöner Mist.

Das gesagt zu bekommen, ist schon etwas erniedrigend, ne. Dazu kommt noch die Sprache. Letztens fiel das Wort “einreiten”, unter anderem. Gott, was habe ich diesen kruden Wortschatz von wegen einreiten, dienen, Dreilochstute etc etc mal gehasst. Ich wollte mich anfangs nicht mal in der SZ anmelden, weil mich das “Sklavenzentrale” so abgestoßen hat. Ja, lang ists her. Und jetzt? Macht es irgendeinen Teil meines Wesens ganz tief in mir drin unsäglich heiß. Ich habe mein Innenleben schon öfter als “Sub mit einem Sklavinnenherz” umschrieben, und das erklärt es wohl. Es verschieben sich gerade Sichtweisen in mir, und das braucht wohl einen eigenen Blogbeitrag.

Bevor hier einer die Augen verdreht, oder skeptisch-kritisch die Brauen hochzieht: Diese Beziehung ist absolut respektvoll und sehr liebevoll. Wir lachen, reden über alles und nichts, es wird viel geküsst und gekümmert, wir laufen Händchen haltend über den Weihnachtsmarkt und teilen die Flammbrote miteinander. “Du wirst nicht erleben, dass ich dich verächtlich behandle” hat er neulich geschrieben, und das glaube ich sofort und unbesehen. Aber es gibt eben auch die Willkür, den plötzlichen Nackengriff, die Strafen, den Gehorsam ohne viel Mimimi und Diskussion. Und diese Ambivalenz, ausgelebt mit genau diesem Mann, die ist es. Hach.

Nun gut, zurück zum Thema. Ich habe ja inzwischen auch ein Strafbuch zu führen, was bei meiner Vergesslichkeit auch besser ist. Allerdings ist es im Endeffekt halt der Notizblock im Handy. So ist es wenigstens immer gleich dabei. Ich wusste auch um die drei Vergehen, die drinstanden. Mindestens eines davon war technisch gesehen schon etwas, über das man hätte durchaus diskutieren können. Aber da greift eben die Regeln “Gehorsam”, “Strafen ohne Diskussion und mimimi demütig akzeptieren” und “Willkür des Herrn”. Und seien wir doch mal ehrlich, wenn in einer D/s Beziehung keine Fallstricke da wären, und die Herrschaft nicht unfairerweise irgendwann einen Trumpf aus dem Ärmel ziehen würde, dann wäre es ja langweilig. Oder wie ich vor langer Zeit in Wirtschafts- und Rechtslehre gelernt habe “Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.”

Und für die nächste Erniedrigung sorgte ich schon auf der Fahrt in den Wald, und auch dort, halbnackt neben dem Auto, selber. Ich hatte diese Scheiß-Vergehen selbst aufgeschrieben. Drei Stück. Konnte sie tagelang im Kopf runterrattern. Und wer hatte einen kompletten Blackout? Konnte sich minutenlang an NICHT EINES erinnern? Weg, einfach weg. Alle. Wer stotterte vor sich hin, erinnerte sich dann notdürftig an eines, und schwitzte Blut und Wasser? Genau. 🙄Irgendwann kam mir das zweite wieder in den Sinn, spätestens nach der Androhung, dass es nicht weniger Schläge würden wenn das so weiterginge, und beim dritten half er mir dann tatsächlich mit einem kleinen Tipp auf die Sprünge. Eieiei. Später musste er lachen, und sagte, dass er anfangs dachte, ich spiele ihm was vor, bis er dann raffte, dass ich mich WIRKLICH nicht erinnern konnte. Nein, vortäuschen würde ich nie wagen. Ich bin wirklich so dämlich hahahaha.

Ich zog den BH, das Top, den Cardigan vollends aus, das Sweatshirt und die Daunenjacke an, und nahm die Tasche, und er einen kleinen Rucksack, und wir stapften los, tiefer in den Wald hinein. Meine Brille nahm er an sich. Ich bin kurzsichtig, aber kann noch genug erkennen, um mich nicht sofort auf die Fresse zu legen. Außerdem führte er mich ja. Irgendwann hielt er an und machte mir ein Paracordhalsband für einen Hund um, und nahm mich an die Leine. Mit dem Kommentar, dass das eigentlich ja nur für Hunde wäre, ich mir ein besseres Halsband aber erst verdienen müsse. Uff. DAS ist jetzt ein Punkt, wo ich, wenn ich sowas online bzw auf Twitter irgendwo mitbekommen hätte – gerade bei meiner klitzekleinen psychologischen Halsbandproblematik aus der Vergangenheit – vorab gedacht hätte, dass gerade so ein Kommentar bei mir ein völliges NoGo wäre und man(n) dann ein echtes Problem mit mir hätte. Tja nun. Hätte hätte Fahrradkette. In dieser Situation, in dieser Dynamik, mit dieser Ausrichtung in der Beziehung, mit diesem – NUR mit diesem – Mann war auch diese Erniedrigung und diese Ansage nur geil.

Und auch die Tatsache, dass ich nichts geschenkt bekomme, sondern mich immer erst anstrengen muss oder mich würdig erweisen muss, ist für mich wider Erwarten kein Problem. Im Gegenteil, die Denke, dass man sich Sachen erst verdient und dann hinterher, wenn man sie hat, doppelt stolz drauf sein kann, sagt mir sehr zu. Aber NUR DORT. Normalerweise bettele ich niemanden um irgendwas an, und wenn ich irgendwo im Alltag gesagt bekomme, oder das Gefühl kriege, dass ich (noch) nicht “würdig” genug bin, um irgendwas zu kriegen, sei es Zeit, Aufmerksamkeit, Telefonnummer, Termin o.ä., dann denke ich “weißt du was? FUCK YOU, was glaubst du eigentlich, wer du bist.” Nur, und wirklich NUR in genau dieser D/s-Beziehung, und nur mit genau diesem Mann, und nur mit dieser feinen Balance zwischen Fürsorge und Respekt und Benutzung und Erniedrigung ist das natürlich, stimmig, und wahnsinnig geil. Obwohl ich “wahnsinnig geil” und jegliches Kopfkino ja überhaupt nicht brauchen kann, denn ICH KRIEG JA DRESCHE FÜRS WICHSEN, VERDAMMTE AXT.

Wir liefen noch ein bisschen weiter über Ruckewege tiefer in das Waldstück, und hielten an einem kleinen Holzgeländer. Dort durfte ich darübergebeugt das erste Dutzend entgegennehmen für Vergehen 1. Er legte eine Schippe drauf im Vergleich zum letzten Date, wo es erstmalige 26 für 26 Minuten Verspätung durch Parkplatzsuche in der Innenstadt vor Weihnachten gegeben hatte. Aber er tastet sich immer noch ran, statt einfach drauflos zu schlagen, und nach jeder Runde fragt er nach und kümmert sich. Ein absolutes Muss, aber das tut auch nicht jeder, deshalb erwähne ich es hier nochmal.

Wir liefen wieder weiter, das heißt, er voraus und ich an der Leine hinterher, Schritt haltend, damit ich nicht hinterhergezerrt würde. Wir kamen an einer Futterkrippe für Wild vorbei. Auf dem Dach lagen verschiedene, bereits säuberlich zugeschnittene Ruten. Es dauerte einen Moment, bis mir dämmerte, dass dieser Mensch an diesem Tage schon da gewesen war, bevor wir uns trafen. Alles bereits einmal abgelaufen war. Schon alles geplant und abgecheckt und vorbereitet hatte, und nichts dem Zufall überließ, so nach dem Motto parken wir hier mal und laufen da lang und dann schauen wir. Nein, der hatte jeden Stop, jeden Busch und jeden Zentimeter ausgekundschaftet.

Der nächste Stop war ein Hochsitz für Jäger. Nun, ich wusste aus der Vergangenheit, dass mir Outdoor und womögliche Entdeckung durch plötzlich durchs Unterholz brechende Biker oder Wanderer oder sonstige Kreaturen wirklich Schwierigkeiten und Schreckstarre bereiteten. Ich konnte bei den wenigen Begebenheiten dieser Art bis dato nie loslassen, war immer total verkrampft und mit mindestens einem Ohr bei der Umgebungsüberwachung und mit dem Kopf überall, nur nicht bei der Sache. Man könnte also meinen, dass es mir große Probleme, wenn nicht gleich Vollhorror bereiten würde, mich ausgerechnet dort zum ersten Mal vor ihm splitterfasernackt bis auf Strümpfe und Boots ausziehen zu müssen (was ja bei meinem eher mittelprächtigen Selbstwertgefühl und den suboptimalen Körperformen sowieso immer eine wirklich harte Nuss ist. Und dann noch ausgerechnet DORT!!!) um dann eine Stufe hochzusteigen, die Strümpfe bis zu den Knien runtergezogen zu bekommen, und an den Oberschenkeln an der breiten Leiter zum Hochsitz breitbeinig mit 2 Seilen festgebunden zu werden. Und so die nächsten 10 plus X mit der Rute für das nächste Vergehen entgegen zu nehmen.

Ja, könnte man meinen, dass das ein großes Problem für mich wäre. War aber nicht so. Erstaunlicherweise. Es lief ein Automatikprogramm, das ich schon von dieser kleinen O-Nacht von vor einigen Jahren kenne, und das wohl in mir drin steckt und nur an die Oberfläche kommt, wenn es einer mit dem richtigen Code startet. Und es war ein bisschen so, als würde ein Teil von mir mauloffen zuschauen, was da gerade passiert, während der andere – der größere – Teil das alles einfach nur wahnsinnig geil und völlig stimmig fand. Die kühle Luft, das rauhe Holz an der Haut, das festgebunden sein, und die Schläge mit diesen Ruten auf den Arsch (au!), quer drüber bis zu den Oberschenkeln (AU!!), und auf den oberen Rücken (AUAUAU!!!) taten ihr Übriges. Wäre ich am Boden gesessen, ich wäre wahrscheinlich davongeschwommen, hahaha. Übrigens: Wer sagt, dass Bäume unsere Freunde sind, der lügt.

Ich wurde losgebunden und bekam meine Jacke wieder. Stolperte also ohne Brille, angeleint, und nackt bis auf Boots, Jacke und Strümpfen auf Halbmast hinter meinem Herrn her, noch etwas weiter durch den Wald und durchs Unterholz. Er hielt die Zweige und all den kahlen Bewuchs, der einem so gern ins Auge schnalzt, aus dem Weg, und teils schloss ich tatsächlich die Augen, wenn es direkt durch die Vegetation ging, und ließ mich wirklich führen. Vertrauensübung.

Ein Stück weiter war genug ebene, unbewachsene Fläche, wo er die mitgebrachte Decke ausbreitete. Und ich dann noch Strümpfe und Schuhe loswerden durfte und mich mitten im Wald hinlegen. Komplett nackt. Mir schoss noch durch den Kopf “Gut, dass ich auch die Zehennägel lackiert habe, wie aufgetragen”. Typisch ich halt. Dann machte ich u. a. mit seinem Flogger zwischen die Beine Bekanntschaft, was sämtliche Gedanken vertrieb, und mit Wachs. Denn es gab ja noch Vergehen Nr 3. Und dann durfte ihn noch blasen, bzw ich durfte dienen und er benutze meinen Mund. Das trifft es wohl besser.

Es war gut frisch dort, aber das Zittern kam am wenigsten von der Temperatur. Er schaute immer wieder, ob es noch ginge oder mir schon zu kalt wäre. Krank werden soll man ja nicht bei solchen Aktionen, logischerweise. Also durfte ich mich anziehen und wir traten den Rückweg Richtung Auto an, wo es nochmal etwas mehr Wachs und noch ein paar Schläge aufrecht angebunden gab, “der Symmetrie halber”. Etwas Wachs tropfte dann aber von meinen Brüsten auf den Rock und die Strümpfe, und deshalb gab es am Auto nicht nur heißen Tee, sondern auch die Jogginghose (ich habe keine steinalte, sondern eine gute schwarze mit Samtstreifen an der Seite mitgebracht) zum Top und dem Cardigan und den Boots, und darin konnte man sich in der Stadt besser sehen lassen als in einem Rock, der mit den Wachsflecken aussah wie Monica Lewinskys Kleid. Und natürlich kam das Hundehalsband ab. Einerseits Erleichterung, andererseits hmpf.

Wir fuhren also zurück am Mc D vorbei in die Stadt, parkten und gingen in ein nettes Bistro, wo wir noch fast 2 Stunden lang redeten, uns aufwärmten, lachten, küssten und Flammbrote aßen. Pärchenkackscheiß nennt man das auf Twitter.

Dann setzte er mich an meinem Auto ab und was soll ich sagen, Abschiede sind doof, und es ging in verschiedene Richtungen nach Hause. Und seitdem merke ich, wie sich meine Einstellung zu “meinem D/s” verschiebt und ich denke, ich ahne die Richtung, aber mein Kopf muss erst noch sortieren, was mein Herz und meine Fotze eh schon lange wissen, und ich brauche noch eine ordentliche Benamung für mein Schubladendenken 😉 .

Und ich merke, dass ich kaum zu Hause zur Tür rein bin, und schon zurück an diese verdammte Leine will.

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Bye 19, hi 20

Durch viel Arbeit zum Jahresende wie immer verspätet, kommt der kurze BDSM-Rückblick 2019 und der erhoffte Ausblick auf 2020.

Das Jahr ging noch mit dem Kinky Vanilla los, der vielen hier noch bekannt sein dürfte (der BDSM-interessierte Swingertyp, den ich für eine Weile etwas unter meine Fittiche genommen hatte, bis er mir zu grob wurde, bei einer gleichzeitigen spürbaren Lern- sowie Verständnisresistenz) und mit dem Rigger, bzw mit der baldigen Entlassung des Kinky Vanilla aus vorgenannten Gründen. Und, weil ich eben mehr wollte, als nur ein bisserl rumzuspielen. Und dieses mehr bitte mit einem richtigen Dom, nicht mit einem Erlebnissexuellen.

Also….das Jahr war ein Auf und Ab mit deutlichem Aufwärtstrend gegen Ende. Here goes…….

Herr suchen. Herr tatsächlich finden. Guter Start. Ausbau. Nie geahnte Höhen und Schmerztoleranzen erreichen. Wieder vertrauen können. Endlich ernstgemeintes Lob und Bestätigung und Respekt und Anerkennung bekommen. Den fiesen Narzissten endgültig innerlich überwinden und das Selbstwertgefühl wiederfinden. Sich angenommen fühlen.

Dann Vollbremsung durch Erkrankung des Herrn. Warten. Weitere Treffen mit dem Rigger und tolle Fesselsessions. Vermissen des Herrn und von SM. Entscheidung, erst einmal weiter abzuwarten, da zu viel Arbeit und zu wenig Nerv für eine erneute Suche vorhanden sind.

Kleine Session mit bereits bekanntem Sadisten, der sich für nen Arsch voll erbarmt. Hunger vorübergehend gestillt, aber es wird klar, ich brauch wieder mehr. Erkrankter Herr scheint keine Option mehr, wegen monatelangem Auslandsjob nach langwieriger Genesung. Also erneute Suche. Was festes. Was von Dauer. Das Komplettpaket mit tiefer Zuneigung, SM und D/s. Einen Single-Mann. Aber erst im Herbst, ohne Stress.

Im Herbst dann viel Kopfschütteln über Profile und Anschreiben, viel incognito-Stalken mit “Unsichtbar”-Funktion auf Joy, einige “Briefwechsel” in Joy und SZ, und tatsächlich einige wenige Kaffee-Dates (jedes einzelne davon tasächlich angezogen und öffentlich!). Nur mal gucken. Nix erzwingen wollen. Vor allem keine “richtige” Beziehung. Alle ganz ok bis nett, aber aus den unterschiedlichsten Gründen nix für mich. Von “Entfernung und kein Auto” über zeitliche Unvereinbarkeit bis zu fehlender sexueller Anziehung bzw Passung ist alles dabei.

Dabei ein, zwei gut gemeinte Ratschläge: Wenn du unter der Woche Zeit für Rockkonzerte und am Freitag für die Kumpels und am Sonntag fürs Motorrad hast, dann solltest du vielleicht auch mal für deine Sub Zeit freischaufeln, wenn du weißt, dass die nur am Sonntag und Dienstag kann. Wenn dir dein BDSM so wichtig ist und du Sub gerne hättest.Tja nun.

Und wenn nicht nur das Ambiente im von dir gewählten Café, sondern auch deine Dominanz Assoziationen mit Strickpullundern, Halbglatzen und Buchhalterjobs in Loriotsketchen hervorrufen, dann ist das für meine BDSM-Gelüste eher meh. Zurück zum Jahreslauf…

Der Rigger, mit dem mich eine Freundschaft+vertrauensvolles Fesseln verbindet, aber eben nicht mehr, findet im Spätherbst eine Holde, und ist schwer verliebt. Die Sessions werden (noch) weniger dadurch, und durch Arbeit und anderweitige Verpflichtungen, aber der Kontakt reißt nicht ab. Ich gönne ihm sein Glück sehr, bin aber etwas deprimiert darüber, dass für mich nichts zu finden ist, und ich auf ewig allein, ohne Herr, ohne Halsband, ohne verliebte Schmetterlinge im Bauch bleiben, und unter 25 Katzen, wahlweise 50 Farbratten begraben einsam sterben werde. Und ungefickt.

Dann kommt ein Anschreiben, das sich von den anderen so angenehm unterscheidet, und mich so sehr anspricht, wo die Chemie schon bei den ersten paar Nachrichten so krass stimmt, dass ich diesem Mann einfach nicht absagen kann, obwohl die Entfernung jenseits der für mich dauerhaft machbaren Grenze liegt. Aber es besteht der Wille, für mich die Strecke zu fahren, und so nicht immer nur ich fahren muss. Ein Beschnuppern muss her. Es folgt das denkwürdigste Kaffeedate meines Lebens. Ich rechne minütlich mit dem Rat der Barista, man möge sich doch irgendwo ein Zimmer nehmen. Aber Gott sei Dank räumt sie lieber demonstrativ Flaschen ins Kühlregal.

Lange Rede, kurzer Sinn, das Jahr 2019 endet mit meinem neuen Herrn. Der Rigger darf und wird weiter fesseln, und freut sich sehr für mich. Der letzte Herr war inzwischen unterm Messer, und es geht endlich deutlich aufwärts. Er freut sich auch für mich. Und ich freue mich (neben einer gesunden Portion Muffensausen) auf mein 2020 unter neuer Führung, sozusagen 😉

Denn der erste Vorgeschmack Ende 2019 war schon sehr toll. Es handelt sich um einen umsichtigen, fantasievollen, erfahrenen Zeitgenossen, der eine Vorgehensweise und Einstellung hat, die sich doch deutlich von den meisten anderen, mir online oder persönlich bekannten Doms unterscheidet (mehr dazu von Zeit zu Zeit als Blogbeitrag). Das wird auch beim zweiten und gleichzeitig letzten Date 2019 klar. Welches zur Hälfte einfach in der Stadt, bzw auf dem Weihnachtsmarkt, stattfindet, da es so stürmt, dass die anregende Zweisamkeit am Rande des tiefen, sprichwörtlich dunklen Waldes nach einiger Zeit der Angst weicht, ne Fichte aufs Autodach zu kriegen. Aber auch dieses erste körperlich intensivere Beschnuppern fühlt sich richtig an, und gut, und endet mit einem kleinen Ritual, an dessen Ende ich hochoffiziell seine Novizin, seine Sub in Ausbildung, bin. Das schmeckt mir gut *zwinker*.

Praktisch sofort danach kommt die Aufforderung, meine Profile im Joy und in der SZ abzuändern,und klarzustellen, dass ich die Seine bin. Und auch er stellt auf “nicht suchend” und verlinkt und nennt mich im Text. Das ist etwas, das mir tatsächlich wahnsinnig viel bedeutet, aus der Erfahrung der Vergangenheit heraus, und das meinen Kopf beruhigt. Und so endet das Jahr 2019 mit einem warmen Gefühl ums Herz, und eben einem Haufen Vorfreude auf 2020.

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Familiendommse – Sub. Switchen für Fortgeschrittene.

Beim Kaffee-Gequassel in WA kommen einem doch echt gute Blogideen.

Was brauche ich eigentlich, um in meinen “Sub-Modus” zu finden? Und warum brauche ich da was, wo es für andere Frauen augenscheinlich total easy ist, einfach zu “funktionieren”, obwohl meine Submissivität sich doch nicht allein aufs Schlafzimmer oder auf Treffen bezieht, sondern immer da ist? Hm.

Ich hab da drüber nachgedacht, und es wird wohl daran liegen, dass ich im Alltag die Kontrolle haben muss, die Verantwortung trage, und organisieren muss. Ich bin die Familiendommse. Und da komme ich im Kopf nicht so schnell raus. Ich tue mich auch in einer neuen Beziehung wie jetzt gerade, immer schwer damit, mich nicht um allen möglichen Kram kümmern zu wollen. Hier was googlen, da was aussuchen, mir über Anreisemöglichkeiten bei Glatteis den Kopf zu zerbrechen. Also, nicht MEINE Anreisemöglichkeiten. Für mich ist klar, dass ich mich todesmutig bei jedem Wetter versuche, durchzubeißen. Nee, SEINE Anreisemöglichkeiten. Das wurde letztes Mal amüsiert mit der Bemerkung “du bist es gewohnt, zu organisieren, nicht wahr?” zur Kenntnis genommen, aber für unnötig erklärt. Ich denke aber, dass ich dieses Verhalten nicht weiterhin wiederholen sollte, sonst gibt es irgendwann sicher weniger Amüsement. Ich bemühe mich.

Soweit ist das wahrscheinlich bei den meisten Subs, die im Alltag eher dominant sind (sein müssen) so. Dass die sich mit Loslassen schwer tun. Aber mir kommt es so vor, als ob viele davon den Schalter schneller umlegen können als ich. Oder den Schalter schneller finden.

Bei manchen, wenn ich Tweets oder Blogs über die Sessions und Erlebnisse so lese, habe ich den Eindruck, als wäre da gar keine Challenge, keine Herausforderung, kein mimimi, keine Überwindung, keine Angst. Die kommen rein, knien sich hin, und funktionieren wie ein Uhrwerk. Ohne mit der Wimper zu zucken. Egal, was auf sie zukommt. Und ich denke mir, die sind weder submissiver als ich, noch haben sie jemanden, dem sie mehr vertrauen können als ich. Denn dass ich meinem Herrn vertraue, habe ich schon mehrfach ganz ganz früh gezeigt, weil ich einfach das starke Gefühl hatte, dass ich das kann. Und ich wurde bis dato auch nicht enttäuscht im Gegenzug.

Nee, ich glaube, die sind einfach psychisch anders gestrickt als ich. Die stecken neue, vielleicht sogar unangenehme Dinge anscheinend deutlich einfacher weg. Die sind emotional entweder mordsstark und dabei sehr unbekümmert, oder vielleicht teilweise einfach nur mit allen Wassern gewaschen und abgebrüht. Und das bin ich beides nicht. Hm.

Ich brauche bei einem Treffen erstmal eine Anlaufzeit, um meinen Kopf dahin zu bringen, wo er sein soll. Die beginnt schon daheim, mit seinen Anweisungen über WA. Damit, dass ich mich anziehe und fertigmache. Die 30 oder 45 Minuten Fahrt brauche ich dann dringend zum innerlichen Sortieren und zur Vorbereitung. Dabei fährt mir grundsätzlich dann noch meine notorische Unpünktlichkeit (für die ich aber meist gar nix kann) in die Parade.

Ich bin immer viel zu knapp dran, weil ich an Tagen, an denen ich unverschämter Weise mal ein paar Stunden devote Frau sein können will und nicht nur Mutter und Arbeitstier, umso mehr vorarbeiten und vorbereiten muss als sonst. Ich muss an 1000 Sachen denken, muss noch alles fertig bekommen, für das ich sonst den Rest des Tages hätte, und meistens will dann noch irgendeiner irgendeinen Scheiß von mir in letzter Sekunde, oder es gibt noch 4 waaaaaahnsinnig wichtige Anrufe. Murphy´s Law.

Alles hinzukriegen in der Zeit ist jedes Mal unmöglich, ich bin spät unrettbar spät dran, und fühle mich wegen beidem schlecht, und dann könnte noch viel Verkehr sein und kein Parkplatz. Wenn ich in meinem grundsätzlich zum Scheitern verurteilten Perfektionismus dann am Treffpunkt erscheine, dann bin ich innerlich vor Stress und Druck fast am Rotieren. Die Unsicherheit in einem ungewohnten Outfit bzw Klamottenstil macht es dann nicht besser. Und sein (An)Blick gibt mir dann den Rest.

Sprich, ich brauche dann tatsächlich ersteinmal eine Kaffeelänge, um bei mir anzukommen. So, wie mein neuer Herr das auch mit mir macht bis jetzt. Die Dynamik ist sowieso immer da, das Gefälle bei seinem Anblick auch sofort, und die Berührungen, Küsse, Worte…eine Hand im Nacken oder seine Hand, die mein Handgelenk umfasst, zudrückt, und hält, helfen da sehr. Aber mir sofort und ohne Verschnaufer eine Session, Schmerzen, Dinge, die mich in der Öffentlichkeit große Überwindung kosten, fremde bzw zusätzliche Menschen o.ä. aufs Auge zu drücken, das würde mit mir nicht klappen. Dazu bin ich innerlich emotional zu angespannt.

Aber für die Entspannung sorgt er mit seiner ruhigen, unaufgeregten, dominanten Art geradezu perfekt. Das ist wichtig, das brauche ich.

Ich brauche eben einen in sich ruhenden, bestimmenden, (nicht einfach nur rechthaberischen) Mann. Einen, der nicht genauso hibbelig und unsicher und zum innerlichen Herzgankerl neigend ist wie ich. Einen, mit dem ich mich nicht immer weiter hochschaukle, weil er völlig doof reagiert, sondern der mich geschickt unten hält. Äh, also, im übertragenen Sinne. 😉

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